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Kroatien 2020 (Teil 1)

Ich will unbedingt nochmal auf den Balkan, vor allem nach Nordmazedonien und in den Westen des Kosovo. Aber auch im Süden Montenegros gibt es noch ein paar Spots, die ich gerne sehen will.

Nur: Meine gesamte Winterplanung ist gerade für die Katz und zwischenzeitlich habe ich schon Sorge, dass es 2020 gar nichts wird mit Reisen ins Ausland.

Die Fähre von Venedig nach Nordgriechenland habe ich Ende Dezember 2019 gebucht, aber zwischenzeitlich gab es bekannterweise ein paar pandemische Widrigkeiten, welche die Jahresplanung von so manchen Motorradreisenden auf den Kopf gestellt haben, so auch meine.

Am 30. Juni finde ich endlich eine offizielle englischsprachige Seite von Montenegro, in der es Informationen für die Einreise gibt. Demnach darf ich über Albanien einreisen, wenn ich EU-Bürger bin und einen Drittstaat nur zum Transit nutze. Die Frage ist nur, was „Transit“ bedeutet? Darf ich dann in Albanien übernachten oder muss ich das Land praktisch in einem Tag durchfahren?

Egal. Ich breche Mitte Juli nach einigen andalusischen Shutdown-Wochen auf in Richtung Süden und es ist für mich auch zweitrangig, wohin die Reise führt. Packen und Losfahren lautet die Devise. Irgendwo werde ich schon ankommen und Flexibilität zählt in diesem Jahr wohl mehr denn je.

Es ist meine erste Reise mit der neuen Yamaha Tenere 700 und ich bin sehr gespannt, wie sie sich im Vergleich zu meiner bewährten 1200er BMW GS Adventure schlägt. 2.270 Kilometer hat die Tenere erst auf dem Tacho und ist umständehalber über ein paar innerdeutsche Ziele noch nicht hinausgekommen.

Zunächst mache ich wieder Kilometer über Dortmund, Frankfurt, Ulm. Den Alpenrand würde ich heute schon gerne erreichen.

Am Nachmittag schaffe ich noch den Sprung über die deutsch-österreichische Grenze bis zum Ortsrand von Reutte. Nach einem sehr sonnigen, warmen und langen Tag habe ich den Eindruck, es wäre nun genug. Booking schlägt mir das „Hotel Krone“ vor und ich checke in dem gemütlichen, ordentlichen Haus ein.

Ein Blick der Rezeptionistin auf meine Motorradklamotten reicht und sie weist der Tenere einen freien Platz in der hauseigenen Garage zu, mir einen im Biergarten. Exzellent!

Für meinen zweiten Tag stehen Italien und die Fahrt bis kurz vor Venedig auf dem Plan. Über den Fernpass möchte ich nach Innsbruck und weiter über die alte Brennerstrasse nach Cortina d’Ampezzo. Diese Variante nach Venedig wollte ich schon 2017 fahren, aber damals hatte ich in den Alpen etwas zu viel gebummelt.

Bei der Anfahrt zum Fernpass fliegt mir am Morgen eine Wespe an den Hals, genau zwischen Kinn und Halstuch. Natürlich sticht sie sofort und es ist jetzt das zweite Mal, nach der Ukraine im letzten Jahr, dass mich ein Insekt an dieser Stelle erwischt. Irgendwas mache ich wohl falsch?

Ich passiere den Brenner über die alte Brennerstrasse, dann die Grenze nach Italien und biege hinter Sterzing in Richtung Bruneck ab. Die Strassen hier sind alle aufgerissen und es gibt jede Menge Baustellen. Sie verlegen Glasfaser und ich würde mir wünschen, dass es auch zuhause in Deutschland so voran geht mit der digitalen Infrastruktur…

Auf dem Weg mache ich mir wieder Gedanken über die geplante Route. Nachdem die Fähre im nordgriechischen Igoumenitsa angelegt hat, möchte ich dann durch Albanien und Montenegro nach Kroatien fahren, hoffentlich klappt das.

Nordmazedonien, den Kosovo und Bosnien habe ich bereits streichen müssen da die Nachbarländer aufgrund der Situation die Einreise nur nach 14 Tagen Quarantäne gestatten. Für solche Spielchen fehlt mir die Zeit.

Jetzt hoffe ich, dass mich Montenegro nach dem Albanientransit empfängt. Die Webseite der Botschaft in Berlin hatte unklare Informationen veröffentlicht und ich habe zur Klärung per Email angefragt. Gegen Mittag kommt dann die Nachricht, ich könne einreisen, solange ich Albanien nur als Transitland durchquert habe. Immerhin!

Zurück zur Etappe: Unterwegs am norditalienischen Alpenrand führt die Route durch Südtirol in Richtung Cortina d’Ampezzo. Ich mache ab und zu halt, wenn mich etwas interessiert oder Relikte aus vergangenen Zeiten meine Neugier wecken.

Klar ist: Die Strecke ist definitiv angenehmer als die Brennerautobahn bis Verona und der dann folgende Ritt ostwärts zum Fusina-Fährterminal nach Venedig.

Cortina d’Ampezzo durchfahre ich am Nachmittag und dann geht es in Richtung Süden nach Belluno.

Da die Fähre von Minoan-Lines morgen Mittag ablegt, möchte ich in der Frühe nicht mehr als eine oder zwei Stunden von Venedig entfernt sein. Daher suche ich mir eine Bleibe in der Nähe von Vittorio Veneto.

In den flacher werdenden Bergen des Alpenvorlands stelle ich die Tenere auf dem Parkplatz des „Al Giardinetto“ ab. Der Name ist Programm: Das Haus steht inmitten eines riesigen Gartens am Rand von weitläufigen Feldern.

Es ist wieder richtig heiss am Abend und ich geniesse die Ruhe bei einem Glas Weisswein, leichten Snacks vom Supermarkt und gescheitem WLAN. Meine Freude auf den kommenden Ruhetag an Deck der Minoan-Fähre währt aber nur kurz, bis zur Sichtung der Nachrichtenlage. Gerade eben hat die EU Montenegro zum Krisengebiet erklärt und wenn ich im Norden des Landes nach Kroatien einreise, würde Quarantäne auf dem Programm stehen. Verflucht!

Was nun sprach Zeus (oder wie der griechische Gott der Fährgesellschaften heissen mag…) Wie reagiert Minoan jetzt, wenn ich aufgrund der Umstände die Fähre nicht nehmen kann? Dass ich durch Albanien und Montenegro fahren will, dürfte denen egal sein. Griechenland ist „safe“ und ich fürchte, das Ticket ist dann für die Katz.

Trotzdem will ich es probieren. Ich schreibe eine freundliche, englische Email an den Kundenservice von Minoan, erkläre die Situation und bitte um ein Entgegenkommen. Mal schauen was passiert…

Ich glaube, ich habe noch nie so viel ändern, korrigieren und umplanen müssen wie auf dieser Reise. Da es keine realistische Möglichkeit gibt, von Griechenland zurück nach Kroatien, Slowenien und Österreich zu kommen (die östliche Variante über Bulgarien, Rumänien und Ungarn scheidet wegen der Länge der Strecke aus), platzt nun praktisch meine gesamte Reiseplanung. Ich sitze schon am zweiten Abend abermals vor meinen Papierkarten und fange mitten auf der Tour wieder bei Null an.

Am nächsten Morgen habe ich eine Antwortmail von Minoan auf dem Smartphone. Mein Fährticket wurde kostenlos auf ein „Open-Ticket“ umgebucht und ich habe ein Jahr lang Zeit dieses einzulösen. Ich bin begeistert, habe gar nicht so schnell mit einer Reaktion gerechnet und schon gar nicht mit dieser. Jetzt kann ich abermals Strecke planen und entscheide beim Frühstück, nun den Landweg über Slowenien nach Kroatien zu fahren und dann zu schauen, wie weit ich es in den Süden schaffe. Und wenn ich meine Reisezeit zum grössten Teil in Kroatien verbringe, habe ich eben mehr Zeit für dieses Land. Wie heisst es: „If life gives you lemon make lemonade“.

