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Namibia (Teil 3)

Den Waterberg verbuchen wir als Erfahrungswert. Wahrscheinlich ist das unfair, weil Waterberg und Umgebung eine sehenswerte Gegend sind. Uns hat das lokale NWR Camp den Spass verdorben.

Auf dem Weg in Richtung Westen fahren wir eher querfeldein als über die offiziellen Strassen. Wir nehmen den kürzeren Weg, der gerade in Namibia nicht immer die schnellere Variante darstellt.

Irgendwo in der Nähe des Mount Etjo soll es Dinosaurier Footprints geben, wir können die Stelle aber nicht finden. Dafür stossen wir mitten in der Prärie auf einen alten, umgebauten Unimog mit deutschem Kennzeichen aus Ludwigsburg.

Wie so häufig kreuzen sich unsere Wege nochmal, als wir am Rand  einer Sandpiste anhalten und eine Pause machen. In dem Unimog sitzt eine ganze Familie. Wir halten einen kleinen Schwatz und erfahren, dass sie bei der Suche nach den Dinosaurierspuren erfolgreicher waren. Die schwer erkennbaren Abdrücke wären aber nur sehr beschwerlich zu finden und ein Besuch würde sich nicht wirklich lohnen.

Mehrmals passieren wir auf dem weiteren Weg verschlossene Tore, die dann von einem Ranger geöffnet werden. Nach einer kurzen Aufnahme unserer Personendaten und Registrierung des Fahrzeugs geht es immer schnell weiter.

Die Ranger stehen hier den lieben langen Tag bereit, um Reisenden die Durchfahrt durch die Nationalparks zu ermöglichen. Die Umzäunung dient gleichzeitig als Hindernis für die Art von Tieren, die den Menschen gefährlich werden könnte.

Tagesüber warten die Ranger dazu in kleinen Hütten, von denen ich nicht sicher bin, ob ich darin einen Grossteil meines Lebens verbringen möchte.

Der nächste nennenswerte Ort ist „Omaruru“. Dort finden wir einen  super Metzger mit dem einprägsamen Namen „Die Windpomp“. Wir kaufen etwas getrocknetes Fleisch, also „Biltong“.

Schon kurz nach Omaruru biegen wir wieder ab auf eine Gravel Road, weil das „Erongo Rocks Camp“ das nächste Ziel ist.

Ich kann nicht sagen, wieso die Wahl auf das Erongo Rocks fällt. Es ist einfach auf der Karte aufgepoppt und macht einen guten Eindruck.

An der Sandpiste steht irgendwann ein kleines Hinweisschild auf das Camp. Wenn die Sandpiste schon einfach ist, sind die zwei Spuren, die nun von ihr abgehen, noch einfacher. Direkt am Abzweig steht wie selbstverständlich eine Giraffe. Sie mustert uns. Wir schauen uns sprachlos an.

Nach einigen Metern Fahrt, passieren wir in einer Senke ein Flussbett, dann geht es seicht hinauf zum flachen Hauptgebäude. Dort werden wir freundlich empfangen und können uns einen Platz aussuchen. Wie schon vorher haben wir auch ohne vorherige Buchung überhaupt kein Problem, einen freien Stellplatz zu finden.

Wir sortieren die Optionen und entscheiden uns – wiederum rein intuitiv – für den Platz mit dem vielversprechenden Namen „Camp 360 Grad“. Der Platz ist etwa 600 Meter vom Haupthaus entfernt. In Namibia gilt das zwar als „direkt nebenan“, aber von unserer Campsite können wir das Haupthaus nicht einmal sehen.

Wir stehen völlig alleine auf 25 Hektar inmitten unberührter Natur. Es ist unglaublich.

Es gibt eine geschützte Küche mit allem was man benötigt. Davor steht dekorativ ein runder, gemauerter Pflanzbereich und ein Grillplatz.

50 Meter daneben ist das „Badezimmer“. Es ist rundherum mit Wellblechplatten abgegrenzt und nach oben offen. Warmes Wasser wird wie immer am Morgen in einem Holzofen angefeuert, noch bevor man die Augen öffnet oder denjenigen bemerkt, der sich darum kümmert.

