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Vergleich: Yamaha Tenere 700 vs. BMW 1200 GS Adventure

Ich habe versprochen, die Tenere 700 mit der BMW R 1200 GS Adventure zu vergleichen. Da die Tenere aber erst im Herbst 2019 zu mir kam und ich nicht schon nach den ersten paar Kilometern einen oberflächlichen Eindruck vermitteln wollte, hat es etwas gedauert, sorry.

Zwischenzeitlich steht der Kilometerzähler bei knapp 9.000 und ich war mit der Tenere auf der Sommertour in Kroatien, Slowenien und Österreich, auf der Autobahn, Landstrasse und im Gelände in den Dinariden und im Velebit.

Eigentlich dürfte man die 700er Yamaha Tenere gar nicht mit der 1200er BMW vergleichen. Genau deshalb mache ich es, mit viel Freude, zumal mir einige GS-Fahrer speziell diese Vergleichsfrage gestellt haben. Ansonsten ist der Vergleich nicht wirklich fair, soviel ist mir schon klar. Er scheint mir, als überlege der Eine oder Andere aber durchaus ein „Downsizing“?!

Meine Eindrücke beziehen sich jeweils auf den Vergleich mit meinen luftgekühlten, baugleichen BMW 1200er GS Adventure TÜ (Einmal Baujahr 2013 in Deutschland und einmal Baujahr 2010 in Spanien). Mit beiden GS habe ich längere Reisen unternommen und erlaube mir daher ein Urteil.

Also, los gehts:

Antrieb

Hier gilt wahrscheinlich das Gleiche wie bei Reifen: Es gibt Menschen, für die ist diese Frage bereits eine Religion. Die GS ist mit dem Kardan erfreulich wartungsarm, das ist wahr. Bei der Tenere 700 musst du dich um die Kette kümmern. Wer das nicht mag oder meint, man könne das vernachlässigen, sollte zur grossen GS greifen. Wobei ich von der Vernachlässigung der Technik immer abraten würde, zumal bei einem Motorrad…

Aber ok, der Antrieb mit Kette ist schon mal leichter, was mindestens im Gelände wichtig ist. Dafür musst du ab und zu schmieren. Das Mitführen einer Dose Kettenspray stellt aber nicht wirklich eine Herausforderung dar.

Cockpit und Bedienung

Moderne Maschinen besitzen heute schon volldigitale Cockpits auf riesigen Displays. Das ist einerseits ganz schick und trendy, wirklich brauchen würde ich es aber nicht. Das Display der (alten) GS war mir schon ausreichend, da ist mir das kontroverse Hochkant-LCD im Roadbook-Stil der T7 allemal genug. Es lässt sich sehr gut ablesen und ist funktionell. Wenn ich in den einschlägigen Foren Gemecker darüber höre, kann ich die Kritik irgendwie nicht wirklich nachvollziehen.

Alle, was ich an Informationen benötige, ist vorhanden. Aussentemperatur, Öltemperatur, Uhrzeit, Ganganzeige, Spritverbrauch und noch ein paar weitere Angaben, auf die ich sogar verzichten könnte, z.B. das Herunterzählen einer vorgegebenen Kilometerzahl.

Einzig die alternative Modi-Auswahl (Select) per rechtem Daumen am Lenkerschalter empfinde ich als unglücklich. Es funktioniert zwar, ist aber nicht intuitiv. Die Position des Schalters an der rechten Lenkerseite (Gashand) erscheint mir überhaupt nicht so richtig schlüssig.

Hier müsste der Punkt knapp an BMW gehen, die haben das alles mindestens bis zur 1200er LC gut und durchdacht angeordnet.

