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Portugal 2019

Wir haben noch nie so lange überlegt, in den Motorradurlaub zu fahren, denn eigentlich ist alles so schön entspannt. Wir könnten es bequem haben, einfach am Strand bleiben und „chillen“.

Engelchen und Teufelchen tanzen auf unseren Schultern und beflüstern abwechselnd bei Weisswein und Oliven unsere Ohren. Und das geht dann einige Abende so, bis in den Sonnenuntergang.

Teufelchen: Ihr seid doch von Sinnen, habt alles da: Sonne, Pool, voller Kühlschrank. Seid vernünftig, bleibt zuhause und geniesst die spanische Sonne. Motorradfahren ist gefährlich, und wieso überhaupt die ganze Anstrengung und Unbequemlichkeit?

Engelchen: Wollt ihr etwa den ganzen Tag faulenzen? Zu viel essen und zu wenig bewegen? Immer dasselbe sehen? Fahrt los und erkundet Länder und neue Landschaften. Schaut, wieviel die Welt zwei Menschen auf dem Motorrad bieten kann!

Gott sei Dank: Engelchen gewinnt…

Ende der Neunziger waren wir einige Sommer an der Algarve und unsere Töchter haben dort ihre ersten Urlaube mit uns verbracht. Jetzt sind wir neugierig, wie es heute dort aussieht. Nicht nur an der Algarve, sondern auch im Hinterland und an der Atlantikküste.

Ausserdem habe ich von der famosen Nationalstrasse N2 gelesen. Die Strasse sei Portugals „Route 66“ und beiden Strecken haben viel gemeinsam: Sie gehen fast komplett durch ihr Land, haben ihre Bedeutung mittlerweile verloren und sind heute nur noch Kulisse für Roadmovies der sehnsüchtigen Art.

Also auf gehts, das Motorrad steht schliesslich bereit und hier nicht nur zum Spass rum!

Wir verriegeln noch das Tor, steigen auf die bepackte GS und starten Mitte Juni gen Nordwesten:

Zunächst in Richtung Sevilla, weiter durch Spaniens dünn besiedelte Region „Extremadura“ und dann in Portugals Norden um dort die N2 zu befahren. Später hinunter an die Atlantikküste bis zum südwestlichsten Punkt Europas und über die Algarve zurück bis östlich von Malaga, soweit der Plan.

Es ist noch früh am Morgen und wir fahren zunächst am Vinuela-Stausee vorbei in Richtung „Torcal de Antequera„.

Wenn während der Fahrt die Landschaft an uns vorbeizieht, können wir uns immer noch nicht satt sehen. Unsere deutsche Heimat ist ziemlich flach, das Münsterland ist ganz bestimmt nicht hässlich, aber solche Aussichten und Berge kann es nicht bieten. Vom ganzjährigen Klima ganz zu schweigen.

Und was auch immer wieder beeindruckt: Die Verkehrsdichte ist deutlich geringer, entspannter.

El Torcal, bzw genauer „El Torcal de Antequera“ ist ein sehr schöner, recht hoher Gebirgszug, ca. 50 Strassenkilometer nördlich von Malaga. Die Kalksteinformationen laden zum Wandern ein und liegen in einem sehr fotogenen Naturschutzgebiet.

Das ist dann gleich wieder so eine schwierige Situation. Ich würde mir am liebsten feste Wanderschuhe anziehen und die Felsen hochklettern, aber wir haben eigentlich ganz andere Ziele. Ich verbuche El Torcal gleich mal auf unserer ToDo-Liste und merke mir das für später.

Die Erkenntnis daraus: Die ToDo-Liste wird immer länger, je öfter man unterwegs ist und je mehr man von der Welt sieht. Früher dachte ich, ich kann sowas irgendwann abhaken. Mittlerweile weiss ich, dass das nicht wirklich geht. Im Gegenteil: Je mehr Reisen unternommen sind, desto mehr neue Ziele und Ideen kommen auf die Liste.

Meine Sorge in den letzten Jahren ist: Ich habe wahrscheinlich nicht mehr genug Rest-Lebenszeit um alles zu sehen was auf der Liste steht. Das ist aber gar nicht schlimm, im Gegenteil, das bedeutet in Wirklichkeit, es wird nicht langweilig, es bleibt spannend. Was für ein Glück!

Klick mal auf das folgende Foto und schau dir das gross und in Ruhe an, dann weisst du was ich meine:

Wir steigen mangels Wanderausrüstung aber wieder auf Moped und fahren weiter. Heute wollen wir noch bis Sevilla kommen und uns die Hauptstadt Andalusiens ansehen. Auf unserer Tour knapp zwei Jahre zuvor hatten wir leider keine Zeit für die schöne Stadt (ToDo-Liste und so…) und wollen das jetzt nachholen.

Sevilla erwischen wir bei knapp 30 Grad und haben das Glück, einen schattigen Parklatz in der Innenstadt zu ergattern. Im Gegensatz zu den ziemlich teuren PKW-Parkplätzen kann man in Spanien mit dem Motorrad oder dem Roller meistens kostenfrei parken, noch dazu mitten in den Städten. Das habe ich irgendwann in Malaga festgestellt und es ist eigentlich in allen spanischen Städten so. Als Motorradfahrer finde ich das natürlich echt angenehm: Man spart Ressourcen, Parkfläche und seinen Geldbeutel, Win-Win sozusagen.