Als die Sonne sich langsam dem Horizont nähert, taucht sie die Landschaft in dieses magische Licht, dass es so wohl nur im Süden Afrikas gibt.

Kurze Zeit später zieht ein Gewitter auf und bringt den ersten Regen. Wir beobachten das Schauspiel aus der Küche, die eigentlich nicht nur Küche ist, sondern auch Wohn- und Esszimmer. Wer Natur mag, dürfte es schwer haben, vergleichbare Orte zu finden. Das Gefühl beim Anblick solcher Naturgewalten inmitten solcher Einsamkeit, ist unbeschreiblich.

In der Nacht werde ich von Geräuschen wach, die sich nah anhören. So nah, dass ich nicht aus dem Auto steige, sondern lieber erst mal nachsehe, wer oder was das verursacht.

Das Auto habe ich direkt neben einem Baum geparkt. Die grünen Blätter haben eine Giraffe angelockt, die nur drei Meter neben dem Auto steht und sich ihren Mitternachtssnack schmecken lässt.

Um kurz nach sechs am Morgen stehen wir auf, weil wir mit Andreas verabredet sind. Andreas wird uns als Guide auf einer Wanderung begleiten. Die Wanderung geht ein paar Stunden und führt über das Gelände der Farm bis zu deren westlicher Grenze. Dort gibt es eine Gebirgskette, an deren Fuss man einen weiteren unglaublichen Ausblick über die weite Ebene in Richtung Küste hat.

Das eigentliche Ziel sind aber die Felsmalereien, die es in einer schwer zugänglichen Rinne zwischen den riesigen Felsen gibt. Dass die Farm hier ihre eigenen „Rock Paintings“ hat, ist nicht ungewöhnlich für die Erongo-Region. Hier haben sich schon vor tausenden von Jahren Menschen niedergelassen und an den Felsen mit der Darstellung von Tieren und Jagdszenen verewigt.

Andreas ist übrigens ein farbiger Einheimischer, der mit seiner ruhigen Art einen hervorragenden Guide darstellt. Zuerst hatte er als Handwerker auf der Farm angeheuert. Weil er in der Schule aber aufgepasst hat und ein reiches kulturelles Wissen besitzt, ist er seit einiger Zeit auch ein gefragter Guide für Reisende, die mehr über Namibia erfahren wollen.

Seine eigene Geschichte beginnt im Caprivi-Streifen, wo er der Eintönigkeit des täglichen Lebens entfliehen wollte und deshalb auf dieser Farm gestrandet ist. Die Hintergründe zu seinem Dorf und der Menschen dort ist wenig schmeichelhaft. Ihm war das jedenfalls zu wenig und er ist mit seinem aktuellen Leben viel glücklicher.

Wir erfahren noch viel über Namibia, die Menschen hier, die Tierwelt und jede Menge weiterer Eigenarten, die man so wohl immer nur von den einheimischen Menschen lernt.

Am Mittag erreichen wir wieder das Hauptgebäude der Farm und verlängern um eine weitere Nacht. Mir gefällt es hier derart gut, dass ich auch eine Woche, einen Monat oder gleich für immer bleiben könnte.

Es ist vor allem die Einfachheit, die mir nicht aus dem Kopf geht. Das „Hauptgebäude“ zum Beispiel ist kein grosses Haus. Es wurde irgendwann auf einfache Art und gerade so zweckmässig gebaut, wie man es benötigt und aus den Dingen, die es hier gibt. Gerade dies und die vielen natürlichen Materialien sind vielleicht der Grund, wieso man sich hier so wohl fühlt.

Es ist schwer zu beschreiben für jemanden, der das noch nicht gesehen hat und gleichzeitig ein guter Rat, das Land und diese Plätze einmal zu besuchen.

Am Nachmittag kommt der Regen zurück, was unserer Laune keinen Abbruch tut. Es ist immer noch sehr heiss und der Regen stellt nur eine kleine, aber willkommene Erfrischung dar.