Oberhalb des Displays hat Yamaha eine Strebe verbaut. Daran kann man wunderbar ein Navigationsgerät befestigen und ich habe mir direkt ein zweites BMW-Cradle besorgt. Jetzt kann ich meinen bereits vorhandenen BMW Navigator V auch auf der Yamaha verwenden, was ich ziemlich praktisch finde. Die Stromversorgung habe ich direkt am Yamaha Kabelbaum angeschlossen (Passende Stecker gibts für ca. 2 Euro bei Ebay) und so wird das Navi jetzt technisch korrekt über die Zündung angeschaltet.

Ergonomie

Auf beiden Maschinen fühle ich mich pudelwohl und zuhause, das ist zunächst mal sicher. Die GSA baut deutlich breiter, auf der Tenere sitzt man wesentlich schmaler, was irgendwie schon beim Aufsteigen einen handlicheren Eindruck vermittelt. Ich mag generell die angenehme Haltung auf Reiseenduros und diesbezüglich empfinde ich beide Maschinen als gleichwertig.

Besonders grosse oder kleine Menschen können mit dem passenden Sitz eine gescheite Position wählen, was bereits bei der Bestellung der Maschine vorgenommen werden kann. Für den durchschnittlichen Fahrer dürfte die Tenere aber ohnehin passen.

Wenn ich meinen Eindruck auf beiden Maschinen vergleiche, kommt die Tenere tendenziell besser davon, weil das Gesamtgefühl mit Sitz, Beinwinkel, Lenkerhaltung einfach auf den Punkt passt und dieses Gefühl hatte ich sofort, von Beginn an und mit den ersten Metern. Dass es noch besser geht als auf der GS, merkt man erst nach einer Tour mit der Tenere. Es ist, als hätte Yamaha dir ein Bike auf Mass gefertigt!

Fahrwerk

Naja, das ESA an der BMW ist schon gut und ich stelle daran oft rum, je nach Einsatzzweck, Untergrund und Beladung. Das ist wirklich praktisch und komfortabel und ja, ich brauche das! Auch hier gilt für mich: Bei einem potenziellen Zwei-Personen-Betrieb ist das sinnvoll.

Da ich die Tenere nur solo fahre, komme ich mit einer etwas höheren und strammeren Einstellung gut klar, auch mit Gepäck. Ich hatte auch bisher nicht den Eindruck, eine manuelle Verstellung der Hauptfeder wäre nötig gewesen. Das hätte ich spätestens im Gelände gemerkt und dort fühlt sich die Tenere erst recht zuhause.

Hätte ich auch nur die kleine Vermutung gehabt, eine Änderung des Setups hätte mir etwas gebracht, ich hätte es probiert, aber dem war nicht so. Du merkst einfach, dass man hier sehr viel richtig gemacht hat, weil die Grundlage stimmt.

Nicht wenige meinen, ein Austausch der Hauptfeder würde nochmal mehr Komfort bringen, was durchaus sein kann, ich wollte es aber zunächst im Serienzustand probieren. Dass eine angepasste Feder-Dämpfer-Einheit der üblichen Spezialisten hochwertiger ist dürfte allein schon bei den aufgerufenen Preisen einleuchten. Aber irgendwie musste der Preis der Tenere 700 ja zustande kommen…

Gepäck

Na gut, im Serienzustand wird der Transport der Expeditionsausrüstung nebst Zelt, Reisewerkstatt und Wandschrank etwas schwierig. Aber nicht jeder Teneristi möchte morgen schon auf eigener Achse bis nach Kamtschatka fahren.

Ich habe mir das Yamaha „Explorer-Pack“ geordert. Dazu gehören u.a. die Sturzbügel und die Halterungen der Alukoffer. Die Koffer sind – wie wegen dem Auspuff üblich – unterschiedlich gross. Zusammen fassen die beiden stabilen Boxen 72 Liter, was etwas weniger ist, als bei den riesigen Koffern der GSA. Die Tenere werde ich aber – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – nur solo fahren. Daher reicht mir der Stauraum aus, zumal ich normalerweise immer mit einer Enduristan-Gepäckrolle fahre und diese zusätzlich oben auf den beiden Koffern aufliegt. Ich kam für meine geplante Drei-Wochen-Balkantour 2020 mit dem Platz locker hin.

