Namibia ist mehr als doppelt so gross wie Deutschland, hat aber nur drei Millionen Einwohner. Ich liebe Landschaften und deren Weite, deshalb nehme ich an, wir kommen in diesem Land auf unsere Kosten.
Namibia steht schon lange auf unserer Reiseliste. Im Frühjahr 2025 buche ich die Flüge und habe dann das ganze Jahr Zeit für die Detailplanung, bevor es im November 2025 losgeht.
Einen Monat planen wir für das afrikanische Land und hoffen, damit ohne Freizeitstress den grössten Teil der ehemaligen deutschen Kolonie erleben zu dürfen.
Für Motorräder sind die Nationalparks und ein paar weitere Gebiete gesperrt. Namibia wollen und müssen wir deshalb mit dem Auto bereisen. Das macht die Sache aber nicht weniger spannend und ich begebe mich schon sehr früh auf die Suche nach einem geeigneten Mietwagenanbieter.
Von denen gibt es einige (Bushlore, Asco, Namibia2Go, Savannah Car Hire, Africa on Wheels). Ich entscheide mich für Asco, weil die Wahl auf einen Toyota Land Cruiser mit Hubdach fällt. Diese Konfiguration hat den Vorteil, dass man ein Not-WC im Fahrzeug hat und in der Nacht ohne Ausstieg vom Bett dorthin gelangt. Eine mitreisende Dame legt darauf erhöhten Wert…
Das Gepäck für vier Wochen habe ich auf das Wesentliche reduziert:
Ok, dazu kommt noch eine kleine Tasche für das IT-Zeug. Ohne geht es leider immer noch nicht…
Wir verbinden den Trip zunächst mit einem Flug nach Deutschland und fliegen dann von München mit Discover Airlines nach Windhoek. Weil der Flug über Nacht geht und mit ca. elf Stunden auch recht lang ist, entscheiden wir uns für „Premium Economy“. Das ist zwar etwas teurer, verspricht aber mehr Komfort, Beinfreiheit und gescheites Essen. So zumindest die Theorie.
Vorab hörten wir ein paar Erfahrungsberichte zur Lufthansa-Tochter, die nicht so gut waren. Deshalb bin ich gespannt auf den Livecheck.
Wir boarden pünktlich in München und beziehen ziemlich bequeme Sitze. Das Personal ist freundlich und insgesamt ist es genau das, was ich erhofft habe. Meiner Meinung nach lohnt sich das Upgrade auf Premium Economy und Discover Airlines geht als Fluggesellschaft völlig in Ordnung.
Anekdote am Rande: Während des Fluges werden am Abend zwei verschiedene Gerichte angeboten. Die Stewardess fragt, wofür ich mich entscheide, erwähnt aber, es gäbe nicht mehr genug von beiden. Ich entscheide mich dann brav für das was übrig ist, unter der Bedingung, dass sie uns während des Fluges stets mit ausreichend Wein versorgt. Ihre Antwort: „Deal“!
Das nimmt das nette Mädel derart ernst, dass wir fast mehr Wein konsumieren, als geplant und beim Ausstieg in Windhoek sogar noch eine ganze Flasche als Dankeschön erhalten.
Wir kommen am frühen Morgen in Windhoek an. Der Flughafen der namibischen Hauptstadt liegt knapp 50 Kilometer östlich und damit weit ausserhalb der Metropole.
Weil die Reihen der Premium Economy recht weit vorne liegen, sind wir schnell raus aus dem Flieger. Das ist vorteilhaft, wie man unmittelbar bei der Ankunft im Terminal erkennt, denn die Schlange an der Einreisekontrolle wird immer länger. Hunderte Passagiere stehen schon bald hinter uns und müssen für die Einreiseformalitäten lange warten.
Die Visaanträge habe ich schon in Deutschland online erledigt. Es empfiehlt sich, die Anforderungen genau zu lesen und das komplett ausgefüllte Antragsformular bereit zu haben. Das „Visa on Arrival“ bekommt man hier. Hat man dies vorab erledigt, geht es deutlich schneller.
Dann geht es zum Geld wechseln. Ich nehme die erste Bude, die hinter der Einreisekontrolle liegt. Es gibt noch mehr davon im Terminal aber alle haben mehr oder weniger die gleichen Konditionen. Der Kurs ist auch soweit ok.