Ich nutze die Gelegenheit, uns mit meinen bescheidenen Kochkünsten zu versorgen. Es gibt „Eintopf aus dem Weissmetallzylinder an Wiener Würstchen mit einer Note Gewürzraffinesse“.

Den Rest des Nachmittags lassen wir die Natur auf uns wirken und staunen über die Farm, deren Grenzen nur in der weiten Entfernung zu erkennen sind.

Heute geht es weiter zur Küste und nochmal nach Swakopmund. Die Stadt gilt als die „Deutscheste“ in Namibia und auf dem Weg von Walvis Bay zur Skeleton Coast sind wir nur schnell an ihr vorbei gefahren. Nun soll es nochmal einen echten Besuch geben.

Auf dem Weg dorthin erhalten wir eine Nachricht von Mireille und Jeroen. Sie würden uns die supertolle Campsite „Erongo Rocks“ empfehlen. Die beiden standen letzte Nacht tatsächlich „nebenan“. Und weil die Camps so weit verteilt sind, haben wir nichts voneinander bemerkt.

Die Fahrt nach Swakopmund ist wieder geprägt von den Rumpelpisten, an die ich mich nicht gewöhnen kann. Es fällt mir immer noch schwer, den Charm einer solchen „Strasse“ zu erfahren, wenn sie zu 99 Prozent aus Wellblech besteht. All diese ständigen Vibrationen gehen durch jedes Blech und jede Schraube. Ich kann kaum verstehen wie unser Landcruiser das aushält, ohne nach ein paar Tagen auseinander zu fallen.

Die Innenstadt von Swakopmund ist tatsächlich so deutsch, wie eine Stadt in Namibia nur sein kann. Abgesehen vom afrikanischen Klima gibt es deutsche Namen an den Geschäften, deutsche Strassenschilder und deutsche Gebäude.

Es ist beeindruckend, wie sehr die kurze Episode als Kolonie das Land bis heute geprägt hat.

Wir quartieren uns für zwei Nächte im „Secret Garden Guesthouse“ ein. Das ist ein tolles B&B mit einer sehr netten Betreiberin.

Der Landcruiser steht derweil am Strassenrand vor dem Guesthouse, wo er nachts von einem Einheimischen bewacht wird. Der Einheimische hat damit eine Aufgabe, nämlich die Bewachung von Autos vor Menschen ohne Aufgabe.

Swakopmund schauen wir uns am nächsten Tag genauer an. Angeblich gibt es in der Stadt den besten Kuchen im „Cafe Anton“. Das ist aber so touristisch, dass wir die Story mit dem Kuchen einfach glauben, ohne ihn zu probieren.

Wir fahren zum Einkaufszentrum „Am Meer“ dessen Name nicht kreativ, aber passend ist und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten. Dann geht es zuerst zur Mole und der gleichnamigen Bar.

Für den Abend haben wir eine Empfehlung der Zimmerwirtin erhalten und reservieren einen Tisch im Restaurant „The Tug“ an der Jetty Bridge. Das lohnt sich.

So langsam neigt sich unsere Reise dem Ende zu und wir haben noch ein paar Tage, bevor der Flieger in Richtung München startet.

Dazu müssen wir uns langsam wieder in Richtung Windhoek orientieren. Auf dem Weg dorthin liegt die Spitzkoppe. Das ist wohl der bekannteste, nicht aber der höchste Berg und eine der schönsten Regionen Namibias.

Am Rande der Spitzkoppe gibt es ein paar Campsites, die alle nicht überragend sein sollen. Weil mich die Region und die Berge aber interessieren, bin ich ganz froh, dass es von Swakopmund nur zwei Stunden bis hierher sind.

Am „Spitzkoppe Community Restcamp“ könnten wir uns auch einen Platz im Schatten der felsigen Berge buchen, aber es sind wirklich nur ganz einfache Plätze, ohne jegliche Infrastruktur.

Einige sagen, man müsse hier übernachten, weil es so ruhig ist, andere sagen, man sollte die Spitzkoppe-Region gesehen haben, aber die Camps hätten die besten Tage hinter sich.