Koffer und Kofferhalter konnte ich mehrmals im Gelände ausprobieren und die gesamte Konstruktion ist wirklich stabil. Da ich unterwegs absolut keine Lust auf Experimente und Theater habe, vertraue ich auf das original Yamaha-Material und wurde nicht enttäuscht. Nicht, dass andere Hersteller das nicht können, aber im Juni 2019 gab es noch keine Alternativen.

Bei der Yamaha-Werksausstattung klappert nichts und alles sitzt immer noch stramm und fest wie am ersten Tag.

Handling

Sorry BMW: Hier geht der Punkt wieder Yamaha. 50 Kilo weniger sind im Gelände einfach besser. Aber auch auf Asphalt ist jeder leichtfüssige Meter ein Genuss. Auf der GS fühle ich mich immer wohl und Herr der Lage, aber wenn man beide vergleicht, ist die Tenere die Tänzerin und die GS die Gemütliche. Das ist in Ordnung so, aber trotzdem: Der Spassfaktor ist bei der Tenere einfach grösser, vor allem wenn man auf wechselndem Untergrund unterwegs ist.

Lautstärke

Am Anfang dachte ich, die beiden würden sich in dieser Disziplin nichts geben, aber nach dem ersten kompletten Autobahntag auf der Tenere hat mir der Schädel gebrummt. Ich bin danach nur noch mit Gehörschutz auf die Autobahn. Bei meiner Tenere ist der optionale Akrapovic montiert, aber der ist eigentlich nicht lauter als der Serientopf, er klingt nur etwas anders und hat ein geringeres Gewicht.

Vielleicht ist es auch die Kombination aus Auspuff, Windschutz und  Helm, aber mit dem gleichen Helm auf der GS ist die Autobahnetappe besser zu ertragen. Das mit der Lautstärke ist jetzt auch nicht richtig tragisch, aber es ist spürbar.

An normalen Fahrtagen hätte ich den Unterschied nicht gespürt, aber speziell bei dauerhaften, stundenlangen 130 oder 140 km/h auf der Autobahn wird das nach einiger Zeit unangenehm. Hier helfen aber schon ganz normale, billige Gehörstöpsel aus der Industrie. Naja, oder du bleibst halt einfach auf Landstrassen, das ist eh schöner.

Motor/Leistung

Der Motor ist aus der MT07 bekannt, schon dort als Reihen-Zweizylinder eine sichere Bank und über jeden Zweifel erhaben. Wenn man direkt von einem Boxermotor auf die T7 wechselt, fällt schon auf den ersten Metern die Laufruhe auf. Hätte ich es nicht besser gewusst, ich würde die 75 PS deutlich anzweifeln, im positiven Sinne, da es sich definitiv nach (viel) mehr anfühlt. Mir reichen die 74 PS jedenfalls vollkommen aus und ich habe nie auch nur ein PS vermisst. Die T7 hängt erstaunlich gut am Gas und einzig die sehr direkte und prompte Gasannahme ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Sobald man am Gasgriff dreht, ruckt es spürbar am Hinterrad. Es gibt keinen sanften Übergang, die Motorkraft wirkt unmittelbar und auf Asphalt spürt man das sehr deutlich. Im Gelände hingegen macht das viel Spass, da man schon mit einer kleinen Bewegung der rechten Hand den Dreck unter dem Hinterrad in die Luft verteilen kann. (Obacht als Hinterherfahrer!)

Der Motor ist top, stark, kompakt, sparsam und mehr Leistung braucht eigentlich kein Mensch. Der Zweizylinder der BMW punktet über Hubraum und Drehmoment, da ziehst du bei vierzig im vierten einfach am Hahn und das Ding geht los. Bei der Tenere darf man in gleicher Situation auch mal schalten.

