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Peloponnes 2022

Die Peloponnes in Griechenland fehlen noch auf unserer Reiseliste. Das ist die sehr grosse Halbinsel, die aussieht wie eine Hand. Wir sprechen darüber bereits kurz nach meiner Balkan-Tour 2021 und schnell wird der Plan konkret:

Von Deutschland runter nach Ancona, dann mit der Fähre nach Patras, die Peloponnes komplett umrunden…

…dann die Jadranska Magistrale an der östlichen Adriaküste zurück. Natürlich inklusive Albanien und Montenegro.

Mit etwas Sonne wären wir auch gerne losgefahren, aber das erste Juniwochenende ist verregnet. Für uns gibt es im Moment nur einen Fixtermin, den 9. Juni. Der Tag, an dem unsere Fähre in Ancona ablegt und uns nach Patras bringen soll.

Ursprünglich wollen wir an einem Montag aus Deutschland losfahren, aber wir planen um und fahren einen Tag früher bei Dauerregen in Richtung Süden. Diesmal ist es nicht ganz so tragisch, denn das „Urlaubs-Setting“ auf vier Rädern und Stoffdach macht sich bei Sauwetter besser als die exponierte Lage auf dem Motorrad. Und so gerne ich auch mit dem Motorrad reise, bei schlechtem Wetter hält sich der Spass in Grenzen.

So tauschen wir die BMW GS gegen Carolas 2er Cabrio. Das müsste doch mindestens so gut klappen wie mit dem Motorrad. Schon alleine wegen dem schier endlosen Platzangebot und dem unglaublichen Komfort.

Eigentlich war der ursprünglich Plan, diese Tour mal mit einem Wohnmobil zu probieren. Wir wollten uns einen Kastenwagen zulegen, so eine Art „Pössl Summit“, waren schon quasi fertig und sprachen nur noch über das Stoffmuster der Innenausstattung. Aber irgendeine Eingebung hatte mich veranlasst, sowas zuerst mal auszuleihen und zehn Tage auszuprobieren, bevor wir sechzigtausend Euro investieren.

Naja, der Versuch endete im vergangenen September in einem Desaster, so schlimm, dass ich es bisher nicht mal in einem Reisebericht verarbeitet habe… Vielleicht später mal, wenn der Schmerz der Aktion mental verkraftet wurde…

Unser Flieger landet also am Samstag aus Andalusien und wir schaffen es gerade so, unsere Sachen zu packen. Immerhin bietet Carolas Auto im Vergleich zur Reise-Enduro einen geradezu fürstlichen Stauraum, wir müssen uns nicht mal einschränken.

Den Sonntag verbringen wir dann auf der Autobahn, zwischen Regenschauern und Gewittern auf dem Weg Richtung Süden. Im Allgäu wandelt sich das Wetter, denn es wird noch schlimmer: Statt ein einfaches Gewitter durchfahren wir jetzt das reinste Unwetter. Es ist sehr ähnlich dem letzten Jahr, als ich vom Balkan an genau dem Tag zurückkam, als die Flut das Ahrtal verwüstete. 

Heute schaffen wir es bis nach Füssen. In den vergangenen Jahren bin ich immer nur an der Stadt vorbeigefahren um den Fernpass zu überqueren. Diesmal wollen wir uns den Ort anschauen und eine Übernachtung suchen. Die Buchung erledigen wir schon eine Stunde vor Ankunft von unterwegs.

Füssen ist eine sehr schöne Stadt. Die hätte man sich auch vorher schon mal anschauen können. Wir erreichen das kleine Hotel mitten in der Altstadt und werden vom Besitzer, einem älteren Herrn, empfangen. Er ist wirklich gut drauf, muss uns aber leider mitteilen, dass sein Haus überbucht ist. Unsere Buchung kam gleich gleichzeitig mit einer von Expedia rein. Aber er fackelt nicht lange rum und nimmt uns mit zu seinem Nachbarn gegenüber, der noch ein Zimmer frei hat. Das läuft alles völlig unkompliziert und wir sind mit dem Haus und dem schönen Zimmer rundum zufrieden.

Am Abend schlendern wir dann durch die Altstadt. Zwischenzeitlich ist das Unwetter abgezogen und es klart langsam auf.

Füssen gefällt uns, auch wenn das durchaus zweifelhafte Angebot der Geschäfte irritiert:

Am Morgen fällt mir die Beschriftung an der Treppe auf. Es ist die einzige Treppe im Haus und ich frage mich, wie bescheuert man eigentlich sein muss, um so einen Hinweis anzubringen. Wenn wir die Treppe nur abwärts laufen dürfen, wie kommen wir dann aufs Zimmer? Der bundesdeutsche Irrsinn kennt im Jahr 2022 keine Grenzen mehr.

Bevor wir nun die Alpen in Richtung Italien überqueren, machen wir einen kurzen Stopp an dem Touristen-Highlight schlechthin: Neuschwanstein. Ich meine, wenn wir schon mal hier sind, muss man Neuschwanstein gesehen habe. Bei meinem letzten Besuch war ich etwa sieben Jahre alt und ich muss mal nachsehen, ob die Fassade schon in ein Regenbogenmuster umgepinselt wurde, aber alles ok soweit.

Wir beschränken uns daher auf einen kurzen Fotostopp aus der Ferne, das muss reichen.

Noch kurz Hohenschwangau im „vorbeigehen“, dann weiter…

…zum Lechfall, bevor wir uns auf den Fernpass begeben.

Den Fernpass überqueren wir dann bei schönstem Cabriowetter und wir lassen es gemütlich angehen.

Der Rest der Route verläuft unspektakulär. Ich hatte schon im Winter die Fähre von Ancona nach Patras gebucht. Das lohnt sich wirklich, wenn man die Überfahrt sehr frühzeitig einloggt und noch den ADAC-Rabatt mit nutzen kann. Zwei Personen plus Fahrzeug plus Aussenkabine mit Dusche und WC kosten 345 EUR. Ich finde, das ist in Ordnung.

Da wir einen Tag früher los sind, haben wir keine Eile und beschliessen zwei Übernachtungen in San Marino zu machen, da wollte ich schon immer mal hin. Bis nach Ancona zum Hafen sind es von dort nur noch eineinhalb Stunden und ich vermute, der kleine Zwergenstaat lohnt einen Besuch.

Über den Brenner geht es also nach Verona, Modena, Bologna und schliesslich San Marino. 34,- EUR Maut kostet die Strecke „one way“ vom Brenner bis Rimini mittlerweile, das ist schon mal eine Ansage!

Wir finden dann ein kleines, aber feines Hotel im Dorf Montegiardino, unterhalb der eigentlichen San Marino Citta.

Da wir noch ein paar Stunden Zeit haben, kurven wir schon mal hoch in das eigentliche Zentrum, denn unsere Neugier auf den Ort ist gross.

Wir schlendern kurz durch den Ort für einen ersten Eindruck und machen es uns dann im Hotel gemütlich.

Unsere Herberge bietet kein Frühstück, aber wir müssen nicht lange suchen. Direkt gegenüber bekommen wir Brot und Kaffee in einem kleinen Lokal an der Kirche. Wir tanken nochmal voll (1,86 EUR für den Liter Super) und gönnen dem 2er eine Autowäsche, dann probe ich einen Bestechungsversuch im nagelneuen San Marino Outlet. Das scheint so neu, dass es ausser uns noch niemand gefunden hat. 

Ich würde sagen, das Gelände hat gestern erst eröffnet. Die Gassen sind leer und es wirkt etwas trostlos.

Also nix Shopping, stattdessen möchte Carola Rimini sehen. Ich hatte meine Erfahrung schon letztes Jahr gemacht und verspreche mir nicht viel, aber für einen Kurzbesuch am Strand sollte es reichen.

Der Hafen und das Riesenrad sind noch ganz nett, aber ansonsten kann ich mit dem Ort nicht wirklich viel anfangen…

Das war ohnehin nur ein kleiner Schlenker, bevor es uns wieder hoch nach San Marino zieht. Von dort hat man immerhin eine tolle Aussicht.

Das Kulturprogramm muss aber warten, da Carola lieber im örtlichen Einzelhandel stöbert.

Mir fällt dagegen ein Laden besonders ins Auge, so mitten im Juni. Unglaublich wie man sich mit solchen Artikeln das ganze Jahr über Wasser halten kann.

Nett finde ich auch die fahrbereiten Limousinen der beiden Staatsoberhäupter, die sich immer für sechs Monate beim Regieren abwechseln.

Vielleicht wäre das ja auch eine Idee für Deutschland? Dann hätte sich eine gewisse Dame nicht 16 Jahre lang als Sonnenkönigin gefühlt. Naja, zu spät…

Zum Nachmittag wird es dann richtig warm und ich schaffe gerade noch die Tour zu Fuss, zu den drei Wehrtürmen aus dem 11. Jahrhundert. Dann schlendern wir noch durch die Gassen uns lassen es uns in diversen Strassencafes gut gehen.

Insgesamt lohnt sich San Marino, aber das „Land“ ist so klein, wir hätten es wohl auch mit einer Übernachtung erkundet…

Wir fahren dann zurück zum Hotel und trinken noch etwas an der Bar vor der Kirche. Am Abend haben wir tatsächlich Schwierigkeiten ein Restaurant zu finden, denn wir wollen nicht wieder bis in die Stadt hineinfahren und die Lokale in der Umgebung haben geschlossen. Als Alternative muss deshalb der nächste Supermarkt herhalten und wir machen es uns auf dem Zimmer bequem, während ein anständiges Sommergewitter durchzieht.

Am Morgen frühstücken wir wieder in Ruhe in dem kleinen Lokal an der Kirche von Montegiardino und ich bewundere herrliches Altmetall. Irgendwie würde ich ja gerne ausprobieren, so einen Land Rover Defender oder einen Toyota Land Cruiser zum Reisemobil umzubauen.

Nachdem die Nummer mit dem Kastenwagen-Camper im letzten Herbst schief ging, wäre das vielleicht eine passende Zwischenlösung? Man muss ja ans Alter denken, wenn ich irgendwann nicht mehr Motorrad fahren kann?!

Bevor wir nun aber zu lange rumbummeln machen wir uns auf nach Ancona. Unsere Fähre nach Patras legt um 14 Uhr ab und wir versuchen nochmal die 130 Kilometer bis dorthin auf der Landstrasse zu fahren. Das erste Stück klappt auch gut und schön, mit offenem Verdeck, aber nur bis Pesaro. Dann ist der Verkehr wieder genauso abartig wie letztes Jahr. Also nehmen wir das kleinere Übel und fahren auf die Autobahn.

Ich will wieder in den Lidl, etwas nördlich des Hafens, um uns für die Überfahrt mit Essen und Trinken zu versorgen, aber das Gebäude ist jetzt verwaist. Sie haben den Supermarkt dicht gemacht und wir suchen uns einen anderen.

Am Hafen läuft der Tickettausch genau wie 2021. Ich muss das Online-Ticket in dem grossen Gebäude gegen das eigentliche Boarding-Ticket tauschen, dann geht es zum Anleger.

Wir warten nur kurz, dann klappt das Boarding auf die Minoan-Fähre problemlos, was bei Minoan auch nicht selbstverständlich ist. 