In Kroatien hätte ich ohnehin noch ein paar interessante Spots auf dem Programm und vor allem das gebirgige Hinterland dürfte ein paar Überraschungen parat haben.

So fahre ich von Norditalien nun in Richtung Südosten zur slowenischen Grenze. Die ersten Stunden, noch auf italienischem Boden,  sind ziemlich langweilig, denn die einzigen Abwechslungen sind Kreisverkehre und Ampeln. Ansonsten ist es hier noch flach und industriell.

Etwas erstaunt bin ich dann nur in Palmanova, einem alten, sternförmig angelegten Festungsort. Man kann auf der Strasse am Ortsrand noch sehr gut die alten Stadtbefestigungen erkennen.

Über Palmanova geht es in Richtung Triest, wo ich die Grenze angeblich nur am Autobahnübergang bei Fernetti passieren darf. Im Moment glaube ich noch den Angaben der internationalen Beschränkungen, aber das wird sich im Laufe der Reise dann noch ändern.

Die slowenische Grenze überquere ich ohne jegliche Kontrollen und es sieht hier aus wie eh und je. Wenn es schon am grossen Autobahnübergang keine Kontrollen gibt, wie sieht es dann wohl erst an den kleinen Nebengrenzen aus?

Die offiziellen Reiseinformationen sagen, Slowenien würde gerade sehr streng kontrollieren. Die Realität sieht mal wieder anders aus.

Naja, ich entscheide mich für die E61 über Kozina und Obrov auf meinem Weg nach Kroatien. So sind es nicht einmal 40 Kilometer durch Slowenien und ich nehme mir vor, das Land auf der Rückreise nochmal genauer anzuschauen.

Für die Einreise nach Kroatien soll ich den Angaben im Internet zufolge ein Online-Reiseformular ausfüllen. Ich kann mich erinnern, dass hier der Tag der Einreise, die Reisedauer und der Aufenthaltsort angegeben werden soll. Da ich eine ganz andere Route geplant hatte, muss ich nun zwischendurch die Formalitäten online am Smartphone vornehmen.

Das ist als Individualreisender alles etwas schwierig und ich bemühe mich nach Kräften, halbwegs plausible Angaben einzutippen. Aber am Grenzübergang Starod/Pasjak erfolgt die nächste Ernüchterung: Keine Kontrolle und niemand interessiert sich für einen einzelnen Motorradreisenden. Na gut, dann eben nicht.

Die Autoschlange hat sich nur deshalb gebildet, weil hier nur eine Fahrspur geöffnet ist.

Bei Opatija erreiche ich endlich die Küste und damit mehr Urlaubs- als Reisestimmung.

Ich versuche, die vermeintlichen Reisebeschränkungen zu verdrängen und fahre die mir wohlbekannte und wunderschöne Küstenstrasse D8 in Richtung Süden, vorbei an Rijeka, Senj und Karlobag.

Erste Erkenntnis in diesem Jahr: Kroatien ist leer! Ab Rijeka ist praktisch überhaupt nichts mehr los und man könnte auch in der Gruppe nebeneinander die Küstenstrasse in voller Breite befahren. So wie ich diese Traumroute kenne, mit ordentlich Verkehr, Wohnmobilen und Wohnwagengespannen, präsentiert sie sich diesmal nicht. Und das jetzt, in der Hauptsaison! Die Nachrichten vom Frühjahr 2020 haben die Reisenden wohl zutiefst verunsichert und ein erheblicher Teil der Bevölkerung bleibt scheinbar zuhause.

Mir solls recht sein. Ich kann anhalten wo ich will und Beweisfotos machen.

Somit habe ich auch Zeit für die alte Festung Nehaj in Senj, Panoramablick auf die Adria inklusive.

Die D8 ist schon seit Jahren eine meiner Europa-Traumrouten und in diesem Jahr „erfahre“ ich sie nochmal neu.

Am Abend erreiche ich die Region um Starigrad-Paklenica, bemühe Booking mit der Hotelsuche und erhalte jede Menge freie Unterkünfte. Das ist die Qual der Wahl und ich entscheide mich für eine kleinere Unterkunft, etwas abseits vom vermeintlichen Touristentroubel, der in diesmal aber ohnehin ausfällt.

Meine gewählte „Pansion Croatia“ liegt etwas südlich des Ortes und erscheint mir passend. Ich erreiche das direkt am Strand gelegene Haus am späten Nachmittag.

Das Motorrad kann ich unter schattenspendenden Bäumen abstellen und beim Einchecken sehe ich schon ein urgemütliches Restaurant mit Terrasse direkt am Wasser.

Ich glaube, hier kann ich mich wohlfühlen.

Der ältere Herr des Hauses spricht sehr gut deutsch, sorgt direkt für ein kühles Bier und empfiehlt mir gleich passende Motorradrouten in die Berge. Gleichzeitig erscheint es ihm unerklärlich, dass ich nur eine Nacht hier verbringen möchte und er fleht mich förmlich an, länger zu bleiben.

Sein schönes Haus ist nur spärlich belegt und von den Tischen auf der Terrasse sind am Abend nur drei besetzt, inklusive meinem. Ich habe schon jetzt eine böse Vorahnung, welche Katastrophe die Reisebranche in diesem Jahr heimsuchen wird. Aber ich habe noch reichlich Programm auf meiner Wunschliste und möchte mich nicht jetzt schon längere Zeit an einen Ort binden.

Beim Abendessen habe ich genug Platz zum Ausbreiten meiner Karte und der Reiseplanung für die nächsten Tage. Der Empfehlung folgend möchte ich morgen in Richtung Sveti Rok zu den abgelegenen Drehorten der Winnetou-Filme. Einige der bekannten Szenen wurden in Plitvice gedreht, aber auch hier, weiter südlich in Kroatien gibt es alte Drehorte oben in den Bergen.

Der Hotelbesitzer versucht mir auf seinen Karten zu erklären wo ich hin muss, was vor allem deshalb etwas schwierig erscheint, da es keine Ortschaften gibt, die mir die Navigation erleichtern. Aber ich denke, mit seinen Beschreibungen werde ich die richtige Stelle schon finden.

Die Nacht verbringe ich in meinem Zimmer mit einer Top-Aussicht auf das Meer und die Berge und beim Frühstück erlebe ich nochmals den leider erfolglosen Versuch, mich zum Bleiben zu bewegen. Dieser nette Familienbetrieb tut mir wirklich leid, angesichts der wohl prekären Lage mitten in der Urlaubssaison.

Ich bin auf Reisen meistens recht früh auf dem Motorrad und so ist es auch heute. Meine Fahrt führt mich schon gegen halb Acht zunächst ein kurzes Stück auf die D8 an der Küste entlang. Den ersten Halt lege ich schon nach wenigen Minuten ein, da ich einen Kroaten beim Muschelfischen bewundern darf.

Dann biege ich ab auf die alte Landstrasse in Richtung Gracac bis kurz vor „Zaton Obrovacki“. Hier soll ich der einfachen Routenbeschreibung zufolge irgendwo links abbiegen und dem Weg in die Berge des südlichen Velebit mit dem Paklenica Nationalpark folgen.

Ich kenne Leute, die würden schon bei der eher groben Routenbeschreibung des alten Herrn verzweifeln, finde es aber eher herausfordernd und freue mich auf das Unbekannte.

Mir geht die Strasse dann tatsächlich schon nach dem ersten Abbiegeversuch aus, als ich das Ende der Schotterpiste neben der Ruine eines alten Ziegenstalls erkenne.

Also umdrehen, zurück zur Landstrasse und am nächsten Abzweig den nächsten Versuch wagen. Ist es nicht wundervoll, einfach mal ein paar Tracks ausprobieren zu können?!

Bereits der nächste Abzweig erweist sich als Treffer. Die zunächst noch asphaltierte Strasse verwandelt sich wieder in eine Schotterpiste und führt hoch in die Berge.