Mich interessieren nur die Berge und eine ganz besondere Felsformation am Rand. Deshalb buchen wir für ein paar Namibia-Dollar ein Tagesticket und fahren ohne Platzbuchung auf das Gelände.

Ich möchte unbedingt zum „Rock Arch“. Das ist ein fotogener Felsbogen etwas abseits der Fahrspuren.

Die gesamte Spitzkoppe-Region ist aber auch ohne den Rock Arch sehenswert. Wir kurven zunächst um die höchste Erhebung und schauen uns trotzdem ein paar der Campsites an.

Es stimmt: Abgesehen von der atemberaubenden Aussicht gibt es an den Plätzen nichts ausser einer einigermassen geraden Sandfläche zum Abstellen des Fahrzeugs. Vielleicht bin ich aber auch von den Erongo Rocks verwöhnt…

Dann fahre ich uns in die Nähe der bogenartigen Felsformation und irre etwas orientierungslos durch die Gegend, bevor ich das schöne Motiv entdecke.

Da wir nicht an der Spitzkoppe bleiben wollen, der Nachmittag langsam in den Abend übergeht und ich Wert auf etwas mehr Komfort lege, kommt das Schild zum „Kaliombo Safari Camp“ gerade recht.

Das Camp liegt für uns günstig, etwas südlich der B2 nach Windhoek. War die Spitzkoppe landschaftlich schön, aber eher unaufgeregt, wird die Wahl des heutigen Camps uns schon bald eine heftige Überraschung bereiten!

Wir fahren also von der B2 ab, auf eine wellige Offroad-Piste und ich öffne das Tor für die Durchfahrt. Das war schon häufig so und ist in Namibia normal. Die Tore dienen meistens eher als Schutz vor den Tieren, statt als Grundstücksgrenze. Du weisst aber nie, auf welcher Seite des Zauns die wilden Tiere sind. Ich jedenfalls nicht, egal.

Etwa sechs Kilometer geht es nun wieder ins Nirgendwo und immer wenn sich die beiden Fahrspuren teilen, fragt man sich, ob man wohl die richtige Wahl trifft. Auch das ist mir mittlerweile bekannt und gehört zum Spiel.

Nach ein paar Schlenkern erreichen wir das Haupthaus der Farm. Ich steige aus und gehe durch ein Tor. Dort sitzt Hans-Dieter an einem Tisch auf seiner Terrasse und telefoniert.

Als er mich sieht, beendet er sofort sein Gespräch und begrüsst mich freundlich. Wir stellen uns alle vor und ich bitte um einen schönen Stellplatz für die Nacht, sofern vorhanden und frei.

Auch heute ist das wieder kein Problem und wir sind bisher die ersten Gäste, die seine Farm gefunden haben. (Ich muss etwas ausholen, weil es für die folgenden Ereignisse von Bedeutung ist…)

Hans-Dieter ist allein und überlegt laut. Er meint, er hätte genau den richtigen Platz für uns, unten am alten Flussbett. Das ist ein paar Kilometer entfernt, also praktisch um die Ecke.

Damit wir die Stelle finden, fährt er mit seinem Allradwagen voraus. Ich soll einfach folgen. Gesagt, getan. Hans-Dieter umkurvt sandige Hügel und ein paar Bäume, dann geht es hinab in ein wunderschönes Tal. Unten liegt eine lange, breite Sandfläche. Jeder Südseestrand wäre neidisch.

Wir steigen aus und Hans-Dieter deutet auf eine Stelle in der Senke, unter einem Baum und neben dem Pool. Den Pool haben sie wunderbar in die Gegend gebaut und er wirkt fast, als gehöre  er hierher.

Hans-Dieter schaut dann nach oben in den Himmel und meint, der zugewiesene Platz ist genau richtig für uns. Heute würde es nicht mehr regnen und ich soll das Auto einfach so stehen lassen. Das mache ich zunächst und wir laufen umher, erkunden den Pool und die Landschaft um uns. Mal wieder ist es ein Traum.