Unsere Kabine ist in Ordnung und mehr Platz und Komfort brauche ich wirklich nicht, jedenfalls nicht auf einer Fähre mit einer Übernachtung.

Nachdem wir unser Gepäck aufs Bett geschmissen haben, schweift mein Blick durch die Kabine. Bisher hat mich jede Minoan-Fähre zum Lachen gebracht und auch heute muss ich nicht lange suchen und werde an der Decke fündig. Diesmal ist es der Deckel der Belüftungsanlage, der fachmännisch mit vier Heftpflastern fixiert wurde.

Minoan: Mit denen wird es nie langweilig!

Entgegen meiner Erfahrungen legt das Schiff pünktlich um 14 Uhr ab und wir schauen uns die Ausfahrt aus dem Hafen vom Oberdeck an.

Es ist ein extrem chilliger Sommerabend, den wir mit einem Sundowner geniessen. Ok, eventuell waren es auch zwei…

Am Morgen ist es sehr früh hell und ich bin schon um 6 Uhr wach. Während neben dem Schiff die ersten griechischen Inseln vorbeiziehen, versuche ich einen Kaffee im Bordrestaurant zu bekommen. Auch hier macht sich Minoan wieder alle Ehre. Der Kellner an der Bar ist so tranig, in der Zeit, die er für das mürrische Befüllen des Pappbechers braucht, hätte ich eine Kaffeeplantage im Alleingang geerntet.

Ich würde gerne schon mal Emails checken, aber hier habe ich noch kein Netz. Da muss die Arbeit warten…

Etwas später setzen wir uns dann zusammen aufs Deck, warten auf eine nutzbare Internetverbindung und vertreiben uns die Zeit mit Lesen und dem Kartenstudium.

Das klappt so lange, bis der Nebentisch von einem Trupp Lkw-Fahrer belegt wird. Die Gruppe aus sieben Männern macht direkt klar, wer hier Chef im Ring ist und sie geben sich als die Könige der Fähre.

Zwischenzeitlich gibt es auch wieder ein nutzbares Mobilfunknetz, was schon alleine durch das Telefonverhalten der Brummifahrer klar wird. Deren Platzbedarf und Lautstärke beim Telefonieren stellt alles mir Bekannte in den Schatten. Während ich mich über das Verhalten  dieser Typen wundere, überlege ich, wieso wir unser ruhiges Zuhause in Andalusien verlassen haben. Schliesslich wechseln wir von der Backbord zur Steuerbordseite.

Dann legt die Fähre im Hafen von Patras an und wir gehen von Bord.

Direkt am Hafen stoppen wir noch kurz für die griechische Einreisekontrolle, dann geht es schon in Richtung Korinth und hiermit beginnt auch der eigentliche Hauptteil unserer Reise.

Leider trudeln während der Hafenformalitäten schlechte Nachrichten aus Deutschland ein: Ein Kunde von mir erleidet einen wirklich üblen Cyberangriff und steckt nun in ernsten Schwierigkeiten. Es ist passenderweise genau der eine Kunde, dessen IT-Leiter sich unter anderem standhaft geweigert hatte, ein halbwegs sicheres Backupkonzept einzurichten. Und es geht hier nicht um eine kleine Bude, sondern da arbeiten mehr als 400 Menschen. Ich spare mir jetzt die technischen Details des Streits, aber das ging so weit, dass ich kurz davor war, mein Engagement dort zu beenden. Ein paar Monate zuvor wurde der Typ dann endlich gekündigt, aber die Lücken und Versäumnisse waren so schwerwiegend, dass der Angriff erfolgreich war.

Die Menge und Intensität der Angriffe auf Unternehmensnetze hat im weiteren Verlauf des Jahres dann Besorgnis erregende Dimensionen angenommen. Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht klar, wie weit der Arbeitsaufwand in der zweiten Jahreshälfte steigen wird…

Wir fahren also kurz hinter Patras auf einen Parkplatz und ich versuche mittels Telefonkonferenz, Internet und Notebook den Schaden zu begrenzen. Wieso passiert sowas immer im ungünstigsten Moment?

Mein persönliches Highlight heute ist aber der Kanal von Korinth, den ich immer schon mal in Natura sehen wollte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kanal nach mehreren Versuchen gebaut und er trennt die Peloponnes auf gut sechs Kilometern vom griechischen Festland. Die Schiffe fahren in der bis zu 75 Meter tiefen, engen Schlucht und sparen sich so über 300 Kilometer Seeweg.

Wenn du willst, kannst du dich auch die 75 Meter von einer der Brücken in den Kanal stürzen. Ich will nicht!

Unser Ziel heute ist die Region Epidaurus. Dort gibt es einige bedeutende Ausgrabungsstätten und ich finde sowas immer sehr interessant. Wobei die griechische Antike und Geschichte sowieso voll ist mit erzählenswerten Dingen. Trotzdem witzeln wir immer wieder darüber und wenn ich die nächste historische Stätte aussuche, verdreht Carola die Augen und fragt grinsend: „Wieder alte Steine?“

Unser Plan, die gesamten Peloponnes zu umfahren, klappt gut. Die Strassen führen häufig oberhalb des Ufers entlang und man hat immer sehr gute Aussichten auf die wunderschöne Küste.

Wir entscheiden uns am Nachmittag für den kleinen Küstenort „Palea Epidaurus“ und fahren mal runter an den Hafen, der uns richtig gut gefällt. Hier sollten wir für eine Übernachtung fündig werden.

Das Auto stellen wir kurz vor der Hafenmole ab und schauen noch sitzend direkt auf das „Hotel Poseidon“, welches einen wirklich tollen Eindruck macht.

Ausserdem gibt es ein urgemütliches Restaurant unter grossen Sonnenschirmen inklusive Blick auf die Bucht und das Meer. Elmar gefällt das!

Das sind so Orte und Gelegenheiten, die darfst du nicht auslassen! Wir entscheiden uns spontan für zwei Nächte, zumal ein paar Sehenswürdigkeiten im Hinterland der östlichen Peloponnes von hier aus super zu erreichen sind.

Die Sachen fliegen wieder nur kurz aufs Zimmer, dann sitzen wir auch schon unten und lassen es uns für den Rest des Tages von einfach von „Pablos“ verwöhnen. Pablos hat jedenfalls immer einen Blick dafür, ob uns gerade etwas fehlt und seine Mutter sorgt in der Küche dafür, dass das, was gerade fehlt, möglichst geschmackvoll hergerichtet wird.

Wir finden, es ist immer ein riesen Vorteil, wenn man sich nicht vorher schon festlegt und Touren nach Lust und Laune machen kann.

Am Morgen packe ich mir die Kamera und freue ich schon auf den Tag. Heute stehen das Antike Epidaurus und Mykene auf dem Programm.

(Wichtiger Hinweis: Die Katze auf dem Foto unten haben wir nicht überfahren, sie hat sich einfach selbst den Platz zum Ruhen ausgesucht!)

Wir fahren die wenigen Kilometer zum Amphitheater von Epidaurus in die Berge. Dabei geht es hier nicht nur um das Theater aus dem vierten Jahrhundert vor Christus, sondern das gesamte Gelände ist UNESCO-Weltkulturerbe. Das Theater bot bis zu 14.000 Menschen Platz und besitzt eine einzigartige Akustik. Angeblich kann man unten im Zentrum eine Münze fallen lassen, deren Klang dann noch auf den oberen Rängen zu hören ist. Ich hab es nicht ausprobiert…

Auf dem Weg zu den Tempelanlagen neben dem Theater kommen wir an deutlich modernen Gebäuden vorbei und hier liegen noch jede Menge Steine herum, die aussehen, als ob sie noch sortiert werden müssten. Mir ist aber gerade zu warm um mich darum zu kümmern.

Die Tempelanlagen selbst sind ganz gut erhalten, bzw. in Teilen wieder aufgebaut.

An anderen Stellen stehen sogar noch Gerüste, aber gearbeitet wird hier gerade nicht.

Zum Schluss schauen wir uns noch das Stadion an. Dieses ist sogar noch älter und wirklich gut erhalten. Später stellen wir fest, dass es deutlich besser daliegt als die eigentlich viel berühmtere Stätte in Olympia.

Weniger als 50 Kilometer Fahrt sind es von Epidaurus nach Mykene. Die Hitze ist jetzt gegen Mittag zwar jetzt enorm, aber ich gebe uns heute noch keinen Feierabend. Mykene muss sein!

Mykene ist eine sehr alte Stadt und bietet Geschichte aus 3.500 Jahren. Als Jugendlicher hatte ich ein dickes, grosses Buch mit vielen Bildern und Texten aus der Menschheitsgeschichte. Unter anderem gab es da einen Abschnitt über Mykene und als Bild war das berühmte „Löwentor“ abgebildet. Das wollte ich unbedingt mal live sehen.

Alleine das Löwentor soll heute schon über 3.000 Jahre alt sein. Durch das Tor geht es zur alten Oberstadt bzw. den Ruinen. Das Gelände ist ebenfalls sehr gut erhalten, eigentlich noch besser als das in Epidauros und ich kann einen Besuch dort empfehlen, jedenfalls wenn man einigermassen geschichtlich interessiert ist.

Bis ganz nach oben muss ich wieder alleine, weil es Carola dann doch zu warm wird und die Sonne mittlerweile unerbittlich vom Himmel brennt.

Aber für meine persönliche Fotosession kann ich auf griechisches Hochsommerwetter keine Rücksicht nehmen.

Übrigens hat hier auch Heinrich Schliemann Ausgrabungen vorgenommen. Ich weiss nicht, ob er den Eingang zur Zisterne freigelegt hat, aber immerhin war auch diese in meinem Buch abgebildet und natürlich muss ich da rein.

Mykene ist ziemlich beeindruckend und ich empfehle dir, da hinzufahren wenn du in der Nähe bist.

Am Ende ist Carola froh, als ich aus den Ruinen wieder auftauche. Es ist jetzt so heiss geworden, dass es wohl angenehmere Orte gibt, als die exponierte Hügellage von Mykene.

Auf dem Weg zurück registrieren wir den Spritpreis in Griechenland. An einer Tankstelle stehen 2,45 EUR für den Liter Super und wie wundern uns zum ersten Mal, wie teuer das hier ist.

Wir fahren zurück zum Hotel und gehen dann an den nahen Strand zum Ausruhen.

Ich schleppe unseren Rucksack, Carola den Wasservorrat. Der wurde heute über Tag aber wohl reichlich durchgeschüttelt und eigentlich ist es unverschämt, wenn irgendwer jede Gelegenheit nutzt, um das Tagesgeschehen fotografisch festzuhalten…

Am Ende sind die Verlockungen des Hotelrestaurants aber doch zu stark. Und wir geben dem Drang nach, uns von Pablos Bar und Küche verwöhnen zu lassen.

Während „unser“ Pablos uns also mit Getränken versorgt, informiert er einen weiteren „Pablos“ darüber, so langsam die Küche vorzubereiten. Der andere Pablos ist sein Vater, erklärt er grinsend: „I am small Pablos and there is big Pablos“. Papa, also „Big Pablos“ sitzt gerade selbst noch drinnen am Tisch und versucht der Hitze mit einem kühlen Bier entgegenzuwirken. Ich muss mitmachen!