Kurz vor dem Ausgang zeigt ein Shop das Logo des namibischen Mobilfunkproviders MTC. Ich nehme das Angebot wahr und kaufe eine lokale SIM-Karte mit 25 GByte Datenvolumen für umgerechnet 15 Euro. Das sollte locker reichen.
Am Ausgang stehen die üblichen Abholer der verschiedenen Mietwagenanbieter. Ein Mann von Asco Car Hire hält ein Schild mit einigen Namen in die Höhe, darunter „Elmar“.
Dann geht es mit einem Shuttlebus auf die etwa einstündige Fahrt in die Hauptstadt, zur Zentrale von Asco.
Dort erfolgt der übliche Papierkram für den Mietwagen, inklusive Kontrolle von Ausweis, Führerschein. Auch hier interessiert sich niemand für den internationalen Führerschein und ich habe den wie üblich gar nicht erst beantragt.
Dann geht es zu unserem Fahrzeug. Der Standardwagen ist hier der Toyota Hilux mit Dachzelt. Aus den vorgenannten Gründen habe ich aber den Land Cruiser J7 bzw. Prado 70 als Pickup mit Hubdach-Aufbau reserviert. Der Wagen hat einen 6-Zylinder Dieselmotor und Automatikgetriebe mit Untersetzung und zwei Sperren. Damit sollten wir durchkommen. Die ausführliche Einweisung macht Sinn, denn es gibt so viele Dinge zu beachten, dass man ohne Erläuterungen nicht klar käme.
Zur weiteren Ausstattung sage ich später mehr, sonst habe ich wieder zu viel Text, bevor es überhaupt losgeht…
Nachdem wir vom Asco-Gelände in den Linksverkehr abfahren, geht es zunächst zur „The Grove Mall“ in Windhoek. Dort gibt es einen grossen Spar-Supermarkt und wir decken uns mit den wesentlichen Lebensmitteln ein. Das sollte man in Namibia übrigens immer dann machen, wenn es die Gelegenheit gibt, weil es die Gelegenheit nicht immer gibt. (Hört sich seltsam an, ist aber so!)
Endlich geht es auf den Weg in Richtung Süden, weil unser Routenplan im Uhrzeigersinn verläuft und der erste wesentliche Spot der „Fish River Canyon“ ist. Der ist so weit im Süden des Landes, dass wir der Grenze zu Südafrika sehr nahe kommen werden.
So weit schaffen wir es heute aber nicht, denn die Reise nach München, Nachtflug, Transfer und Papierkram haben ein paar Kräfte verlangt. Ich werde unterwegs so hundemüde, dass wir bei Marienthal die erste Nacht verbringen müssen. Google hilft unterwegs bei der Suche nach einem Camp.
Etwas westlich des Ortes gibt es die Ranch „Die Skuur“. Als wir dort ankommen, frage ich nach dem Preis für den Campingplatz und erhalte als Alternative auch den Preis für einen Bungalow. Das Haus soll etwa 50 Euro kosten und ist top ausgestattet. Entgegen dem Plan im Auto zu campen, entscheiden wir, die erste Nacht in einem bequemen Bett zu verbringen.
Am Morgen bekommen wir das „Frühstück“ ins Zimmer gebracht. Es besteht aus einem riesigen, runden Burger, belegt mit Hackfleisch und Omelette. Dazu gibt es natürlich Kaffee. Die frühe Mahlzeit ist derart üppig, dass ich den Rest des Tages nichts mehr essen kann. Namibia ist ein fleischlastiges Land. Als grüner Veganer bist du hier ziemlich falsch.
Wir starten dann in Richtung Canyon und erleben die extrem langen Strassen. Hier ist alles noch flach und sehr eintönig. Ich habe aber berechtigte Hoffnung, dass es bald interessanter wird.
Der „Fish River Canyon“ liegt ganz im Süden Namibias. Es ist der zweitgrösste Canyon der Welt, nach dem Grand Canyon in den USA.
Ich war bisher vier Mal in den Staaten, konnte die Nummer Eins in Arizona aber noch nicht besuchen. Deshalb bin ich ziemlich gespannt auf die Nummer zwei. Grossartige Landschaften faszinieren mich, seitdem ich denken kann, also nehme ich an, dass ich hier auf meine Kosten komme.
Wenn du mit dem Auto direkt zum richtigen Punkt willst, musst du genau hier hin.