Auf der anderen Seite der Senke steht eine imposante Hütte aus Steinmauern und mit einem Holzdach. Dort können wir uns niederlassen und kochen. Wenn Hans-Dieter grössere Gruppen zu Gast hat, wird dort diniert und am Abend Feuer gemacht. Dabei können die Gäste – meist aus der Jagdszene – den Abend ausklingen lassen. Alles ist soweit eigentlich perfekt.

Trotzdem ist uns irgendwie unwohl und ich kann nicht einmal sagen wieso. Neben der grossen Hütte gibt es ein paar weitere kleine Häuser. Darin sind Duschen und WC. Auch weil wir in der Nacht gerne etwas näher an einem WC stehen, entscheiden wir uns nochmal anders. Ich fahre den Landcruiser weg von unserem zugewiesenen Stellplatz auf die andere Seite des Tals. Dort steht das Auto etwas höher und näher am Gebäude.

Wir richten uns ein, ich fahre das Hubdach aus und wir nehmen Platz an dem riesigen Holztisch unter dem Dach. Hans-Dieter hat noch zu tun und ist nochmal weggefahren.

Dann beginnt es zu donnern und die ersten Tropfen fallen vom Himmel.

Fein. Ein Gewitter am Nachmittag wird uns mal wieder eine kleine Erfrischung bieten, denke ich noch. Wenige Sekunden später krachen Blitz und Donner nahezu zeitgleich herunter. Die Regentropfen stürzen vom Himmel, als ob jemand eine Schleuse geöffnet hat. Ich stehe auf, schnappe mir die Kamera und bin noch unsicher, ob ich das Schauspiel besorgt oder begeistert aufnehmen soll.

Viel Zeit für diese Gedanken habe ich aber nicht, denn direkt vor den Füssen fliesst das Wasser in einer Geschwindigkeit, die bedenklich ist. Wo kommt das so schnell her?

Ich schaue noch interessiert in die Senke vor uns, als ich hinter mir ein Geräusch höre. Beim umdrehen sehe ich eine Flutwelle auf uns zu rauschen. 

Ich kann mich gerade nicht entscheiden, ob wir besser das Weite suchen oder Fotos machen. Eines ist klar: Hätten wir das Auto an der ursprünglichen Stelle stehen lassen, wäre es jetzt weg.

Gerade eben noch war das seichte Tal knochentrocken. Schwer vorstellbar, wann hier zuletzt Wasser geflossen ist. Und nur wenige Minuten später fliesst hier ein Fluss in einer Breite, dass ich nicht mehr durchkomme. Natur kann ebenso schön wie grausam sein.

Die Flut vom Berg wird derweil immer noch höher. Die Massen fliessen links an der Hütte vorbei und rauschen vor uns durch das nun vollständig geflutete Flussbett. Ich kann im Strom jetzt Wellen erkennen und glaube nicht, dass ich dort noch heil durchkomme.

Ich stehe da und staune. Gegenüber von uns, auf der anderen Seite unter dem Baum, gleich vor den Steinen, stand vorhin noch unser Auto.

Währenddessen höre ich in der Ferne Motorengeräusch. Hans-Dieter rast mit seinem Nissan vorbei und verschwindet hinter dem Berg. Wie wir später erfahren, war auch er von der plötzlichen Flut überrascht. Die Helfer auf der Farm wohnen hinter dem Berg in einer kleinen Siedlung. Er will sich vergewissern, dass es ihnen gut geht, weil das Wasser praktisch direkt an ihren Hütten entlang strömt.

Hier unten sind wir soweit in Sicherheit. Nur die Mauer des Pools wird gerade unterspült. Einige grössere Äste und Baumstämme kommen vorbei und verschwinden in einer Kurve des Flusses. Was für ein Spektakel.

Ich denke kurz daran was passiert wäre, hätte ich das Fahrzeug stehen lassen oder das Gewitter hätte uns in der Nacht im Dachzelt überrascht. Das ist keine schöne Vorstellung.

Als das Gewitter vorbeigezogen ist, läuft das Wasser noch eine Stunde weiter. Dann sinkt der Pegel langsam. Irgendwann wage ich mich zu Fuss durch den Fluss auf die andere Seite und begutachte die Schäden am Pool.