Wir haben dann einen wundervollen entspannten und chilligen Abend am Wasser, dass wir auch noch länger bleiben könnten. Das Hotel Poseidon kommt auf meine Favoritenliste. Wenn du mal nach Epidaurus kommst: Das kannst du blind einbuchen!

Der nächste Tag beginnt tatsächlich mit etwas Regen und der Morgen ist zunächst mit Wolken verhangen. Wir wollen die Peloponnes im Uhrzeigersinn abfahren und möglichst die gesamte Küste erkunden.

Die erste erwähnenswerte Stadt ist „Galatas“ und auch richtig schön, aber weil gerade ein Regenschauer durchzieht, lassen wir die Innenstadt aus und fahren weiter. Kurze Zeit später kommen wir dann in ein ausgewachsenes Gewitter und die Strassen sind spiegelglatt. Da musst du aufpassen: Wenn es direkt am Meer lange nicht geregnet hat, löst der Regen das Salz auf dem Asphalt und verwandelt die Strassen schnell in ein Rutschpiste. Je näher am Wasser umso schlimmer, da bist du mit dem Auto wirklich besser bedient als auf dem Motorrad.

Wir fahren über Vivari, einem weiteren sehr schönen Ort am östlichen „Finger“ der Peolponnes und nach Porto Heli, den argolischen Golf entlang bis Leonidi und dann hoch in die Berge.

Hinter Nafplio klart es gegen Mittag etwas auf und die Sonne kommt raus.

Wir wundern uns etwas, dass es hier so ruhig und gemütlich ist. Von Touristenmassen weit und breit keine Spur und vermissen sie auch nicht. Wahrscheinlich ist diese Ecke Griechenlands einfach noch bekannt genug.

Zwischendurch rette ich meine erste Schildkröte dieses Jahr bei ihrer Strassenüberquerung und vollbringe damit meine gute Tat für heute.

In den Bergen kommen wir in der Nähe des Elona Klosters vorbei und überqueren einen Pass mit immerhin 1.150 Höhenmetern, danach geht es durch das wunderschöne und idyllische Bergdorf Kosmas.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Küste und stranden in dem kleinen Fischerort Archangelos. 

Hier endet die Strasse einfach im Ort und es geht nicht weiter. Ich deute das als Zeichen und das soll wohl heissen: Macht für heute Feierabend und kümmert euch um eine Übernachtung!

Wir finden das „Hotel Palazzo“, was vom Namen her einiges verspricht, das Versprechen aber in der Realität nicht im entferntesten halten kann. Im Vergleich zum Poseidon in Epidaurus fällt das Palazzo erheblich ab. Immerhin gibt es ein Zimmer mit Bett und Bad und gegenüber liegt ein Restaurant am Wasser mit idyllischem Blick auf die Bucht.

Am Morgen nehmen wir das Frühstück wieder im Restaurant gegenüber ein und die Betreiberin des Hauses kommt zu uns rüber. Sie fragt, ob alles in Ordnung war, was ich schon aus reiner Höflichkeit bejahe. Ein Fehler, wie sich gleich herausstellen wird.

Die Bezahlung will sie cash, keine Kreditkarte! Dabei hing gestern beim Checkin ein grosses Schild an der Rezeption mit Verweis auf Visa und Mastercard. Ja, aber das Terminal sei nicht funktionsfähig und daher akzeptiert sie nur Barzahlung. Ok, das hätte man auch vorher sagen können, nun muss ich eben zum Automaten und Geld holen, was aber daran scheitert, dass es hier weit und breit keinen Automaten gibt.

Ich biete ihr daher an, meine Ausweisdaten zu notieren (Notieren, NICHT kopieren!) und das Geld dann online zu überweisen, was sie auch akzeptiert. Ein funktionierendes Mobilfunknetz gibt es hier nur für Telefonie, nicht für mobiles Internet und das WiFi im Haus ist zwar vorhanden, bietet aber null Datendurchsatz (Ich traue Hotel-WLAN nicht und nutze wann immer möglich einen Mobilfunk-Hotspot, auch und gerade in Deutschland)

Während der ganzen Diskussion streut sie gleichzeitig immer wieder das Verlangen ein, ihr Haus mit höchster Punktzahl auf Google zu bewerten, was für mich schon – ganz ehrlich – an Unverschämtheit grenzt. Das Poseidon in Epidaurus hatte sowas echt verdient, das Palazzo hier nicht ansatzweise.

Wir lassen uns die Stimmung von solchen Kleinigkeiten aber nicht verderben und steuern unser heutiges Highlight an: Monemvasia.

Monemvasia ist ein uralter, befestigter Ort mit ganz besonderer Bauweise, liegt auf einer vorgelagerten Insel und wurde wohl schon um das Jahr 580 errichtet und als eine Art Festung ausgebaut. Die Insel, beziehungsweise der Ort selbst, ist dabei über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden.

Wir parken noch auf der Landseite, weil wir heute früh rumgebummelt haben und die meisten Besucher schon deutlich vor uns hier aufgeschlagen sind.

Parkplätze gibt es nur sehr wenige auf der Insel, daher stellen wir schon früh ab und laufen die Strecke bis zur alten Stadtmauer zu Fuss.

Durch ein kleines Stadttor gelangt man durch die dicken Mauern, die sich vollständig um den Ort legen.

Der Ort lohnt einen Besuch und eigentlich müsste ich noch hoch auf dem Felsen zur Festungsanlage, aber es ist schon wieder so warm, dass ich nur unten Fotos mache und mir den steilen Aufstieg auf den Felsen spare. Carola hat ohnehin keine Lust darauf, bei 35 Grad im Schatten auf Felsen zu klettern.

Monemvasia schrammt hart an der Grenze zum Kitsch vorbei, bietet aber wunderschöne Ausblicke über das Meer und die Küste.

Angeblich muss man nach Monemvasia noch weiter in Richtung Süden fahren, zur Insel Elefanisos. Das machen wir auch und erreichen bei Pounta den Fähranleger. Schon hunderte Meter vor der Fähre stehen Autos und Busse in der Warteschlange und ich fürchte, hier würden wir mindestens ein oder zwei Stunden vertrödeln. 

Unten am Anleger kann ich aus der Ferne erkennen, dass die Fahrzeuge rückwärts auffahren müssen und das sieht schon von weitem wenig geordnet aus. Elefanisos ist eine kleine Insel und da gibt es wohl schöne Strände, aber hier am Festland sehe ich zumindest auf Google Maps den „Pouda Beach“. Ich schlage vor, wir schenken uns den zeitraubenden Aufwand mit der Überfahrt und suchen uns einen schönen Platz am Festland. Also fahren wir einfach an der Schlange vorbei (unter deutlichem Missmut der anderen Fahrzeuge) bis nach vorne, da Google meint, da könne man links an den Strand abbiegen.

Auf dem völlig überfüllten Parkplatz, direkt vor der Fähre, steht Polizei und stoppt uns zunächst, aber als ich erkläre, nur an den Strand fahren zu wollen, dürfen wir passieren.

Wir bauen also unsere mitgebrachten Schirmchen (Ich muss zugeben: Ein Vorteil gegenüber dem Motorrrad!) im Sand auf, hauen uns auf die Strandtücher (Danke an Rolf und Nivea!) und schauen uns das Schauspiel mit dem Boarding der kleinen Fähre aus der Zuschauerperspektive an.

Wie gesagt müssen die Autos rückwärts auf Fähre auffahren und das Ganze ist eine wundervolle Show und geniales Schauspiel! Ich bin derart fasziniert, dass ich sogar die Fotos vergessen und die Szene erst wieder ablichte, als eine der beiden Fähren später wieder von der Insel zurückkommt.

Stell dir deutsche Rentner vor, die gestern noch Opel Corsa fuhren, sich gerade ein acht Meter Wohnmobil gekauft haben und jetzt am entferntesten Punkt der Weltreise auf den griechischen Peloponnes angekommen sind. Jetzt müssen sie vor dem Anleger wenden und die Ungetüme rückwärts auf eine Fähre manövrieren. Alles was jetzt in deinem Kopf abläuft, trägt sich genau so zu! Das alles ist grosses Kino und ein grandioses Entertainment. Ich geniesse es total, Nervenzusammenbrüche live beobachten zu können, das hat sowas „authentisches“.

Wir verlassen also den zweiten „Finger“ (Also den von rechts, also Osten, ach du weisst schon…) um unsere Tour fortzusetzen.

Kurz vor Gythio kommen wir an den Resten der „Dimitrios“ vorbei. Der Frachter ist hier vor etwa 40 Jahren auf Grund gelaufen. Immerhin hat sich die Besatzung ein schönes Fleckchen für missratene Seemanöver ausgesucht und das Wrack wertet die Küste hier sozusagen nochmal auf. (Nee, als „Klimaaktivist“ brauchst du dich hier nicht festkleben. Der alte Kahn rostet von ganz alleine weg…)

Jetzt will ich die sogenannte „Kokkala-Round“ im Uhrzeigersinn fahren. Das ist die komplette Tour über kleine Strassen mit ein paar tollen Sehenswürdigkeiten, darunter ein verlassenes Bergdorf.

Bei Areopoli geht es also von der Mainstream-Route ab und im Uhrzeigersinn um den Finger. Ab hier geht es wieder in die Berge und das Wetter trübt etwas ein, es bleibt aber trocken.

Irgendwann bemerke ich die Tankanzeige. Wir brauchen Spritnachschub und ich suche die nächste Tanke. Kennst du das, wenn du irgendwann feststellst, dass du tanken musst und dich genau dann fühlst wie in der Wüste Gobi?

Das ist doch wie verhext, aber ok, ein paar Kilometer haben wir noch, also weiterfahren und hoffen. In irgendeinem Bergdorf (Ich weiss nicht mehr genau wo) liegt dann doch eine Tankstelle am Strassenrand und wir fahren erleichtert hin. Die Tankstelle ist mit einem sehr, sehr, sehr alten Herrn besetzt, der hier wohl für den Service sorgt. Er kommt also zu uns ans Auto und ich sage „Full please“ in der Hoffnung, er versteht etwas englisch.

Der schüttelt aber den Kopf und winkt mit dem erhobenen Zeigefinger, während ich wohl ein ziemlich dummes Gesicht mache. Nach einigem hin und her macht er mir klar, dass es keinen Sprit mehr gibt, beziehungsweise, es gibt Sprit, aber nicht genug. Er zeigt mir immer wieder zehn Finger und dann nochmal zwei und ich kann das irgendwie nicht glauben. Die Spritpreise sind in Griechenland sowieso schon hoch und jetzt soll es nicht einmal mehr das teure Zeug geben?

Ok, er hängt schlussendlich den Zapfhahn ein und beginnt zu tanken, während ich gespannt daneben stehe. Bei 12 Litern beendet er seinen kurzen Dienst, hängt die Zapfpistole wieder zurück in die Säule und verlangt 30 Euro. Mehr gibts nicht! Wow!