Der Fish River Canyon ist gigantisch. Am bekanntesten Aussichtspunkt steht man mehr als 500 Meter über dem Grund des Canyons, wo der gleichnamige Fluss für dieses Highlight gesorgt hat.
Von Mai bis August kann man hier an geführten Wanderungen teilnehmen. Auf eigene Faust ist das allerdings extrem gefährlich und ich habe auch gerade keine Ambitionen, es alleine auszuprobieren.
Die Kulisse ist gigantisch und beeindruckend. Das sind Bilder, bei denen man ehrfürchtig dasteht und erkennt: Es muss einen Gott geben!
Der Canyon war schon ein super Auftakt und die Fahrt bis hierher hat sich gelohnt. Es ist jetzt Nachmittag und wir haben noch keinen Platz für eine Übernachtung.
Vorhin haben wir etwas abseits der Piste C12 ein Schild gesehen: „Canyon Farm Yard“. Das sah ganz nett aus. „Vorhin“ ist vielleicht nicht der korrekte Ausdruck, denn das sind wieder 70 Kilometer zurück. In Namibia muss man sich erst an die Dimensionen gewöhnen.
Auf einem Schild zum nächsten Campingplatz steht hier gerne mal „Rechts ab, dann 35 Kilometer“.
Wir fahren also zurück und kommen an den Eingang zur Farm. Bemerkenswert sind schon mal die vielen uralten Autos, die überall rumstehen. Die fahren zwar nicht mehr, geben dem Ort hier mitten im Nirgendwo aber einen ganz besonderen Charme.
Betrieben wird die Farm von einem älteren Ehepaar. Der Farmer heisst Wally und bringt uns mit seinem Auto zu den Stellplätzen. „Bringt uns mit dem Auto“ lässt erahnen, dass es nicht nur zwei Schritte sind.
Wir sind heute die einzigen Gäste und erhalten Campsite Nummer 8, weil die den besten Blick auf die Berge und den Sonnenuntergang bietet.
Es gibt kein Wifi und keinen Mobilfunkempfang. Man darf sich also ganz mit sich selbst beschäftigen (Was für manche Menschen heute unvorstellbar und beängstigend erscheint…)
Vorher brauche ich aber Informationen. Ich war noch nie in Namibia und habe tausend Fragen. Weil die Weite einen sofort umhaut, muss Wally meine Fragen zur Grösse der Farm beantworten:
52.000 Hektar Gesamtfläche. „Vorhin“, als wir auf der Sandpiste ein Gate passiert haben, war das die südliche Grenze. Das war 20 Kilometer entfernt und das war genau die hier, mitten im Nirgendwo:
Die Ostgrenze liegt am Horizont, da wo ich die Berge sehen kann. Unglaublich.
Wally hat 17 Wasserpumpen auf seiner Farm verteilt. Mit denen hat er früher die Farm betrieben. Die Trockenheit der letzten Jahre und sein Alter haben aber dafür gesorgt, dass sich er und seine Frau lieber auf den Tourismus, ihr kleines Cafe und den Campingplatz verlegt haben. Sie kommen so einigermassen klar.
Unser Platz kostet 250 namibische Dollar pro Person, also 500 Dollar gesamt, was etwa 25 Euro entspricht. Hier ist es üblich, dass ein Platz etwa einen Hektar gross ist. Man hat seine Privatsphäre und sein eigenes „Bad“, respektive Dusche, WC und Aussen-Küchenzeile mit Waschgelegenheit.
Das Wasser für die Dusche wird in einem alten Metallfass erhitzt, indem Wally darunter ein Holzfeuer entfacht. Das ist hier vollkommen normal und alle Plätze machen das so, wie ich später feststelle.
Nachdem unser Camp aufgebaut ist, bestaune ich die Umgebung. Das sind unfassbare Entfernungen hier!
Wir genehmigen uns als „Sundowner“ die Flasche Wein aus dem Flieger, mit freundlicher Empfehlung von Discover Airlines. (Der Werbeblock, weil ich es einfach so nett fand…)
Dann mache ich noch Sonnenuntergangs-Fotos, weil ich vom Licht und der Stimmung so beeindruckt bin.
Die erste Nacht in Namibia unter freiem Himmel war sehr ruhig. Hier hat die Wüste jedenfalls kaum für Geräusche gesorgt. Am Morgen machen wir uns noch einen Kaffee am Camp und besuchen dann nochmal die beiden Farmer im Haupthaus.