Dort quert sie oberhalb eines Tunnels dann noch die Schnellstrasse E71 und führt in reichlich Kehren hinauf. Diese Kehren sind wirklich unangenehm, da der Untergrund sich hier in tiefen, losen Kies verwandelt. Etwas Offroaderfahrung ist tatsächlich nötig, sonst liegt man schnell auf der Nase.

Dafür erreiche ich in etwa 850 bis 1000 Metern Höhe dann die versteckte Hochebene, die seinerzeit als Filmkulisse gedient hat.

An einer alten Tafel sind noch Fotos der Filmaufnahmen zu sehen und ich kann mir die Szenen wieder bildlich vorstellen.

Es ist so schön hier oben, da hätte ich auch gedreht. Wie es hier normalerweise aussieht, kann ich nicht sagen, aber der Piste nach zu urteilen, würde ich den Ort nicht als touristischen Hotspot bezeichnen.

Heute ist hier gar nichts los und ich befinde mich zunächst völlig allein vor der beeindruckenden Bergkulisse.

Da mein Offroadbedarf in diesem Jahr noch nicht annähernd gestillt wurde, erkunde ich diverse Wege und Abzweige ebenso erfreut wie ausgiebig.

Bevor ich mir nun einen Federschmuck auf den Kopf setze oder beginne, Kriegsbeile durch die Gegend zu schmeissen, will ich noch weiter hoch ins Gebirge. Es geht die gleiche Schotterpiste weiter, die ich hochgekommen bin. Da alle meine Landkarten hier oben nichts mehr eingezeichnet haben, lasse ich mich überraschen wohin mich der Weg führt.

Die Drehorte lasse ich zunächst also abseits liegen und möchte mir lieber die Landschaft ansehen. Der Paklenica Nationalpark ist wunderschön und wann hat man schon mal die Gelegenheit, so eine Gegend mit dem Motorrad durchfahren zu dürfen?

Hier kommen mir dann aber zum ersten Mal Warnschilder auf Minenfelder aus dem Kroatienkrieg vor die Räder. Vielleicht sollte man sich bei den Offroad-Einlagen also auf die erkennbaren Pisten beschränken?!

Schlimm, wenn so viele Jahre später immer noch so gefährliche Überbleibsel vorhanden sind. Die Landschaft hätte entspanntere Wandertouren verdient.

Auch der Nationalpark ist menschenleer. Wer weiss schon, wann oder ob man überhaupt nochmal so eine Gelegenheit bekommt?

Einige Kilometer weiter finde ich einen Abzweig und mir kommt eine Idee: Es ist so schön hier, dass vielleicht auch andere Motorradreisende Interesse hätten?! Aber ohne Fleiss kein Preis und so muss ein Versteck für etwas Spannung sorgen. Wer sich der Herausforderung stellt, soll belohnt werden, nicht nur mit einer tollen Aussicht.

In Albanien hatte ich mal die Gelegenheit, einen solchen Ort zu finden. Damals hatte Panny etwas versteckt, heute möchte ich etwas für andere Reisende hinterlegen.

Du musst dazu als Erstes hier hochfahren und die richtige Stelle finden. Freundlicherweise haben die Kroaten schon mal ein kleines Schild hingestellt:

Schau dich um und du findest mit etwas Glück einen Stein mit einer Pfeilmarkierung.

Den grösseren Brocken daneben kannst du hochheben. Darunter habe ich etwas versteckt. Fotografiere es zusammen mit einem Foto von dir und der Umgebung als Beweis. Dann schicke es mir per Email und wenn du magst, kommst du dann auf eine spezielle Liste.

Ich veröffentliche dann die Liste aller Schatzsucher mit Namen, Datum und Fundort hier auf einer extra Seite. Einen weiteren solchen Ort habe ich bereits in Spanien ausgesucht und mehr Länder werden folgen.

Jetzt will ich mir aber den alten, ursprünglichen Hauptdrehort der Winnetou-Filme genauer ansehen und kehre wieder zurück zu der Stelle. Ich denke, hier ist eine ausgiebige Fotosession fällig und spiele eine ganze Weile mit den Kameras herum, mache sogar ein paar Videos für Zuhause.

Als ich das Motorrad an einer wirklich abgefahrenen Stelle anhalte, liegt direkt vor meinen Füssen ein Smartphone im Gras. Da weit und breit niemand zu sehen ist, nehme ich es mit und hoffe, ich kann den Besitzer irgendwie ermitteln.

Es ist ein offensichtlich aktuelles iPhone, kann also noch nicht seit Jahren hier liegen. Dafür hat die Sonne das Teil praktisch gekocht und es ist wirklich heiss.

Tipp an der Stelle: Es macht Sinn, auf deinem iPhone die Notfallkontakte und den Notfallpass zu hinterlegen! Sonst hat man ohne Entsperrcode nämlich absolut keine Chance, den Besitzer aufzuspüren, von lebenswichtigen Daten bei einem Unfall mal ganz abgesehen…

Zurück zum Geschehen: Ich habe zu Ende gespielt und möchte jetzt weiter in den Süden. So mache ich mich dann irgendwann auf und fahre die Route zurück, um wieder ans Meer zu kommen.

Es geht Retour und über Benkovac nach Pakostane an die Küste, wo wieder die D8 auf die Motorräder dieser Welt wartet. Sie führt mich vorbei an Sibenic, Trogir, Split und weiter in Richtung Makarska.

Manchmal findet man im Hinterland Betonruinen, von denen ich nicht sagen kann, ob sie aus der Zeit des Sozialismus stammen oder aus dem Krieg, was aber auch irgendwie egal ist: Beide Alternativen sorgen für ähnliche Zerstörungen.

Split umfahre ich grosszügig, was immer eine gute Idee ist. Dort kann von Einsamkeit keine Rede sein und ein Nachmittagsstau bei 35 Grad auf dem Motorrad ist gerade nicht meine bevorzugte Freizeitbeschäftigung.

Bis Makarska schaffe ich es heute nicht ganz, aber in dem Örtchen Brela finde ich eine kleine Pension, in der ich als einziger Gast einkehre.

Mein Zimmer ist spartanisch, aber sauber. Die Einrichtung erinnert mich an die Mode der Siebziger und sowas hat ja schon wieder einen gewissen Charme!

Das lässt sich aber noch toppen, als ich mir das Bad ansehe. Es ist der Moment wo ich anfange zu grübeln, ob ich es als „zeitgenössisch“, „skurril“, „ancient“ oder „heritage“ bezeichnen soll?

Klar ist nur: Die Fliesen sind definitiv mein favorisiertes Detail!

Brela ist ein wirklich netter Küstenort am Fusse des Biokovo-Nationalparks und besitzt mit dem „Punta Rata“ laut Forbes-Magazin einen der zehn schönsten Strände der Welt. Klar, das muss ich prüfen und mache eine ausgedehnte Erkundungstour zu Fuss!

Vorher erhalte ich aber noch richtig gute Tipps von den Besitzern. Mutter und Sohn betreiben im Sommer diese kleine Pension und wohnen ausserhalb der Saison in Zadar. Sie sagen, ich solle mir unbedingt den berühmten Felsen im Meer anschauen, der so oft fotografiert wird. Ok, das mache ich.

Die kleine Steininsel steht tatsächlich nur etwa 15 Minuten Fussweg in nördlicher Richtung und ist ganz nett anzusehen. Leider gibt es keine Möglichkeit, mein Motorrad dort raufzufahren. Sonst hätte ich natürlich ein passendes Foto mit der Tenere auf dem Felsen geschossen…

Da mittlerweile die Sonne untergeht und es Zeit für einen Happen am Hafen ist gehe ich zurück und werde mit einem richtig tollen Sommerabend belohnt.

Jetzt sind hier auch mal Urlauber zu sehen und die Stimmung ist wunderbar entspannt.
Es gibt richtig gute Livemusik und viele Restaurants und Bars für jeden Geschmack. Brela gefällt mir! Das ist ein Ort ohne Hektik und mit einer ganz besonderen, lässigen Atmosphäre.

