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Kroatien 2020 (Teil 2)

Der Tag gestern in den dinarischen Alpen war klasse und ich muss am Morgen beim Aufstehen immer noch grinsen. Heute geht es aber wieder auf die Strecke, entlang der Krka, einem gut 70 Kilometer langen Fluss, mindestens von der Quelle und dann flussabwärts bis zum Nationalpark Krka.

Der Start ist einfach: Die Quelle der Krka entspringt nur zehn Minuten von meiner Pension in Knin entfernt und ich finde die Stelle relativ schnell, obwohl es jetzt im Hochsommer offensichtlich am Wasser mangelt.

Wo sich normalerweise der Beginn des Flusses den Berg hinunter stürzt, kann ich den Wasserfall heute morgen nur erahnen. Dafür ist das Wasser derart klar, dass ich jeden Kiesel auf dem Grund erkennen kann.

Ich meide die grossen Strassen und fahre lieber kleine Nebenwege über Vrbnik und Suknovci, dann wieder hinunter in die Krka-Schlucht, vorbei an den auch hier überall verbreiteten Ruinen.

Die Schlucht der Krka ist ziemlich idyllisch und der Fluss schlängelt sich immer tiefer zwischen steilen Hängen entlang. Ab und zu kommt man an schönen Wasserfällen vorbei. Landschaftlich ist es ein wenig wie Plitvice

Auf der Nordseite der Schlucht besuche in dann das alte römische Legionslager Burnum, etwa 7 Kilometer nordöstlich der Ortschaft Kistanje. Dort haben die Römer sogar ein kleines Amphitheater hinterlassen, das die Kroaten gerade wieder freilegen.

Als ich hier ankomme, sind sie mit den Ausgrabungsarbeiten ausserhalb des Amphitheaters beschäftigt. Es wurden wohl gerade die Grundmauern weiterer Gebäude gefunden und die Fundamente werden in mühevoller Kleinarbeit freigelegt.

Bei Kistanje biege ich dann ab hinunter zum Krka Monastery, einem alten Kloster. Dort soll es sehenswerte Katakomben geben, aber es ist niemand da, der sie mir zeigen kann.

Da sich der Touristenansturm in Kroatien dieses Jahr in Grenzen hält, haben sie wohl auch die Fremdenführer in Kurzarbeit geschickt…

Immerhin sind der Innenhof und die kleine Kirche nett anzusehen.

Der Weg zurück zum Motorrad führt mich durch den Garten und auf einmal kreuzt eine Kuh meinen Weg, die seelenruhig umherläuft und offensichtlich zum Inventar gehört.

Ich fahre dann die Krka weiter entlang noch bis Rupe und Dubravice bevor es in Richtung Norden nach Novigrad geht. (Was ich mich gerade frage: Gibt es eigentlich irgendwo ein Land in der Welt ohne einen Ort namens „Neustadt“??)

Auf der Fähre von Brac nach Split hatte ich den Tipp erhalten, mir die Insel Pag anzusehen und dem Rat will ich nun folgen.

Die Strassen hier in Küstennähe sind wieder einsam, glatt und gerade. Das begünstigt meine Empfindlichkeit gegenüber den immer unangenehmer werdenden Vibrationen am Vorderrad. Besonders bei Geschwindigkeiten um 70 km/h flattert der Lenker.

Irgendwann halte ich an und prüfe nochmal das Rad mitsamt Reifen, Speichen und Gabel, aber äusserlich ist absolut nichts ungewöhnliches zu sehen. Ich nehme mir vor, dem Problem am Abend nochmal auf den Grund zu gehen, vermute mangels sichtbarer Schäden aber mittlerweile den Reifen als Übeltäter.

Die knapp 60 Kilometer lange Insel Pag erreicht man auf dem Landweg im Süden über eine Brücke und so spare ich mir hier schon mal die Fähre.

Ziel ist heute die Stadt Novalja im Norden an der Westküste der Insel. Auf dem Weg dorthin macht sich bei mir aber Ernüchterung breit: Die Insel ist sehr lang gezogen, praktisch völlig kahl und besteht nur aus hellem Gestein.

Spannend geht anders und irgendwie werde ich mit der Landschaft auf Pag nicht warm. Mir ist es zu flach und nichtssagend, ohne Vegetation. Meine Hoffnung ist die Küstenstadt mit der heutigen Übernachtung. Vielleicht gibt es dort ja einen schönen Strand?

Die Kurzversion: Ich verstehe Pag nicht.

Die Langversion: Auch die Stadt Novalja liegt mir nicht. Es ist eine emotionslose Ansammlung überwiegend recht junger Gebäude mit 100 Prozent Ausrichtung auf den Tourismus.

Der Strand ist steinig und schmal, die Restaurants sind nicht gemütlich, dafür aber eher auf die schnelle Küche abgestellt. Ich irre umher, genehmige mir an einer der wenigstens halbwegs einladenden Bars ein kühles Bier und überlege, wieso es Pag gibt?

Über Booking hatte ich mir ein Zimmer in einem sogenannten „Boutique-Hotel“ gebucht. Das war blöd und ich hätte es besser wissen müssen: Das Haus ist definitiv Schickimicki und der Pool in dem kleinen Garten wird mangels Fläche bereits vollumfänglich belagert.

Ich bin enttäuscht von der Insel und entscheide noch am Abend, hier nicht länger zu bleiben und morgen früh direkt wieder die Fähre zum Festland zu nehmen.

Bevor mich mir auf meinem Balkon ein Gläschen Wein gönne, gehe ich nochmal zum Motorrad im Hof und suche in Ruhe nach einem Defekt an der Vorderachse, werde aber wieder nicht fündig. Alles sieht vollkommen normal aus. Das ist nicht gut. Da liegen noch mindestens 1.500 Kilometer vor mir und mit den Problemen jetzt habe ich absolut keine Lust, die Strecke zu fahren. Ich muss mir etwas einfallen lassen und will am Morgen eine Tankstelle suchen um den Luftdruck zu prüfen.