Wir packen unsere Jacken in die Alukoffer und laufen los. Sevilla hat schon was zu bieten, gar keine Frage. Allerdings bin ich jetzt nicht so der Fan von Städten (und schon gar nicht von Städtereisen!). So beschränken wir den Sevilla-Exkurs auf Fotos und das Weglassen von touristischen Redundanzinformationen.

Kulturell entfaltet sich natürlich das volle Programm: Alcázar (Maurischer Palast), Kathedrale, Giralda (Glockenturm), Plaza de Espana. Sevilla ist eine wirklich schöne Stadt!

Die Abfahrt aus Sevilla erweist sich dann als etwas schwierig, denn mein Navi verweigert Routeninformationen die ich als verlässlich anerkenne.

Im Gegensatz zu meinem Navigator 6 in Deutschland ist hier unten ein alter BMW-Navigator 4 installiert und irgendwie ist das Ding nicht mit der Zeit gegangen. Auf Deutsch: Das alte Schätzchen kommt mit aktuellen OSM-Karten und altem Prozessor nicht mehr richtig klar. In manchen Ecken finde ich eine Route eher mittels Sonnenstand als das Navi durch Berechnung. Irgendwann ist Technik dann auch mal fertig. Da wir aber keine Termine haben, fahre ich einfach in nordwestliche Richtung und natürlich kommen wir schliesslich auf die richtige Strasse.

Wir fahren weiter Richtung Nordwesten und erleben einen wirklich schönen Teil von Andalusien, schon fast an der Grenze zur spanischen Region Extremadura. Die Extremadura ist die am dünnsten besiedelte Region Spaniens. Bekannt geworden ist sie vor allem auch durch den speziellen „Jamon Iberico“ dem Schinken. (Darf man in Deutschland heute überhaupt noch Fleisch essen?)

Wir wollen in eine kleine Pension und landen (dem altersschwachen Navi sei dank…) im wirklich schönen Örtchen Aracena mit seinem fotogenen Castillo.

Dummerweise gibt es die Adresse der Pension hier wohl doppelt, daher stehen wir in einer kleinen Gasse, die nur einfache Wohnbebauung zu bieten hat.

Ich bemühe daher mal lieber Tante Google (und bin mittlerweile echt froh über das EU-Datenroaming) und finde heraus, dass wir zurück nach „Valdezufre“ müssen. Dort gibt es den gleichen Strassennamen nochmal und dann auch eine Übernachtung in der richtigen Pension.

Wir quartieren uns ein, geniessen einen anständig bevorratenden Weinkeller, eine Terrasse mit Pool und uralte, kühle Natursteinmauern mit einem gescheitem Restaurant. Bingo!

Die nächste Etappe führt uns quer durch weite Hügel und ohne jeglichen Verkehr nach Badajoz und damit dann an die Grenze zwischen Spanien und Portugals mittleren Osten.

An einem offenbar völlig verlassenen alten Bauernhof mache ich halt und beginne zu fotografieren. Hier ist sicherlich schon seit Jahren niemand mehr gewesen, denke ich. Und zwar genau so lange, bis hinter mir ein alter Bauer mit einem uralten Pritschenwagen anhält, das verrostete Schloss öffnet und mich grimmig anschaut.

Ich versuche die Situation zu retten, in dem ich freundlich grüsse und meine Begeisterung über die schöne und ruhige Gegend mitteile: „Este mui bien aqui y mas tranquilo, me gusta, me mas gusta!“ (Ob alles grammatikalisch korrekt ist, weiss ich nicht, aber es hilft enorm!)

Der alte Herr grinst mich breit an, schüttelt meine Hand und beginnt spanische Ausführung, denen ich nicht gänzlich folgen kann. Das ist ein Problem, welches ich schon häufiger beobachtet habe. Sobald ich spanisch spreche, erhalte ich Antworten in einer Geschwindigkeit, der ich unmöglich folgen kann.

Macht aber nichts. Wir sind beide höchst zufrieden. Nächstes Jahr, wenn ich wieder mehr Spanisch gelernt habe, komme ich nochmal rum und frage ihn was die letzten Sätze bedeutet haben. (ToDo-Liste!)

Ich denke, hier kannst du einfach jede beliebige Strasse fahren. Es ist immer schön. Kaum Verkehr, klasse Landschaften, Wälder, Hügel, Storchennester auf jedem Mast.

Westlich von Badajoz überqueren wir an einem winzigen Übergang der N371 die Grenze nach Portugal. Das ist unspektakulär, keine Kontrolle, kein Verkehr, keine Menschen. Selbst die kleinen Schilder, die das Ende des einen und den Beginn des anderen europäischen Staates signalisieren, könnte man im Vorbeifahren glatt übersehen. Schengen hat durchaus Vorteile.

Portugal präsentiert sich uns in dieser Region vor allem mit ausgedehnter Landwirtschaft. Weite Felder und trockene Wiesen arrangieren sich mit altem Baumbestand. Ab und zu steht ein altersschwacher Traktor im Feld oder es grast eine Viehherde im Schatten von Bäumen und Büschen.

Zwischendurch kann man alte Bauernhöfe erkennen, von denen wiederum einige ziemlich verlassen aussehen. Portugal hatte in wirtschaftlich schweren Zeiten viele Menschen an andere Staaten in Europa verloren und so erscheint der Leerstand in dieser Gegend doch recht hoch.

Und wenn man dann mal durch Ortschaften fährt, sieht es auch hier nicht viel lebhafter aus. Die Strassen und Gassen sind ebenso schmal wie einsam.