Da wir schon ein paar Tage keine Nachrichten mehr verfolgt haben, überlege ich, ob wir vielleicht irgendwelche Katastrophen verpasst haben. Ich meine also solche, die nicht ohnehin jeden Tag durch die deutsche Medienlandschaft erfun…, ähh… generie…, ähh verkündet werden…

Ich beginne zu realisieren, wie ich mich fühle, wenn Superbenzin rationiert wird: Es gefällt mir nicht! (Alter, weisser Mann halt…)

Weiter gehts durch die Berge und vorbei an den malerischen Buchten, die heute unter den Wolken vielleicht nicht ganz so idyllisch daliegen, wie an sonnigeren Tagen, egal.

Es reiht sich Bucht an Bucht. So haben wir uns diese Ecke von Griechenland vorgestellt.

Dann sind wir kurz vor Vathia und ich freue mich schon. Vathia, ist ein ehemaliges Piratendorf und wurde vor vielen Jahren verlassen. Die griechische Regierung hat das historische Bergdorf aber irgendwann als historisch wertvoll eingestuft und versucht seitdem, den Ort zu erhalten.

Mittlerweile gibt es sogar die Möglichkeit, in einem der festungsähnlichen Wohntürme zu übernachten, aber wir möchten noch ein Stück weiter in den Norden. 

In der Nähe von Rigklia ist es dann langsam Zeit, um die heutige Bleibe zu suchen und idealerweise möchten wir was passendes, ursprüngliches. Carola findet eine kleine Privatpension in einem uralten Haus. Es gleicht eher einer Festung und sie findet es ganz toll. Naja, und was meine Frau sagt ist Gesetz, da bleibt wenig Raum für Interpretationen.

Wir erhalten einen Parkplatz im Garten und ein einfaches, aber vollkommen ausreichendes Zimmer.

Jetzt fehlt nur noch ein passendes Restaurant am Strand, welches sich auch nur wenige Minuten zu Fuss unten am Wasser findet. Wir sind ja heute an der Westseite der Halbinsel und haben demzufolge eine hohe Chance auf einen anständigen Sonnenuntergang.

In unserer einfache Pension gab es kein Frühstück, aber gestern, auf dem Weg runter zum Strandrestaurant hatte ich ein kleines Cafe entdeckt. Ich bin mir sicher, da bekommen wir jetzt einen Kaffee und etwas Brot. Das funktioniert auch wie erwartet und wäre im Prinzip gar nicht weiter erwähnenswert, wäre da nicht ein besonderes Detail, welches mir nach kurzer Zeit auffällt.

Kurz zur Szenerie: Wir sitzen in einem klitzekleinen, griechischen Cafe am Morgen. Es ist eher eine offene Strandbar mit nur einem kleinen Dach an der Stelle, wo die Theke ist. Alle Tische stehen also unter freiem Himmel zwischen ein paar wenigen Bäumen.

Komm, wir machen ein Suchspiel: Über welches etwas deplatzierte Teil habe ich mich köstlich amüsiert? (Ok, leider hat die Kamera nicht richtig fokussiert, aber du erkennst es?!)

Die nächste erwähnenswerte Stadt ist heute Kalamata und ich bin glücklich, denn heute ist hemmungsloses Volltanken angesagt! 57 Liter Super füllen die gähnende Leere im Tank. Ich hatte schon Sorge…

Über Kalo Nero fahren wir in Richtung Olympia, denn eine Rundreise durch Griechenland, ohne das antike Olympia, geht ja mal gar nicht (dachte ich da noch…)

An irgendeiner Kreuzung, mitten im Nichts verliere ich kurz die Orientierung und wir halten an, um die Papierkarte und Google-Maps zu studieren, zumal auch das Navi kein vernünftiges Routing hergibt. Hier haben die Griechen eine riesige Strassenkreuzung gebaut. Meine Frage ist nur: Wozu?

Wir haben unser Auto also nach dem Abbiegen von der Hauptstrasse abgestellt, aber die beiden Strassen führen nicht weiter und enden nach wenigen Metern. Ich muss diesen sehr seltsamen Ort fotografieren.

Passenderweise steht hier ein Schild am Rand der Kreuzung. Das hilft uns zwar nicht bei der Orientierung, aber immerhin beim Verständnis dafür, was hier gebaut wurde: Eine Kreuzung! Mit EU-Mitteln, für 124.542.531 Euro. (Nicht ausgedacht, das steht auf dem Schild!)

Hundertvierundzwanzigmillionen Euro! Sind die bescheuert? Ich muss das jetzt mal hinterfragen (Ich weiss, sowas grenzt heutzutage an Ketzerei, aber ich bin fiskalischer Nettozahler und nehme mir das raus…)

124 Millionen Euro für eine verwaiste, verranzte Strassenkreuzung mitten im Nichts. Ich erlaube mir eine weitere Frage: Wo ist die Kohle hin?!

Spoiler: Wir achten in den nächsten Tagen auf solche Schilder und sammeln nur noch die Millionenbeträge. Es ist unfassbar, wie viele hier immer wieder rumstehen, wenn man nur darauf achtet!

Naja, wir kommen schliesslich in Olympia an und mich ergreift eine gewissen Ehrfurcht angesichts der historischen Bedeutung.

Und dann liegt sie direkt vor mir: Der Inbegriff der Sportstätte. Der Ort des antiken Wettkampfs, die Legende, der Olymp, die Geburtsstätte der olympischen Spiele und heilige Gral des… ähem…

Na gut. Vielleicht ist nur die Perspektive falsch gewählt und ich versuche es nochmal von der anderen Seite…

Das Ergebnis ist – wie soll ich mich ausrücken – etwas ernüchternd. Wir reden also von einer Grasbahn inmitten einer entlegenen Hügelkette. Kein Vergleich mit Epidauros oder Mykene. Kein Spirit, kein erhabenes Gefühl, stattdessen ein paar moderne offizielle Besuchsgebäude nebenan und ein vollgestellter Busbahnhof mit Touristentransportern. Dass es jetzt gerade auch angefangen hat zu regnen, passt perfekt.

Wir machen das Dach zu und verschwinden…

Leicht frustriert kommen wir heute noch ganz gut voran bis in den Norden der Peloponnes, nach Arkoudi. Während Carola fährt, suche ich uns mal ein Wiedergutmachungshotel und entscheide mich für das „Lintzi“, ein gescheit bewertetes Haus, etwas oberhalb des Ortes.

Das Haus selbst wirkt auf mich architektonisch wie aus den 70ern, was ich, so wie es sich darstellt, durchaus gut finde. Wir werden sofort superfreundlich empfangen und erhalten ein schönes Zimmer mit Balkon.

Die Wolken haben sich verzogen, die Sonne scheint, der Himmel strahlt – naja – eben himmelblau…

Dazu gibt es einen sehr schönen, grossen Pool mit Getränkeservice bis an die Liege…

…und eine urgemütliche Taverne auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Manchmal hat man schon bei der Ankunft das Gefühl, man ist hier richtig und heute ist wieder mal „manchmal“!

Alles passt und wir sind uns sofort sicher, dass wir hier länger bleiben wollen. Noch am selben Tag gehe ich runter an die Rezeption und verlängere unseren Aufenthalt…

Hier werden wir nicht nur für einen Stopover bleiben, hier spannen wir ein paar Tage aus, weil es uns so gut gefällt!

Wir trödeln dann die Tage weg und lassen es uns gut gehen. Nur zwischendurch belaste ich mein Datenvolumen, um die Reste des Kundenchaos vom Ankunftstag zu bearbeiten.

Ich habe etwas Korrespondenz mit deutschen Behörden aufzuarbeiten und versuche ansonsten, möglichst schnell wieder aus dem Zimmer heraus und an den Pool zu kommen. Ist das dekadent? Ja, ist es! Ich weiss, aber wir sind trotzdem happy damit.

Wir treffen dann noch auf ein Paar aus Thüringen, welches ziemlich motorradbegeistert ist. Sie erzählen uns von ihren Touren quer durch Deutschland, ich halte mich bedeckt und bin eher an regionalen Tipps aus erster Hand interessiert.

Er sagt, er sei Fahrlehrer und überlegt, die neue 1800er BMW zukaufen. Momentan fährt er eine 1200RT. Ich vermute, da ist der Unterschied gar nicht mehr so signifikant…

Am nächsten Abend gehen wir runter an den Strand und werden auch hier mit allem beglückt, was man so braucht.

Also wenn du mal auf den westlichen Peloponnes unterwegs bist und in die Nähe von Arkoudi kommst, da kannst du dich niederlassen. Und im Hotel Lintzi passt alles. Das ist mal wieder so ein Haus, da macht man nichts falsch und fühlt sich pudelwohl!

Beim Auschecken unterhalten wir uns noch lange mit der Chefin. Sie will wissen, ob es uns gefallen hat, was ich rundum bejahen kann. Hier kommen sogar recht viele deutsche Gäste her, deshalb spricht sie ziemlich gut Deutsch. (Ich lege darauf keinen Wert, aber es stört mich auch nicht…) Das Hotel betreiben sie in der Sommersaison, ansonsten lebt das Besitzerpaar im Landesinneren. Ich versichere ihr gerne eine lobende Erwähnung und Bewertung ihres Hauses.

Heute möchten wir dann die Peloponnes verlassen und über Patras in den Norden weiterfahren. Auf dem Weg will ich Carola noch Mytikas zeigen, wo ich im letzten Jahr so begeistert war. Und wenn unser Tagesplan aufgeht, schaffen wir es vielleicht bis in die Gegend von Igoumenitsa oder so.

Wir fahren also aus Arkoudi ab und suchen uns die Schnellstrasse, denn wir wollen jetzt direkt nach Patras und dann, nördlich der Stadt, bei Rio, über die grosse Brücke.

Die Brücke ist jedes mal eine Schau und ich finde sie sogar ganz ästhetisch. Angesichts der Millionen, die in der griechischen Pampa versickert sind, rufe ich mir die „Baukosten“ hier in Erinnerung: 771 Millionen Euro! Immerhin sieht man an ihr, dass etwas sinnvolles entstanden ist und wir zahlen insofern bereitwillig die Brückenmaut.

Wenn du die durchaus interessante Geschichte des Projekts mal nachlesen willst, schau mal hier. Die Herausforderungen beim Bau waren aus verschiedenen Gründen erheblich.

Hinter der Brücke erreichen wir den wesentlich dünner besiedelten Nordwesten Griechenlands und fahren bei Astakos wieder an die Küste.

Die Landschaft ändert sich und ähnelt mit dem Blick aufs Meer eher der kroatischen Jadranska Magistrale, die ich weiterhin für eine der schönsten Routen – mindestens in Europa – halte.

Bei Mytikas fahren wir runter in den Ort, denn ich möchte im „MK Glaros“ wenigstens hallo sagen und etwas trinken. Leider ist das Haus geschlossen. Die Betreiber haben ein Schild ausgehängt auf dem steht, sie machen Urlaub, wie schade, aber wir suchen uns dann ein Cafe und machen Mittagspause…

Dann fahren wir weiter und lassen uns entspannt treiben. Immer wieder müssen wir anhalten und die Ausblicke auf das Meer und die schönen Buchten geniessen. Es ist einfach traumhaft.