Später gehe ich dann zurück zur Pension und will eigentlich ins Bett, werde aber schon unten im Flur abgefangen. Wenn schon mal ein Gast da ist, muss dieser noch einen Schnaps mit der Familie trinken. Ok, vielleicht waren es dann auch zwei. Oder gar drei?

Die Saison geht hier von Juni bis September, erzählen sie mir und abseits der Saison sei Brela tot. Ich stelle es mir schwer vor, mein Geld innerhalb von vier Monaten verdienen zu müssen, zumal in einem Jahr, in dem der weltweite Tourismus einen Totentanz vollführt.

Am nächsten Morgen erhalte ich mein Frühstück aufs Zimmer gebracht und bekomme alles auf den Balkon gestellt, mit toller Aussicht auf das Meer. Die Bezahlung möchten sie – wie schon in den Pensionen zuvor – wieder gerne in bar und eine Zahlung mit Kreditkarte wird nicht akzeptiert. Wie schon am Vortag möchten die Unterkünfte immer nur Cash, was ich irgendwie verstehen kann. Ob man dann mit Euro oder in kroatischen Kuna zahlt ist aber egal!

Freundlicherweise haben sich die Beiden nochmal erkundigt, ob ich weiter nach Montenegro darf und dann ohne Quarantäne wieder in Kroatien einreisen kann, leider wird das aber nicht klappen. Ich muss meine Reise also auf Kroatien beschränken und bin jetzt bereits weit im Süden des Landes. Dubrovnik und der Neum-Korridor liegen noch vor mir, aber angeblich ist auch der Bosnien-Transit für Touristen nicht gestattet.

Bei der Abfahrt erhalte ich immerhin noch den dringenden Tipp, den nahen Sveti Jure hochzufahren. Der liegt in dem grossen Nationalpark Biokovo, dessen Berge sich direkt vom Meer erheben und auf dessen Gipfel in 1.762 Metern der höchste Punkt befindet, atemberaubende Aussicht inklusive. Ich schaue mir die Route dorthin an und fahre dann auch gleich los.

Gut 20 Kilometer sind es von Brela in südlicher Richtung und die gebührenpflichtige Passstrasse zweigt etwas östlich von Podgora ab.

Dort unten gibt es eine Schranke und es stehen auch schon ein paar Autos davor. Die Fahrzeuge werden immer in Gruppe eingelassen, die Erste ist wohl noch früher als ich und bereits auf dem Weg nach oben.

Als ich mit der Tenere ankomme, muss ich nicht warten. Von ganz vorne erhalte ich ein freundliches Handsignal und werde bis direkt vor die Schranke gelotst. Das ist ja mal zuvorkommend! Um die Gebühr von 50 Kuna (knapp 7 Euro) zu entrichten, muss ich nicht einmal absteigen, der nette Kerl bringt mir die Einfahrtkarte von der Kasse gleich direkt ans Motorrad, was für ein Service!

Er öffnet die Schranke und lässt mich dann einzeln, alleine losfahren. So kann ich mit dem Motorrad ohne Behinderungen durch langsame Fahrzeuge auf den Weg nach oben starten. Und dann geht es auch schon die Serpentinen hoch in Richtung Biokovo Nationalpark, auf das Plateau in etwa 1.200 Metern Höhe.

Die Strasse ist über weite Teile ein „Single Track“ und in ganz ordentlichem Zustand.

Oben steht immer wieder Getier auf der Strasse und die wenigen Touristen sind ganz aus dem Häuschen. Als ob es sonst keine Pferde und Kühe geben würde. Aber ok, wer weiss wo die herkommen?! (Die Touristen meine ich…)

Diese richtig tolle Höhenstrasse führt über insgesamt 25km von der Kasse unten bis an das Ende, oben an der Funkstation auf dem Gipfel des Sveti Jure.

Hier oben pfeift der Wind und man hat eine herausragende Panoramasicht über Kroatien und bis weit nach Bosnien. Ich kann nur jedem empfehlen, die Route zu fahren wenn man in der Nähe ist. Es lohnt sich, vor allem bis ganz nach oben!

Während der Auffahrt habe ich zudem das neue Highlight des Parks passiert: Den „Skywalk“. Den will ich mir auf der Fahrt hinab noch anschauen.

Die brandneue Attraktion wurde erst zwei Wochen zuvor fertig gestellt und eröffnet. Manchmal hat man einfach Glück.

An einer der Felsklippen haben die Kroaten diese spektakuläre Betonbrücke über den Abgrund gebaut, Glasboden inklusive. Wer keine Höhenangst hat, ist hier richtig. Hier oben, mehr als 1.000 Meter über dem Grund, ist das eine unfassbare Aussicht.

Man läuft praktisch auf Panzerglas über dem Abgrund und hat die Tiefe direkt unter sich.

Vor dem Skywalk steht ein Aufpasser und erklärt mir, das Ding wäre unglaublich stabil. (Habe ich etwa ängstlich geschaut?)

Er: „You can pass it with a tank!“

Ich erwidere: „I dont have a tank, but i would really like to have a try on my motorbike“.

Naja, was soll ich sagen: So viel Spass hat er dann doch nicht verstanden. Die Überfahrt mit der Tenere hat er mir verweigert. Dabei hätte ich das Foto liebend gerne geschossen 🙁

Immerhin: In Richtung Westen kann ich von dort oben eine grosse Insel direkt vor der Küste erkennen. Das ist „Brac“ und sieht recht grün und einladend aus. Ich denke mir, das könnte auch mit dem Motorrad schön sein und entscheide mich kurzerhand für einen Besuch. Mein Zeitplan und die eingeschränkte Reiseroute geben das locker her.

So geht es dann wieder bergab und zurück an die „Makarska Riviera“.

Die Fähre nach Brac legt in Makarska ab, die nächste geht aber erst um 14:30 Uhr. So habe ich noch etwas Zeit und entscheide mich spontan für eine Fahrt zum Cetina-Canyon in Richtung Omis.

Der Cetina-Canyon liegt nur etwa 25 Kilometer entfernt und ist landschaftlich wieder ein totaler Kontrast zu der eher kargen Bergwelt am Sveti Jure.

Der Canyon endet bei Omis und die Cetina fliesst dann in die Adria.

Bei Omis fahre ich wieder auf die D8 zum Hafen nach Makarska. Dort wartet bereits eine längere Autoschlange an der Fähre und ich kaufe mir ein Ticket für 85 Kuna.

Da Motorräder immer zuerst auf Fähre dürfen, macht es keinen grossen Unterschied, ob man besonders zeitig an der Fähre ist oder erst kurz vorher an Bord fährt.

Makarska lasse ich mit einem letzten Blick auf den Biokovo hinter mir, während es heute sogar mal etwas zu regnen beginnt, passender Weise während ich die Überfahrt auf einem geschützten Deck verbringen kann.

Der kurze Spuk hört mit meiner Ankunft auf der Insel wieder auf und ich fahre zur Südseite in das Örtchen Bol.

Bol wähle ich, weil ich mir von dem Ort etwas Ruhe verspreche und vielleicht mal einen Tag länger bleiben möchte. Ich denke, die Insel gibt das her.

Der Hotelchef ist wieder froh über jeden Gast, super freundlich und heisst mich herzlich willkommen. Beim Anblick meiner Motorradkleidung erhalte ich abermals einen geschützten Parkplatz, direkt in der Chefgarage. Die ist recht gross und ich kann die Tenere einfach neben seinem Auto abstellen.

Der Ort hat im Moment höchstens dreissig Prozent der Gäste, bekomme ich erklärt, und das jetzt, in der Hochsaison, mitten im Juli! Es gibt  zwei recht grosse Hotels im Ort, von denen eines praktisch leer ist, das andere hat dieses Jahr gar nicht erst geöffnet.

Mein Hotel hat 30 Zimmer und davon sind mit meinem jetzt vier belegt. Ich bezweifle stark, dass es gerade wirtschaftlich betrieben wird.

Bol ist aber ein sehr schöner, eher kleiner Ort, mit einem tollen Hafen, richtig schicker Promenade und vielen gemütlichen Restaurants, ebenfalls ziemlich leer.