Wir fahren durch Portalegre und finden am Ortsrand einen geöffneten Supermarkt. Das ist insofern verwunderlich, da heute Sonntag ist und ich die Portugiesen als eher christlich-konservativ vermutet habe. Das an einem Sonntag ein Supermarkt offen ist, wäre in Andalusien nahezu unvorstellbar. Wir beschweren uns nicht und füllen unsere Vorräte mit Wasser, Wein, Brot und Käse auf.

Dann geht es weiter in die Berge und das Naturschutzgebiet in der Gegend um das Castelo de Marvao. Oberhalb von Portagem thront die ziemlich gut erhaltene Burganlage, die durch ihre Lage nahe der spanischen Grenze immer heftig umkämpft war.

Unsere Fahrt durch die Berge wird nur von einem Radrennen unterbrochen, welches hier heute stattfindet. Die Polizei regelt den Verkehr und leitet PKW um, aber wir können mit dem Motorrad einfach weiterfahren und die Radrennfahrer begleiten. Das ist einfach, zweckmässig und unterhaltsam.

Wir freuen uns, fahren defensiv, halten Abstand und nehmen Rücksicht auf die Radfahrer. In Deutschland undenkbar und die Organisation hätte grossräumig abgesperrt, nach dem Motto „Sieh doch zu, wo du eine Umfahrung findest…“ (Live erlebt, letztes Jahr auf dem Rückweg von Gieboldehausen!)

Die Landschaft weiter nördlich ist gar nicht mehr so bergig, es sind eher Hügel mit flachen, abgerundeten Felsen, die ab und zu aus den Wiesen emporkommen. Auf jeden Fall macht das Motorrad fahren Spass und ich kann die Maschine entspannt laufen lassen.

Wir fahren durch das Städtchen Nisa und es geht dann auch wieder höher hinauf. Hier haben offenbar ausgedehnte Waldbrände gewütet und abseits der Strasse sind deutliche Brandspuren zu erkennen.

Die N18 führt uns dann weiter in Richtung Norden und wenn ich nicht so viel von der N2 gelesen hätte, ich würde dies hier als die Traumroute Portugals bezeichnen!

Von „Povoa e Meadas“ nehem wir nicht die direkte Route, sondern fahren über Montalvao nach Nisa. Unterwegs sieht es eher aus wie in einem Steinzeitpark als im sommerlichen Portugal.

Kurz vor dem Ort „Vila Velha de Rodao“ überqueren wir dann den „Tejo“ (Spanisch „Tajo“). Der Tejo ist mit über 1000 Kilometern der längste Fluss der iberischen Halbinsel, entspringt in Spanien, bildet ein Stück weit die Grenze zwischen Portugal und Spanien und mündet dann bei Lissabon in den Atlantik. Hier bei „Vila Velha“ zwängt er sich zwischen zwei Bergen hindurch, während ihn etwas oberhalb eine Eisenbahnlinie begleitet.

Es ist einfach wunderschön, wir halten für einen ausgedehnten Fotostopp und bewundern die malerische Szenerie.

Wir beschränken uns auf die kleinsten Nebenstrassen. Einerseits ist hier wirklich gar nichts los und man kann fahren wie es einem gerade in den Sinn kommt, andererseits wird man mit Natur pur verwöhnt.

An den Ufern der Seen könnte man glatt auf den Gedanken kommen, einen Fisch zu angeln und das Lagerfeuer anzuzünden. Hätten wir ein Zelt dabei, hier könnte ich es tatsächlich aufbauen und den Sonnenuntergang von der Isomatte geniessen. (Ich fühle mich zu alt zum Zelten, aber das würde ich hier nie schreiben und zugeben!)

Irgendwann geht es aber doch wieder in die Zivilisation und wir sind zwischendurch ganz froh über ein Cafe und die Möglichkeit, uns Getränke und Verpflegung bringen zu lassen. Teuer ist in Portugal so gut wie gar nichts und in „Castelo Branco“ auch nicht.

Wir lassen Castelo Branco hinter uns und fahren nach Penamacor. Am Ortseingang haben sie einen neuen Kreisverkehr gebaut und der Asphalt ist pechschwarz. Das ist insofern blöd, da ich eine breite Bitumenschicht erst bemerke, als es schon fast zu spät ist. Das Motorrad rutsch über das Vorderrad zum Kurvenausgang und erst kurz vor einem abschüssigen Grasbankett schaffe ich es die instabile Maschine wieder abzufangen. Fahrer und Sozia sind mit einem Schlag jedenfalls wieder hellwach! Sowas fällt echt unter die Rubrik „braucht man nicht…“

Einmal sehen wir abseits der Strasse seltsam aufgebaute Felsen. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Stonehenge und alten Hünengräbern. Zum Leidwesen von Carola muss ich da natürlich hin, trotzdem es keine Strasse gibt und der Weg nur durch weichen Sand führt. Aber ich denke, wenn die Steine hier stabil rumstehen, wird es das Motorrad wohl auch.

In Sabugal bestaunen wir die nächste gut erhaltene Burganlage und finden am späteren Nachmittag in Guarda einen Lidl-Supermarkt um uns für den Abend einzudecken. Das ist auch nötig, denn heute haben wir etwa fünf Kilometer Luftlinie von Guarda entfernt ein B&B ohne Restaurant und mitten in der Pampa gebucht. Das Haus mit dem komplexen Namen „Quinta do Quinto“ sieht auf den Fotos im Internet schon gut aus, liegt aber weitab vom Schuss und ich denke, wir müssen uns am Abend wieder mal selbst etwas zaubern.