Der Morgen beginnt mit dem, was ich zwischenzeitlich von dem Haus erwartet habe. Frühstück gibt es im Erdgeschoss, nahe dem Pool. Ich bin früh auf den Beinen und komme scheinbar als erster Gast dort an.

Als ich am Buffet stehe und mir Kaffee und ein Brötchen nehmen will, werde ich direkt von hinten angeranzt. Das Frühstück darf man hier nicht selbst nehmen. Ich soll erst meine Hände desinfizieren und mich dann hinsetzen. Das hätte ich aber auch gemacht, wenn man es in einem freundlichen Ton gesagt hätte. Die mit Maske, Klarsichtvisier und Gummihandschuhen ausgestatteten Damen richten dann ein abermals extra desinfiziertes Tablett an und stellen mir Dinge an den Tisch, die ich nicht will.

Nun denn, mein Abschied von Pag war ohnehin schon beschlossen und Pag buche ich aus. Nirgendwo in Kroatien habe ich so ein Theater erlebt wie in diesem Haus hier. (Detail am Rande: Es war das teuerste der ganzen Reise…) Aber ok, bestimmt gibt es Menschen die da voll drauf stehen und das ist ja auch in Ordnung. Wahrscheinlich bin ich nur mal wieder nicht sensibel genug.

Als ich mich freue, das Motorrad wieder vom Hotelparkplatz wegzufahren geht es direkt zur ersten Tankstelle mit Luftkompressor.

Der am Gerät ermittelte Luftdruck liegt bei 2,2 bar und das stimmt genau mit den Werksempfehlungen überein. Ich reduziere dann in Schritten auf 2,0 dann 1,9 dann 1,8 bar und fahren Testrunden, aber es ist eher noch schlimmer als besser. Also wieder zurück zur Tankstelle und jetzt gebe ich mal 2,4 bar auf die Vorderachse, reduzieren kann ich dann schrittweise selbst, ohne wieder zurück zu müssen.

Und siehe da, es ist wesentlich besser. Die Vibrationen sind noch ganz leicht zu spüren, aber eher nur dann, wenn man es weiss und darauf achtet, zudem auch nur noch bei ziemlich genau 70km/h, weder darunter noch darüber. Jetzt bin ich wieder happy und es kann weitergehen. Auf dem Weg zur Fähre grüble ich über den Pirelli-Reifen: Der Scorpion Rally STR von Pirelli als Erstausstattung mag ja am Anfang ganz gut sein, aber jetzt, nach etwa 6.000 Kilometern Laufleistung flattert der Lenker wie ein Presslufthammer.

Der Conti TKC70 bekommt vorne auch irgendwann einen leichten Sägezahn, aber bei weitem nicht so schlimm wie dieses Gummi hier. Ich schwöre mir: Der Pirelli kommt zuhause sofort runter (und nie wieder drauf!)

Zurück zur Strecke: Ich fahre von Novalja quer über die Insel auf die Ostseite zur Fähre.

Das Fährticket habe ich gestern Abend bereits online im Hotel gebucht, das spart Zeit und Nerven beim Boarding. (Und ich wollte sicherstellen, dass ich die Insel möglichst schnell wieder verlassen kann!)

Auch das Online-Ticket gilt für eine Fahrt, egal zu welcher Uhrzeit. Es gibt zwar keinen Anspruch auf eine Mitfahrt bei einer bestimmten Überfahrt, aber mit dem Motorrad habe ich noch auf keiner Fähre jemals Probleme gehabt, auch nicht in den Jahren zuvor.

So verlasse ich Pag…

…und erreiche bei Prizna wieder das Festland.

Es geht nur ein kleines Stück wieder auf die D8 in südlicher Richtung bis Karlobag, wo ich wieder hoch ins Velebit möchte, diesmal sozusagen als Transit.

Mein Tagesziel liegt in der Nähe von Plitvice, aber ich will mir diesmal nicht die Wasserfälle ansehen, da ich die schon kenne. Vielmehr geht es mir um das geheimnisvolle Zeljava Airfield, etwas östlich des Nationalparks.

Kleiner Exkurs: Zwischen 1957 und 1970 wurde hier vom damaligen Staat Jugoslawien für etwa 6 Milliarden Dollar Europas grösste unterirdische Flugzeugkaverne gebaut. Man hat im Prinzip einen kompletten Flughafenkomplex in einen Berg gebuddelt und die Kampfflugzeuge konnten früher direkt aus den Tunneln auf die Starbahnen fahren und abheben.

Alleine die Tunnelanlage im Berg ist 3,5 Kilometer lang! Satte 80 MiG-Flugzeuge hatten in den riesigen Stollen im Berg Platz und es ranken sich eine ganze Menge Gerüchte um die immer noch dort vorhandenen Hinterlassenschaften.

Da ich Mitte der Neunziger meine Pilotenlizenz gemacht habe und begeisterter Flieger bin (Piper und Cessna, keine MiG…), macht mich der alte Flugplatz natürlich neugierig.

Die Serben haben dann im Krieg versucht, die Anlage zu sprengen, um sie bei ihrem Abzug nicht funktionstüchtig zu hinterlassen. Dabei wurden die Kavernen schwer beschädigt, aber nicht wie geplant zerstört. Die Reparatur ist allerdings zu teuer und deshalb verfällt der ehemalige Militärflugplatz mit seinen fünf Startbahnen jetzt immer mehr. Ein Teil des Geländes liegt in Kroatien und die Grenze zu Bosnien – somit eine EU-Aussengrenze – führt durch den oberirdischen Teil der Anlage.