Als Ruhe eingekehrt ist, geht die Sonne langsam unter und taucht das Land wieder in dieses magische Licht.

Später am Abend, als es dunkel wird, kommen weitere Gäste. Sie haben eine grandiose Show verpasst. Hans-Dieter kommt nochmal zu uns, als er sich vergewissert hat, dass es seinen Leuten gut geht.

Wir sprechen dann noch lange und hören einiges über das Leben als Farmer in Namibia, die Bedingungen und ein paar andere Dinge über das Land. Ich gebe das hier nicht wieder, aber das Bild fügt sich zusammen.

Die Nacht ist dann wesentlich ruhiger als der stürmische Abend zuvor.

Weiter geht es für uns zum „Monte Christo River Camp“, unweit von Windhoek. Zwischendurch kommen wir in Verkehrskontrolle Nummer zwei. Sie wollen die Personalien, also Pass und Führerschein sehen. Ich komme nicht mal zum Thema „Internationaler Führerschein“. Die Aufforderung lautet sogleich „Driving license, plastic!“

Noch nie habe ich eine Verkehrskontrolle erlebt, in der jemand den internationalen Führerschein sehen wollte. Ich glaube mittlerweile, das ist eine Erfindung der deutschen Bürokratie, für eine zusätzliche Einnahmequelle. Kein Polizist der Welt akzeptiert das seltsame Papier. Das Geld für diesen Bürokratieakt kannst du dir sparen und sinnvoller verwenden.

Auch heute zieht wieder ein Gewitter vorbei, gerade als wir das nächste Camp bezogen haben. Diesmal liegt wieder ein Fluss zu unseren Füssen. Dieser hier macht aber keine Anstalten seinen Pegel signifikant zu verändern.

Das Monte Christo River Camp am Fluss liegt ganz idyllisch, wir bleiben aber nur eine Nacht.

Heute wollen wir noch in den Daan-Viljoen Park. Der liegt westlich von Windhoek und soll ganz nett sein.

Als wir auf dem Weg dorthin das Stadtgebiet verlassen, kommen wir an eine Strassensperre. Dort sitzt ein einzelner Polizist in Uniform und einer AK47 an einem kleinen Posten. Er hält uns an und ich öffne die Seitenscheibe.

Er: „Where are you from?“

Ich: „Germany“

Er: „What did you bring us?“

Ich: „Tons of money!“

Er grinst und winkt uns durch.

Den Daan-Viljoen Park erreichen wir kurz später und der liegt wirklich günstig. Der Park ist staatlich geführt, daher habe ich wieder Bedenken, aber diesmal klappt alles. 

Wir können eine schöne Offroad-Strecke fahren und sehen nochmal die wundervolle Natur Namibias.

Dann neigt sich unsere Reise dem Ende zu. Für die letzte Übernachtung buche ich ein B&B am Westrand von Windhoek. Es ist das „Essence Lifestyle Accomodation“ und richtig gut.

Am Abend zieht abermals ein heftiges Gewitter auf. Der Beginn der Regenzeit lässt sich wohl nicht mehr leugnen.

Wir geben den Mietwagen am späten Vormittag bei Asco ab. Das verläuft völlig unkompliziert. Ich gehe mit dem Angestellten nur kurz alles durch und lasse mir bestätigen, dass es keine Beschädigungen gibt.

Dann ruft uns Asco ein Taxi, dass uns in die Innenstadt bringt. Dort schauen wir uns noch das „Windhoek Craft Center“ an, wo man allerhand landestypische Dinge kaufen kann, die in Handarbeit hergestellt werden.

Unser Abflug nach München ist für 20:40 Uhr geplant. Am späten Nachmittag sind wir zurück bei Asco und werden dann mit einem Minibus zum Airport gefahren.

Namibia war eine wunderbare Reise. Es macht irre Spass, so ein grosses Land auf eigene Faust zu bereisen. Wenn man sich selbst mit der Route beschäftigt macht es schon vor Beginn einer solchen Tour viel Freude. Wir haben uns bewusst vier Wochen Zeit gelassen. Ich kann mir eine Reise nach Namibia vielleicht auch mit drei Wochen vorstellen, aber nicht mit noch weniger Zeit.