Zwischendurch erhalte ich eine Email von den Betreibern: Alles wäre bereit, die Tür soll ich einfach aufmachen, hineingehen, das Zimmer Nummer Zwei suchen und mit einem Zahlencode den Zimmerschlüssel an der Tür entnehmen. Es wäre niemand da, aber wir sollen uns einfach wie zuhause fühlen. Okay, kriegen wir hin!

Angekommen am Haus sehen wir tatsächlich keinen Menschen. Die Eingangstür steht offen, innen liegt alles bereit und wir haben das Anwesen für uns alleine.

Wenn wir wollten, könnten wir uns hier heute Abend abschiessen. Die Bar würde jedenfalls alles für ein zünftiges Gelage hergeben.

Dabei ist die Einrichtung piekfein und sauber. Wir gehen mehrmals alles auf und ab, weil man es fast nicht glauben kann. Wir wollen dauerhaft einziehen!

Das muss ein Vermögen gekostet haben, das alte Landhaus so stilsicher wieder auf Vordermann zu bringen. Innen wie aussen: Alles ist an seinem Platz, passt und steht ordentlich da. Respekt!

Der Pool ist gepflegt, die Liegen stehen bereit und Carola nutzt sofort die Gelegenheit sich ihren Lieblingsplatz auszusuchen.

Etwas später kommt dann tatsächlich noch ein weiteres, belgisches Päärchen dazu und wir sind auf dem riesigen Anwesen wenigstens nicht alleine.

Sie erzählen uns am Abend dann von ihrem aufregenden Sommerurlaub, den sie ganz ohne Reisebüro gebucht haben. Also Flug, Mietwagen und Übernachtungen so ganz auf eigene Faust, was für ein Abenteuer… (Sonst sind die beiden aber ganz witzig)

Die nächste Etappe soll uns dann nach Pinhao in die Region um den Fluss Douro führen. Der Douro ist der drittlängste Fluss der iberischen Halbinsel und mündet dann bei Porto in den Atlantik.

Vorher fahren wir aber wieder an Steinzeitlandschaften vorbei und links und rechts der Strasse ragen überall grosse Felsen heraus. Insgeheim muss ich oft an Fred Feuerstein denken.

An einer der klitzekleinen Landstrassen sehe ich im Vorbeifahren ein noch kleineres Hinweisschild mit der Aufschrift „Menir“. Das will ich mir – ganz zum Leidwesen meiner Frau – genauer ansehen.

Carola ist sich sicher, dass die Strasse gerade eben bereits klein genug war und meint, wir brauchen nicht auch noch eine Steigerung in Form einer sieben Kilometer langen Sandpiste. (Ich würde sogar liebend gerne den TET fahren, aber wenn ich diese Nummer jetzt anspreche, ist Beziehungsarmageddon!)

Na gut, ersatzweise ist auch eine Sandpiste okay und rate, wer heute gewinnt?!

Mitten im Wald steht hier ein prähistorischer Menir herum und angesichts der markanten Form überlege ich den Zweck der jahrtausendealten Arbeit.

Blöd ist aber, dass die Hinweistafel nur auf Portugiesisch dasteht. Ich kann daher nicht entziffern, was es wirklich mit dem Steinchen auf sich hatte.

Aber ok, wir schaffen es unfallfrei zurück zur asphaltierten Strasse und fahren in die Berge des Douro und meine Liebste verzeiht mir den Exkurs. (Sie ahnt ja nicht, was heute noch kommt…)

Hier ist ganz klar Portugals Weinanbaugebiet. Weinreben stehen so weit das Auge reicht und jeder halbwegs geeignete Hügel ist penibel für die Rebenzucht kultiviert worden.

Wir sind also goldrichtig, als bekennende Fans heller Rebsäfte und erprobte Vernichter aller verfügbaren Flaschen trockener Exemplare.

Dabei blitzen auf und an den Hügeln immer wieder prächtige Villen, Landsitze und Herrenhäuser auf, eine schöner als die andere.

Wir müssen immer wieder anhalten und staunen. Einmal sieht es aus wie in der Eifel, dann wie an der Mosel, dann wieder wie im Sauerland. Nur Verkehr oder andere Motorradfahrer sucht man hier vergebens. Und die Berge sind höher.

Eine besonders imposante Villa thront dann auf einem der schönsten Hügel und wir sind uns einig: Dies ist die tollste hier.

Und nur wenige Meter weiter unten am Hang, fahren wir dann auch an die ausgesprochen gepflegte Einfahrt. Bei genauerer Untersuchung des kleinen schwarzen Schilds an der Mauer wird uns dann schnell klar, wieso es gerade hier besonders feudal zugeht. Wir stehen direkt in einem der Weinberge von Sandeman, der berühmten Sherrymarke.

Hier, an den Biegungen des Douro, zwischen „Vila Real“ und der spanischen Grenzen bist du jedenfalls goldrichtig, wenn du in einer Traumkulisse entspannt Motorrad fahren möchtest!

Unser einziges Problem heute… Korrektur: Mein Problem heute, wird eine missverständliche Anzeige des Navis an einer Biegung mit Strassengabelung:

Ich entscheide mich für rechts und damit für eine etwas kleinere Strasse. Ok, eigentlich ist es schon keine Strasse mehr, eher ein Weg. Wobei, „Weg“ ist eventuell nicht der korrekte Ausdruck, sagen wir: Pfad. Oder – ähm – gepflasterte Gasse?