Zunächst geht es aber wieder hoch ins Velebit, mit einem wiederum fantastischen Blick auf die Adria (wäre da nicht Pag im Weg…)

Oben angekommen mache ich eine kleine Pause an der Stelle, an der ich 2017 mit Carola schon auf dem Weg zu den Plitvicer Seen vorbeigekommen bin. Die Strasse da hoch ist ein Muss für jeden Reisenden und die Aussicht von oben ist spitze.

Auf der anderen Seite des Velebit fahre ich durch Gospic. Das auf dem Land noch viele Häuser mit Kriegsschäden vorhanden sind wusste ich, aber dass selbst in einer Stadt wie Gospic noch so viele beschädigte Gebäude stehen, wundert mich dann schon. In dieser Stadt haben im Kroatienkrieg sehr unschöne Dinge stattgefunden.

Es ist wieder richtig heiss heute und ich mache eine Pause an einem Supermarkt, wo ich mich mit frischem Mineralwasser und etwas Brot eindecke.

Auf dem Weg nach Korenica komme ich an einem Kriegerdenkmal vorbei und mache kurz halt. Das Mahnmal wurde – wie zu erwarten – wegen der Jugoslawienkriege hier errichtet und die Tafel enthält viele Namen von Gefallenen.

Neben mir steht ein älterer Mann, der Blumen ablegt. Ich fühle mich etwas unangenehm und betroffen und stehe daneben und schweige, aber er spricht mich direkt an und erzählt mir die Geschichte seines Bruders. Die beiden haben genau hier zusammen gekämpft und sein Bruder ist dann gefallen. Da steht man dann daneben und weiss überhaupt nicht mehr was man sagen soll.

Es scheint mir, die 25 Jahre seit Kriegsende haben noch lange nicht für eine wirkliche Aussöhnung gesorgt.

Etwas weiter sehe ich dann den Plješevica. Das ist der Berg, in dem sich die Kavernen befinden und auf dessen Ostseite das Flugfeld liegt.

Ich fahre daher weiter in Richtung Plitvice, aber kurz vor dem Nationalpark zweigt bei Prijeboj die Strasse nach Zeljava ab.

Dass der alte Flugplatz für viele ein Reisehighlight ist, lassen schon die Aufkleber auf dem Ortsschild erahnen und ich bin gespannt, was hier heute los ist. Vor allem, nachdem der Rest von Kroatien so leer war.

Die Strasse führt an ein paar Bauernhöfen entlang und man hat zunächst nicht den Eindruck, dass es hier etwas zu sehen gibt. Dann kommt man zu den Kasernengebäuden, die sich etwas im Wald verstecken.

Direkt am Anfang des Weges zu den Runways steht eine alte Douglas C-47, auf der sich schon so mancher Motorradreisender mit einem Aufkleber verewigt hat.

Mangels Aufkleber (muss ich auch mal sowas machen lassen?) schaue ich mir die alte Maschine nur an. Die Aussenhülle ist noch vorhanden und der Korpus sieht aus, als ob der eine oder andere sich hier mit einem Souvenir bedient hat. Selbst die Propellerblätter sind schon abgetrennt worden.

Als ich meine Erkundungstour abgeschlossen habe, fällt mir dann auf: Es ist mal wieder niemand da. Weit und breit keine Menschenseele. Ich habe den kompletten Flugplatz für mich alleine. Tolle Sache!

Weiter geht es in Richtung Runways. An einer Stelle mit dichter werdendem Wald und Busch sehe ich dann wieder ein Warnschild mit dem Hinweis auf Landminen.

Abseits der asphaltierten Strasse sind relativ frische Abholzungen zu erkennen und mit Flatterband wurden Parzellen zur Minensuche abgesteckt. Ich hoffe doch sehr, dass sich die gefährlichen Stellen abseits der Strasse erstrecken. Jedenfalls nehme ich mir vor, die befestigten Wege nicht zu verlassen. Meiner Gesundheit ist das gegebenenfalls dienlich…

Dann kann ich endlich die erste Start-Landebahn erkennen. Die Piste meines Heimatflugplatzes in Deutschland ist 1200 Meter lang aber die hier ist natürlich deutlich grösser. Ich nehme mir vor, die nachher abzufahren, will aber zuerst die Eingänge der Kavernen im Berg suchen.

Die sind dann schnell gefunden und es gibt welche, die verschüttet sind und welche, die noch sehr gut aussehen.

Leider stehen auch hier überall noch Minenschilder herum und ich bin definitiv zu vorsichtig um den Asphalt zu verlassen.

Der nächste Eingang ist dann aber noch wirklich gut in Schuss und das halboffene Tor lädt zu einer Erkundungstour ein.

Die Gänge sind Kilometer lang aber stockdunkel. Direkt rechts vom Eingang liegt eine üble Grube im Beton und ich denke, wenn es davon im hinteren Teil noch mehr gibt, darf man da auf keinen Fall reinfallen. Ich fahre mit der Tenere in den Tunnel, kann aber trotz Scheinwerfer schon nach wenigen Metern nicht mehr viel erkennen. Das ist mir zu unsicher, zumal ich hier weiterhin alleine bin und daher lieber umkehre.

Die Fahrt über die Startbahn ist mir wesentlich lieber und ich nutze jeden Meter aus, fahre die Pisten entlang und bin von der Grösse des Flugplatzgeländes beeindruckt.

Hier kann man im Sommer 2020 stundenlang ungestört rumspielen und wenn ich mal irgendwann Hochgeschwindigkeits-Bremsentests machen müsste: Das wäre dafür ganz sicher der richtige Platz.

Vom anderen Ende der Bahn schaue ich in Richtung Kaverneneingang und hier erhält man einen guten Eindruck von der Entfernung.

Im Rahmen eines EU-Projekts hat man versucht, das Gelände von den Minen zu säubern, aber es heisst, das wäre noch nicht so richtig gelungen. Ich habe nicht vor, es auszuprobieren…

Das ist einer dieser besonderen „Lost-Places“ und wenn du mehr darüber erfahren willst, findest du im Netz viele Seiten mit weiteren Informationen, z.B. hier.