Zudem gibt es nicht weit entfernt den recht berühmten Strand „Zlatni Rat“ (Goldenes Horn), der als das „Symbol der Adria“ gilt und auf tausenden von Urlaubsprospekten abgebildet ist. Klar, dass ich den noch heute Abend besuchen muss.

Es sind etwa 20 Minuten zu Fuss zu der Stelle und auch hier ist nicht viel los. Der Zlatni Rat dürfte zu normalen Zeiten deutlich voller sein.

Auf dem Weg zurück zum Hotel passiere ich ein paar Strandbars und auch hier ist es verdächtig ruhig. Kaum Gäste sind am frühen Abend da und viele der Gaststätten sind geschlossen.

Am nächsten Morgen beginnt der Tag sehr sonnig und ich möchte heute die Insel in aller Ruhe erkunden. Mein Plan ist, die Nordseite der Insel abzufahren und ich wähle dazu die Route über Praznica, Postira und Supetar.

Die Insel-Rundtour zeigt mir gepflegten Weinbau und menschenleere Strassen. So lass ich mir das gefallen.

In Pucisca fahre ich runter zum Hafen und drehe eine Runde. Der Ort gefällt mir gut und überhaupt ist die Insel Bol so ganz nach meinem Geschmack.

Wenige Kilometer weiter komme ich am Strand von Lovrecina vorbei und fahre runter ans Wasser. Hier ist ebenfalls nichts los, aber ein junger Bursche beschäftigt sich als Parkwächter und kommt offenbar mit einer Geldtasche zu mir gelaufen als ich das Motorrad auf dem recht grossen Parkplatz abstelle. Er ist aber sehr nett, spricht gut Englisch und will einfach nur wissen wo ich herkomme und ob ich mich nicht im nahen Restaurant stärken möchte. Die können wirklich jeden Gast gebrauchen. Ich bleibe aber nur kurz für ein paar Fotos und will dann weiter in Richtung Postira.

Oben von der Küstenstrasse kann ich ab und zu unten einen Weg zwischen den Bäumen erspähen, der offenbar direkt am Wasser entlangführt. Da muss man doch irgendwie hinkommen?! Ich denke, es wäre einen Versuch wert, den zu befahren und das klappt dann tatsächlich.

 

Wenn man auf der Landstrasse oben durch Postira fährt, kommt man an einem „Konzum“-Supermarkt vorbei. Direkt links neben dem Markt geht eine steile Strasse hinunter zum Meer. Hier fährt man dann bis unten zum Ende und dann rechts. An der Ortsgrenze endet dann auch der Asphalt und es geht auf dem Schotterweg weiter, immer schön direkt am Strand entlang, zwischen Felsen und Bäumen.

Diesen einsamen Schotterweg hat man dann praktisch komplett für sich alleine und man fährt immer direkt am Wasser entlang.

Es geht immer vorbei an einsamen Buchten und dann wieder durch kleine Wäldchen. An einem felsigen Streifen, den ich wieder komplett für mich alleine habe, mache ich halt und spiele mit der Kamera.

Splitska ist als Inselort dann genau so schön wie Pučišća zuvor.

Kurz nach Mittag fängt es gegen ein Uhr wieder an zu regnen, ich breche deshalb meine Inselerkundung ab und fahre zurück nach Bol.

Seltsam, dass ein Weg immer weiter erscheint, wenn es regnet. Die Hinfahrt am Morgen bei Trockenheit war ganz bestimmt kürzer, das möchte ich beschwören!

Den Aussichtspunkt Vidova Gora, sowie die nicht weit davon entfernte Drachenhöhle und das Kloster „Pustinja Blaca“ muss ich heute leider auslassen.

Die Landstrasse zurück an die Küste führt von etwa 400 Metern über dem Meeresspiegel hinunter und ich fahre übervorsichtig, da ich dem kroatischen Strassenbelag bei Nässe so richtig traue, zumal das Gefälle schon recht heftig ist. Ausserdem habe ich tatsächlich noch wenig Nässe-Erfahrung mit den werksseitig montierten Pirelli Scorpion STR und seit ein paar Tagen habe ich den Eindruck, dass die Vorderachse unruhiger wird.

Eine meiner grössten Sorgen ist zudem, dass mir bergab in einer verregneten Kurve die Strasse ausgeht und eine Felswand einfach nicht ausweichen will. Mittlerweile bin ich pitschnass und will nur noch ins Hotel.

Am Ortseingang von Bol gibt es rechts einen Supermarkt und auf einmal fährt von dessen Parkplatz ein schwarzer Golf ohne Rücksicht auf den fliessenden Verkehr auf die Landstrasse. Ich traue meinen Augen kaum und schmeisse den Anker mit dem was Vorder- und Hinterradbremse gemeinsam zu leisten vermögen.

Das ABS an der Vorderachse gibt alles, aber auf dem abschüssigen, rutschigen Belag hilft es nicht. Mein Motorrad will einfach nicht zum Stillstand kommen. Bevor ich dem Wagen in die Seite krache, versuche ich es noch mit einem Ausweichmanöver nach links auf die Gegenfahrbahn. Glücklicherweise ist die frei und ich komme tatsächlich erst etwa fünf Meter hinter dem Golf kopfschüttelnd zum stehen. Ehrlich: Ich hätte niemals gedacht, dass der Bremsweg bei meiner defensiven Geschwindigkeit auf diesem nassen Belag so extrem lang ist. Alles hätte ich darauf gewettet, dass ich mein Motorrad noch deutlich vor dem Auto zum stehen bekomme, aber Pustekuchen! Mein Puls ist auf 180 und ich zeige diesem Idioten den Vogel.

Nur etwa 700 Meter weiter ist mein Hotel und ich will das Motorrad wieder in der Garage abstellen, sehe direkt hinter mir aber immer noch den schwarzen Golf. Es ist ein Belgier mit seiner Frau und die beiden wohnen tatsächlich im gleichen Hotel wie ich.

Jetzt würde ich den Kerl am liebsten aus seinem Auto zerren, schaffe es aber, mich zu beherrschen und gehe gefasst zu ihm. Noch bevor ich mit ihm sprechen kann, fängt seine Frau an rumzupäpen aber ich ignoriere die dämliche Kuh. Er hat die Fahrertür mittlerweile geöffnet und ich erkläre ihm auf englisch das Problem eines einspurigen Bremsvorgangs auf abschüssiger, nasser Fahrbahn.

Immerhin steckt ihm der Schrecken noch genauso in den Knochen wie mir, das kann man deutlich sehen. Er entschuldigt sich dann mit der für mich unfassbaren Ausrede, er wäre die halbe Nacht durchgefahren und sei leider noch müde. Mir fehlen die Worte. Meine Güte, der Kerl hätte mich umbringen können!

Immerhin kann ich den Nachmittag nutzen um etwas zu arbeiten. In dieser Woche sind doch tatsächlich ein paar Kundenmails liegen geblieben und die Gelegenheit ist ja wetterbedingt gerade günstig.

Den Rest des Tages arbeite ich dann weg, während einige stärkere Schauer und ein Gewitter durchziehen und damit könnte ich es für heute eigentlich belassen, habe jedoch nicht mit dem unverhofften Abendprogramm gerechnet!

Mein Dinner findet wieder in der Nähe des Hafens statt und ich finde ein ansprechendes Restaurant. Fünf Minuten nachdem ich sitze und bereits bestellt habe, steht die Familie am Tisch vor mir auf und gibt den Blick auf die Adria frei. Das ist ganz prima, denn wenige Minuten später rettet mir feinstes Live-Entertainment den Tag:

Unter völlig übertriebenem Tamtam legt eine Motoryacht an (Normale Menschen würden es „Rückwärts-Einparken“ nennen…) und unterhält dabei mindestens die drei umliegenden Restaurants an der Kaimauer. Offenbar halten sich die Menschen auf dem Boot für wichtig, denn sie legen grossen Wert auf die uneingeschränkte Aufmerksamkeit vom Rest des Volks!

