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Bali

Es gibt etwas zu feiern und ich brauche ein Geschenk. Carolas Liste mit ihren Wunschzielen führt „Bali“ auf. Da liegt es nahe, dieses Fernziel zu buchen. Weil die Anreise mit dem Motorrad etwas lang ist, habe ich mich um Flüge gekümmert. Passende Unterkünfte werden wir dann schon vor Ort finden.

Üblicherweise sind wir sehr individuell unterwegs und häufig mit dem Motorrad. Diesmal wird es die bequemere Variante. Geht das in Ordnung?

Beim Gepäck sind wir uns einig: Wir nehmen nur mit, was wir wirklich brauchen. Motorradreisen prägen und du bist ohnehin gezwungen, dich gepäcktechnisch einzuschränken, so kommen wir mit einem Rucksack und je einer kleinen Tasche für Technik und Papierkram hin.

Gebucht habe ich mit Singapore Airlines von Frankfurt nach Singapur, dann weiter von Singapur nach Denpasar auf Bali und insgesamt haben wir uns 15 Tage für den Trip genommen.

Unser Flieger geht an einem Samstag um 11 Uhr am späten Vormittag und wir übernachten in irgendeinem Business-Hotel nahe dem Flughafen. Ich mag Stress bei der Anfahrt zum Airport nicht so gerne, deshalb entscheiden wir uns für die sichere Variante der Anreise am Vorabend. Bis Frankfurt brauche ich von unserem deutschen Zuhause gut drei Stunden.

Die Anfahrt am Vortag war eine clevere Idee, da ein paar „operative Herausforderungen“ die Organisation des Frankfurter Flughafens an seine Grenzen bringen. (Details spare ich mir.)

An diesem Samstagmorgen versucht man am Flughafen irgendwie Logistik und Organisation wieder auf Trab zu bringen. Die Schlangen an der Sicherheitskontrolle stehen bis nach draussen auf die Zufahrten. Der Flieger in die Karibik am Gate nebenan kann gar nicht starten, da einfach kein Ladepersonal verfügbar ist.

Unser Flieger ist ein Airbus A380 und kann Gott sei Dank starten. Und weil der Flug nach Singapur so lange dauert, habe ich „Premium-Economy“ gebucht. Der Komfortgewinn ist enorm und bei so einer Fernreise möchte ich nicht in der Economy-Klasse sitzen. Für Business-Class bin ich aber zu geizig. Der Aufpreis für Premium-Economy geht in Ordnung für einen so langen Flug und das würde ich wieder wählen.

 

Bedingt durch Wladimirs andauernde Expansionspläne führt unsere Route über den Norden der Türkei statt über die Ukraine. Es ist interessant und wunderschön, die winterliche Landschaft jetzt aus der Luft zu sehen. 2019 bin ich Anatolien komplett von West nach Ost mit dem Motorrad abgefahren, da lag allerdings kein Schnee hier unten…

Weiter geht es über den Kaukasus und den Iran. Leider kann ich davon wenig sehen, weil wir jetzt gegen die einbrechende Nacht fliegen. Den Abano-Pass im Nordkaukasus hätte ich gerne nochmal aus der Luft gesehen.

Am nächsten Morgen (die Nacht war eben kurz, weil wir in Richtung Osten geflogen sind) kann ich schon die Schiffe auf dem indischen Ozean erkennen, während der Landeanflug auf Singapur beginnt.

In Singapur haben wir drei Stunden Stop-Over bevor es mit der Tochterairline „Scoot“ weiter geht nach Denpasar. (Zu Singapur komme ich später noch)

Scoot fliegt uns von Singapur nach Bali heute in einer alten Boeing 787, die etwas verranzt ist. Die Kabine hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und auf den Tragflächen blättert der Lack ab, aber die Technik ist in Ordnung.