Am Nachmittag verlasse ich die Zeljava Airbase und mache mich wieder auf den Weg in Richtung Küste. Irgendwo in der Gegend um Senj ist es ganz schön und dort möchte ich am Abend übernachten. Dazu umrunde ich wieder den Plitvice Nationalpark und fahre nach Nordwesten.

Als ich die Küste in Sicht habe, schaue ich mir ein paar Hotels und Pensionen an. Meine Wahl fällt auf das „Guesthouse Plaza“ in Sveti Juraj, da es ganz nett und gemütlich aussieht und recht nah am Strand ist.

Sveti Juraj gefällt mir auf Anhieb und das gewählte Guesthouse Plaza ist ein Volltreffer, genau das was ich gesucht habe. Nicht so ein Blingbling-Haus wie das am Vortag, dafür superfreundlich, ruhig und mit einer rundum-wohlfühl-Athmosphäre.

Ich erhalte ein kleines urgemütliches Zimmer mit Bad, Klimaanlage, Kühlschrank. Dazu ein Balkon mit fantastischem Blick direkt auf das Meer vor meiner Nase. Die Tenere kann ich im abgeschlossenen, kleinen Hof abstellen und die Leute sind wirklich nett.

Der ganze Ort ist ruhig und „chillig“. Besser geht es nicht und ich entscheide mich noch am selben Abend dazu, länger hier zu bleiben. Das nördliche Velebit liegt um die Ecke und im Hinterland kann man wunderbar kleine Strassen durch Wald und Berge fahren. Was will man mehr?

Am Abend gehe ich durch den kleinen Ort, finde einen noch kleineren Supermarkt und eine Pizzeria unmittelbar am Wasser.

Ich sitze beim Abendessen, es ist warm und am Horizont geht die Sonne unter. Das sind so Abende, die sind sehr nahe an der Perfektion.

Auf meiner Terrasse geniesse ich noch die Sterne und das Plätschern der Wellen. Jetzt fehlt nur noch Carola, dann wäre es komplett. Leider muss sie arbeiten und kann nicht noch mehr frei machen. Wir treiben unsere gemeinsame Freizeit und ihre Urlaubstage und Überstunden schon so weit es geht, aber auch das ist limitiert.

In den vergangenen Jahren bin ich so viel umhergereist und seit wir einen erheblichen Teil unsere Lebens in Andalusien verbringen, habe ich nochmal einen anderen Blick auf Deutschland. Nun denn…

Neuer Tag, neues Reiseglück. Die Adria liegt beim Frühstück so ruhig vor mir, was soll man sich da mit schlechten Gedanken plagen?

Ich sitze zunächst noch auf dem Balkon und arbeite bei Kaffee (Nescafe, der ist auch als Instant zu gebrauchen!) und frischen Brötchen aus dem kleinen Shop am Hafen ein paar Aufgaben weg. Danach möchte ich mich um die Technik am Motorrad kümmern und dann wieder in die Berge fahren.

Meine Motorrad-Serviceeinlage hatte ich eigentlich in aller Ruhe im Hof der Pension erledigen wollen, aber als ich mich gerade mit Werkzeug und diversen Schmiermitteln breit gemacht habe, kommt der Besitzer der Pension dazu.

Und wie das oft so ist, wenn Männer mit ihren Spielzeugen spielen, wird aus dem kurzen Plausch eine ausgedehnte Diskussion über die Vorzüge von Yamaha-Motoren, deren Zuverlässigkeit und die gar poetische Harmonie thermodynamischer Kreisprozesse von Verbrennungsmotoren. Oder, in seinen Worten: „Elektro! alles! Mist!“

Ob sich spätere Generationen gleichwohl stimmig über Akkuzellen und Kupferwicklungen austauschen werden?

Ich meine: Schau dir das Foto an. Der geradezu asketischen Schlichtheit seines Jetski-Motors kann man eigentlich nur die meditative Ruhe beim Kettenschmieren entgegensetzen.

Während ich inne halte und den Moment geniesse, beordert er mich für  den Abend auf seine Terrasse: „Später Schnaps!“ lautet die Ansage und ich fürchte, ich finde keine Ausrede.

Aber zuerst geht es hoch in die Berge und ich turne den ganzen Tag in der Gegend herum, ohne genau zu wissen wo ich überhaupt bin. Ich kurve wohl irgendwo in der Gegend um Senj, Jezerane, Dreznica und es ist genial!

So warm und drückend wie es heute ist, rechne ich mit Gewitter am Nachmittag. Die ersten sich auftürmenden Cumulonimbus kündigen es bereits an, aber ich denke, es wird sich auch irgendwo eine Möglichkeit finden, einem Regenschauer auszuweichen.

Je kleiner die Nebenstrassen werden, desto mehr Schlaglöcher hat es hier.

Dabei steht genug schweres Gerät für Reparaturen in der Gegend herum. Egal, ich fahren weiter hoch in die Berge und lasse mich überraschen, wo ich rauskomme.

Wenn man allerdings in der Gewissheit ein Gewitter zu erwischen, im Nirgendwo der kroatischen Wälder in den Bergen an einer einsamen Baustellenampel steht, langsam die Regentropfen spürt, diese sich an der Frontscheibe wiederfinden, denkt man sich: „Bingo du Depp. Da hättest du dir auch rechtzeitig eine Möglichkeit zum Unterstellen suchen können!“

Die Motorradfahrer-Naturgesetze sagen: Ein Gewitter erwischt dich nie, niemals, an einer überdachten Tankstelle, sondern immer in den Bergen, ohne festes Dach auf den nächsten gefühlten 100 Kilometern.

Es kommt wie es kommen muss: Der Himmel verdunkelt sich innerhalb von Minuten und die Temperatur fällt von 34 Grad auf 18. Der folgende Hagel und Sturzregen ist so heftig, dass ich nicht einmal mehr die Strasse sehe und am Asphaltrand stehen bleibe, während jemand ein komplettes olympisches Ruderbecken über mir ausschüttet.