Es fällt mir schwer, die nächste Stunde niederzuschreiben, denn nichts geht über das reale Leben und die Dramaturgie, die sich weder Netflix noch Amazon-Prime ausdenken können!

Ich kann zwei Paare mit jeweils einer Tochter und einen Skipper erkennen. Einer der Männer (Offenbar sind es Charterkunden) hat eine Frau dabei, einer eine Tussi (Wir Männer kennen den Unterschied: Mit einer „Frau“ kann man leben; „Tussi“ jedoch ist eher stressig, teuer und nervt eher früher als später…)

Männer und Skipper machen das Boot fest, während sicherlich siebzig Augenpaare aus den Restaurants zusehen. Frau ist zuerst nicht zu sehen, Tussi steht daneben und gibt Kommentare. Mann eins packt mit an, Mann zwei kann sich nicht richtig entscheiden was zu tun ist, schaut aber wichtig in die Runde, ob das Fussvolk auch aufmerksam zusieht.

Skipper nimmt eine Metallschale und seziert publikumswirksam frischen Fisch am Heck der Yacht (Ob waidmännisch selbst gefangen oder spröde zugekauft, kann ich leider nicht sagen…) Das Prozedere zieht aber eine Menschentraube an.

Tussi geht mit Tochter von Bord zum shoppen, nicht ohne vorher medienwirksam ihre Markenklamotten in Szene gesetzt zu haben. (Heute sagt man „Influencer“ aber dazu ist sie eigentlich zu alt…). Mann eins (der ohne Aufgabe) öffnet eine Flasche Schampus und giesst sich ein. Skipper entblösst derweil seinen Oberkörper, duscht sich repräsentativ mit Frischwasser ab, wechselt in „leisure casuals“ und öffnet lässig eine Dose Bier. (Erweiterte Pupillen der umgebenden Damenwelt inklusive!) Mann Nummer zwei kommt hinzu, findet die Idee mit dem Bier grossartig und öffnet eine weitere Dose.

Mann eins ist jetzt aber der Volldepp und versucht seinen schnöseligen Schampus an die Frau zu bringen um auch Mann (mit Bier) sein zu dürfen, aber sie kümmert sich zunächst um die kleine Tochter und verweigert das verschmähte Getränk. Dumm sowas!

Die ganze Show läuft direkt vor meinem Tisch ab und ich bin hochbegeistert! Da rückt mein Abendessen glatt in den Hintergrund. Ich ärgere mich nur, dass ich meine Kamera mit dem Reisezoom im Zimmer gelassen habe. Immerhin kann ich einen Schnappschuss mit dem Smartphone-Tele beisteuern:

Auf dem Foto: Mann 1 (Signal-Tshirt), Mann 2 (Halbglatze+Brille) und Frau; Es fehlen: Skipper, Tussi u. Töchter. Allein die optische Hierarchie im Bild spricht Bände!

Zurück zum Thema. Der Checkout am nächsten Morgen fällt schon etwas schwer, aber das Wetter ist fantastisch und so lassen sich bei der Abfahrt aus Bol bestimmt noch ein paar passende Fotos schiessen.

Am Ortsausgang mache ich nochmal halt und fotografiere die Stelle, an der mich fast der Belgier abgeräumt hatte.

Weiter oben, am Berghang halte ich nochmal und mache Fotos von dem atemberaubenden Panorama, das es in Kroatien so häufig gibt.

Ich würde gerne noch etwas bleiben, denn die Insel gefällt mir ausgesprochen gut. Ich denke, sogar noch besser als Cres und Cres ist wirklich klasse!

Das Fährticket von Supetar nach Split hatte ich am Abend bereits online gekauft, das spart mir das Handling am Hafenschalter. Ein Online-Ticket gilt immer für den ganzen Tag und man hat laut Webseite von Jadrolijna je nach Verkehrsaufkommen beim Boarding keinen Anspruch auf eine bestimmte Abfahrtszeit. Da Motorräder aber immer unabhängig von Pkw zu Beginn des Boardings auf das Schiff dürfen, spielt das keine Rolle.

Ich fahre also gegen 8:30 Uhr vom Hotel ab, während die nächste Fähre in Supetar erst gegen 10:45 Uhr ablegt.

Das verschafft mir noch etwas Luft und ich nutze die Gelegenheit um auf dem Weg den Abstecher nach Vidova Gora zu versuchen, den ich an dem Regennachmittag noch verpasst hatte.

An der Landstrasse finde ich den passenden Abzweig und werde mit einer gut fünf Kilometer langen, wundervollen Strasse durch dichten Kiefernwald belohnt.

Da es gestern geregnet hatte, ist der Boden unter den Bäumen noch etwas feucht, alles riecht frisch nach Tannennadeln und die saubere Luft würde man am liebsten einpacken und konservieren.

Der Abstecher hat sich dann auch wirklich gelohnt. Wie schon bei den Recherchen in diversen Artikeln beschrieben, ist die Aussicht von dem knapp 800 Meter hohen Berg der Insel Brac atemberaubend!

Man steht oben an einer Klippe und es geht hunderte Meter senkrecht hinab, während unten die Stadt Bol und der berühmte Strand in der klaren Morgensonne zu sehen sind.

Ich kann im Prinzip alle Fotos der beiden Tage zuvor löschen. Hier und jetzt gibt es nicht mehr viel Steigerung…

Dann geht es aber auf der Nordseite der Insel wieder hinunter nach Supetar und an den gut ausgeschilderten Hafen zur Fähre.

Ich kann wie erwartet direkt auf das Schiff fahren, während die Autos alle in mehreren langen Schlangen nebeneinander am Hafen auf die Zufahrt warten.

Trotzdem: Die Auffahrt auf die Fähre erfolgt ruhig und gesittet und mein Motorrad steht etwas Abseits der Fahrzeuge am Rand des Decks. Hier wird übrigens nichts festgezurrt, was angesichts der sehr ruhigen See aber auch nicht nötig ist.

Noch ein letzter Blick auf den Hafen und dann legen wir auch schon ab in Richtung Festland.

Das Schiff ist riesig und bietet auf mehreren Decks alles was man für die knapp einstündige Überfahrt nach Split benötigt. Ich nehme oben im Freien Platz und es setzt sich eine deutsche Familie neben mich. Sie haben einen Hund dabei und ich sende ein Foto nach Hause.

Carola spielt immer mal wieder mit dem Gedanken, einen „kleinen Wachhund“ anzuschaffen und ich vermute, dieses „Modell“ könnte Interesse wecken. Ich erhalte die Info der Familie, es handele sich hier um einen Malteser-Yorkshire mit dem Namen „Snoopy“. Aus der Heimat empfange ich sofort freudige Erregung beim Anblick der Fotos. Meinen Vorschlag, das Tier gleich im Alukoffer der Tenere mitzunehmen, kommt bei den Kindern der Familie allerdings nicht so gut an…

Dafür erhalte ich aber die Empfehlung, auf jeden Fall noch Pag anzusehen. Da kommen die Grosseltern der Familie her und die Insel wäre schön. Ich nehme mir das dann für die nächsten Tage noch vor, wenn man schon mal einen solchen Tipp bekommt.

In Split geht es recht zügig von der Fähre und ich plane meine weitere Tour wieder in Richtung Cetina, also dem Gewässer, dem ich bereits vor ein paar Tagen weiter flussabwärts gefolgt bin.

Es geht vorbei an Trnbusi und bei Nova Sela kreuze ich die Cetina über eine rustikale Brücke. Die Brücken im Kaukasus letztes Jahr waren heftiger, aber für eine EU-Infrastruktur lasse ich das durchgehen.

In diesem Teil des kroatischen Hinterlands ist es zwar ganz nett, aber irgendwie fehlt mir heute das Spektakel. Mein eigentliches Tagesziel ist Knin und ich drehe dann wieder ab in Richtung Nordwesten über Grab, Otok, Sinj, Maljkovo und Podosoje.