Die beiden Konzepte sind derart unterschiedlich, hier möchte ich mal Gleichstand vermelden. Beide Maschinen sind erstklassig auf einem verdammt hohen Niveau.

Preis

Tja, BMW, jetzt wird es bitter! Eine BMW GS Adventure liegt heute – aber auch schon vor ein paar Jahren – bei gut 20.000 Euro. Mit den obligatorischen Paketen und einem Satz Koffer auch bei 25.000 Euro. Ja, das Gesamtkonzept ist Premium und dass der Preis marktgerecht ist, zeigen schon die Zulassungszahlen, eine Diskussion darüber ist ziemlich überflüssig.

Aaaber: Du kaufst die Tenere für die Hälfte. Die Hälfte! Und die entscheidende Frage, die sich nun stellt ist: Hast du deshalb weniger Freude? Wenn ich in die Garage gehe und überlege, welche ich nehme, müsste die Wahl aus diesem Aspekt klar sein. Aber genau die Tatsache, dass ich häufig so lange überlegen muss zeigt doch, das hier zwei sehr gute Maschinen stehen.

Nur: Der Preisunterschied ist echt enorm, da macht man sich schon Gedanken!

Reifen

Zu den Reifen wollte ich eigentlich gar nichts schreiben, da dort jeder seine Vorlieben hat, dazu Glaubenskriege ausgefochten werden und die Reifen schnell gewechselt sind. Aber nur so lange, bis ich 1.500 Kilometer von zuhause entfernt in Probleme kam. Was Pirelli sich mit den Scorpion STR erlaubt, ist meiner Meinung nach eine Frechheit! Gut, mit den ersten zwei- bis dreitausend Kilometern Laufleistung sind die Gummis ansprechend, vor allem auf Asphalt, aber dann geht das Theater irgendwann los.

In Kroatien hatte ich meine liebe Mühe, den heftig flatternden Lenker unter Kontrolle zu halten. Sowas kann man unterwegs nicht gebrauchen. Die Kurzversion: Mit einem Luftdruck 0,2 bis 0,4 Bar über (über!) Herstellerempfehlung kann man das Problem temporär mindern. Da ist die Fertigungsqualität wohl nicht immer durchgehend hoch.

Jedenfalls betrifft es den Vorderreifen in besonderer Weise und das Problem ist mittlerweile wohlbekannt. Die passenden Einträge in den Foren zeigen jedenfalls, dass es recht viele Tenere-Fahrer betrifft. Ich möchte diese Eigenart jetzt aber nicht direkt Yamaha ankreiden. (Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass Nick Sanders mit der T7 auf Conti TKC70 unterwegs war…)

Sitzkomfort

Die Sitzbank der Tenere erscheint auf den ersten Blick bedrohlich schmal. Ich hatte zunächst wirklich Bedenken, aber die Sitzbank ist tatsächlich erstaunlich bequem. Man kann stundenlang fahren, ohne dass einem der Hintern weh tut und man den nächsten Stopp herbeisehnt. Die Sitzbank der Tenere ist schon im Serientrimm richtig gut. Yamaha bietet noch eine Rally-Sitzbank, die ich aber nicht kenne und daher keinen Vergleich bieten kann. Auf dem Rückweg aus Kroatien, in Österreich, ist meine jüngste Tochter noch für ein paar Tage zum Wandern hinzugekommen. Ich hatte dazu schon vorher die Metall-Gepäckbrücke…

…gegen den Standard-Soziussitz getauscht.