Der Spuk dauert dann eine gute halbe Stunde, bevor die Front durchgezogen ist und die Sonne am Sommerhimmel wieder strahlt, als wäre gar nichts gewesen. (Und irgendwann finde ich mal den Mut, auch im Gewitter zu fotografieren…)

Etwa zehn Kilometer weiter halte ich an einem Restaurant, vor dem bestimmt ein dutzend Motorräder stehen, deren Fahrer an den Tischen auf der Terrasse sitzen. Sie haben dort das Unwetter abgewartet. Während ich meine Stiefel ausziehe und die 20 Liter Wasser darin neben der Strasse ausgiesse, kann ich jeden schadenfrohen Blick der Truppe spüren.

Ich gehe davon aus, dass Sonne und Fahrtwind gemeinsam am schnellsten für meine Trocknung sorgen und fahre dann wieder in Richtung Küste.

In der Nähe von Novi Vinodolski erklimme ich mitsamt der Tenere noch einen Aussichtspunkt (den man mit der Tenere nicht erklimmen sollte…) und schaue ich mir noch ein paar Ruinen an.

Wenigstens mein Offroad-Pensum habe ich noch geschafft. Da meine Socken in den pitschnassen Stiefeln aber irgendwie nicht so richtig trockenen wollen und es bereits spät am Nachmittag ist, erscheint mir der Gedanke an meine wunderbare Pension zu verlockend.

Ich fahre also zurück nach Sveti Juraj und versuche mein Zeug auf dem Balkon trocken zu bekommen.

Der Abend reiht sich dann nahtlos ein: Erst zieht ein weiteres, ebenso heftiges wie kurzes Gewitter durch, danach zeigt sich die Adria wieder von ihrer Schokoladenseite.

Der Schnaps auf der Terrasse war dann auch gar nicht so übel wie befürchtet und die Tage hier in Sveti Juraj werden ganz sicher in Erinnerung bleiben.

Auf geht es dann nach Krk. Bei meinen bisherigen Besuchen bin ich praktisch nur Transit über die Insel gefahren, um nach oder von Cres zu kommen. Heute will ich Verwandtschaft besuchen, die irgendwo auf der Insel Urlaub macht und habe dazu eine grobe Beschreibung der Bucht erhalten, wo wir uns treffen wollen.

Es ist auch mal ganz angenehm, heute bei 33 Grad im Schatten nicht den ganzen Tag auf dem Moped zu sitzen.

Die Suche erweist sich schwieriger als gedacht und mir kommen immer wieder Zweifel daran, dass ich mit der Tenere richtig bin, während der gemeine Urlauber hier angeblich mit einem Kleinbus durchs Unterholz tobt.

Aber ich bin zu stolz um zu kneifen und kämpfe mich durch das immer dichtere Gestrüpp, bis in die Bucht, die angeblich unser Treffpunkt sein soll.

Ergebnis: Ich bin zwar richtig und wir verbringen die gemeinsame Zeit am Wasser, die Verwandtschaft ist aber zu Fuss hierher gelaufen, statt mit dem Kleinbus zu fahren, was angesichts fehlender Wege auch gar nicht möglich wäre. Manchmal ist die Informationslage einfach nicht vollständig…

Am Nachmittag breche ich dann wieder auf, um mir eine Unterkunft zu suchen. Dabei bevorzuge ich kleine und kleinste Strassen und Wege und schaue mir die (gemeinsam mit Cres) grösste Insel in der Adria in aller Ruhe an.

Unterwegs suche in ein altes Gemäuer, welches zwar ausgeschildert ist, zwischenzeitlich von den Kroaten aber wohl wieder abgebaut wurde.

Mein Anforderungsprofil an eine ruhige, gemütliche Ecke erfüllt der sehr, sehr übersichtliche Ort Stara Baska, der am äussersten Ende einer etwa 13 Kilometer langen kleinen Küstenstrasse liegt.

Zum Empfang im Hotel werden ich zu einem Sliwowitz gezwungen, bei dem jeder Tropfen bis hinab in den Magen auf jedem Millimeter spürbar ist. Auch hier fragt man mich, warum ich nicht gleich mehrere Tage bleibe. Das Zimmer wäre noch frei und die Insel würde genug Inspiration für weitere Motorradtage bieten…

Da trifft es sich gut, dass einiges an Arbeit vorhanden ist. Ich habe so viele Kunden-Emails zu beantworten, dass ich direkt die zweite Übernachtung einbuche, um das Hotel-WLAN für meine Arbeit zu verwenden.

Die Tenere bekommt wieder einen adäquaten Platz mit Überdachung spendiert, während ich mein Zeug auf dem Zimmer platziere und dann den klitzekleinen Ort inspiziere.

Der Abend auf dem Balkon meines Zimmers beschert mir noch etwa vier Stunden Arbeit mit Blick auf die Berge der Insel Krk. Ich kann damit gut leben und mir definitiv schlimmeres vorstellen, als während der Arbeit zu reisen, oder umgekehrt…

Der nächste Tag soll fahrtechnisch mal etwas entspannter werden und deshalb wird die nahe Inselhauptstadt Krk auserwählt. Auf einem schattigen Parkplatz im Zentrum des Ortes finde ich noch ein paar andere Motorroller, aber für den Rest der Stadt gilt wieder: Endzeitstimmung, niemand da!

Ich laufe durch die Altstadt mit kleinen Gassen und noch kleineren Geschäften und schaue mir den Hafen an, sowie die Festungsanlage aus dem 12 Jahrhundert.

Na gut, ein paar Menschen habe ich schon getroffen, aber ich denke, zu normalen Zeit im Hochsommer sieht es hier bestimmt anders aus. Da mir Städte auch heute keine echte Befriedigung bringen, fahre ich dann doch wieder aufs Land und in die Berge.