Witz des Tages ist zunächst ein mehrsprachiges Schild am Wegesrand:

Sorry, aber es gibt hier im Umkreis von 100 Kilometern ganz bestimmt keinen Strand! Ich vermute, sie warnen kreativ vor einem Bachufer…

Naja, ist eigentlich auch egal. Das, was ich nun fahren soll, ist eine Bergaufstrecke die so steil ist, dass ich selbst schon überlege ob wir das riskieren sollen.

Das wirkliche Problem stellt sich dann allerdings erst nach weiteren Kilometern dar: Der Pflasterpfad verengt sich zunächst auf die Breite einer bundesdeutschen Zimmertür, um dann inmitten von Weinreben den Berg in spitzen 180-Grad-Serpentinen zu erklimmen. Superenge Spitzkehren, noch dazu auf losem Geröll, fahre ich wirklich gar nicht gerne.

Während mir eine zufällig mitreisende Sozia aus der hinteren Sitzreihe die Pest an den Hals wünscht und gleichzeitig flehend um Unversehrtheit bittet, versuche ich den Eindruck zu vermitteln, als hätte ich selbstverständlich die Lage unter Kontrolle und jegliche Sorge um daniederliegende Reiseenduros samt Besatzung wäre vollkommen unbegründet.

Nach einer halben Stunde ohne Horizontallage haben wir dann den Gipfel erklommen und gelangen wieder auf die Strasse, die völlig gefahrlos an der Gabelung vor einer halben Stunde in der Mitte entlang geführt hätte. Ich versuche die Lage zu retten, indem ich bemerke, wieviel es zu erzählen gibt wenn man nicht immer nur die einfachste Route wählt… (Manchmal sollte man einfach nur die Klappe halten!)

Da kommt mir dann Vila Real gerade recht. Wir sind wieder in einem Ort mit fester Bebauung und nachvollziehbarer Infrastruktur. Ich wundere mich gerade nur über die mir wohlbekannten FIA-Fangzäune, Curbs und motorsportgerechten, temporären Leitplanken.

Hier auf dem Stadtkurs findet bald ein Lauf der WTCR statt und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Früher, in meiner aktiven Zeit, hätte jeden Termin auswendig im Kopf gehabt. Heute interessiert mich der Motorsport auf vier Rädern praktisch gar nicht mehr. Ich muss aber zugeben, immer wenn es mich – geplant oder ungeplant – an eine Rennstrecke verschlägt, kribbelt es noch ein wenig.

Aber Deckel drauf. Die Jahre sind vorbei und ich bin auch nicht mehr Dreissig. Wir kümmern uns dann lieber um die eigentliche Hauptstrecke, auf die wir hier einbiegen wollen: Portugals N2. Am Ortsausgang von Vila Real bewundern wir noch die spektakuläre Strassenbrücke.

Hinter Vila Real führt uns die N2 weiter durch die Berge Portugals in südlicher Richtung.

Der Douro kreuzt unsere Nord-Süd-Route genau quer von Ost nach West und in seinem Einzugsgebiet liegen weitere ausgedehnte Weinanbaugebiete.

Hier mit dem Motorrad durch die Hänge und Hügel zu fahren macht wirklich Spass und ich hätte mir Portugal in dieser Ecke ganz anders vorgestellt, auf jeden Fall aber weniger bergig und deutlich weniger grün.

Wir überqueren wieder den Duoro und fahren durch den Ort „Lamego„. Mittendrin führt die Strasse einen Platz mit Bäumen auf einen Hügel hinauf und ich halte an, um mir diese ungewöhnliche Stelle anzusehen. Am Ende des Platzes beginnt eine Treppe mit 613 Stufen, die den Berg hinaufführt und den Aufstieg zur Wallfahrtskirche „Santuario de Nossa“ ermöglicht.

Angesichts der sommerlichen Temperaturen und unserer Motorradkleidung ersparen wir uns jedoch den Fussweg zur Kirche.

Man merkt dann schon, dass die ehemalige Hauptroute des Landes, die vom äussersten Norden bis hinunter an die Algarve führt, ihren Charakter über die Jahre und Jahrzehnte verloren hat.

Wirtschaftsgebäude in Form von Restaurants, Tankstellen, Werkstätten oder Cafes sind geschlossen, vereinsamt oder verfallen. Oder eben alles zusammen.

Selbst um die Asphaltdecke scheint man sich nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit zu kümmern.

In Viseu – einer gar nicht so schönen Stadt – müssen wir uns dann sammeln und die Lage besprechen. Wir entscheiden uns, die N2 in der guten Erinnerung des nördlichen Teils zu behalten und jetzt die Atlantikküste und den äussersten Süden Portugals anzusteuern.

Dazu fahren wir von Viseu zunächst mal einfach Richtung Süden, während das Wetter merklich schlechter wird und zwischendurch sogar mal ein Regenschauer für nicht bestellte Erfrischung sorgt.

Daher machen wir Strecke, tanken, absolvieren weitere Kilometer und es geht über Santa Comba Dao, Penacova und Tomar.

Hinter Tomar bleibt es dann endlich trocken und ich biege mal wieder auf die kleinen Nebenstrassen ab, um das Rest-Tagespensum bis in die Gegend von Coruche abzufahren.