Sie kennt den Vergleich zur GS Adventure von unserer Schottland-Tour und war vom Komfort (bzw. Nicht-Komfort) der Tenere enttäuscht. Dabei ist sie ein schlankes, durchtrainiertes Leichtgewicht (Nicht die Adventure, die Tochter. Wobei: Die Tenere ja irgendwie auch, ähh, egal…) und es liegt definitiv nicht an ihr (also der Tenere…) Der Sozius-Sitzkomfort ist ihrer Ansicht nach miserabel. Allein schon aus diesem Grund dürfte die Tenere für den Zwei-Personen-Betrieb eher ungeeignet sein. Falls du Reisen zu Zweit auf einem Motorrad planst, würde ich ganz klar von der Yamaha Tenere 700 abraten. Dafür ist die 1200er GS ganz bestimmt die bessere Wahl.

Spassfaktor

Manchmal reichen wenige Worte: Punkt für Yamaha!

Verbrauch

Ich fahre die Tenere gemittelt mit einem Verbrauch von ca. 3.8 Liter pro 100 Kilometer. Das habe ich nicht vom Display abgelesen, sondern anhand der nachgetankten Spritmengen ausgerechnet. Die Angaben vom Bordcomputer sind aber korrekt. Ich komme mit einem vollen Serientank locker und sicher 350 Kilometer und hätte dann immer noch Reserve.

Bei der BMW GSA sind mit den 32 Litern immer 550 Kilometer möglich, was aber nur in wirklich abgelegenen Gebieten nötig ist. Ich habe das erst drei Mal benötigt: In Ostanatolien, Georgien und im Atlas-Gebirge in Marokko. Natürlich ist es komfortabel, einen 32 Liter Serientank vor dem Bauch zu haben, aber ich komme gut mit den 17 Litern der Tenere zurecht. Wenn es irgendwann mal wirklich mehr sein müsste, suche ich mir eine PET-Flasche und schnalle mir die auf den Seitenkoffer. Ich weiss recht sicher: Da wo manns braucht, fragt keiner ob manns darf, wenn manns kann!

Einen in irgendwelcher Form nennenswerten Ölverbauch hat meine Tenere nicht. Beim Einfahren neuer Motoren bin ich aber ziemlich pingelig, vielleicht hat das geholfen?! Ich habe auf der Tour nach etwa 1.000 und 2.000 Kilometern geprüft und da fehlte nichts. Dann habe ich es gelassen und erst wieder vor dem Heimweg nachgesehen: Null Ölverbrauch. Wenn das so bleibt, ist das echt gut, dann spart man sich die Mitnahme eines Notvorrats (Wobei es Öl aber wirklich überall gibt!).

Werkzeug

Für mich ist Werkzeug wichtig und ich habe ein Faible für gutes Material, daher führe ich in der Regel die wesentlichen Tools mit. Es beruhigt mich, wenn ich die Grundausstattung dabei habe, also zumindest das Zeug, mit dem ich umgehen kann.

Sofern du die optionale „Skid-Plate“ bzw. den Unterfahrschutz orderst, besteht die Möglichkeit, vorne unten links das Yamaha-Werkzeugfach anzubauen. Der Vorteil ist, dass du es abschliessen kannst und das meist eher schwere Werkzeug möglichst weit unten am Moped seinen Platz findet.

Die sehr solide Box ist jetzt kein Raumwunder, aber man bekommt schon einiges rein. Bei mir sind das auch ein paar Tenere-typische Spezialwerkzeuge, die ich an anderer Stelle mal vorstellen möchte.

Meines Wissens gibt es sowas nicht für die BMW, es sei denn, du dengelst dir selbst etwas passendes zusammen. (Handgeschnitte Wasserrohre sollen hierfür ja sehr beliebt sein…) Es gibt eine Werkzeugbox für die Montage hinter dem Seitenkoffer, nicht aber für den Unterfahrschutz. (Sollte ich mich irren, gib mir gerne Bescheid)

Windschutz/Wetterschutz

Hier punktet die BMW. Wenn es regnet, hält das grosse Windschild der GS – vor allem das der Adventure – die Nässe richtig gut ab. Die seitlichen Plexiglasabweiser erledigen dann den Rest. Da muss es schon richtig schiffen, bevor es mir auf der GS Adventure unangenehm wird.