Bei Nikopolis gibt es eine Reihe alter Ausgrabungsstätten, viele davon mit Relikten aus der römischen Zeit und ich kann bei sowas nur schwer widerstehen, also muss Carola nochmal „alte Steine“ anschauen, was sie aber tapfer hinnimmt.

Meine „alten Steine“ erfordern aber ebenso viele Umwege wie Zeit und wir schaffen es dadurch heute nicht bis Igoumenitsa und stranden stattdessen am späten Nachmittag im Ort Parga.

Etwas oberhalb des Ortes, an der Strasse, finden wir eine kleine Pension und freuen uns jetzt bei Temperaturen um 36 Grad auf ein klimatisiertes Zimmer und einen Pool.

Den Abend verbringen wir in einem kleinen Restaurant, unten im Ort und geniessen die Tatsache, dass es hier immerhin eine nennenswerte Anzahl an Touristen bietet. Nicht wegen der Touristen direkt, aber man hat dann viel zu sehen.

Was mich auch immer wieder fasziniert sind die teils bedenklich aussehenden Fahrzeuge am Strassenrand. Mit welchem Improvisationstalent für den Erhalt der Fahrtüchtigkeit gesorgt wird, ist bemerkenswert. Mit sowas machst du dir jedenfalls keine Gedanken darüber, dein Auto für die Nacht in einer Garage abstellen zu müssen. Und ob der Lackstift hundertprozentig passt, ist auch nicht ganz so wichtig.

Unsere Pension bietet wieder kein Frühstück vor halb Zehn und deshalb fahren wir am Morgen ein paar Meter weiter nach Trikorfo. Der Ort bietet einige uralte Sehenswürdigkeiten, aber ich will Carolas Geduld nicht schon zu Beginn des Tages strapazieren, deshalb setzen wir uns in ein Strassencafe und bestellen Kaffee und etwas zu Essen.

Carola ist gerade sowieso etwas nervös, da wir heute Albanien erreichen werden und sie bei dem Gedanken in den Problem- und Sorgenmodus verfällt. Für mich wird es der insgesamt vierte Besuch in dem Land und ich weiss, dass die Sorgen unberechtigt sind, kann aber gut nachvollziehen, dass es diese Gedanken bei ihr gibt. Als ich das erste Mal nach Albanien gefahren bin, hatte ich das zunächst auch, inklusive aller bekannten Vorurteile. Heute bin ich ein grosser Fan des Landes!

Kurz nach der Abfahrt von Trikorfo sehe ich eine Schildkröte über die Strasse kriechen. Das ist die Gelegenheit, dass auch Carola jetzt die obligatorische Hilfsaktion durchführen muss. Griechenland ohne Schildkrötenrettung geht nicht!

Sie führt also ihre erste gute Tat heute durch und wenn der Tag so beginnt, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Nicht mal in Albanien!

Die Küstenstrasse bis Igoumenitsa ist ebenso schön, wie die Strecke gestern. Links sieht man das Meer, rechts die Hügel und Berge. So lassen wir uns das gefallen.

Für belustigende Unterbrechungen sorgen weitere aufschlussreiche Bauschilder. Du siehst zwar nirgendwo Baustellen oder andere, neu erstellte Verkehrswege, dafür aber den zwischen 2014 und 2020 benötigten Kapitalbedarf auf den Cent genau. Hier sind es mal eben 39 Millionen, ohne dass es dafür in der gesamten Umgebung irgendein nennenswertes Projekt gäbe. Ich würde wirklich zu gerne wissen, wo die das viele Geld geblieben ist…

Wir erreichen jetzt Igoumenitsa und suchen uns zuerst einen Supermarkt. In der brennenden Mittagssonne werden wir am Stadtrand fündig. Carola geht einkaufen, ich bleibe im Auto und kümmere mich um die Route.

Als ich mich umschaue sehe ich ein Paar, das gerade mit den Einkäufen aus dem Markt zurückkommt. So, und jetzt ist das wieder so eine Szene, soll ich die kommentieren?

Ich finde es ja sinnvoll, in diesen Zeiten Vorräte anzulegen, aber wie soll man es sagen? Etwas mehr Diversifikation wäre mein Rat… und diese völlig sinnfreien Papierfetzen im Gesicht, im Freien bei 35 Grad im Schatten, naja…

Als wir unsererseits die Vorräte aufgefüllt haben (etwas weniger als die beiden auf dem Foto…), müssen wir mal wieder tanken, was hier in Nordgriechenland, nahe der Grenze zu Albanien, nicht so ökonomisch sinnvoll ist. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass der Liter Super in Albanien nicht 2,45 EUR kosten wird.

Wir fahren also an die nächste Tanke und füllen sparsame 10 Liter ein. Neben uns steht eine Mercedes E-Klasse mit deutschem Kennzeichen und der Fahrer macht voll. Die Zapfsäule zeigt 75 Liter (Ich wusste bisher gar nicht, dass es so grosse Tanks gibt!) und ich bin einfach zu neugierig um das so ungefragt stehen zu lassen. Mehr als 170 Euro stehen auf der Anzeige, das tut ja schon weh!

Nach einer kurzen Begrüssung erzählt er mir, er sei gebürtiger Grieche, wohnt und arbeitet in Aachen und ist hier auf Urlaub in seiner Heimat. Der Besitzer der Tankstelle ist sein Schwager, was leider nicht bedeutet, dass er nennenswerte Rabatte beim Tanken erhält.

Tanken hier tut wirklich weh, aber noch weniger versteht er, wie seine Landsleute das machen. Der Durchschnittsverdienst liegt nach seiner Aussage bei etwa 500 bis 600 EUR und auf öffentliche Verkehrsmittel muss man hier komplett verzichten.

Er fragt immer wieder „Wie geht das, wie zum Teufel machen die das? Ich verstehe das nicht“.

Ich denke mir, wenn er es nicht erklären kann, wie soll ich es erst? Wobei, wenn ich mich an die Bauschilder an den Strassen erinnere… Aber lassen wir das, sonst kassiere ich am Ende wieder Schimpfe, wegen der Fragen, die man nicht mehr stellen darf…

Etwas nördlich von Igoumenitsa kommen wir in den Bergen an die albanische Grenze. Der Übergang von Griechenland nach Albanien ist überhaupt kein Problem und schwupps, sind wir in einem meiner Lieblingsländer. Es ist der kleine Übergang, den ich 2017 bei meiner ersten Albanienreise gewählt hatte.

Bisher bin ich von hier über Pllake nach Saranda gefahren, heute möchten wir mal die Strecke über Vrine probieren, auch wenn der Beginn der Strasse bei Carola nicht auf restloses Vertrauen stösst. 

Es geht etwas bergab in Richtung Butrint Nationalpark und wir halten an einer alten Burganlage, die wohl von den Ventiern (Venziern? Venediger? Hmm, also Menschen aus Venedig, du weisst was ich meine?!) als Dreiecksburg gebaut wurde.

Ich mache bei unserem Stopp ein paar Fotos von der Burganlage, aber nur, weil ich noch nicht weiss, was direkt dahinter kommt…

Unmittelbar hinter der Burg unterbricht Wasser die Weiterfahrt. Es gibt zwar keine Brücke, aber eine kleine Fähre. Na gut, viellicht nicht unbedingt „Fähre“, eher „Floss“. Schon der Anleger ist eine Schau, da mit reichlich Improvisationstalent erstellt. Und die Rampe am Wasser ist nicht mehr als eine kleine Betonkante, von der zwei verrostete Stahlseile ins Wasser hängen..

Carola ist der festen Überzeugung, wir werden ihr Cabrio hier im Wasser versenken, aber ich versuche ihr klarzumachen, dass man in Albanien einfach nicht so kleinlich sein darf wie in Mitteleuropa, daran muss sie sich gewöhnen. Während sie noch heftig interveniert, fahre ich ihr Auto auf das mit Holzbrettern geflickte Deck.

Das albanische Provisorium muss nur etwa 70 Meter überwinden und ich hoffe, es wird diese eine Fahrt noch überstehen, ansonsten wird meine Frau mich am nächsten Baum aufknöpfen…

Wir haben hier mal wieder eine klassische Aufgabenverteilung: Ich bin grundsätzlich und mit Begeisterung für jeglichen Unfug zu haben, Carola aber – als staatlich geprüfte Bedenkenträgerin – mahnt zur Vorsicht, das ist ihr Job als Frau. Insgeheim überlege ich jedoch, wie ich der heimischen Kfz-Versicherung den Vollkaskoschaden in albanischen Gewässern erklären soll…

Egal. Auf der anderen Seite, direkt am Ufer des gegenüberliegenden Rampe bieten sich jede Menge historische Sehenswürdigkeiten: Römisches Bad und Amphitheater, Nationalpark, alter Beobachtungsturm und Ruine einer Basilika. Leider alles nichts, was Carola gerade gedanklich verarbeiten kann. Ich muss also nochmal hierher und den Besuch für meine nächste Balkantour planen. (Ich habe mittlerweile aufgehört zu zählen…)

Wir fahren dann weiter nach Saranda, einer Stadt, die ich schon bei meinem ersten Besuch als relativ schick und touristisch kennengelernt habe. Heute ist es noch moderner und an jeder Ecke wird gebaut.

Wenn du noch das ursprüngliche Albanien sehen möchtest, solltest du dich beeilen. Ich denke, in wenigen Jahren sind alle urtypischen „Sehenswürdigkeiten“ modernisiert.

Dann ist der ursprüngliche Charme vielleicht verflogen. Ich mochte das alte Albanien, aber ich kann verstehen, dass sich das Land der Zeit und den europäischen Nachbarn angleichen will.

Für uns geht es weiter in Richtung Cikes-Pass zwischen Porto Palermo und Orikum, vorbei an den Stränden, die in naher Zukunft vielleicht auch mit Hotels und Ferienanlagen zugebaut werden.

Bei Porto Palermo geniessen wir noch die Aussichten auf die kleinen Buchten und das alte Castello…

… danach fahren wir an dem berühmten U-Boot-Bunker vorbei. Die Story zu diesem sauteuren und irrwitzigen Bauwerk hatte ich ja schon in meinem ersten Albanienbericht beschrieben.

Ich finde die alte Militäranlage per se sehenswert, aber sie verfällt leider immer mehr. Für mich gehört auch das zu Albanien, die unzähligen Bunker im ganze Land sowieso…

Hinter Dhermi windet sich die Strasse dann hinauf auf den Cikes-Pass mit seinen fantastischen Aussichten auf die Strände, die Berge und die Adriaküste.

Am ersten Parkplatz machen wir halt, denn ich muss ein Reisemobil bewundern. Carola und ich hatten uns ja letzten Herbst ein Kastenwagen-Wohnmobil ausgeliehen (Ich verdränge diese blöde Schapsidee immer noch…) und hier sehen wir an einem Parkplatz des Cikes-Passes nun die etwas grössere Version des Campingbusses. Ich versuche mir die Camper-Nummer ein weiters Mal schönzureden, lasse es aber doch besser sein. Einzig die Geländegängigkeit des Gefährts finde ich beeindruckend!