Wally ist gerade mit einem weiteren Autoprojekt beschäftigt. Er lackiert einen uralten Wagen in Himmelblau. Die Fahrzeuge hier hat er aus der „näheren“ Umgebung zusammengetragen. Er sagt, es gibt hier unten viele verlassene Farmen. Auf denen rosten alte Autos in der Sonne vor sich hin.
Wally dachte irgendwann, er könne die Autos besser recyclen und daraus eine Attraktion machen in einer Gegend, in der es abgesehen vom Fish River Canyon praktisch nur das weite Nichts gibt.
Ich nehme noch die Gelegenheit wahr, sein uriges Open-Air-Museum zu fotografieren. Dann fahren wir ab in Richtung Nordwesten.
Unser heutiges Ziel ist Lüderitz an der Küste. Wir müssen nach Norden, auf Schotter bis zur B4, bevor wir wieder Asphalt unter die Räder bekommen.
Die Empfehlung von Asco war, den Reifendruck auf Schotterpisten auf 2,5 Bar zu reduzieren und das habe ich gestern auch gemacht. Der Eindruck ist trotzdem, dass das Auto jeden kleinsten Schlag vom Untergrund direkt an die Passagiere weiter gibt. Die empfohlenen 2,5 Bar erscheint mir zudem immer noch recht hoch, aber wenn der Vermieter das sagt…
Als wir an die B4 kommen, nutze ich den fest installierten Kompressor zwischen den Vordersitzen, um den Druck wieder auf Asphaltniveau zu bringen. Bei vier Reifen dauert das eine Zeit und beim letzten Rad hört der Kompressor plötzlich mit der Arbeit auf. Ich mache mir darüber erstmal keine Gedanken und packe alles wieder ein. Dass die plötzliche Abschaltung gerade eine kleine Fehlerkette startet, weiss ich jetzt noch nicht.
In Aus (Der Ort heisst wirklich so) tanke ich zum ersten Mal. Die Spritpreise in Namibia sind so praktisch wie einprägsam. Ein Liter Diesel kostet etwa 20 Dollar, ein Liter Benzin 21. Das sind umgerechnet 1 Euro für den Liter Sprit, wobei es egal ist, ob man Benzin oder Diesel tankt. Das kann ich mir merken!
Der Toyota hat zwei Tanks. Der Haupttank fasst 80 Liter und der Zusatztank nochmal 60 Liter. Gestern habe ich einen Durchschnittsverbrauch von 10 Liter pro 100 Kilometer ermittelt, was für den sehr schweren Aufbau und die Aerodynamik einer Waschmaschine völlig in Ordnung ist.
Durch die Wüste und das Sperrgebiet geht es nach Lüderitz. Das Sperrgebiet zieht sich praktisch von Aus bis zur Küste, was etwa 100 Kilometer Strecke bedeutet.
Hier ist Sperrgebiet, weil in der Gegend Diamanten gefunden wurden und die wertvollen Steinchen praktisch im Sand rumliegen. Die ersten Diamanten wurden vor mehr als 100 Jahren entdeckt und haben schon zur deutschen Kolonialzeit einen Boom ausgelöst.
Ich habe den nächsten Spot auf der Liste, noch bevor wir in Lüderitz ankommen: Kolmannskoop (oder auch Kolmanskoppe). Das ist eine alte Geisterstadt, die man sich auf keinen Fall auf dem Weg nach Lüderitz entgehen lassen sollte.
Kolmannskoop liegt ein paar Kilometer vor Lüderitz links der Strasse B4.
Einige Gebäude sind noch ganz gut erhalten, die meisten zeigen jedoch deutliche Verfallserscheinungen. Die Stadt hatte in ihrer Blütezeit 400 Einwohner und galt einmal als reichste Stadt Afrikas. Grund war der besagte Diamantenboom.
Wie so viele Dinge in Namibia ist Kolmannskoop geprägt von der Kolonialzeit und hier vor allem von der deutschen Episode, die von 1884 bis 1915 währte. Das waren nur gut 30 Jahre, aber sie haben in Namibia bis heute tiefe Spuren hinterlassen. Wir haben das während der Reise immer wieder festgestellt, aber dazu später mehr.
Mich interessieren vor allem die verfallenen Gebäude abseits des „Zentrums“. Ich stapfe alleine durch die Ruinen und freue mich über jeden Schnappschuss.