Krk hat eine bewegte Geschichte und es gibt allerhand alte Bausubstanz zu sehen, wenngleich ich damit nicht wirklich etwas anfangen kann. Für Kirchen fehlt mir überdies die spirituelle Antenne, jedenfalls wenn sie eher unspektakulär daherkommen.

Irgendwo lasse ich das Motorrad stehen und mache mich auf eine kleine Wandertour in die Berge, abseits der offensichtlichen Wege. Ich finde noch einen kleinen Flusslauf, der im Moment aber nur aus ein paar Pfützen besteht.

Für den Nachmittag sind dann wiederum Gewitter angesagt und ich möchte ungern ein weiteres Mal nass werden, daher fahre ich zurück nach Stara Baska.

Wichtige Information: Auf dem Weg nach Stara Baska passierst du den 45 Breitengrad (Arithmetisches Mittel zwischen Äquator und Nordpol) und ich meine, an der Stelle auch eine kleine Bodenwelle verspürt zu haben…

Schön sind übrigens die Badebuchten auf Krk. Die sieht man schon aus der Ferne und man kann sich die aussuchen, die einem am besten gefällt. Das klare Wasser finde ich auch immer wieder beeindruckend, da gibt sich Kroatien grosse Mühe.

Kurz vor Stara Baska wird der Himmel tatsächlich wieder dunkler und ich bin heute froh, den Heimweg rechtzeitig in Angriff genommen zu haben.

Gerade noch trocken im Hotel angekommen, verfinstert es sich immer mehr.

Ich suche mir eine kleine Bar, trinke ein Glas Wein und erlebe das wiederum heftige, aber kurze Gewitterschauspiel diesmal in Sicherheit.

Neuer Morgen, neuer Tag: Heute ist Abschied angesagt. Ich muss Kroatien verlassen und in Richtung Norden fahren. Zwei Tage bleiben mir noch, dann will ich in Kärnten sein, wo ich meine jüngste Tochter (die mittlerweile auch schon 22 ist…) treffe. Sie hat sich zum Geburtstag „Ein paar Tage Wandern in Österreich“ gewünscht und ich habe ihr einen Flug nach Klagenfurt gebucht. Wir werden dort ein paar Tage in der Nähe verbringen und ich hoffe, ich bin fit genug ihr in den Bergen nicht hinterher zu hecheln.

Die Nacht hat es mehrmals geregnet und die Strasse aus Stara Baska heraus trocknet nur langsam ab.

Das Festland erreicht man über die Brücke, für die ich in diesem Jahr keine Maut bezahlen muss. Ich meine mich erinnern zu können, dass bei meinen früheren Fahrten wenigstens eine Richtung gebührenpflichtig war. Vielleicht haben sie das heute abgeschafft, weil sonst noch weniger Urlauber kommen?

Die restliche Strecke in Richtung Slowenien möchte ich durch die Wälder fahren über Gerovo und dann weiter zum kleinen Grenzübergang nach Prezid. Ich bin mir nicht sicher, wer sich jetzt gerade welche Reisebeschränkungen ausgedacht hat, denke aber, dass vielleicht auch die kleinen Übergänge passierbar sind?

Vorher kämpfe ich mal wieder mit ein paar Regenschauern und kann die tolle Gegend hier diesmal nicht so richtig geniessen.

Einmal halte ich an einem Bergpass an einer Gedenktafel, die wohl aus dem zweiten Weltkrieg stammt. Ich versuche herauszufinden, worum es hier ging, kann aber schon anhand des Reliefs erahnen, dass deutsche Soldaten involviert waren. Leider gibt es keine Informationen auf anderen Sprachen.

An der slowenischen Grenze werde ich als einziger Reisender von einem ebenso einsamen Uniformierten angehalten.

Er: „Where you come from?“

Ich, während ich mit dem Daumen hinter mich deute: „From there.“

Er: „Germany?“

Ich: „Yes“

Er, während er in meine Fahrtrichtung zeigt: „Ok, go.“

Das war definitiv eine meiner kürzeren Grenzkontrollen, aber innerhalb des Schengen-Raums immerhin überhaupt eine „Kontrolle“. (Was jetzt nicht heissen soll, dass ich mir Grenzkontrollen wünsche…)

Ich bin ja der festen Überzeugung, dass seine Aufgabe nur darin bestand, das schöne Wetter vom Grenzübertritt aus Slowenien abzuhalten. Jedenfalls ist der Himmel sofort blau statt regengrau. So lasse ich mir Slowenien gefallen, obwohl ich bereits bei meiner ersten Tour durch das Alpenland schon richtig begeistert war!

Irgendwo im Wald sehe ich ein Hinweisschild auf eine Höhle, aber die ist leider geschlossen und ich komme nur bis zum Eingang. Dann muss ich mir heute wohl eine andere Beschäftigung suchen.

Slowenien finde ich übrigens richtig gut. Das Land hat sowas Ursprüngliches, Unberührtes. Da sind nicht so viele klare Linien erkennbar wie bei uns mit den abgesteckten Feldern und Wiesen. Slowenien sieht eher aus wie ein Land, bei dem man das Parzellieren vergessen hat.

Das ist einfach anders, da fährst du durch und denkst „Huch, jetzt hab ich hier als erster Mensch eine Spur gezogen. Nicht, das mir das Mufflon jetzt böse ist?!“

Auf meiner Alpenkarte (Papier-Landkarte von Reise Know-how) finde ich dann ein rotes Symbol:  Idrija, Unseco Weltkulturerbe, eine uralte Bergwerkstadt. Hier wurde 500 Jahre lang Quecksilber gefördert und ich nehme an, ein Ort mit so langer Tradition könnte eine Besichtigung wert sein. Da meine Route ohnehin durch das Soca-Tal führen soll, nehme ich die Gelegenheit wahr und statte dem nicht weit entfernten Ort einen Besuch ab.