Auf der Nordseite des Passes müssen wir durch eine lange Baustelle. Sie bauen hier eine neue Schnellstrasse oder Autobahn und ich kann die Arbeiten an den Tunnelröhren erkennen, die dann wohl bald die Überquerung des Cikes-Pass überflüssig machen sollen.

Dummerweise müssen wir ein paar Kilometer über Schotter. Was mir auf dem Motorrad eher Freude bereitet, erzeugt bei Carola Sorgenfalten beim Gedanken an ihr Auto. (Ich habe ihr vorher gesagt, wir müssen in jedem Fall durch Albanien, Nordmazedonien oder Bulgarien. Sie hatte also keine reelle Chance!)

Mir kommt es vor, als wollen die Balkanstaaten in kürzester Zeit alles nachholen, was Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, inklusive aller Fehler. Naja, ich würde den alten Cikes-Pass immer bevorzugen…

Irgendwann kommt aber immer wieder die Sonne hervor (in diesem Falle eher: der Asphalt!) und wir erreichen die Stadt Vlora. Wir fahren also mitten durch die wunderschö… äh… na ok, wir fahren durch Vlora…

Am späten Nachmittag erreichen wir dann Durres. Diesmal haben wir Booking bemüht und uns (Auf der Basis recht guter Bewertungen) für das „Hillside Beach“ entschieden. (Eigentlich würde ich gerne wieder im  „Nais Beach“ einchecken, aber ich denke, Carola ist noch nicht so weit…)

Das Hillside liegt laut Angaben praktisch direkt am Strand und ich habe den Eindruck, ich müsste etwas gutmachen (Das war, bevor ich festgestellt habe, wieso das Hotel „Hillside“ heisst). Wir buchen also bereits von unterwegs online, was nicht immer eine so tolle Idee ist…

Das „Hillside“ ist eher ein Holzhaus und ambitioniert an den Hang gebaut. Ich glaube nicht, dass anerkannte Statiker sich um die Stabilität von Grund und Fundament gekümmert haben, denn die gesamte Konstruktion neigt sich bedenklich ein paar Grad in Richtung Wasser. Ich versuche es beim Einchecken mit Wahrscheinlichkeitsrechnung: Wieso sollte der Bau gerade heute Nacht kollabieren?

Die Frage nach einer Tiefgarage erübrigt sich (falls es mal eine gab, ist sie verschüttet), obwohl Carola mich bekniet hat, wenigstens in Albanien für einen gesicherten Parkplatz zu sorgen. (Ja klar, ich kenne die Vorurteile über Albanien, kann aber selbst von meinen Reisen durch das Land nur Gutes berichten…)

Wir bekommen immerhin ein Zimmer mit Blick aufs Meer, was nur insofern ein Pluspunkt ist, als die ungedämmte Bretterfassade uns gefühlte 55 Grad Celsius im Schlafraum beschert. Ich weiss nicht mehr so recht, mit welchen Ausreden ich Carola jetzt noch überzeugen könnte. Es gibt einfach Tage, da kann selbst ich eine Situation nicht mehr schönreden, heute zum Beispiel.

Meine letzte Rettung: Der Vorschlag, runter an den Strand zu gehen, den Sonnenuntergang zu geniessen, einen Wein zu trinken und vielleicht was Gescheites zu essen?

Wir müssen also runter und über die Strasse, vorbei an ihrem Auto, welches heute Nacht ja mangels Hotelparkplatz am Strassenrand, unter einer Laterne stehen muss.

Hinter dem Scheibenwischer klemmt bereits der erste Werbeflyer:

Ich finde die Werbung ganz ästhetisch, aber Carola redet im Moment nicht so viel…

Was jedoch gut ist: Wenn die Dinge so richtig schief gehen, kann man irgendwann darüber lachen. Als wir am Strand ankommen, sieht die Welt wieder besser aus…

…und auch das Restaurant mit Bar nebenan geht klar! Die Albaner haben jedenfalls ganz anständige Weine und gescheit kochen können sie auch!

Spät am Abend, als die Sonne untergegangen ist und die Setzrisse der Hotelfassade im adriatischen Nachtschimmer des Mondlichts eintauchen, wagen wir uns aufs Zimmer.

Am Morgen wachen wir ohne bleibende Schäden auf und nehmen das Frühstück auf einer Art Veranda am Hotel ein. Die überdachte Terrasse neigt sich etwa drei bis vier Grad vom Berghang weg, was man am „Kaffeespiegel“ in den Tassen sehr schön erkennen kann. Ich fürchte, die ganze Hütte stürzt in absehbarer Zeit in die Adria.

Carola hat noch Schwierigkeiten, meine Liebe zu Albanien zu teilen und ich muss ihr versprechen, dass wir es heute bis Montenegro schaffen.

Die Fahrt nach Shkodra steht für meine Frau dann unter dem Motto „Sehet und staunet“. Ich kommentiere nicht und geniesse.

Shkodra kenne ich mittlerweile ganz gut, war die Stadt doch mehrfacher Ausgangspunkt meiner Fahrten nach Theth, zum Komansee und nach Vermosh. Da schmerzt es nicht so sehr, dass Carola den nächsten Stopp lieber erst in Montenegro machen will.

Wir fahren also südlich an Shkodra vorbei und dann in westlicher Richtung zur Grenze nach Montenegro.

Die Fahrzeuge unterwegs sind bewundernswert. Vieles von dem, was da mit Motor unterwegs ist, muss uralt sein.

Und wenn gar nichts mehr geht, spannt man einfach einen Esel vor den Teil, der mal Räder hatte…

Dann kommen wir an die Grenze und verlassen Albanien. Beide Posten passieren wir ohne Probleme: Pässe und Fahrzeugpapiere vorzeigen und weiter geht es.

Etwa 90 Kilometer sind es jetzt noch bis vor die Tore von Kotor, aber wir haben uns heute für einen anderen Ort entschieden, der wieder direkt an der Küste liegt: Sveti Stefan. Da soll es ganz schön sein und wir sind gespannt, ob unsere heutige Herberge waagerechte Böden und Decken hat…

Sveti Stefan ist vor allem durch die kleine vorgelagerte Insel bekannt. Der alte Ortskern liegt auf dem unmittelbar vor der Küste gelegenen Fels und ist über eine schmalen Damm erreichbar.

Irgendwann haben sich findige Investoren die Insel zu eigen und den kompletten alten Ortskern zu einem Luxushotel gemacht. Jede Menge Schauspieler und Politiker habe sich hier schon die Hand gegeben. Wir müssen mangels Prominenz und Glamourfaktor (und Finanzmittel) leider draussen bleiben und checken in einem kleinen, dafür aber urgemütlichen Hotel ein, den „Drago Rooms“, die sich etwas oberhalb befinden und einen tollen Blick auf das alte Sveti Stefan bieten.

Das Haus liegt am steilen Hang des Festlands und wir tragen unsere Sachen über eine schmale Steintreppe hinauf. Dabei passieren wir das Restaurant mit seiner Terrasse unter Weinreben. Ja, was soll ich sagen: Elmar (und Carola) gefällt das!

Es ist erst drei Uhr am Nachmittag und wir wollen eigentlich noch runter zum Strand, schaffen es dann aber nur bis auf die Terrasse, wo uns das Personal abfängt und an den Tisch bittet: Wie es denn so wäre, mit einem Glas Wein und einer kleinen Stärkung?

Die Kurzversion: Wir schaffen es nicht mehr zum Strand…

Na gut, später am Abend sammeln wir unsere letzten Kräfte und gehen nochmal runter zur Insel, weil wir neugierig sind. Aber nur um uns dann wieder im Restaurant einzufinden. Wir geniessen jede Minute.

Also: Die „Rooms Drago“ in Sveti Stefan sind perfekt. Merken!

Noch bevor wir später auf unser erstklassiges Zimmer verschwinden, verlängern wir mal wieder unseren Aufenthalt.

Am nächsten Morgen sitzen wir im Auto, denn heute gibt es zwei Aufgaben:

Erstens muss ich noch hoch auf den Lovcen, zum Mausoleum. Das habe ich letztes Jahr glatt ausgelassen, weil ich von der Bucht von Kotor so beeindruckt war und oberhalb der Bucht mit ihrem wunderbaren Ausblick meinte, ich wäre schon ganz oben. Die besten Sachen hatte ich also schlicht gesagt verpasst.

Zweitens wollen wir in die Altstadt von Kotor, denn die soll ebenfalls sehenswert sein.

Naja, und letztes Jahr bin ich dann vor den Toren von Kotor in Dobrota versackt: Lovcen verpasst, Kotor verpasst, kann passieren.

Wir fahren also aus Sveti Stefan ab und müssen zunächst mal tanken. An der ersten Möglichkeit, kurz vor Budva, machen wir voll, für 1,65 EUR pro Liter. Ich fotografiere den Tankbeleg und speichere ihn ab. Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, es ist das letzte Mal für so einen Preis.

Dann geht es den Berg hoch in Richtung Cetinje und weiter zum Lovcen. Kurz hinter Cetinje führt die Strasse dann durch den Wald und ich hätte gerade gerne mein Motorrad unter mir, so schön ist die Strecke. Dafür haben wir es etwas bequemer und machen das Dach auf.

Etwa drei Kilometer vor dem höchsten mit dem Auto befahrbaren Punkt gibt es eine Schranke. Hier muss man einen kleinen Obolus entrichten um höher in den Nationalpark fahren zu dürfen. Wir stehen in einer Reihe mit ein paar Fahrzeugen und warten, bis wir dran sind. Das dauert eine Weile, da der Typ an der Schranke sichtbar tiefenentspannt ist und sich so gar nicht hetzen lässt. Währenddessen kommt von hinten eine Gruppe Motorradfahrer.

Die Sonne brennt jetzt schon erbarmungslos vom Himmel und ich bin diesbezüglich gerade froh, nicht in meinen Motorradsachen zu stecken, zumal sich auch kein Lüftchen bewegt. Da ich diese Situation nur zu gut kenne, steige ich kurz aus und sage der Gruppe, sie soll einfach nach vorne fahren. Passenderweise sind es deutsche Motorradfahrer, die sichtlich erleichtert sind, hier jetzt nicht in der Sonne schmoren zu müssen.

Der Mann an der Schranke will 2 Euro für die Befahrung der Strecke und das geht voll in Ordnung. Es ist eine sehr schöne Waldstrasse mit top Aussichten, vor allem im oberen Teil.

Es lohnt sich auf jeden Fall da komplett hochzufahren, die Aussichten rundum sind echt atemberaubend.

Ganz oben gibt es einen kleinen Platz, der immerhin Parkmöglichkeiten für Motorräder bietet. Wir stellen deutlich weiter vorher ab.

Von dort muss man dann zu Fuss weiter über eine Steintreppe, hoch zum Mausoleum (Für weitere 5 Euro…). Teilweise läuft man durch einen Tunnel, teilweise im Freien.

Du solltest einigermassen fit sein. Ich habe 370 Stufen gezählt und bin abermals froh, jetzt nicht in meinen Motorradsachen zu stecken.

Carola bleibt mal direkt unten am kleinen Parkplatz, denn ihr ist es dort schon hoch genug.