Der Windschutz auf der Tenere 700 ist nicht so gut wie auf der BMW, allerdings auch nicht wirklich schlecht. Wenn man sich die kleine Scheibe der Tenere so anschaut, ist das aber auch irgendwie logisch. Andererseits bin ich überrascht, wie gut dieses kleine durchsichtige Etwas den Wind abhält. Ich habe mir die Höhenverstellung von Kedo montiert. Damit wird es – je nach Körpergrösse – nochmal etwas besser. Tagelange Autobahnpassagen werden auch damit nicht schön, sie sind allerdings auf der BMW ebenfalls keine Offenbarung…

Zuverlässigkeit

Jetzt hat die BMW vielleicht einen Vorteil, denn mit keiner der beiden (ca. 73.000 km und ca. 46.000 km) hatte ich bisher ein Problem. Abseits von Ölwechsel und Service war nichts.

In der Vergangenheit haben sich aber auch die Yamaha Tenere einen guten Ruf in Sachen Zuverlässigkeit erworben. Dass meine 700er mit 9.000 Kilometern bisher kein Problem hatte, halte ich jetzt mal für selbstverständlich. Um in diesem Punkt eine qualifizierte Antwort geben zu können, fehlen mir Kilometer mit der Yamaha, da muss ich dann auf die Zukunft verweisen.

Das die Fernreisefraktion auch in der Vergangenheit gerne zu den Tenere gegriffen hat, ist zumindest schon mal ein gutes Omen. Naja, und jetzt, nach einem guten Jahr Produktionszeit, habe ich noch von keinem technischen Problem gehört. Sollte es morgen in Richtung Pamir und Altai gehen, (und ich bete, dass es wieder möglich wird…) ich würde ohne Bedenken mit der Tenere 700 aufbrechen.

Fazit

Beides sind richtig gute Mopeds, die Ergebnisse von Erfahrung, Qualität und tollem Maschinenbau. Beides sind wundervolle Männerspielzeuge (Ja, hier ist definitiv genderfreie Zone!).

Ich geniesse jeden Meter auf der Tenere 700! Wenn ich nur an die Tage in den dinarischen Alpen denke, das stundenlange Herumtoben zwischen Schotter, Steinen und Dreck, das war wundervoll, da grinse ich heute noch.

Im Gelände sind 50 Kilogramm mehr oder weniger aber ein Unterschied, ein entscheidender Unterschied! Ich weiss, wie sich die GS im Gelände bewegen lässt und da holt die Tenere den Stich, ganz sicher. Gerade dann, wenn man nicht regelmässig die Dakar fährt, hilft die richtige Materialwahl. Und als eher durchschnittlich begabter Reise-Motorradfahrer mit immerhin temporären Geländeambitionen und dem Wunsch, niemals durch fehlenden Asphalt gestoppt zu werden, erscheint mir die Tenere wie massgeschneidert.

Ja, die GS kann das ebenso. Der erfahrene Endurist wird mit der GS auch abseits der Strasse weit kommen und vor allem weiter, als es viele glauben. Er wird aber auf der gleichen Piste mit der Tenere mehr Spass haben, bei weniger Anstrengung, durch weniger Gewicht. Hier ist es eine Frage vom Genuss, nicht (nur) vom reinen Können.

Yamaha hatte die Idee, sich mit der neuen Tenere auf das Wesentliche zu konzentrieren und nach so langer Entwicklungszeit hat das hervorragend geklappt. Was für eine Erfüllung es ist, ein so stimmiges Gesamtkonzept zu bewegen merkt man erst, wenn man die Gelegenheit hat.