Von den alten Minenbauten gibt es in Idrija jede Menge und dazu zählen nicht nur die Fördertürme, sondern auch die anderen alten und uralten Hüttenbauwerke.

In einem davon – übrigens schön restauriert und ausgestattet mit einem Museum – befindet sich der Eingang in die alten Stollen. Diese Bergwerkstollen kann man als Besucher begehen und ich finde sowas ja spannend, parke also das Motorrad vor dem Haus und begebe mich mit der Kamera in Richtung Unterwelt.

Normalerweise werden hier die Besuchergruppen nach Sprachen sortiert und dann mit Erreichen einer bestimmten Personenzahl von kundigen Führern in die Welt des Quecksilberbergbaus eingeführt. Heute ist – du ahnst es vielleicht – aber niemand ausser mir da.

Ein einzelner, englischsprachiger Besucher trifft dann auf eine einzelne, englisch sprechende Bergfrau. Jetzt könnte man vermuten, dass die Bergfrau eine robuste Endsechzigerin ist, aber nix ist: Das Mädel etwa mitte/ende Dreissig ist richtig hübsch anzusehen und würde sich ohne die traditionelle Bergmannskleidung (muss man das auch gendern?) auch im faltbaren Mittelteil eines Printmediums gut machen. (Für Beschwerden über mich: Hier lang!)

Ich nehme die Herausforderung furchtlos an und lasse mich tapfer von ihr in den Berg mitnehmen. Aber Spass beiseite: Sie kennt sich wirklich gut aus und erklärt mir alles Wesentliche von über 500 Jahren Quecksilberförderung in Idrija. Von den Anfängen der ersten Funde über den harten, manuellen Abbau bis hin zu den kleinen Erleichterungen durch den Einsatz der Maschinen.

Das Ganze ist dort unten übrigens wirklich gut und plastisch dargestellt und man kann die harte körperliche Arbeit der früheren Jahrhunderte förmlich spüren.

Die ganze Führung dauet etwa eine Stunde, wobei wir die ganze Zeit durch die Stollen und Treppengänge gelaufen sind. Man bekommt hier also wirklich etwas für sein Geld geboten, in jeder Hinsicht.

Wenn du mal in die Nähe von Idrija kommst und dich für sowas interessierst, kann ich einen Besuch wirklich wärmstens empfehlen!

Danach geht es weiter in Richtung Tolmin, wobei ich nicht mehr genau weiss, auf welche Route mein Wahl gefallen ist. Es waren mal wieder die kleinen Strassen und Nebenstrassen, auf denen man Slowenien einfach nur geniessen kann.

Am späten Abend erreiche ich Tolmin und habe mir unterwegs bereits das Hotel Dvorec gebucht. Da es schon recht spät geworden ist, bleibt nicht mehr viel Zeit für den Ort und ich konzentriere mich daher lieber auf meine Karten und die Route für den kommenden Tag.

Der soll mich zunächst auf die slowenischen Grenzkammstrasse (SGKS) führen. Die etwa 40 Kilometer lange Tour führt auf rund 1.000 Metern Höhe von Livek bis Neblo. Knapp 8 Kilometer südlich von Livek gibt es da oben eine Art Freilichtmuseum, dass ich 2015 schon mal besuchen konnte, damals aber nicht so viel Zeit hatte.

Am Morgen muss ich dazu erst wieder ein Stück in Richtung Süden über den Ort Most na Soci bis Rocinj.

Erste Erkenntnis: Die bei meiner ersten Befahrung noch in Teilen als Schotterweg vorhandene Piste, ist nun durchgehend asphaltiert. Die Strasse stellt keine Herausforderung dar und lässt sich auch mit normalen Strassenmaschinen gut befahren.

Als ich das Freilichtmuseum erreiche, ist der Himmel noch etwas trüb, was das herumkraxeln in den alten Stellungen aus dem ersten Weltkrieg jedoch angenehmer macht als in der prallen Sonne.

Mein Urgrossvater (auf dem Foto der zweite von rechts) war Kaiserjäger und angeblich hier in der Nähe im Einsatz, so ganz genau konnte ich das aber nicht ermitteln.

Falls du die genaue Position des Freilichtmuseums benötigst, ist das jedenfalls hier. Nimm dir dann mindestens eine halbe Stunde Zeit und du findest in den Bergen dort die alten Stellungen der WWI-Isonzo-Front, die man selbst begehen kann.

Da ich erst am Abend in Kärnten sein muss, fahre ich noch auf den Mangart hoch und dann durch das wunderschöne Soca-Tal. Auch der Mangart liegt in seinen Höhen heute noch etwas im Nebel.

Zudem ist die Mautstrasse nicht komplett befahrbar (weshalb es ein paar Euro Rabatt gibt), da oben wohl ein Bergrutsch die letzten Meter versperrt.

Weiter geht es dann durch den Rest des Soca-Tals in Richtung Kranjska Gora. Das ist eine wirklich schöne Tour, wo es entlang des kleinen Flusses immer wieder wilde Abschnitte gibt und sich manchmal sogar ganz unerschrockene in die Fluten begeben. Ich habe da einigermassen Respekt, da das Wasser aus den Bergen des wild zerklüfteten Triglav wirklich saukalt ist.

Einmal muss ich tanken und treffe auf eine Gruppe italienischer Motorradfahrer. Einer der Fahrer ist völlig aus dem Häuschen, spricht mich auf die Tenere an und will alles ganz genau wissen. Er vermutet, die 700er wäre ein ganz tolles Motorrad. Ich kann das nicht dementieren…

(Dass sich meine Begeisterung über einen italienischen Reifenhersteller gerade in Grenzen hält, verschweige ich)

Bevor ich Kranjska Gora erreiche, geht es dann noch über den Vrsicpass mit seinen 50 Spitzkehren.