Zwischendurch sieht es etwas nach Regen aus, aber der Tag bleibt trocken. Dafür spüre ich seltsame Vibrationen an der Vorderachse und mache mehrmals Halt um das Rad zu prüfen, kann aber nichts ungewöhnliches erkennen und auch der Luftdruck scheint mir korrekt zu sein.

Ich verbuche das dann unter temporärer Überempfindlichkeit und fahren vorbei am Perucko Jerezo, wo man den Fluss Cetina zur Stromgewinnung aufgestaut hat.

Nördlich des Stausees überkommt mich der Spieltrieb. Ich kann rechts von mir die Höhen der dinarischen Alpen erkennen und weiss, dass die Grenze nach Bosnien dort oben irgendwo verlaufen muss. Zudem sieht es menschenleer aus und zwischen mir und den Bergen sind keine Ortschaften mehr erkennbar.

Also biege ich vom Asphalt ab und schlage mich in die Pampa, denn mein Tagesziel ist nicht mehr weit entfernt und ich habe noch ein paar Stunden Zeit bevor es dunkel wird. Da kann man bestimmt noch gepflegt durchs Unterholz toben!

Diese vollkommen einsame Fahrt abseits aller Zivilisation macht Spass, aber ich habe irgendwann vollkommen die Orientierung verloren und weiss nicht mehr wo ich mich befinde.

Alles was ich zwischendurch mal sehen kann, sind Ruinen von alten Bauernhöfen. Menschen gibt es hier aber offenbar keine mehr.

Die Gegend ist klasse. Weit und breit keine Bebauung, keine Zäune, keine Häuser, nur Ebenen und Berge.

Das einzige Schild, dass ich irgendwann finde, hilft mir bei der Orientierung auch nicht weiter.

Aber nach ein paar weiteren Kilometern mit diversen Richtungswechseln mitten im Nichts finde ich dann doch eine alte Plattenstrasse. Da kann man ja mal schauen, wie weit man hier nach Osten kommt, denn irgendwo müsste bald die Grenze erscheinen.

Und so ist es dann auch: Willkommen in Bosnien! Dieses kleine Schild deute ich dann als Passierverbot, welches ich gekonnt ignoriere.

Mangels Grenzkontrollen mache ich mir über meinen EU-Austritt diesmal keine grossen Gedanken und erreiche das Örtchen Unista, in dem mein Fortkommen dann jedoch endet.

Hier ist das Ende der Strasse, eine Sackgasse und ich kann nur wieder zurück. Anekdote am Rande: Die Bewohner von Unista wohnen in Bosnien und können den Ort nur verlassen, indem sie mit dem Auto südwestlich nach Kroatien fahren. Der Weg in Richtung Nordosten geht direkt ins Hochgebirge und ist für normale Fahrzeuge praktisch unpassierbar.

Ich verfahre mich noch ein paar mal gepflegt im Gelände und komme am späten Nachmittag wieder auf die Strasse, die in nördlicher Richtung nach Knin führen müsste.

Knin war im Krieg ein heftig umkämpfter Ort und auf der Fahrt dorthin zeugen immer noch zerschossene Häuser am Strassenrand von einem Konflikt mitten in Europa, der jetzt fast drei Jahrzehnte vorbei ist.

In Knin will ich heute übernachten und finde auch eine kleine, sehr nette und ordentliche Pension (ohne Einschusslöcher).

Als ich das Motorrad vor dem Haus abstelle, sitzen im ersten Stock drei Polen, die mich zunächst ausgiebig mustern und dann ansprechen. Sie arbeiten für eine deutsche Windkraftfirma und ich erhalte ein paar Tipps für einen Besuch in der Stadt. Das ist zwar ganz nett, aber ich möchte morgen ja lieber wieder ins Gelände. Dafür werde ich nicht ohne eine Willkommensrunde mit Hochprozentigem entlassen, noch bevor ich das Zimmer beziehen kann. Die erste Stunde in Knin vergeht innerhalb von einer Minute.

Später will ich dann inkognito in die Stadt zum Abendessen, habe die Rechnung aber ohne zwei weitere Motorradfahrer gemacht, die mich direkt nach Passieren der Haustür im Garten abfangen. Die beiden kommen aus Zagreb und organisieren die Dinaric Rally. Sie haben nach eigenen Angaben heute hier Tracks gescoutet und sehen auch entsprechend aus. Jetzt haben sie allerdings Informationsbedarf in Sachen Yamaha Tenere und verlangen meine Anwesenheit am Gartentisch, der etwa 10 Meter entfernt von einem gut sortierten Kühlschrank vor dem Haus steht.

So wird das natürlich nichts mit dem Abendessen und ich improvisiere von fester Nahrung in Form einer dinarischen Pizza auf flüssige in Form diverser Pils, nicht ohne die Sorge, auch nochmal den trinkfesten Polen zu begegnen. Ich trinke wirklich gerne ein Glas Wein, aber die Schlagzahl meiner Mitbewohner kann ich auf Dauer nicht mitgehen. Der Abend ist dafür ebenso unterhaltsam wie lustig und später, im Dunkeln, finde ich den Weg ins Bett und bin froh, dass es heute ohne Filmriss klappt. Ich mache die Augen zu und bin nach einer Sekunde im Tiefschlaf.

Mein Programm heute wird speziell. Ich muss jetzt mal kurz abschweifen und mich bei „Alex und Biggi“ für eine gewisse Inspiration bedanken. Die beiden haben sich vor einiger Zeit in diese Region „verirrt“ und von einem sehr abgelegenen Flecken erzählt, der noch mehr das Kriegsgeschehen der Neunziger widerspiegelt, als die kaputten Häuser in der Umgebung: Es gibt in den Bergen ein Hochplateau, auf dem noch alte Panzer stehen. Strassen führen dort nicht hin, aber ich habe ein ungefähre Ahnung, in welche Richtung ich einen Versuch wagen könnte. Naja, und wenn es nicht klappt, habe ich einen schönen Offroadtag mit der Tenere.

Der frühe Morgen beginnt heute schon mit ordentlichen Temperaturen und ich denke, es wird über Tag richtig heiss. Mit der Pension habe ich abgestimmt, dass ich meine Alukoffer abbaue und vor Ort lasse. Ich rechne mit richtig hartem Gelände und will daher auf jeden Fall das Gewicht mindern.

So starte ich dann einen langen Tag in die dinarischen Alpen und denke schon nach wenigen Metern: Wow – was für ein Fahrgefühl! Nach so vielen Reisekilometern hatte ich mich schon an das hohe Gewicht gewöhnt. Jetzt erlebe ich, ohne die Last der vollbepackten Koffer, wieder eine erfrischende Leichtigkeit. Das merkt man bereits auf den wenigen Metern zur ersten Tankstelle. Das spüre ich aber nochmal extremer auf den ersten Metern Offroad.

Es ist eine echte Freude, mit erheblich weniger Gewicht in die Berge aufzubrechen. Die Tenere fühlt sich wirklich fantastisch an und ich wünschte, ich hätte das schon letztes Jahr in den Höhen des grossen Kaukasus machen können.

Das eigentlich Spiel beginnt heute an der Stelle, an der die Strasse endet und sich an einem alten Bauernhof in eine Schotterpiste verwandelt.

Das ist heute sozusagen mein Einstieg in die Route und der Aufstieg in die Berge. Der Belag ist stocktrocken und besteht nur aus losem Geröll, was gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Dreh am Gasgriff das Hinterrad zum tanzen bringt und eine Staubwolke am Heck verteilt: Motorradhimmel!

Gleichzeitig störe ich hier niemanden mehr. Weit und breit gibt es wie erwartet keine Menschenseele und die Piste führt immer weiter in die Berge hinauf.

Der Weg ist übrigens nicht auf Karten zu finden und auch Google muss hier oben passen. Dafür hat man die Natur ganz für sich alleine.

Zwischendurch halte ich dann immer wieder an, geniesse die Landschaft, die Ruhe (solange ich selbst, bzw. Herr Akrapovic, sie nicht stören…) und einen fantastischen Sommertag.