Am späten Nachmittag verlassen wir Kolmannskoop um uns in Lüderitz eine Unterkunft zu suchen. Da an der Küste oft ein strammer Wind weht, suchen wir uns ein B&B und schlafen heute nicht im Auto.
In Lüderitz gibt es genug Zimmer. Wir beginnen erst vor Ort mit der Suche und finden schnell eine passende Unterkunft. Es wird das „Oasis Guesthouse“.
Das Auto steht sicher im Innenhof, das Zimmer entspricht absolut den Erwartungen und wir machen uns dann direkt auf zum Hafen. Im Restaurant „Essenzeit“ werden wir am Abend super versorgt.
Da das Entertainmentangebot in Lüderitz überschaubar ist, verlassen wir den Ort schon am nächsten Morgen wieder in Richtung Aus. Das heutige Tagesziel ist Sossusvlei und auf dem Weg dorthin wollen wir die angeblich schönste Strasse Namibias fahren, die D707.
Aus liegt auf einer Höhe von etwa 1.300 Metern. Wir fahren von Lüderitz auf Meereshöhe also stetig bergauf, was man zunächst gar nicht bemerkt.
Nun registriere ich 30 Kilometer vor Aus, dass die Temperaturanzeige ansteigt. Der Wagen fährt jetzt noch problemlos, aber mit etwas Sorge habe ich die langsam wandernde Nadel im Armaturenbrett im Auge.
Etwa 10 Kilometer vor Aus haben wir eine lange Steigung. Es kommt, wie es kommen muss und ein deutlich wahrnehmbarer Signalton in Verbindung mit einer roten Warnlampe zeigen ein Problem an.
Ich fahre den Toyota also an den Strassenrand und schalte den Motor aus. Als ich die Haube öffne, kocht das Kühlwasser und spritzt bereits oben aus dem Deckel. Zudem läuft der Kühlerventilator nicht. Soweit ich das beurteilen kann, sollte er das aber, wenn die Kühlmitteltemperatur zu hoch ist. Und er sollte eigentlich auch weiterlaufen, wenn man das Auto abstellt, das macht er aber nicht. Die einzige Chance ist also zu warten, bis die Temperatur auf natürliche Weise wieder auf einen normalen Level zurückkehrt.
Eine halbe Stunde später starte ich den Toyota wieder und hoffe, dass wir es ohne weitere Probleme nach Aus schaffen. In Aus hatten wir auf dem Hinweg nach Lüderitz getankt. Vielleicht gibt es an der Tankstelle auch eine Werkstatt.
Wir schaffen es wiederum mit erheblich ansteigender Motortemperatur zur Tankstelle, wo sich aber keine Werkstatt befindet. Das ist blöd, denn ich will den Motor nicht ruinieren. Ich rufe daher Asco an und schildere das Problem.
Asco hat überall im Land Mechaniker und auch hier in Aus einen Kontakt. Der ältere Herr ist 10 Minuten nach meinem Telefonat mit Asco am Auto und prüft alles nach. Er meint, das Temperaturproblem wäre bei dem Land Cruiser mit diesem Aufbau normal, weil die Steigung so viel Leistung verlangt.
Die Ursache für den defekten Kompressor ist mit einem Prüfgerät ebenfalls schnell gefunden und so einfach wie naheliegend. Die Sicherung ist durch. Da der Kompressor aber auch mit einer neuen Sicherung nicht startet, sucht er weiter und findet eine zweite durchgebrannte Sicherung auf dem gleichen Stromkreislauf im Motorraum. Zwei gleiche Sicherungen in Reihe machen für mich keinen Sinn, aber ich muss nicht alles verstehen.
Ich kaufe ihm zur Sicherheit noch drei weitere 20-Ampere-Sicherungen ab und wir beschliessen, unter Beobachtung der Motortemperatur weiter zu fahren.
So richtig wohl ist mir dabei gerade nicht, denn schon kurz hinter Aus muss ich von der B4 abfahren auf die C13, in Richtung Norden. B-Strassen sind in Namibia in der Regel asphaltiert, alles darunter, also C- und D-Strassen sind normalerweise Sand- und Schotterpisten.
Das sieht dann so aus wie auf dem nächsten Foto. Du fährst also Stunden geradeaus auf einer Sandpiste, ohne dass du einen anderen Menschen siehst.