Das Land ist sehr abwechslungsreich und immer wieder die deutsche Vergangenheit zu entdecken, ist so weit entfernt von zuhause oft überraschend.

 

Ein paar Eigenheiten sind uns noch aufgefallen:

In Namibia fährt man ja links. Wenn du auf jemand auffährst, blinkt der aber rechts um anzuzeigen, dass man überholen kann oder soll. Das macht in meinen Augen wenig Sinn. Zu Beginn war ich irritiert und habe nicht überholt, weil dies bei uns genau das Gegenteil bedeutet.

Sprit kostete während unserer Reise ziemlich genau einen Euro. Egal ob Benzin oder Diesel. Tanken sollte man immer dann, wenn man eine Tankstelle sieht. Es gibt wirklich Abschnitte, da kommt lange nichts.

Wir hatten im November in den ersten zwei Wochen immer 40 Grad, dann wurde es etwas kühler. Zum Ende gab es praktisch jeden Abend ein Gewitter mit Regen. 

Den Luftdruck der Reifen sollte man wirklich immer dem Strassenzustand anpassen. Mehr als zwei Bar sind auf Wellblechpisten eine Tortur. Auf Asphalt pumpt man dann wieder auf. Ein Kompressor dafür gehört in Namibia zur Grundausstattung in jedes Auto.

In den Städten gibt es viele Bettler. Damit muss man rechnen, sobald man das Auto abstellt. Vor allem in den Durchgangsstrassen und vor Supermärkten stehen die und steuern zielsicher jedes Touristenfahrzeug an. Du brauchst schon eine gewisse Konsequenz um die loszuwerden.

Bargeld habe ich an Automaten mit meiner Wise-Card gezogen (Affiliate Link). Dadurch hatte ich immer einen guten Wechselkurs. Das hat prima geklappt und es gab nie Probleme.

Übernachtungen haben wir nicht vorgebucht und es gab immer einen Platz für uns. Das kann zu einer anderen Reisezeit vielleicht anders aussehen. Ich glaube aber nicht, dass ich unser Reiseverhalten ändern würde, wenn es nochmal nach Namibia ginge.

Die NWR Camps empfanden wir als schlecht. Diese Camps sind praktisch staatlich und sinnvoll wirtschaften kann eine Regierung einfach nicht. (Das gilt nicht nur für Namibia!) Je weiter ein Land im Sozialismus versinkt, umso schlechter sind staatliche Einrichtungen. Namibia macht da keine Ausnahme. Ein NWR-Camp würde ich nur dann wählen, wenn es keine Alternative gibt.

Unsere Navigation habe ich mit OSMAnd durchgeführt. Da es ausserhalb der EU normalerweise kein Datenroaming gibt, ist OSMAnd eine gute Alternative. Ergänzt wurde OSMAnd durch die Papierkarte Reise KnowHow Namiba.

Am Flughafen habe ich eine Mobilfunk-SIM von MTC Namibia gekauft. Das war sehr günstig und hat meistens gut funktioniert. Es gibt allerdings weite Landstriche, da gibt es überhaupt keinen Mobilfunkempfang.

„Milipap“ (manchmal auch „Mieliepap“) ist das verbreitete „Arme Leute Essen“ in Namibia. Der fade Brei wird überall gegessen, wo es für abwechslungsreiche Nahrung nicht reicht. Häufig wird vor den Supermärkten um Milipap gebettelt.

Discover Airlines als Lufthansa-Tochter hat uns positiv überrascht. Du solltest aber überlegen, ob du auf dieser langen Strecke besser Premium Economy wählst. Das Plus an Komfort ist den Aufpreis wert. 

Sicherheit ist bei geplanten Reisen immer ein Thema. Namibia macht da keine Ausnahme. Es gibt definitiv gefährlichere Länder als Namibia. Wir hatten uns so umsichtig wie immer verhalten und keine Probleme. Eine gesunde Vorsicht in gewissen Situationen hilft enorm.

Würden wir wieder nach Namibia fahren und lohnt es sich? Ja, ganz bestimmt!

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