Entscheidungshilfe

Merkst du, dass ich beide sehr mag und mir eine klare Entscheidung schwer fällt? Ich habe daher gleich vier passende Empfehlungen für dich:

Du fährst gerne im Gelände und auf der Strasse, bist in der Regel alleine auf deinem Motorrad unterwegs und hast Spass am puren Fahrvergnügen ohne Schnickschnack? Ausserdem suchst du eine zuverlässige Reisebegleitung für den Dreck zum fairen Preis? Dann ist die Yamaha Tenere 700 die richtige Wahl für dich!

Du fährst auch mal mit Sozia, bist meistens – aber nicht immer – auf der Strasse zuhause, liebst kurvige Strecken in den Bergen und hast keine Lust, dich am Abend um eine schmierige Kette zu kümmern? Manchmal ist für dich eine Autobahnetappe nötig und beim Gepäck darf es ruhig etwas mehr sein? Dann entscheide dich für die GS.

Und jetzt noch die ganz gemeine Variante: Du hast 13.000 Euro zur Verfügung und musst dich zwischen einer neuen Tenere und einer guten gebrauchten GS Adventure entscheiden. Ich glaube, das wäre für mich die Höchststrafe. Boah, echt schwer! Ich glaube, knapp, sehr knapp, wäre es bei mir heute die Tenere.

Und die Luxusvariante: Du willst dich nicht festlegen, bist Motorradreise-Enthusiast und hast sowieso genug Platz in der Garage? Die Euros auf deinem Konto möchtest du vor den irrwitzigen EZB-Kapriolen noch schnell in reale Assets wechseln? Du hast nur ein Leben? Dann solltest du dringend beide besitzen. Bei jeder Ausfahrt zu entscheiden, welche der beiden man nehmen möchte, ist eine Erfüllung, die dir das Grinsen ins Gesicht treibt.

 

So, nun hoffe ich, alle wesentlichen Punkte angesprochen zu haben. Fehlt etwas? Sind noch Fragen offen? Lass es mich wissen. Gerne auch wenn du andere Erfahrungen gemacht hast.

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5 Kommentare

  1. Uwe Adamla 20/11/2020

    Hallo Elmar,
    wir hatten uns, bei meinem Besuch bei dir 2019 dazu auf deiner Terrasse, dazu ausgetauscht. Ich stimme in allen Punkten zu was den Vergleich der beiden Maschinen anbelangt. An der Tenere stören mich eigentlich nur 2 Dinge die im Vergleich doch sehr weiche Federung mit dem hohen Schwerpunkt und das leider nicht abschaltbare hintere ABS.
    Dies führte nach dem italienischen TET in 2020 dazu, dass ich nochmal gewechselt habe, während ich meine GS nur für die strassenorientieren Reisen nutze, mit entsprechenden Reifen.
    Danke, für diesen und die anderen tollen Berichte ! Mach weiter so
    Uwe Adamla

  2. Wieland Schäfer 23/11/2020

    Hallo Uwe,
    das ABS der Tenere läßt sich komplett abschalten aber nicht teil-abschalten-meinst du das evtl.?
    Meine Meinung dazu als 57jähriger Tenerist:
    Des brauchts auch nicht-entweder man(n) fährt oder man läßt fahren mit den Helferlein-für mich ein no-go da es die Menschen in trügerische Sicherheit wiegt und zu Sachen verleitet die sie definitiv nicht können.
    Es zu lernen auf Enduro-Kursen wäre die vernünftigere Option.
    Es bewahrt einen auch vor möglichen gesundheitlichen Schäden..
    Fahrkönnen kann kein noch so toller Rechner ersetzen-das muß man „erfahren“.

    Herzliche Grüße, Willy

  3. Adamla Uwe 23/11/2020

    Hallo Willy,

    ich hatte in meinem Text geschrieben, „dass nicht abschaltbare hintere ABS“.

    Daraus folgt, logischerweise, dass es nur komplett abschaltbar ist und leider eben nicht hinten separat. Das erklärt sich doch eigentlich oder?