Bis zum Tagesziel, bei Sesriem sind es noch 340 Kilometer. Und diese Distanz erfolgt ohne nennenswerte Ortschaften. Wenn wir also unterwegs nochmal ein technischen Problem bekommen, stehe ich ziemlich dumm da. Ich kann ein paar einfache Dinge in Ordnung bringen, bin aber kein ausgebildeter Automechaniker.
Aber es gibt auch gute Punkte: Wir können überall schlafen und haben genug zu essen und zu trinken dabei. Ausserdem ist der Toyota mit einem überraschend vielseitigen Werkzeugkoffer ausgestattet.
Auf dem Weg zur D707 gibt es reichlich vertraute, weniger bekannte und auch seltsame Hinweisschilder:
Die D707 ist im wesentlichen eine recht schmale Sandpiste, die tatsächlich durch schöne Landschaften führt. Die Grösse Namibias ist mal wieder umwerfend und weit und breit gibt es keine Infrastruktur, kein Dorf, keine Ortschaft. Man ist schon froh, wenn man alle 50 Kilometer ein Hinweisschild zu einer Farm sieht.
Irgendwann endet die D707 und wir biegen ab auf die D831. Das ist eine üble Schotterpiste, die eigentlich nicht mal den Namen Schotter verdient. Schotter ist nach meinem Verständnis ein Belag von groben Steinchen. Wenn Steinchen aber wirklich gross werden, also echt grosse Brocken, hört im Auto der Spass auf. Der gesamte Aufbau wird über Stunden heftig durchgeschüttelt und auch eine weitere Reduzierung des Reifendrucks auf 2,2 Bar bringt keine wirkliche Besserung.
Hinzu kommt das berühmt-berüchtigte Wellblech. Alles von der Achse bis zu jeder Plombe im Zahn vibriert permanent und raubt einem den letzten Nerv.
Es gibt übrigens wissenschaftliche Abhandlungen zur Entstehung von Wellblechpisten. Das ganze Thema ist in Namibia derart präsent, dass ich irgendwann besagte Ausarbeitungen gelesen habe. Ich kann berichten, dass das Verständnis nicht wirklich hilft: Die Wellblechpisten bleiben grausam, auch wenn man versteht wie sie entstehen…
Für den Rest des Tages fahren wir weiter die übelsten Schotterpisten und erreichen Sesriem auch wegen des Reparaturstopps in Aus erst um 18:30 Uhr nach 467 Kilometern. Das war kein Spass heute und ich realisiere, wieso die Empfehlung lautet, in Namibia nicht mehr als 200-300 Kilometer pro Tag zu fahren. Wenn du hier unterwegs bist, solltest du abgesehen von den B-Strassen mit einem Durchschnittstempo von 50 km/h rechnen, mehr geht eigentlich nicht.
Als wir am Abend in Sesriem ankommen, finden wir das „Camp Oasis“, an einer Shell-Tankstelle. Der Checkin erfolgt auch direkt in der Tankstelle und wir erhalten Platz Nummer 1.
An die Platzausstattung muss ich mich noch gewöhnen. Dass man hier fast immer ein eigenes Gebäude mit eigenem WC und Dusche bekommt, finde ich ebenso ungewöhnlich wie angenehm.
Der Sonnenaufgang beginnt um 5:30 Uhr. Gestern Abend hat uns der nette Mensch an der Tankstelle geraten, möglichst früh am Eingang zum Sossusvlei zu sein. Am Gate würde schon beim ersten Tageslicht eine lange Schlange von Fahrzeugen auf die Einfahrt warten. Wir sollten also nicht bummeln.
Ich bin ehrlich gesagt kein Frühaufsteher. Statt noch in der Dunkelheit alles einzupacken und sofort zu starten, sind wir nach einem ausgedehnten Aufwachvorgang und ein paar Kaffee erst um 07:45 Uhr am Gate. Das ist für unsere Verhältnisse immer noch früh. Dort sind wir entgegen den Vorhersagen allerdings die einzigen Fremden. Ein grosser schwarzer Wachmann notiert alle Besucher mit Fahrzeug, Kennzeichen und Anzahl der Personen im Auto in einem Buch (Ja, sowas auf Papier…) Wir bekommen die Nummer #59, sind also wirklich nicht die Ersten im Sossusvlei.
Der (das?) Sossusvlei ist eine wundervolle Wüstengegend mit einer topfebenen Asphaltstrasse, die in Richtung Westen in die riesigen Sanddünen führt. Obwohl die Strasse hierher nur eine D-Kategorie besitzt, ist sie asphaltiert. Die Sackgasse vom Gate bei Sesriem bis zum Ende, führt über 70 Kilometer One-way, vorbei an atemberaubenden Dünen und Berglandschaften.