Bei der Ankunft in Denpasar auf Bali brauchen wir am Flughafen eine Stunde für die Einreisebürokratie. Es gibt hier zwar recht viele Schalter, aber eben auch recht viele Reisende. Die Passkontrolle dauert, auch weil man an einem anderen Schalter das Visum erwerben und demzufolge auch bezahlen muss.

Carola hat dann nur unsere ersten beiden Nächte gebucht um flexibel zu bleiben. Ich denke, das war eine gute Idee, denn bei der Anreise mit Jetlag auch noch eine Übernachtung zu suchen macht bestimmt keinen Spass. Theoretisch haben wir einen Reiseplan und bevorzugte Hotels, aber wir bleiben so flexibel wie möglich.

Das erste Haus ist aus logistischen Gründen die „Villa Pantai Karang“ an der Ostküste von Denpasar im Ortsteil Sanur. Das ist nicht weit weg vom Flughafen und nach der langen Anreise, inklusive Jetlag, wollen wir erstmal ausruhen und uns akklimatisieren.

Das Pantai Karang ist anders als auf den Bildern, die wir vorher im Internet gefunden haben: Es ist noch besser!

Wir verleben den ersten Tag mit einer kleinen Erkundung der direkten Umgebung, essen in einem nahen Restaurant am Strand und fallen dann todmüde ins Bett.

Am nächsten Tag brauche ich dringend ein Zweirad. Lieb wäre mir ein anständiges Motorrad, aber das ist in Bali nicht so einfach zu finden. Hier ist man idealerweise mit dem Roller bzw. Scooter unterwegs und davon gibt es auf Bali geschätzt 100 Millionen. Damit kommt man definitiv besser voran als mit dem Auto, denn der Verkehr in und um die „Hauptstadt“ Denpasar ist heftig. (Heftig zwar, aber man kommt gut zurecht, wenn man einfach „mitschwimmt“)

Unser erstes Ausflugsziel ist die Gegend um Uluwatu. Das liegt auf einer Halbinsel südlich von Denpasar und soll ganz schön sein.

Die Fahrt durch den dichten Verkehr der Inselhauptstadt dauert eine knappe Stunde, aber mit dem Auto hätten wir wohl mindestens doppelt so lange benötigt. Ein Motorroller ist hier dem Pkw definitiv vorzuziehen!

Die Recherche war korrekt. Hier an den Südstränden der Insel sieht es so aus, wie auf Postkarten!

Wir parken den Roller oberhalb des Strandes und laufen den Fussweg hinab zur Küste.

Bei der Suche nach einem schönen Strand sind wir mit dem Roller versehentlich auf das Areal des „Six Senses Uluwatu“ gerauscht. Ein Schickimicki-Schuppen wie er im Buche steht und ich bin heilfroh, dass wir uns eines der kleineren Häuser gesucht haben.

Beim nächsten Versuch durch den Wald finden wir das, was wir eigentlich wollten. Es ist der Nyang Beach, wunderbar chillig und nicht so überlaufen, jedenfalls nicht heute. Oben auf der Höhe haben sie ein altes Passagierflugzeug abgestellt und als Strandbar umgebaut. Coole Idee.

Es gibt hier unten ein paar Strandbars. Eine hat es uns besonders angetan und wir kehren ein. Die Stimmung ist „relaxed“ und die Aussicht prima.

Wir nehmen einen Drink und ich beobachte einige Paare, bei denen „er“ damit beschäftigt ist „sie“ in 320 Positionen mit dem Smartphone abzulichten. Ob sie die Umgebung hier überhaupt wahrnehmen? Instagram ist irgendwie eine Seuche.

Auf dem Rückweg machen wir ein paar Mal halt und schauen uns die ersten Tempel an. Davon gibt es auf Bali gefühlt tausende. Grosse Tempel, kleine Tempel, Hindutempel, Buddhatempel.

Ohne Hintergrundinformationen sind die zwar schön anzusehen, aber ich habe das Gefühl, mit ein paar erklärenden Worten hätten wir mehr davon. Das holen wir später nach.