Ich finde es ja immer wieder beeindruckend, welche abgelegenen Gegenden man selbst in Europa immer noch finden kann, wenn man sich etwas Mühe gibt. Und mal anständig „schottern“, ohne bundesdeutsche Beschränkungen ist einfach wunderbar.

Wann hat man schon mal so ein Fleckchen Erde ganz für sich?!

Ich fahre ein paar Mal in Täler hinein und freue mich über den Blick auf die Gipfel, muss dann aber umkehren, weil es wirklich kein Fortkommen mehr gibt. Da hilft es auch nicht, wenn man die Tenere um die Koffern beraubt hat.

Gleichzeitig bin ich ziemlich froh, heute ohne den Ballast unterwegs zu sein. Immerhin beruhigt mich das Werkzeugfach unten am Unterfahrschutz. So hätte ich wenigstens die wichtigsten Dinge zur Selbsthilfe dabei.

Das angesichts des groben Geländes auch mal etwas kaputt geht, habe ich einkalkuliert.

Es ist so, dass ich schon fast mein eigentliches Tagesziel vergessen habe. Dazu sind die Dinariden einfach zu schön.

Auf einmal erblicke ich aber in der Ferne etwas, das mir ein breites Grinsen ins Gesicht treibt. Ich glaube, ich habe das Ziel gefunden! Zunächst sehe ich nur einen der Panzer, dann, als ich näher heranfahre, aber auch die anderen.

 

Die Dinger stehen hier oben rum, als ob sie erst gestern vergessen wurden und sind übersät von Einschusslöchern.

Im Gras neben den Panzern liegt sogar noch Restmunition und ich stelle mir die Hülsen dann zum fotografieren hin.

Vielleicht sollte man das besser lassen, denn ich habe wirklich keine Ahnung, ob das Herumhantieren mit alter Panzermunition eine gute Idee ist. Zumindest nicht, wenn man davon absolut keine Ahnung hat. Und ich habe wirklich keinen Schimmer von dem Zeug.

Ob das Positionieren meines Motorrads vor dieser Kulisse moralisch bedenklich ist, kommt mir schon mal in den Sinn, aber da halte ich es mit unserer Staatsratsvorsitzenden 2015. Zitat: „Nun sind sie halt da…“

So turne ich auf diesen Relikten aus schlechteren Zeiten herum und hoffe, die Kanonen sind nicht mehr geladen.

Es folgen noch diverse Fotos mit Fernauslöser, denn die müssen heute Abend auf jeden Fall noch an die Motorradkumpels in die Heimat!

Eine Anmerkung hierzu: Ich denke es werden wieder viele Emails kommen mit der Bitte um die GPX-Dateien oder wenigstens die GPS-Koordinaten der Stelle in den Bergen. Seid mir nicht böse, aber das mache ich nicht. Die Stelle mit den Panzern ist noch nicht in jedem Forum bekannt und ich will nicht, dass auch hier morgen Horden von Touristen durchpreschen.

Wenn du dort hin willst, wirst du dir das genau so erarbeiten müssen wie ich es musste. Auch ich hatte keine Daten und wusste nur sehr grob, wo die Stelle sein soll, habe ein Gebiet von etwa 20 mal 30 Kilometern vermutet. Aber ich gebe dir gerne den Rat: Mach es, du kannst nur gewinnen! Wenn du die Panzer findest: Glückwunsch! Wenn nicht, wirst du einen richtig tollen Tag im Gebirge verbringen, mit irren Offroadstrecken.

Nachdem ich meinen Entdeckerdrang gestillt habe geht es wieder auf die Piste. Die bosnische Grenze ist auch hier nicht so weit entfernt und ich möchte noch schauen, wie weit ich das Spiel heute noch treiben kann, wie viel höher ins Gebirge ich noch komme.

Das Display zeigt jetzt schon 60 Kilometer Offroad und ich möchte keinen davon missen.

Das Ende meiner Route ist heute eine Berghütte, die Wanderern als Schutz dienen soll und zumindest so aussieht, als könne sie auch für eine Übernachtung nebst zünftigem Lagerfeuer dienen. Mangels Proviant und Feuerholz mache ich mich aber wieder auf den Weg, denn der Tag war lang und ich möchte ihn lieber in der netten Pension ausklingen lassen.

Noch ein letzter Blick in die Einsamkeit, dann steige ich wieder auf die Tenere und treten den Heimweg an.

Das ist einer dieser Tage, die für mich auf Reisen herausragend sind. Eigentlich geht es um nichts Wesentliches, nur um den Wunsch, eine bestimmte Stelle zu finden, einen ganz bestimmten Ort zu bereisen, etwas gesehen zu haben oder eine besondere Stimmung aufzunehmen, wirklich zu erleben.

Das geht nicht im Vier-Sterne-All-In-Strandhotel, das geht nur wenn man eine Herausforderung annimmt und die Nase auch mal in den Dreck steckt. Es ist schwer zu beschreiben, aber man spürt jede Sekunde, wenn es so weit ist.

Mein eigentliches Reiseziel waren Nordmazedonien, der Kosovo und Bosnien. Leider hat es nicht sein sollen, aber das spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, was man dann aus der Situation macht und ich bin mit meinen Alternativen heute mehr als zufrieden.

Das war ein super Tag, aber kann man das noch toppen? Ja, das geht. Ganz bestimmt! Jetzt gerade denke ich an die folgenden Tage auf dieser Tour, in diesem tollen Land.

Aber das ist die Geschichte für Teil 2…

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2 Kommentare

  1. Reiko 03/12/2020

    Hallo Ebee,
    ja tolle Reise und ein recht guter Bericht den Du hier nieder geschrieben hast. Ich habe den aufmerksam gelesen weil ich über das Tenere Forum drauf gestossen bin und ich Kroatien liebe u schon sehr sehr oft bereist habe. Ja überhaupt den Balkan ob Albanien, Montenegro,Bosnien, Kroatien… dort fahre ich so gerne Motorrad und verbringe meine Ferien.

    Darum kenne ich so ziemlich alle Orte an denen Du in Kroatien warst. Ob im Velebit im Winnetou Gebirge 🙂 an der Tafel…ist immer wieder ein Muss, Knin, Markarska, Insel Brac ( nicht Bol wie Du wahrscheinlich versehntlich schriebst) aber ja auch im Traumhaften Küstenort Bol 🙂
    Wir haben dann allerdings wenn dann irgendwo in den Büschen gezelltet nach langen tollen Offroadtouren , na klar waren wir auch viel auf Campingplätzen vor allem im Küstenbereich.

    Was ich ein wenig komisch fande in Deinem Bericht;
    Du lobst und rühmst Dich so das Du da den Kriegsschauplatz mit den Panzerwracks gefunden hast. Und animiert fast schon Deine Leser danach zu suchen und das es was Grosses ist,wenn man die findet.
    Schwer nachzuvollziehen für mich, vor allem weil es immer noch Minen ringsherum hat und das doch sehr makaber ist das als Fotomotiv toll zu finden.
    Krieg und Kriegwerkzeuge sind doch Leid, Not und Tod.
    Ich kenne die Wracks, wir sind glaube im Jahr 2010 mal durch Zufall drauf gestossen..Sind aber auch nicht so schwer zu finden….
    naja das zu meiner Kritik.
    Hast Du denn eigentlich Reifenpannenset oder Flickzeug dabei?
    Wie war die Tour mit der T700 besser als Deine BMW? 🙂
    Beste Grüsse Reiko

  2. ebee 03/12/2020 — Autor der Seiten

    Hallo Reiko,

    ich hatte nicht vor mich „zu rühmen“, sondern einfach nur gefreut die Stelle gefunden zu haben. Dafür, dass sie einfach zu finden sein soll war da aber weit und breit nichts los. Minenfelder habe ich gefunden, aber nicht da. Von daher sollte die Region eigentlich safe sein.

    Werkzeug und Flickset habe ich dabei und auch schon mehrfach gebraucht, aber noch nicht an der Tenere. Und der Vergleich zur GS ist mittlerweile auch online. Da habe ich die Unterschiede (aus meiner Perspektive) beschrieben.

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