Hier haben wir uns heute eine Holzhütte im Wald gebucht. (Jaa, ok, ICH habe das gebucht…) Also keine einsame Holzhütte, sondern eine von mehreren Hütten im Wald einer Pension mit Pool und auch einigen festen Gebäuden.

Vorher fahren wir durch eine bemerkenswerte Gegend mit Pinienwäldern, die auf weissem Sand stehen. Es sieht aus, als hätte jemand Sandstrand ins Landesinnere gefahren und um die Bäume abgekippt.

Immer wieder kann man sehen, dass der Wald nach ausgedehnten Bränden aufgeforstet ist und abseits der Strassen gibt es reichlich verkohlte Holzreste zu sehen.

Am späten Nachmittag erreichen wir dann unsere Hütte, wirklich abseits im Nirgendwo und es sieht hier eher nach Campingplatz aus, als nach Pension.

Positiv ausgedrückt hat man hier die absolute Ruhe, negativ ausgedrückt ist das in der Booking-Beschreibung vorhandene Restaurant am Platz nicht existent und wir müssen improvisieren.

Wir schleppen dann ein winziges Regal aus der Hütte nach draussen und dinieren „in der Natur“ mit Resten aus dem Alukoffer. Carola ist heute nicht so begeistert von meiner Wahl und ich denke, ich muss ihr später auf dieser Tour noch ein Highlight zum Ausgleich präsentieren…

Mobiles Internet gibt es hier draussen übrigens auch nicht. (Man könnte sich also glatt wie zuhause in Deutschland fühlen…)

Dafür beginnt der nächste Morgen mit Sonnenschein und blauem Himmel, ganz entgegen der Wettervorhersage (eingeholt mittels WiFi am Haupthaus), die uns Regen bis zur Küste vorhergesagt hatte.

Der angekündigte Regen verschont uns dann komplett und wir sind darüber überhaupt nicht böse.

Von Coruche fahren wir zunächst in Richtung Lissabon und dann ein Stück auf die Autobahn. Und das ist jetzt ein Punkt den ich bis heute nicht verstanden habe:

In Portugal gibt es mehrere Autobahnbetreiber, je nach Region und Abschnitt. Jeder dieser Betreiber hat sein eigenes System zur Mautabrechnung entwickelt. Der eine arbeitet mit Tickets, der nächste mit Videomautbrücken und Kennzeichenscan, ähnlich denen in Deutschland.

Auf Nachfrage sollen wir die gezogenen Tickets bezahlen oder vorher an Bezahlterminals die vollautomatische Videomaut entrichten. Ob Motorräder überhaupt mautpflichtig sind ist dabei nicht so ganz klar und das kann auch niemand mit Sicherheit sagen. Einige der Abschnitte soll man wohl auch vor Einfahrt online bezahlen, wir wissen nur nicht wo.

Ich versuche am Nachmittag noch im Internet schlau zu werden und gebe es schliesslich komplett auf. Bis heute ist mir nicht klar, ob ich überhaupt bezahlen musste oder wann wieviel. (Und bis heute kam nie eine Zahlungsaufforderung aus Portugal…)

Bei Comporta erreichen wir dann den Atlantik und fahren mit dem Motorrad immer wieder bis ans Meer. Es ist zwar ziemlich windig, aber auch schön und meistens menschenleer.

Die Strände sind überraschend leer, aber manchmal stehen immerhin Schilder mit lustigen Übersetzungen im Sand.

Freunde haben uns den Ort „Sines“ in den höchsten Tönen empfohlen, weil sie kurz nach der Hochzeit dort waren. Es liegt auf unserem Weg und daher nehmen wir die Stadt (sie ist zwischenzeitlich wohl etwas gewachsen…) noch mit.

Sines ist (wie soll ich es diplomatisch ausdrücken?) eher „ernüchternd“. Wenn ich zurückrechne, dürfte der Besuch unserer Freunde etwa zwanzig Jahre her sein. Vielleicht war Sines damals ja wirklich ein ansehnliches Örtchen?! Heute finde ich zwar ein passendes Fotomotiv, es steht aber eher synonym für Sines im Jahr 2019:

Südlich von Sines liegt noch ein Industriehafen und direkt daneben das riesige Thermoelektrik-Kraftwerk. Anschauliches Küstenpanorama geht anders und wir sehen zu, dass wir möglichst schnell weiter in den Süden kommen, wo wir uns von den Badestränden mehr versprechen.

Tatsächlich beginnen hinter Sines ausgedehnte Naturschutzgebiete und die versöhnen uns dann schnell wieder mit der portugiesischen Atlantikküste.

Sandstrände, Klippen und Felsenküste wechseln sich mit tollen Buchten und Surfstränden ab. Hier kann man es aushalten und die frische, leicht salzige Sommerbrise geniessen.

Man kann immer wieder anhalten und zum Meer laufen, mal an der Steilküste, mal an flachen Sandstränden. Selbst an wirklich einsamen Buchten machen wir Halt und freuen uns heute an einem Tag am Atlantik.

Weiter geht es Richtung Südwesten. Dort wo die Strasse vom Meer wegführt, gibt es viel Landwirtschaft und Viehzucht. Lustig finden wir die kreativen Transportideen, die in Mitteleuropa wohl zu Aufständen von Tierschützern führen würden. Auf uns machten die Schafe aber eigentlich einen ganz glücklichen Eindruck!