Am Abend erkunden wir die Gegend um das Hotel und essen noch in einem vielversprechenden Restaurant. Dann können wir uns auch schon langsam von unserer Unterkunft in Sanur verabschieden, denn morgen soll es ins Landesinnere nach Ubud gehen.

Den Roller geben wir erstmal wieder ab. Ich denke, gegen ein paar indonesische Rupien bekommen wir auch in Ubud einen motorisiertes Zweirad. Just bei der Abgabe des Rollers steht ein richtiges Motorrad vor der Tür, dazu noch eine Yamaha. Nicht, dass man damit auf Bali schneller voran kommt, aber irgendwie ist es trotzdem schade.

Von Sanur fahren wir mit einem Taxi nach Ubud. Viel Gepäck haben wir ja nicht dabei, aber für unsere beiden grossen Rucksäcke wäre der Roller auf diese Distanz etwas überfordert.

Bei der Abfahrt aus Sanur realisieren wir, dass wir direkt neben dem deutschen Konsulat gewohnt haben. Aber meistens ist es gut, wenn man das gar nicht braucht…

Der Weg nach Ubud ist nur 25 Kilometer lang, aber der Fahrer braucht durch den Verkehr etwa eineinhalb Stunden. Wie gesagt: Das Auto ist auf Bali nicht das passende Verkehrsmittel.

Unsere neue Herberge ist genauso gut wie die alte. Wir haben das „Kalangan“ gebucht und sind sehr zufrieden.

Da ich den Mietroller in Denpasar abgegeben habe, brauchen wir Ersatz. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, laufen wir die Strasse entlang. Keine 300 Meter braucht es, um den ersten Rollerverleih zu finden.

An der Strasse stehen etwa ein dutzend Zweiräder. Ich versuche das für uns passende Exemplar zu finden, wobei eine „leidenschaftliche“ Diskussion beginnt. Carola versteht nicht, wieso man nicht einfach irgendeinen nimmt, es wäre doch nur ein Roller…

Ich versuche es mit einem Vergleich: „Schau mal, das ist wie beim Brautkleid. Da muss man doch auch nicht stundenlang rumeiern. Weisser Stoff, Schleier, fertig!“ Die Kurzversion: Es wird eine 125er Yamaha…

Auf Bali gibt es hauptsächlich zwei Modelle: Den „NMax“ von Yamaha und den „PCX“ von Honda. Beide stellen mit 125ccm bereits das obere Ende der Leistungsklasse dar, reichen hier aber vollkommen aus, selbst im Zwei-Personen-Betrieb.

Nur: Einen 125er brauchst du schon, wenn man zu zweit unterwegs ist. Mit 50ccm kommt man die Berge und Hügel nicht hinauf und das wär ja blöd! Den altbekannten „Hubraumspruch“ lasse ich jetzt mal weg.

Diesmal ist die Verleihstation etwas kleiner, etwas einfacher, etwas rustikaler. Unsere neue Leihmaschine sieht dann auch etwas „gebrauchter“ aus, aber technisch ist der Roller völlig in Ordnung. Vorteil: Eine weitere Schramme wäre irrelevant. Nicht, dass ich eine zufügen möchte, aber falls es so sein sollte, würde es nicht auffallen…

Passieren kann sowas im balinesischen Verkehr schnell. Einerseits ist er sehr dicht, andererseits fährt jedermann so, wie es ihm gefällt. Die goldene Regel lautet: Fahr da lang wo Platz ist. Schon nach dem ersten Tag war ich mir recht sicher, dass darüber hinaus keine weiteren Regeln existieren.

Ok, eine vielleicht noch: Falle nicht in Löcher! Weder als Rollerfahrer, noch als Fussgänger sollte man metertiefe Löcher in Fahrbahn und Fussweg übersehen. Wer in der Dunkelheit unterwegs ist, muss besonders aufpassen. In der Nacht würde ich dringend eine gute Taschenlampe empfehlen, auch als Fussgänger.