Recht schnell bin ich der Überzeugung, dass die Sossusvlei-Strasse hier wesentlich schöner ist als die D707 gestern, aber das nur am Rande.
Am Ende der Asphaltstrasse gibt es einen grossen Parkplatz, wo sich die meisten Fahrzeuge treffen. Hier ist alles vertreten: Busse, Leihwagen und Overlander. Manche machen hier Picknick, manche fahren von hier aus noch ein paar Kilometer weiter zum Deadvlei, was in jedem Fall ein Voll-Allrad-Fahrzeug erfordert.
Schon am Parkplatz bewundere ich einen deutschen Overlander mit einem bemerkenswerten Gefährt, dass ich gar nicht zuordnen kann. Bei Motorrädern kenne ich mich definitiv besser aus.
Es ist ein deutsches Paar mit einem Buchner-Allradfahrzeug. Die beiden sind sechs Monate im Süden Afrikas unterwegs und haben den Wagen nach Kapstadt verschifft. Es gibt zwar mehr Platz als in unserem Toyota, dafür aber keine Klimaanlage. Wir haben ein längeres Gespräch, weil ich viele Fragen habe.
Auf dem Weg zurück machen wir immer wieder halt, weil die Dünenlandschaft so schön ist. Ich sammle jede Menge Bilder, die alle als Desktop-Hintergrund taugen.
Besonders schön sind die abgestorbenen Bäume, die so charakteristisch für den Deadvlei sind. Die stehen aber auch schon auf dem Weg dorthin am Fusse der Sanddünen. Du musst also nicht unbedingt offroad in den Deadvlei fahren, um sie zu sehen.
Bevor wir Sossusvlei, Deadvlei und Sesriem verlassen, muss ich noch zum gleichnamigen Canyon. Der Sesriem Canyon kann es nicht annähernd mit dem Fish River Canyon aufnehmen, ist hier in der Wüste aber trotzdem eine Attraktion. Jedenfalls muss ich da unbedingt durchwandern.
Danach fahren wir nochmal zur Shell-Tankstelle, weil es dort einen gut sortierten Supermarkt gibt. Unsere Vorräte müssen aufgefüllt werden. Ausserdem tanke ich nochmal voll und hole am Geldautomaten frische Scheine. Man weiss ja nie…
Dann machen wir uns auf die Fahrt in Richtung Norden, zum nächsten Ziel: Walvis Bay. Ich bin guter Hoffnung, dass die Strasse besser ist als gestern. Leider stirbt die Hoffnung heute schnell.
Kurz nach Sesriem ist der Asphalt wieder zu Ende. Die schöne, glatte Strasse verwandelt sich wieder in genau die schlimme Schotterpiste mit faustgrossen Steinen, die uns gestern schon die Nerven geraubt hat. Weiteres Wellblech gibt uns den Rest.
Schon nach wenigen Kilometern stoppe ich den Toyota. Am Strassenrand steht ein VW T-Roc (oder wie die Schüssel heisst). Zwei Mädels stehen ratlos daneben, gestoppt durch einen Plattfuss. Mich wundert, dass sich die beiden überhaupt mit so einem Fahrzeug hierher gewagt haben. Die Pisten abseits der grossen Strassen sind in Namibia häufig in einem so schlechten Zustand, dass alles andere als ein ausgewachsener Geländewagen ein ambitioniertes Abenteuer darstellt.
Jedenfalls hat die Piste dem Reifen derart zugesetzt, dass sich die Lauffläche von der Karkasse gelöst und den Reifen in Fetzen gerissen hat. So einen Schaden habe ich in Europa noch nicht gesehen.
Da passender Weise auch das deutsche Paar mit dem Buchner vorbeikommt, wechseln wir den beiden gemeinsam das Rad. Wie heutzutage in „normalen“ Autos üblich, gibt es im T-Roc nur noch ein Notrad, welches auf diesen Pisten noch lächerlicher erscheint als ohnehin.
Ich flehe die beiden fast an, mit dem Notrad besonders langsam zu fahren. Sie müssen nach eigener Auskunft noch knapp 100 Kilometer bis in ihre Lodge. Ob das gut geht? Ich habe erhebliche Zweifel.