Es geht bis nach Sagres und wir wollen heute unbedingt zum „Cabo de Sao Vicente„, denn das ist immerhin das südwestlichste Ende Europas und dort muss man ja mal gewesen sein! (Wegen ToDo-Liste und so…)

Die Klippen hier sind 70 Meter hoch und es geht senkrecht hinunter ins Meer. Der Ort hat tatsächlich etwas vom Ende der Welt und für die Römer war es das wohl auch.

Neben sehr hohen und sehr steilen Klippen gibt es den lichtstärksten Leuchttum Europas und – sicherlich als weiteres bedeutendes Highlight – die berühmte Wurstbude mit der „Letzten Bratwurst vor Amerika“. Was die deutschen Betreiber inklusive deutschem Werbeslogan hier präsentieren, scheint sich besonderer Beliebtheit zu erfreuen.

Normalerweise würde ich nicht erwarten, dass ein Businessplan mit dem Titel „Bratwurstverkauf in Südeuropa“ erfolgversprechend ist, aber hier scheint es wohl mal zu funktionieren. In deutschen Auswanderersoaps ist die „Bratwurstbude am Strand“ als Geschäftsidee aber der Renner und damit gehen seit Jahren schon ganze „Goodbye-Deutschland-Familien“ baden, wahlweise in Florida, Spanien oder am Gardasee.

Naja, ob man im Süden Portugals unbedingt eine deutsche Bratwurst braucht, muss jeder selbst entscheiden. Wir fahren lieber nach Sagres und speisen in einem portugiesischen Restaurant mit Blick aufs Meer und den hohen Klippen des Cabo am Horizont.

Unser nächster Orientierungspunkt ist die Algarve und die Orte Lagos, Portimao und Albufeira. In der Nähe von Albufeira, aber immerhin abseits der britischen Touristenströme, hatten wir in den Neunzigern mehrmals ein Haus gemietet und wirklich schöne Urlaube verbracht.

Wir überlegen einen Besuch, entscheiden uns dann aber dafür, die Erinnerungen so zu belassen wie sie sind. Man muss nicht mit Gewalt versuchen, die Zeit zurückzudrehen. Damals war das wirklich toll, heute vermutlich auch, aber eben anders.

Damals hatte ich gerade meine erste Firma gegründet und es war eine echt harte Zeit mit sehr viel Arbeit. Abgesehen von den zwei Wochen Sommerurlaub im Jahr gab es keine Freizeit. Diesen Teil will ich bestimmt nicht zurückhaben und wäre aus heutiger Sicht lieber mehr mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern zusammen gewesen.

Wir finden dann in Portimao eine tolle Villa, die von den Besitzern zu einem fantastischen B&B umfunktioniert wurde. Jedes Zimmer (eher schon Appartement) hat ein eigenes Bad und unseres befindet sich im Untergeschoss mit Zugang zum Garten und zum Pool. Im riesigen unteren Wohnzimmer stehen eine ebenso grosse Couchgarnitur, daneben ein Billardtisch und an der Wand ein offener Kamin. Das Haus erscheint uns riesig.

Es gibt sogar eine Tiefgarage und ich soll das Motorrad dort einparken. Da wir heute wieder viel gefahren sind, belasse ich es aber dabei, die Maschine vor dem Rolltor abzustellen. Ich habe den Eindruck, es steht auch davor sicher genug.

Während wir es uns auf der Terrasse gemütlich machen, lese ich die ersten Berichte zur Vorstellung der neuen Yamaha Ténéré 700 im spanischen Tortosa. Die Fachwelt ist sich einig, dass das Motorrad ein ganz grosser Wurf ist und die neuesten Videos auf Youtube vermitteln dies auch. Eine Reiseenduro mit 200 Kilo steht schon länger auf meiner Wunschliste und ich bestelle die Maschine kurzerhand per Email in Deutschland. Immerhin gibt es gerade noch den „Frühbucherrabatt“ und wer kann da schon nein sagen?!

Am nächsten Tag lassen wir die Algarve hinter uns uns fahren vorbei an Faro in Richtung Westen. Es geht über die spanische Grenze und über den Südrand von Sevilla nach Cadiz.

Eigentlich hätte ich gerne versucht, über Matalascanas nach Cadiz zu kommen. Es soll dort eine Fähre geben, aber der Umweg wenn dies nicht klappt wäre enorm.

Den riesigen Nationalpark Donana lassen wir daher zunächst aus (ToDo-Liste!), passieren Cadiz und reisen die Costa de la Luz entlang nach Tarifa.

Die Costa de la Luz hatte uns bei der ersten Tour in Andalusien schon fasziniert und auch jetzt sind wir wieder begeistert. Es ist einfach wunderschön und die kleinen Küstenorte (Zahora, Barbate, Zahara de los Atunes) sind ganz sicher eine Reise wert. Und wenn man sich nicht in den Orten satt sehen kann, dann verwöhnen Sonnenblumenfelder und Berge am Horizont.

Wir erreichen schliesslich Tarifa, die südlichste Stadt Kontinentaleuropas. Hier an der Strasse von Gibraltar wollen wir uns mit dem Boot Wale und Delfine ansehen und fahren zunächst bis hinunter an den Hafen.

Es ist Ende der Erntezeit und eine Schar weiblicher marokkanischer Erntehelfer sorgt für lautstarke Unterhaltung während sie auf die Fähre warten.

Während sich Carola am Hafen um Tickets für die Bootstour am nächsten Tag kümmert, suche ich nach einer passenden Bleibe für den Abend. Noch bevor ich das Smartphone gezückt habe um auf Booking zu suchen, erblicke ich das erste Haus am Platz, direkt vor mir am Hafen. Sieht gut aus denke ich mir, gerade richtig als Wiedergutmachung für den Campingplatz in Portugal.