Für den Abend hat sich die Herzdame eine Massage gewünscht. Das ist prinzipiell kein Problem, denn die Aufgabe, auf Bali eine Massage zu bekommen, ist ungefähr so schwierig, wie einen Roller zu mieten. Bali und Massagen gehören fast schon zusammen, aber für mich ist es die erste Massage meines Lebens, kein Scherz. Insofern stehe ich dem Erlebnis etwas unentspannt gegenüber, überlebe die Erfahrung aber ohne schwere Verletzungen.

Wir finden wieder ein gemütliches Restaurant und sind happy. Verhungern wirst du auf Bali definitiv nicht. Es gibt Unmengen an Streetfood und unzählige Restaurants an jeder Strassenecke. Wir haben es in der gesamten Zeit auf der Insel nicht geschafft, schlecht zu essen. Im Gegenteil: Die indonesische Küche ist unfassbar lecker, dabei wunderbar leicht und unschlagbar preiswert.

Wo wir bei den Nahrungsmitteln sind: Der erste komplette Tag in Ubud führt uns in die Reisterrassen nördlich des Ortes. Das Schild ist überflüssig. Ich wollte hier nicht auf Reiskörner schiessen.

Die Reisterrassen anzusehen ist ebenso interessant wie anstrengend. Und wir sind nur Touristen. Welche Kondition man hier besitzen muss, um die Arbeiten zu erledigen, kann ich nur erahnen.

Das nächste Ziel ist einer der unvermeidlichen Wasserfälle. Ein Freund hat uns vor der Reise geraten, die Wasserfälle selbst, also auf eigene Faust zu besuchen. Und auch wenn wir den ultimativen Tipp zum ultimativen Wasserfall erhalten, auch wenn dieser absolut einsame Wasserfall nur und exklusiv für uns wäre, bei der Ankunft mit dem Guide wäre garantiert jeder Wasserfall nicht mehr oder weniger einsam, als alle anderen, jedenfalls im Grossraum von Ubud.

Ich suche uns daher einfach den nächstbesten auf Google Maps raus und wir fahren da hin.

Bali ist eine grosse Insel, etwa 140 mal 90 Kilometer, mit üppiger Vegetation und respektablen Bergen. Der Höchste ist über 3000 Meter hoch und vulkanischen Ursprungs. Dadurch ist die gesamte Landschaft sehr abwechslungsreich. Durch das tropische Klima und die hohe Luftfeuchte wächst alles Grüne gefühlt einen Meter pro Woche. Das viele Wasser sucht sich dann in Schluchten und Senken seinen Weg. Dadurch gibt es ähnlich viele Wasserfälle wie Motorroller. (Ein blöder Vergleich, sorry…)

Hier und heute ist es also der „Suwat Waterfall“, aber ich denke, es hätte auch jeden anderen treffen können. Was ich damit meine: Mach dir keine Gedanken über den tollsten, höchsten, schönsten. Geniesse einfach den, den du findest. Dazu brauchst du nämlich keinen Guide!

Am Wasserfall treffe ich Burak aus der Türkei. Er hat eine Drohne dabei und filmt den Spass aus dieser Perspektive. Ich habe mich bisher immer noch auf klassische Fotos beschränkt, obwohl ich das Thema Drohne hochinteressant finde. Mir ist nur die Nachbearbeitung von bewegten Bildern zu aufwändig.

Dafür erklärt er mir ein paar technische Details und ich bin ziemlich neugierig.

Burak hat einen Instagram-Kanal und befüllt diesen fleissig mit seinen Aufnahmen. Ich habe damit vorsichtige Versuche begonnen, bin aber immer noch zwiegespalten. Dem Verlangen, jeden wunderschönen Spot der Erde in die Welt hinaus zu posten, stehe ich skeptisch gegenüber.