Ich komme währenddessen oben an und schaue mich im kleinen Mausoleum um. Das Mausoleum wurde für den Fürstbischof Petar II. Njegos errichtet. Ich hab mir die Story zu ihm angesehen, fand es aber nicht spannend genug, das nun zu wiederholen.

Den Ort hier selbst, inklusive Gebäude, Aussicht und „Spirit“ finde ich auch ohne seine Geschichte sehenswert.

Ich schaue mir innen die Statue an und denke, ok, ich besitze vermutlich wieder zu wenig Kunstverständnis, um das passend zu würdigen.

Dann gehe ich wieder raus, mache ein paar Fotos und will die Stufen wieder zurück. Neben mir steht dann aber ein Ordner. Er empfiehlt mir, auf der Rückseite des Mausoleums noch die Treppe hinunter zu gehen, dort wäre der eigentliche Sarg. Den hätte ich tatsächlich verpasst…

Also nochmal zurück und runter…

Wieder oben aus dem „Keller“ des Gebäudes sehe ich, dass hier immer noch nicht Schluss ist. Ein sehr schmaler Pfad führt noch bis zum Nordplateau, einer kleinen Aussichtsplattform. Die sollte man ebenfalls nicht auslassen!

Irgendwann habe ich dann aber genug gesehen und mache mich wieder auf den Weg runter zu meiner Frau.

Wir fahren dann auf der westlichen Seite des Lovcen wieder ab, in Richtung der Serpentinen, südlich von Kotor.

Carola fährt und ich weiss schon, was uns erwartet. Ok, das war jetzt nicht ganz fair und ich habe auch nichts gesagt. Als uns mitten in den Serpentinen ein Reisebus entgegenkommt, schrammen wir nur knapp an einer Panikattacke vorbei. Die Route hier runter ist wirklich saueng und eher für entgegenkommende Motorräder geeignet, als für Pkw und Busse.

Tipp am Rande: Zwischen den Kehren 9 und 10 kann man zur Festung Gorazda abfahren. Das ist eine wirklich sehenswerte, verlassene Anlage, die ich zufällig im vergangenen Jahr entdeckt habe.

Natürlich kommen wir dann unversehrt in Kotor an. Carola ist neugierig auf Dobrota, weil ich von meinem Aufenthalt dort im letzten Jahr so geschwärmt habe und wir fahren die kleine, aber sehr feine Küstenstrasse direkt am Ufer der Bucht entlang.

Ja, das ist wirklich alles so wie ich es kennengelernt habe. Hier findet man jede Menge Hotels, B&B und Restaurants. Das Wetter ist fantastisch und die Stimmung perfekt.

Ich mag die Bucht von Kotor sehr, das ist alles wie gemalt. Das muss man in Montenegro gesehen haben.

Aber das Kulturprogramm wartet. Die Altstadt von Kotor kennen wir noch nicht und das wollen wir ändern. Wir parken das Auto kurz vor der alten Stadtmauer auf einem Parkplatz und machen uns zu Fuss auf den Weg.

Ja, Kotor Oldtown ist sehr touristisch, aber ab und zu komme ich damit klar. Und es ist nicht so arg schlimm wie in Dubrovnik. Diesbezüglich hat Montenegro immer noch einen Aussenseiterbonus, ich möchte nicht darauf wetten, wie lange noch.

Am Abend sind wir dann wieder zurück in unserer Herberge in Sveti Stefan und lassen den Tag im wirklich guten Restaurant ausklingen.

Nun ruft die Weiterreise und wir wollen heute die ganze Bucht nicht nochmals umfahren. Das wäre zwar echt schön, kostet aber enorm viel Zeit. Deshalb fahren wir durch Tivat und kurz hinter der Stadt zum Fähranleger. Hier pendeln einige Fähren zwischen der Süd- und Nordseite der Bucht und verkürzen die Strecke deutlich.

Die vier Fähren pendeln genau gesagt zwischen den Orten Lepetane und Kamenari und eine Überfahrt mit dem Auto kostet bezahlbare 4,50 Euro. 

Auf der anderen Seite erreichen wir nach 25 Kilometern die Grenze nach Kroatien und befinden uns wieder auf der wunderbaren D8.

Eine weitere gute halbe Stunde später erreichen wir die Gegend um Dubrovnik, machen aber nur ein paar Fotos oben von der Strasse. Die Stadt ist ja wirklich schön, aber heute wollen wir den Trubel nicht ein weiteres Mal ertragen.

Ganz lustig ist noch die Brücke hinter Dubrovnik. Weniger wegen der Brücke selbst, eher wegen dem Nervenkitzel dort.

Ich halte also hinter der Brücke auf einem Parkplatz an und mache Fotos mit dem Reisezoom. Carola ist etwas erstaunt wegen meiner Aktion und fragt, was denn an der Brücke so besonderes sei, woraufhin ich ihr die Kamera gebe und bitte, sie möge sich ganz genau anschauen, was es unterhalb der Brückenmitte tolles zu bewundern gibt.

Ich kenne meine Frau und höre wenig später das erwartete „Oh Gott, oh Gott, oh Gott…“

Von der Brückenmitte kann man Bungeejumping machen. Just als wir fotografieren, lässt sich ein Mädel dort in die Tiefe fallen. Ehrlich, ich mache viele Dinge, die andere Menschen gefährlich finden und ich bin bestimmt nicht zart besaitet, aber es gibt zwei Dinge, die ich kategorisch ablehne: Mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springen, das noch fliegt und Bungeejumping!

Ich fotografiere aber gerne Menschen, deren Risikomanagement zu anderen Ergebnissen kommt als meines…

Als Carolas Gesichtsfarbe wieder einen normalen Zustand erreicht hat fahren wir weiter. Wir wollen heute auf jeden Fall in Bosnien-Herzegowina übernachten (schon alleine wegen den Spritpreise) und wählen Neum als Nachmittagsziel.

Das Hotel Novum dort ist nagelneu und gerade erst eröffnet. Wir erhalten ein richtig gutes Zimmer mit Blick auf die Bucht und liegen Minuten später am schmalen Strand im Sommerwetter.

Da ich ein Problem damit habe, untätig am Strand herumzuliegen beschäftige ich mich mit der Weiterreise, unserer Restroute und logistischen Herausforderungen. Die kroatische Insel Brac steht noch auf unserer Liste und dafür brauchen wir eine weitere Fähre von Makarska. Ich checke also Wegstrecke bis dorthin und erwartete Ankunftszeit und buche die Fähre online bei Jadrolinija. Ein Fehler, wie sich noch herausstellen wird…

Bis dahin sind wir aber happy und finden mit der „Villa Dom“ (Prädikat: Sehr empfehlenswert!) am Abend ein wundervolles Restaurant ein paar Meter weiter am Wasser.

Bei unserer Abfahrt am nächsten Tag halten wir gleich an der ersten Tankstelle und machen für 1,75 EUR voll. Das ist zwar teurer als in Montenegro, aber preiswerter als in Kroatien. Wenn du also mal durch den kleinen Neum-Korridor fährst, solltest du die Gelegenheit nutzen. Bisher war das Tanken dort immer noch günstiger als in Kroatien.

Eigentlich steht dann nichts spektakuläres mehr an, bis unsere Weiterfahrt auf der D8 gestoppt wird. „Rien ne va plus“, nichts geht mehr. Glücklicherweise hatte ich uns eine gute Stunde Karenzzeit eingeplant…

Blöd ist aber, dass auch nach viel Warterei immer noch alles steht. Ich versuche mittels Google Maps eine Umfahrung zu finden, was an genau dieser Stelle praktisch unmöglich ist. Wir sind jetzt ungefähr bei Igrane und eine alternative Route nach Makarska würde etwa 100 Kilometer Umweg durch die Berge erfordern. Das passt aber nicht mit der Abfahrtszeit unserer Fähre in Makarska.

Also versuche ich, jemanden telefonisch bei Jadrolinija zu erreichen und unser Problem zu schildern. Glücklicherweise haben die extra eine Kundenhotline, denke ich, jetzt noch, ich Naivling…

Die D8 ist wegen des Unfalls voll gesperrt und wir werden die Fähre definitiv nicht rechtzeitig erwischen. Sie fährt um 12:30 Uhr ab und das Boarding startet um 11:45 Uhr. Das schaffen wir selbst dann nicht mehr, wenn der Stau sich nun sofort auflöst. Ich möchte deshalb auf eine Abfahrt später wechseln und bitte daher freundlich darum, unser Ticket umzubuchen.

Aber nix gibts! Der Typ am anderen Ende der Leitung erklärt mir auf Englisch, man könne das Ticket nicht kostenfrei stornieren: „Only cancellation, no change“. Dabei will ich gar nicht stornieren, nur auf eine Abfahrt später ändern. Wir brauchen und wollen die Überfahrt, auch heute. Aber es ist, wie so häufig in diesen Fällen: Du redest mit einer Wand. Um das Problem nun zu „beheben“, soll ich alles in einer Email beschreiben, die vollständigen Daten angeben, meine Tickets als Datei anhängen, alles unterschreiben und an eine spezielle Jadrolinija-Email-Adresse senden.

(Es fehlt nur noch, das auf Kroatisch machen zu müssen, aber nur an ungeraden Werktagen im Schaltjahr…)

Ich entgegne „We are travelling and I dont have an office on the road!“, aber das interessiert ihn nicht. (Ok, so ganz stimmt es auch nicht…)

Ich frage mich, wozu Jadrolinija überhaupt eine Hotline einrichtet, wenn man dann ohnehin alles selbst machen muss. Dann kann ich mir Menschen am Telefon auch sparen, aber gut…

Schlussendlich storniere ich das Ticket per ausführlicher Email, nehme eine erhebliche „Strafgebühr“ in Kauf und buche dann ein neues Ticket für die nächste Fähre. Es gibt so Dinge, die muss man einfach hinnehmen, auch wenn mir das schwer fällt.

Echt, da habe ich lieber eine technische Panne. Das ist Schicksal und kann passieren. Da steckt man nicht drin und du siehst dann zu, dass du das Problem löst. Interessanterweise findet man vor Ort immer und überall jemanden der hilft, das habe ich gelernt. Aber hier am Telefon, so ohne das etwas kaputt ist, da bist du einfach Opfer des Callcenters. Hast du schon mal versucht, ein normales Gespräch mit den Mitarbeitern eines deutschen Mobilfunkanbieters zu führen? Dann weisst du was ich meine, da kannst du auch mit einem Toastbrot reden…

Na klar, wir erreichen Makarska irgendwann und unten im Hafen habe ich meinen Puls langsam wieder im Griff. Und eigentlich spielt es auch keine Rolle, aber wenn du mich auf die Palme bringen willst, führt ein Callcenter-Telefonat zielsicher zum Erfolg.

Wir sind jetzt natürlich zu spät für unsere ursprünglich gebuchte Fähre und viel zu früh für die Nächste. Meine Frau kennt mich aber und weiss, wie sie die Situation rettet: Wir setzen uns in ein Strassencafe und ich darf fremde Menschen anschauen. Danach gibts dann noch ein Eis obendrauf und Elmar ist wieder happy.

Irgendwann ist dann auch unsere Fähre bereit zum Boarding und wir nehmen die Überfahrt auf die Insel Brac in Angriff.