    Auch ich bin 56 fahre immer noch gerne TET und ACT und finde es über aus sinnvoll, dass man das Hinterrad separat zum blockieren bringen kann, wenn es denn im Gelände nötig ist.
    Und ich rede nicht ! der Technik den Mund, das habe ich nicht gemeint.

    Ich habe mir auch für mich und meine Partnerin zwei Motorräder ausgesucht, wo das ABS separat abschaltbar ist und deswegen gewechselt. Das Fahrkönnen bestimmt bei uns bestimmt nicht die Technik!
    Am Ende möchte ich mit meinem Kommentar nur darauf hinweisen, dass die GS und die Yamaha zwei sehr große gute Motorräder sind, mit aber eben auch ein paar Nachteilen, wie Elmar sie beschreibt. Da bringt der Fahrzeugmarkt noch ein paar Alternativen hervor, die entweder für das eine oder das andere sich klarer abgrenzen und deswegen möglicherweise in einem Fuhrpark mit zwei Fahrzeugen, (was eher die Ausnahme, als die Regel ist) wie es im Artikel beschrieben war, mehr Sinn machen.
    Herzliche Grüße Willy Uwe

  4. Rainer Heissler 24/11/2020

    Hallo Uwe,ich habe die gleiche Prozedur wie du hinter mir.Nach 14 BMW Motorräder,1100GS,1150GS und paar 1200GSen,(aber immer nur die 98PS Varianten,kann ich dir in allen Belangen einstimmig nur Recht geben.Ich meine gerade,du hättest von mir abgeschrieben.Ich kann dir von meiner Sicht nur beistimmen.Ich habe mit allen Konsequenzen einen BMW-Abstrich gemacht.Nicht das meine BMW Motorräder mich enttäuscht hätten,im Gegenteil,ich hing an jeder einzelnen.
    Aber mit meinen nun 60 Lenzen wollte ich einfach nochmal was anderes,leichteres ausprobieren.Ja gut,da kam ich dann auf die Tenere,Probefahrt,angefixt,gekauft.Da ich mich nicht jeden Tag entscheiden wollte,mit was fährst denn jetzt,habe ich die BMW verkauft.Jetzt werde ich mal diese Saison testen,wis sich die Yamsel unter verschiedenen Bedingungen sich mit mir anstellt.
    Werde ich mir nochmals eine BMW zulegen??? Sag niemals nie.Viele Grüsse,Rainer( Rain in may)

  5. Harleyman 29/11/2020

    Hi und Hallo….ich unterschreibe alles Gesagte! Ich fahre eine Harley E Glide/ zur Strett Glide umrüstbar…seit 2008 da war sie neu …112500km. Dann weil mir die ehemals dynamische Seite abging (in jungen Jahren GSXR 750…Grins) kam die GS 1200 Adventure Vorführer 2016 mit 7200km auf der Uhr ab Januar 2017… zur Harley dazu, KM stand BMW heute parallel zur Harley betrieben als Ganzjahresmotorrad KM Stand heute 55600….das ist die Kombi für Deutschland würde nie was ändern wollen…wie auch schon als Lösung erwähnt…Lach! Lösung 5 ???….vor 6 Wochen Probefahrt mit der T 7 eines Freundes…bumms ! Bestellt! Aaaaaber Achtung! Für Portugal! 2te Heimat weil es dort einfach mal keine Verbotsschilder gibt! Da ist ein Weg? Nimm ihn! Vorerst für Urlaube…in 7/ 8 Jahren als „Rentenmotorrad“ weil ich festgestellt habe das die Harley im Hafen „nett“ ist…die GS „etwas“ Schotter kann…aber auf Schotter mit der T 7 fühlte ich mich mit 0 Erfahrung Offroad sofort wohl!!! Nur übermütig will ich nicht werden…Piano und vielleicht ein Kurs…vorweg / Training…Danke und bleib gesund! Udo

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