In diesem Fall dürfte das allerdings egal sein. Zum einen ist Bali wahrscheinlich in den weltweiten Top-Ten der Instagram-Spots. Zum anderen dürfte auch dieser Wasserfall längst kein Geheimtipp mehr sein.

Auf dem Weg nach oben zum Motorroller passieren wir einen Tempel. In Denpasar hatten wir ja schon die ersten angesehen, allerdings nur oberflächlich. Hier treffen wir auf eine Frau aus dem nahegelegenen Ort. Sie bietet uns an, den Tempel zu besichtigen. Segnung inklusive. Wir denken uns: Schaden wird es nicht und tauchen ein klitzekleines Bisschen ein in die Kultur.

 

Am Nachmittag geht es zurück nach Ubud, aber ich muss das Thema Zweirad nochmal aufgreifen. Das ist ja nicht so wie in Deutschland, denn hier besitzen die meisten Menschen – statistisch – angeblich mehr als einen Motorroller.

Wenn du also mal nach Bali kommst, halte die Augen offen. Es gibt die unglaublichsten Exemplare in allen Varianten. Ab und zu erwische ich ein besonderes Exemplar mit der Kamera.

Was ich meine: Du musst aufmerksam sein und genau hinsehen. Manchmal sind es die kleinen Details, die zählen…

…und manchmal auch die Grossen!

Achja, auch die Verkabelung ist sehenswert!

Am Abend sind wir zu müde, um noch gross den Weg in die City von Ubud anzutreten. Fünf Minuten vom Hotel entfernt hatte ich ein kleines Warung an der Strasse gesehen. Das war gestern voll besetzt mit Einheimischen, was üblicherweise einen sicheren Treffer verspricht.

Wir beeilen uns mit dem Fussweg, weil für den Abend Gewitter angekündigt sind und erreichen den Warung gerade eben noch im Trockenen. Unsere Bestellung ist noch nicht aufgenommen, da öffnet der Himmel auch schon seine Schleusen.

Der schönste Teil des Abends beginnt zu dem Zeitpunkt, als der Strom ausfällt und alle Tische im Schein von Taschenlampen, Kerzen und Handyleuchten glimmen. Eine solche Atmosphäre, hier in diesem einfachen, aber unglaublich leckeren Warung an der Strasse kann man gar nicht bezahlen. Das ziehen wir jedem Schickimicki-Restaurant vor.

Neuer Tag, neues Glück: Heute können und wollen wir die Erfahrung „Ubud“ nicht vermeiden. Ubud gilt als kulturelles Zentrum von Bali. Angeblich geben sich hier Künstler und Yoga-Yogis die Hand. Bevor ich das verifizieren kann, muss ich uns aber durch den unglaublichen Verkehr bringen.

Um ehrlich zu sein grüble ich immer noch, ob die Autos die Roller behindern oder die Roller die Autos. Fakt ist, dass „Ubud“ das indonesische Wort für Verkehrschaos ist.

Ich vermute, die Durchschnittsgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs beträgt hier nur knapp über 2,7 Kilometer pro Stunde. Du könntest also genauso gut zu Fuss gehen.

Wir schaffen es dann trotzdem in das vermutete Zentrum von Ubud um sagen zu können, dass wir in Ubud waren. Ich bezweifle nachdrücklich, dass es für Ubud einen anderen Grund gibt als ein Kreuz auf der Must-see-Aufgabenliste. (Streiche das „Must“!)

Ein Freund von mir hatte uns vorgewarnt und gleichzeitig empfohlen, sich Ubud trotzdem anzusehen. Es wäre eine „Erfahrung“. Er hatte recht. Ich darf aber auch erwähnen, dass Carola Ubud besser gefallen hat als mir.

Am südlichen Rand von Ubud gibt es den „Monkey Forest„. Vielleicht ist der sehenswert? Wir fahren da hin.

Vor dem Eingang gibt es einen Parkplatz für Roller. Das folgende Foto unterstreicht den Hinweis, dass auch der Monkey-Forest kein Geheimtipp ist.