Mir geht es immer dann besser, wenn ich freies Unterhaltungsprogramm bekomme. Einparken zum Beispiel.

Ich stehe also auf der Fähre und beobachte einen Mercedes, der rückwärts einparken soll. Die beiden Männer im Ringelhemd und weissen Shirt sind die Jadrolinija-Einweiser und dirigieren den Fahrer aufs Fährdeck. Das alles passiert unter deutlich vernehmbaren Diskussionen, die ich mangels kroatischer Sprache leider nicht verstehe. Aber der Ton der Einweiser ist „bestimmt“, derjenige des Fahrers etwa so, wie ich vorhin noch war, sagen wir „aufgeweckt“.

Es geht also hin und her ich ich wundere mich noch, wo das Problem liegt. Irgendwann ist das Auto dann aber unter Ausnutzung der Platzverhältnisse und des Fahrzeugaufkommens eingeparkt. Rechts die Bordwand links der Ausstieg.

Was ich dann leider zu spät verstehe: Die linke Hintertür des Mercedes geht nicht auf. Hinten sitzen aber zwei Frauen mit Kleinkind. Und die müssen dann im Innenraum des Fahrzeugs nach vorne klettern und vorne durch die Fahrertür aussteigen. Grosses Kino! Ich kann die lautstarke Diskussion jetzt gut verstehen.

Carola ist darüber genauso begeistert und amüsiert…

…wie ich 🙂

Dann legen wir ab und haben die besten Ausblicke auf die kroatische Küste.

Auf Brac angekommen fahren wir direkt weiter zur Südseite der Insel nach Bol. Dort checken wir in der „Villa Amorena“ ein. Wir wollen hier nochmal etwas länger bleiben, denn die Insel Brac eignet sich super zum relaxen.

Brac bietet einen der bekanntesten Strände der Adria, den „Zlatni Rat“ und natürlich müssen wir da hin, wenigstens um „mal da gewesen zu sein“. Unseren Strandtag haben wir ohnehin geplant, also nehmen wir den etwas längeren Fussweg zum Zlatni Rat in Angriff.

Wir freuen uns über einen schönen Morgen und einen ruhigen Strandtag, leider nicht lange, denn der Strom der Badegäste setzt wenig später ein.

Mehr Ruhe verspricht ein „Sunbed“ unter Bäumen. Sowas nehmen wir normalerweise nicht, aber vielleicht sollten wir das mal ausprobieren?

Gesagt, getan, aber nur, bis ich mir die Preistafel neben den Liegen anschaue: Ein Sunbed für 37 Euro, pro Tag (Nicht pro Woche!)

Vielleicht bin ich zu geizig? Carola schüttelt aber ebenfalls den Kopf. Also bleiben wir zunächst auf unseren mitgebrachten Decken.

Um exakt 10:56 ist der Strand voll. So voll, dass die nächste Gruppe ihr Lager direkt neben uns aufschlägt. Und direkt bedeutet: Im Abstand von 50 Zentimetern. Die erste Amtshandlung: Das Auspacken der Soundbox und die Initialisierung derselben vom Smartphone unter Bass-Stakkato. Die Musikrichtung ordne ich irgendwo zwischen Südosteuropa-Techno und kroatischem Indie-Pop ein. Kurz: Nicht meins.

Ich glaube, ich werde alt. Ich sollte vielleicht das tun, was besser zu meinem Alter passt: Moped fahren, bevorzugt in Aserbaidschan oder der Westsahara oder so…

Nicht lange und wir suchen uns eine gemütliche Kneipe in Strandnähe.

Der Tag endet also damit, die Gastronomie der Insel zu erkunden. Okay, das kostet mehr als 37 Euro, bietet aber auch mehr „Return on invest“, jedenfalls bezogen auf unsere Vorlieben.

Heute fahren wir nach Supetar, an den Norden von Brac. Dort soll uns die nächste Fähre nach Split bringen. Ich buche diesmal nicht vor, da ich aus Erfahrung weiss, dass die Fähre von Supetar riesig ist und deshalb immer ausreichend Platz bietet. Das klappt auch wieder ganz tadellos.

Die Abfahrten sind um 9:00, 10:45 und 12:30 Uhr. Wir fahren einfach zum Hafen und nehmen das Schiff, das als nächstes ablegt.

Weil das Wetter so schön ist, sitzen alle am Oberdeck. Der grösste Teil der Menschen geniesst die Überfahrt oder unterhält sich und schaut aufs Meer und die wunderschöne Kulisse der kroatischen Berge, die vorbeiziehen.

Direkt neben uns fallen mir zwei Jungen auf, die sich anderweitig beschäftigen. Ich finde, die Mimik des Vaters (rechts dahinter sitzend) spricht Bände…

Ich glaube, denen gibst du irgendwann eine VR-Brille und lässt virtuelle Landschaften einspielen, dann brauchen die überhaupt nicht mehr aus dem Haus und sparen unfassbar viel CO2. Ok, es gibt vielleicht ein paar Schwierigkeiten mit der Motorik, Kreislaufprobleme und Defizite im Sozialverhalten, aber hey…

Wir laufen im Hafen von Split ein und das Erste, was ich dort erblicke ist: Ein Kreuzfahrtschiff!

Wenn dies nicht dein erster Reisebericht auf Ontrip ist, weisst du, was ich von den Dingern halte. Für mich wäre eine Reise mit sowas die absolute Höchststrafe.

Ich meine, schau mal: Erinnert das nicht eher an den D-Block in Alcatraz, als an Urlaub?!

Naja, wie hiess es doch so schön im ehemaligen deutschen Grundgesetz: Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

Split war für mich noch nie der Ort meiner Träume und daher fahren wir direkt raus aus der Stadt und zurück auf die D8.

Wir wollen bis nach Sveti Juraj, ein Ort, in dem ich 2020 zufällig gelandet bin und der ebenso klein, wie gemütlich, wie ruhig ist. Das Guesthouse Plaza hat leider kein passendes Zimmer für uns, aber wir werden schräg gegenüber im „Porto Romantico“ fündig. Wiederum ein Haus, dass ich ohne zu zögern empfehlen würde.

Frühstück gibt es heute wieder direkt am Wasser, nur 50 Meter weiter im Restaurant „Kiko“ und es wird unser letzter Tag an der Adriaküste. Wir haben jetzt die gesamte Küstenstrasse, von den Peloponnes in Griechenland und fast bis Istrien, abgefahren. Das war eine der Sachen, die wir immer schon mal machen wollten. Grosse Teile dieser Traumroute, vor allem in Kroatien, sind wir schon mehrfach gefahren und es wird nie langweilig. Aber die gesamte Strecke, inklusive der „robusten“ Teile in Albanien, fehlte noch.

Wir fahren vorbei an Zengg und bis zur Brücke nach Krk, dann geht es ins Landesinnere und von dort weiter durch die Wälder Sloweniens.

Slowenien wollen wir ohne Autobahn fahren, denn das Land ist einfach zu schön. Auf den Nebenstrassen passieren wir das kleine Land ohne Maut und das klappt auch ganz gut, aber nur bis kurz vor Ljubljana. Dann schlägt das Verkehrsaufkommen schlagartig um und es wird richtig schlimm.

Österreich erreichen wir am späten Nachmittag. Heute ist es ein gemütliches Biogasthaus wo wir landen und ohne Umwege den Biergarten bei hochsommerlichen Temperaturen belegen.

Wir sitzen also im Garten und lesen zum ersten Mal seit drei Wochen wieder Nachrichten aus Deutschland. Drei Artikelüberschriften reichen aus, um an sich selbst und am eigenen Verstand zu zweifeln.

Verzeih mir meinen Zynismus, aber aus der Distanz wirkt das  mittlerweile alles surreal…

Deutschland erreichen wir an den Tagen des G7 Gipfels in Ellmau und die Kontrollen an der österreichischen Grenze nehmen viel Zeit in Anspruch.

Das ist blöd, denn ich habe es etwas eilig. Übermorgen muss ich wieder Motorrad fahren. Es gibt da noch ein bestimmtes europäisches Gebirge auf der Liste, das muss ich unbedingt quer durchfahren!

Aber das ist dann die nächste Geschichte…

 

Fazit:

3 Wochen Reisezeit im Juni 2022

5.808 Kilometer reine Fahrstrecke

11 Ländergrenzen

5 Fähren

5x UNESCO Weltkulturerbe

2x 5GByte Non-EU-Datenroaming 

 

Tanken:

Günstigstes Benzin: MNE 1,67 EUR

Teuerstes Benzin: GR 2,45 EUR

(Deutschland zu der Zeit 1,92 EUR und San Marino 1,86 EUR)

Günstigste Nacht: Montenegro, Sveti Stefan 39 EUR fürs Doppelzimmer mit Frühstück

Teuerste Nacht: Österreich, Kärnten, 89 EUR

Ältestes Highlight: Mykene 3500 Jahre

Neuestes Highlight: Brücke Neum 0 Jahre (Wurde erst kurz nach unserem Besuch eröffnet…)

 

Schäden/Verluste: Keine

 

Was uns sonst noch aufgefallen ist:

Nichts, ausser dem blöden Fleck auf dem Kamerasensor, den ich viel zu spät bemerkt habe… sorry.

 

 

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2 Kommentare

  1. David Markham 27/12/2022

    Und wieder ein ausführlicher und informativer Reisebericht – vielen Dank dafür. Zumal ich gerade an der Planung meiner Balkantour saß !!! O.K., Elmar reist jetzt mit der Dose – wir werden alle nicht jünger 😉 . Der irre Iwan hat sich in der Ostukraine festgefahren und die Elbe noch nicht erreicht. Aber jetzt, ein paar Monate vor Tourstart, fangen Serbien und der Kosovo an sich zu kabbeln. Die Auswirkungen auf die Grenzpolitik der Nachbarstaaten ist nicht absehbar. Damit wird meine geplante Reise zum Mittelpunkt der Welt erstmal auf Eis gelegt. Dabei hatte ich mich so auf warme Gefilde gefreut – in Cornwall im letzten Juni war mir das Wetter etwas zu englisch. Langsam gehen mir die Ziele aus. Das Leben ist zu kurz, um zweimal an den gleichen Ort zu fahren.
    Wünsche Dir und Deiner Frau ein besseres 2023 !
    Gruß, David Markham

  2. ebee 28/12/2022 — Autor der Seiten

    Hallo David, dass ich ab jetzt „mit der Dose“ reise möchte ich so nicht bestätigen. Die folgenden Berichte werden wieder alle das Motorrad als Fortbewegungsmittel zum Thema haben und das will ich auch noch nicht ändern. Wir wollten es aber mit dem Auto nochmal probieren.
    Für 2023 hatte ich eigentlich den Pamir und das Altai in der Planung und das ist auch alles fertig. Im Moment sieht das aber schlecht aus, trotzdem ich drei Reiserouten vorbereitet habe. Wahrscheinlich muss ich meinen Plan B ziehen. Ich denke, das entscheide ich im März.
    Dir drücke ich die Daumen für den Balkan. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Serbien und Kosovo beruhigen, ist höher als Frieden in der Ukraine.

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