Dass man ausgerechnet in den Spitzkehren Kopfsteinpflaster verwendet hat, macht eine Motorradfahrt bei nasser Strasse zu einem ganz besonderen Erlebnis. Ich bin derweil froh, dass es heute trocken ist.

Hinter Kranjska Gora fahre ich dann am Wurzenpass über die Grenze nach Österreich, wo es entgegen den Ankündigungen wiederum keinerlei Kontrollen gibt.

Am Südufer des Wörthersees kann ich dann den Nachmittag noch auf dem Pyramidenkogel verbummeln, während das Wetter zwischenzeitlich wieder hochsommerlich daherkommt.

Ziemlich beeindruckend finde ich den riesigen Turm aus einer gebogenen Holzkonstruktion. Der bietet zum einen den fantastischen Blick über die weite Umgebung und auch jede Menge Möglichkeiten, den Abstieg in adrenalinfördernden Varianten vorzunehmen.

In der Nähe von Sankt Urban beziehe ich für die nächsten fünf Tage dann ein Hotel. Morgen hole ich meine Tochter vom Flughafen ab und wir verbringen die kommenden Tage gemeinsam mit Wandern.

Wir sind in diesen Sommertagen des Jahres 2020 noch gut unterwegs und schauen uns Kärnten an, geniessen die Küche, die Landschaft, die Seen, die traditionellen Parkgewohnheiten der Eingeborenen…

…und die Burg Hochosterwitz als Wahrzeichen Kärntens.

Besonders empfehlen kann ich noch den Wasserwanderweg bei Liebenfels. Der war jedenfalls für uns ungeübte Flachlandtouristen ziemlich spektakulär.

Wir touren dann so durch die Gegend und verbringen eine richtig gute Zeit, bevor es zurück in Richtung Heimat geht. Meine Tochter setze ich dazu wieder in den Flieger, ich fahre die Yamaha Tenere 700 dann solo nach Hause.

Der Flieger geht von Klagenfurt am späten Vormittag und so komme ich erst gegen halb zehn am Flughafen los. Nach Hause sind es deutlich über 1.000 Kilometer und ich überlege trotzdem, ob man das in einem Rutsch schaffen kann?!

Ergebnis: Man kann, jedenfalls wenn man sich aufs Tanken, Trinken, Toilettieren beschränkt, 36 Grad im Schatten ignoriert, 17 Kilometer Stau auf der A7 (in D rechtswidrig) zwischen Pkw-Kolonnen hindurchfährt und nichts Anständiges isst.

Mein deutsches Zuhause erreiche ich gegen 23 Uhr und toppe damit den bisherigen Rekord Lyon-Denia (Spanien) aus 2018 mit „nur“ 1.080 Kilometer am Stück auf 1.125 Kilometer. Ich plane aktuell aber keine weiteren Versuche…

Gerne würde ich im nächsten Sommer den erneuten Versuch unternehmen, den Balkan mit Nordmazedonien, Kosovo, Bosnien zu bereisen. Allein schon um mein Fährticket von Minoan endlich zu verbrauchen. Hoffentlich wird die Zeit das bald wieder ermöglichen.

 

Und oh, fast hätte ich die Keyfacts vergessen…

Schönste Orte: Nationalpark Biokovo, Insel Brac; Sveti Juraj; Velebit östlich Starigrad-Paklenica; Dinariden bei Knin

Nicht so schön: Pag

Reisezeit: Juli 2020

Reisedauer: 3 Wochen (und ein paar Tage)

Gesamt Fahrstrecke: 5.602 km

Schäden/Verluste: Eine Schraube vom Akrapovic (auf der Panzertour); Ein Vorderreifen Pirelli (Konstruktionsfehler?!)

Erwähnungen des Wortes „Co…..“: Null!

 

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3 Kommentare

  1. Norm@n 08/01/2021

    Hallo Elmar,

    schöner Bericht! Wie eigentliche alle….

    Werde das Eine oder Andere beim nächsten „erweterten“ Transit nach Griechenland einbauen, danke dafür.

    Wir haben durch die irrwitzigen Massnahmen auch versucht, möglichst schnell „abzuhauen“ und unter weitgehender Vermeidung von Autobahnen nach Korfu und über Brindisi, Stiefelmitte, Korsika zurück, zu touren.

    Sind Anfang Juni gestartet, haben nicht nur Slowenien fahrend ausgiebieg genossen und wollten über Albanien nach GR einreisen. Unterwegs wurde jedoch AL/GR dicht gemacht und nur noch BG/GR war möglich. Also dann, ein lohnenswerter Schlenker durch das serbische Kopaonik-Gebirge nach BG und weiter nach Korfu. ABER: Keine Fähren nach Italy… Also Moped stehen gelassen und mit dem ersten Touri-Flieger (zu zehnt – inkl. Personal!) zurück nach D.

    Im August dann die Reise planmäßig zuende gebracht.

    Fazit 2020:
    10.000 Krad-km und 19 Grenzüberschreitungen, für so ein verrücktes Jahr kein schlechter Schnitt denke ich…

    Viel Spass weiterhin bei deinen coolen Touren und berichte bitte weiter!

    Liebe Grüße
    Norm@n

  2. ebee 08/01/2021 — Autor der Seiten

    Hallo Norman,

    danke für deinen Kommentar und gut zu hören, dass es anderen ähnlich ergangen ist. Ähm – nicht falsch verstehen, ich meine das im positiven Sinne und hoffe mal, dass unsere ursprünglichen Pläne dieses Jahr (2021) wieder umsetzbar werden. Dein Schnitt war in der Tat beachtlich, angesichts der Umstände in 2020.

    Lieben Gruss – Elmar

  3. Andreas Fuchs 11/03/2021

    Hallo Reisender,

    super Berichte danke – ich hatte ein ähnliches Reifentheater mit dem Metzeler Karoo Street – nach 5000km in die Tonne – Folge Ruhe am Lenker.

    Grüsse aus Salzburg Andreas

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