Der Affenwald ist aber wohl einen Besuch wert, vor allem weil es hier wesentlich ruhiger zugeht als in der City, was ja schon irgendwie alles sagt…

Im Urlaub lese ich gerne Reiseberichte und diesmal war es das zweite Buch von Christopher Many, „Hinter dem Horizont rechts“. Das erste (wirklich lesenswerte) Buch handelt von seiner Weltreise mit einem Landrover Defender, das zweite von seiner Weltreise mit dem Motorrad.

Christopher ist seit 25 Jahren unterwegs, hat sehr viel gesehen und schreibt das auch so, unabhängig davon, ob es politisch korrekt ist oder nicht. Ihm geht es eher um die realistische Wiedergabe seiner Erlebnisse. Er thematisiert das gleich zu Beginn und hat das in seinen Büchern so durchgezogen. Mir gefällt das sehr, weil es nicht geschönt, sondern real ist. Ob er das heute alles nochmal so schreiben würde (dürfte) stelle ich mal in Frage. Mir haben beide Bücher sehr gefallen und ich möchte die als Reiselektüre empfehlen!

Ubud war eine Erfahrung, wobei ich vor allem das gute Essen dort erwähnen möchte. Abgesehen davon gefiel uns besonders die Umgebung des Ortes oder anders gesagt: Das, was nicht Ubud war. Die Reisterrassen sind gewiss touristisch, aber einen Besuch wert.

Unser Besuch auf Bali soll sich aber nicht auf Denpasar, Sanur, Uluwatu und Ubud beschränken. Vor allem verspreche ich mir vom Norden der Insel noch etwas, aus einem besonderen Grund.

Der nächste Stopp liegt deshalb 80 Kilometer entfernt an der Küste in dem Örtchen Tulamben. Dort haben wir eine schöne kleine Bungalowanlage gefunden. Die sah auf Booking gut aus und hatte gescheite Bewertungen.

Die Fahrt durch die Berge dauert fast drei Stunden und bei der Ankunft haben wir erhebliche Schwierigkeiten, die Anlage überhaupt zu finden. Wir fahren mehrere kleine Wege durch den Busch bis hinunter ans Wasser und wieder hinauf, bevor wir feststellen, dass der Hoteleingang nur über einen schmalen Kiesstrand direkt am Wasser erreichbar ist.

Unserer Freude tut das keinen Abbruch. Wir werden freundlichst empfangen und bekommen eines der nur sieben wunderschönen Bungalows inmitten einer dichten, grünen Wohlfühloase.

Irgendjemand hat am Eingang sein Moped abgestellt und ich bewundere die liebevollen Details. Es dürfte klar sein, dass wir hier richtig sind!

Mein persönliches Highlight kann ich schon vom kleinen Restaurant-Pavillon sehen: Es sind die Tauchspots hier!

Die Gewässer um Bali gelten mit als die besten Tauchplätze der Welt und eines der Highlights auf Bali ist das Wrack der „U.S.A.T. Liberty„. Die liegt praktischerweise genau vor dem Hotelstrand und ich brauche jetzt nur noch eine gescheite Tauchbasis um an das Equipment zu kommen.

Wenige Schritte vom Hotel entfernt finde ich die Basis der Tulamben Divers. Hier braucht es auch keine Vorbuchung oder ausufernde Bürokratie. Ich schätze, der Checkin inklusive Auswahl der Ausrüstung hat keine zwanzig Minuten gedauert.

Da gerade nicht ganz so viel los ist, bekomme ich mit Komang Darma meinen persönlichen Diveguide. Die nächsten Tage machen wir ein paar schöne, entspannte Tauchgänge, vornehmlich am Wrack der Liberty, die recht günstig auf 3 bis 29 Metern Tiefe liegt.