Preislich spielen wir hier jedoch in einer ganz anderen Liga: Top-Bewertungen, Restaurant im Haus, bewachte Tiefgarage, Rooftop-Bar mit Rooftop-Pool, Blick über den Hafen und auf die Strasse von Gibraltar und die Berge Marokkos auf der anderen Seite.

Egal, ich quartiere uns unverzüglich ein und bemerke erfreut die Professionalität der Empfangsdamen angesichts einer verstaubten und verschwitzten Motorradbesatzung.

Wir beziehen ein feudales Zimmer, machen uns frisch, gehen dann zunächst auf die Dachterrasse und schauen uns den Ausblick an. Alle folgenden Fotos sind oben vom Hotel geschossen und vermitteln einen kleinen Eindruck vom Haus.

Nun, was soll ich sagen… Frau zufrieden = Stimmung gut = Tag gerettet!

Tarifa ist wirklich eine schöne Stadt, nicht zu klein, nicht zu gross. Städte sind mir eigentlich zuwieder, aber Tarifa mag ich. Da kannst du beruhigt hinfahren!

Am Abend suchen wir uns eines der vielen Restaurants in der wirklich schönen Altstadt und lassen den Tag bei Tapas und einem Glas Wein ausklingen. Sehr gut! Solltest du mal nach Tarifa kommen, empfehle ich dringend einen Besuch hier.

Der nächste Morgen weckt uns mit perfektem Wetter, blauem Himmel und ruhiger See. Ideal für unsere Bootstour in die Strasse von Gibraltar. Nachdem wir in Ruhe gefrühstückt haben, gehen wir nur über die Strasse, um am Hafen die Leute von „Firmm.org“ zu treffen.

Wir haben eine zweistündige Tour um 10 Uhr für 30 Euro pro Person gebucht und der Treffpunkt ist dann auch direkt am Hafen, wo auch das Boot liegt.

Nach einer kurzen Einweisung und Informationen über die Tour und was es zu sehen gibt, geht es dann raus aufs Meer.

Bemerkenswert sind die vielen Fischerboote, vornehmlich aus Marokko, die hier auf die Jagd nach Thunfisch gehen.

Die hier haben besonderes Glück, einen fetten Thunfisch gefangen und können für heute Feierabend machen:

Es dauert nicht lange und wir sehen die erste grosse Gruppe Delfine, die unmittelbar neben unserem Boot aus dem Wasser springt.

Manchmal – je nach Wetterlage, Jahreszeit und Lust der Tiere – kann man auch Orcas sehen. Wir finden heute keine, erhalten aber einen guten Eindruck vom Betrieb in dieser viel befahrenen Meerenge zwischen Europa und Afrika.

Kurz vor Ende der Tour und schon fast auf dem Weg zurück in den Hafen von Tarifa, macht das Boot dann nochmal kehrt und wir sehen einen grossen Buckelwal.

Dem Tier kommen wir nah genug, damit ich gescheite Fotos machen kann, gleichzeitig halten wir aber auch einen passenden Respektabstand um nicht zu stören.

Der Wal holt an der Oberfläche Luft, stösst dabei Wasserfontänen aus und taucht dann schliesslich wieder ab.

Die Tour können wir wirklich empfehlen, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt und alles ist gut und professionell organisiert.

Wir sind dann am Nachmittag wieder im Hafen von Tarifa und brechen auf in Richtung Malaga. Die Küstenstrasse beschert uns einen schönen Blick hinunter aufs Meer und auf die Küste Marokkos.

Das Wetter ist so klar, dass ich am Horizont sogar die spanische Exklave Ceuta sehen kann, an die ich von meinem letzten Besuch im vergangenen Jahr gar nicht so gute Erinnerungen habe.

Ich denke aber, Ceuta und Marokko bekommen in nicht allzu ferner Zukfunt nochmal eine Chance.

Zweieinhalb Stunden später sind wir dann wieder zuhause und lassen den Abend und unsere Tour ausklingen. Wir haben noch ein paar Tage in Andalusien, dann geht es wieder ins Münsterland.

Am Ende muss ich mich sputen. Der Flieger geht an einem späten Mittwochabend in Richtung Deutschland. Wenn wir dann gegen 1 Uhr in der Nacht ins Bett fallen, muss ich am frühen Morgen das Motorrad schon wieder packen um am Donnerstagnachmittag in Richtung Aserbaidschan aufzubrechen.

Ich habe etwa 7 Stunden bevor es auf die nächste Tour in Richtung Kaukasus geht. Das nennt man dann wohl Freizeitstress…

 

Fazit

Reisezeit: Juni 2019

Gesamtstrecke: 2.521 km (Malaga, Extremadura, Portugal, Tarifa, Malaga)

Schäden/Verluste: Keine

Schönste Gegend: Portugals Nordosten in den Weinanbaugebieten

Gruselig: Sines, sowie die Algarve und die dortigen Touristenzentren

 

Was uns sonst noch aufgefallen ist:

Supermärkte haben in Portugal an sieben Tagen in der Woche geöffnet!

Portugiesische Mautregelungen sind unmöglich zu durchschauen.

Man kann sich trotz Navi verfahren, wenn das Gerät nur alt genug ist!

 

Unsere (grobe) Route durch Portugal:

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