Wenn ich nicht tauche, chillen Carola und ich entweder am kleinen, gemütlichen Hotelpool mit unvergleichlicher Aussicht auf die Javasee oder wir geniessen den herausragenden Service von Restaurant und Bar. Besser geht es nicht!

Carola hatte sich noch eine professionelle Yoga-Stunde mit einem Lehrer gewünscht und ich will mich der Erfahrung nicht verschliessen. Zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint ein wilder, zotteliger, schwarzhaariger Yogi am Bungalow, bei dessen Anblick ich noch mehr Schweissperlen auf die Stirn bekomme, als das Tropenklima ohnehin schon hervorruft.

Ich stelle aber erfreut fest, dass meine erste Yogastunde keine bleibenden Schäden hinterlassen hat. Zudem ist der Yogi zwar fordernd, die Sache macht aber richtig Spass und ich nehme ein paar gute Ideen mit.

Unsere Zeit verbringen wir viel mit Pendeln zwischen Pool und Bar und finden tatsächlich ein einziges weiteres Paar im Hotel. „Überlaufen“ kann man das hier ganz bestimmt nicht nennen!

Wir haben schon das eine oder andere Hotel gesehen, aber das hier ist wahrscheinlich das beste Hotel, das ich in meinem Leben besuchen durfte. Die Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber wir mögen es beide nicht so voll und quirlig. Lieber ist uns ein Haus mit gemütlicher Atmosphäre und nettem Personal, idealerweise in einer tollen Umgebung. Hier bekommt jede dieser Kategorien die Höchstnote!

Leider geht unsere Zeit auf Bali langsam dem Ende zu und wir haben noch Folgeprogramm. Deshalb müssen wir für den Rückflug wieder nach Denpasar, wo wir uns nochmal für zwei Nächte einquartieren.

Die Fahrt zurück dauert wieder ein paar Stunden quer über die Insel. Ich vertreibe mir die Zeit mit Fotos. Verzeih mir die schlechte Qualität durch die Scheibe aus dem fahrenden Fahrzeug, aber ein paar Szenen will ich dir nicht vorenthalten.

Hier werden Waren auf Motorrollern transportiert, für die man in Deutschland einen Lkw ordert.

Unsere letzte Unterkunft liegt im Ort Kuta, nur wenige Kilometer nördlich des Flughafens. Diese Wahl war nicht ganz so gut, denn Kuta ist alles andere als ruhig.

Dafür haben wir wieder mal Glück mit dem Hotel „Poppies Bali„. Tipp: Wenn du schon in Kuta übernachtest, bleib nicht zu lange und such dir ein gescheites Hotel! Ansonsten gibt es 1000 schönere Ecken auf der Insel als die Viertel um den Flughafen. Für uns war der Hauptgrund die Logistik, denn unser Abflug ist recht früh.

Egal. Das Poppies ist wirklich gut und weil es eine nicht ganz so kleine Anlage in einem schönen grünen Garten ist, fühlt man sich hinter den Hotelmauern geborgen und wohl.

Ausserhalb des Hotels bekommt man jedoch die geballte Ladung dichter Bebauung, Verkehr und Lärm um die Ohren.

Wir versuchen es mit einem Spaziergang zum Strand und sind entsetzt über die unglaublichen Mengen an Müll, die hier überall herumliegen. Wenn die Sünden des Massentourismus irgendwo zutage treten, dann hier.

Den Strand meiden wir dann und verbringen den letzten Tag am Pool, bevor wir uns auf die Rückreise machen, die für uns noch einen mehrtägigen Zwischenstopp in Singapur bereithält.

 

Fazit:

Für Bali brauchst du keinen Pauschalurlaub buchen. Das lässt sich prima selbst organisieren, wenn man sich traut. Von Frankfurt fliegt (stilvoll) Singapore Airlines über Singapur und dann weiter nach Denpasar auf Bali.

Geld

1.000 IDR (Indonesische Rupia) entsprechen ca. 6 Euro-Cent, was das Umrechnen etwas verkompliziert. Geld gibt es überall an den Bankautomaten. Im Raum Denpasar ist die ATM-Dichte gross, aber auf dem Land muss man auch mal suchen. Wegen der etwas instabilen Strom- und Internetversorgung kann es dort auch mal sein, dass man leer ausgeht und später nochmal einen neuen Versuch starten muss.

Ich habe aufgrund der besseren Wechselkurse auf Bali ausschliesslich die Karte von WISE genutzt. Die hat sich wieder mal bewährt und ist meine erste Wahl, wenn ich den Euroraum verlasse.

Roller

Komm nicht auf die Idee, dir auf Bali ein Auto zu mieten! Für Strecken nimmst du ein Taxi und handelst den Preis vorher aus. Für lokale Spasstouren bekommst du an jeder Ecke einen Mietroller. Mich hat niemand nach einem Führerschein gefragt, aber an einer Station wollten sie wissen, ob ich schon mal motorisiert auf zwei Rädern unterwegs war. Ich hatte bei meiner Antwort ein gutes Gewissen…

Den „Internationalen Führerschein“ kannst du vergessen. Ich glaube, ausserhalb von Deutschland kennt den kein Mensch. In 25 Motorrad-Reisejahren hat den auf fünf Kontinenten noch niemand von mir sehen wollen. Wenn du den hast und vorzeigst, glauben die meisten Polizisten wahrscheinlich, das sei eine Fälschung. Naja, der sieht ja auch aus wie selbst gedruckt…

Hotels

Das Preis-Leistungsverhältnis der Hotels auf Bali empfanden wir als prima! Über das bekannte Buchungsportal ist das einzige Problem, aus dem riesigen Angebot das passende zu finden. Wir hatten jedes Mal viel Glück, vielleicht auch, weil wir nicht die billigste Absteige genommen haben. (Aber ganz bestimmt auch kein überteuertes Schickimicki!)

Essen

Ich hatte es schon erwähnt: Auf Bali wirst du nicht verhungern! Im Gegenteil. Das Essen ist unglaublich lecker und dazu meistens sehr preiswert. Der Besuch eines „Warung“ gehört auf Bali schon zum guten Ton und ist in jeder Beziehung ein Erlebnis.

Internet

Muss ich etwas dazu sagen? Du wirst wohl in jedem Hotel auf Bali WiFi bekommen. Darüber hinaus kann man am Flughafen bei der Ankunft eine lokale Sim-Karte für wenig Geld erwerben oder – wie bei uns – nimmt gleich von zuhause einen mobilen WiFi-Router mit. Bei meinem kann ich das mobile Datenvolumen schon in Deutschland buchen und dann sorglos surfen. Dass man ausserhalb der EU seine mobilen Daten im Smartphone abschalten sollte, dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben.

 

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2 Kommentare

  1. Alexander Bayerlein 02/03/2024

    Hallo Elmar, obwohl ich mindestens 1x wöchentlich auf Deiner website rumschnüffele, hat mich Deine Benachrichtigungsfunktiom wieder einmal überrascht.
    Funktioniert bestens – Danke dafür!
    Ein wunderbar entspannter Reisebericht, bei dem mich die Fotos aus den Ortsbereichen an meinen Urlaub in Goa erinnerten.
    Aber die Unterkünfte – einfach toll gewählt!
    Im Gegensatz zu Deinem letzten Bericht aus Marokko wäre dies, also Bali, durchaus auch eine für mich vorstellbare Reisedestination (wenn nur nicht die Umstände wären).
    Auch für den Bericht herzlichen Dank; macht weiter so und lasst uns daran teilhaben.
    Herzlichen Gruß Alexander

  2. Jörg 24/03/2024

    Ein toller Bericht, Elmar – vielen Dank dafür! Ich bin ein wenig erschrocken, daß du einen „normalen“ Urlaub genossen hast… Freue mich auf weitere schöne Reiseberichte von dir!
    Beste Grüße Jörg

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