Die Strasse (Besser: Piste) ist wirklich katastrophal. Bis Solitaire (Eher nur drei Häuser als eine Ortschaft) rumpeln wir durch die Gegend.
Solitaire stellt eigentlich nur einen Aussenposten im Nirgendwo dar. Es gibt drei Berechtigungen für Solitaire: Eine Tankstelle, die urige Roadhouse Lodge und den angeblich besten Apfelstrudel Namibias, in der inzwischen weltweit bekannten Bäckerei.
Ich finde aber auch die herumliegenden Fahrzeugleichen interessant.
Den Apfelstrudel muss ich probieren, aber wenn das der Beste in Namibia ist, wird er von jedem deutschen Dorfbäcker um Längen geschlagen. Vielleicht ist der Hype um den Kuchen übertrieben oder die Qualität hat unter der Masse an Touristen gelitten.
Mindestens ebenso interessant finde ich die Motorräder, die an der Seite stehen. Es sieht so aus, als ob hier eine geführte Truppe unterwegs ist. Als ich die Fahrer in den ungewöhnlich dicken Anzügen sehe, will ich nicht tauschen. Es ist heute so heiss, dass mir meine kurze Hose mit dem T-Shirt deutlich lieber ist als ein Goretex-Anzug und Helm.
Auf dem Begleitfahrzeug sind ausserdem auch schon die havarierten Bikes gelandet. Wenn ich mir das Schadensbild aus der Nähe ansehe, war die Truppe nicht zimperlich.
Namibia mit dem Motorrad ist übrigens gar nicht so einfach. Die Nationalparks darf man nur mit einem geschlossenen Pkw befahren und dann auch nicht aussteigen. Die sind also mit dem Motorrad tabu. Ausnahmsweise bin ich froh, hier mit dem Auto unterwegs zu sein.
Da die Hauptstrassen eigentlich nur langweilige und schnurgerade Strecken darstellen, macht auch das nicht wirklich Spass. Man müsste sich also auf die Nebenstrecken konzentrieren, mit allen Widrigkeiten, die wir auch mit dem Toyota erlebt haben. Und wenn ich mir die Bereifung der Maschinen ansehe, habe ich erhebliche Zweifel, ob die Wahl so klug ist. Kennen die hier keine Heidenau oder Mitas?
Wir verlassen Solitaire und fahren noch ein Stück weiter. Zwischenzeitlich ist es spät geworden und die Motivation auf dieser Piste noch lange zu fahren, ist deutlich gesunken. Carola hat ein Stück weiter eine Farm mit Campingplatz gefunden, die kann nicht so weit weg sein.
Dann sehen wir am Strassenrand ein Schild: Campsite! Wir entschliessen uns kurzerhand, die Buckelpiste zu verlassen und zu schauen, ob das Camp einen gescheiten Platz für die Nacht bietet.
Das Schild besagt, es wären zwei Kilometer, aber als ich nach besagten Kilometern in Richtung Horizont schaue, ist nicht mal ein Gebäude zu erkennen.
Wir kommen an eine Kante, wo der Boden etwa 10 Meter abfällt. Der Weg bergab macht noch eine Kurve und plötzlich stehen wir vor einem urgemütlichen Farmhaus, das noch vor einer Minute gar nicht da war.
Wir erhalten den letzten freien Platz im „Bushmans Desert Camp“ und sind damit voll zufrieden.
Das gesamte Gelände ist komplett „Off Grid“. Das bedeutet abermals: Kein WiFi, kein Mobilfunk. Wie schön!
In solchen Situationen merkt man erst, wie sehr man sich an das ständige „online sein“ gewöhnt hat oder besser: Wie sehr die ständige Verfügbarkeit nervt. Irgendwann habe ich festgestellt, dass es nicht nur Email und Kurznachrichten sind. Es sind auch die vielen Apps, die ständig um Aufmerksamkeit kämpfen. Mal ist es das Banking, dann irgendwas auf Instagram (Ein Dienst, den ich zwar installiert habe, den ich aber nicht auch noch bedienen will)
Dieser ganze Informationsmüll gipfelt mittlerweile in eine permanente Belästigung. Umso schöner, dass hier gerade technisch bedingt Ruhe herrscht. So wie früher. (Und ja, früher war manches wirklich besser. Ich stehe dazu, das so zu sehen)
Dazu passt das Hinweisschild am Eingang zur kleinen Bar:
Wir suchen uns einen schattigen Platz auf der Terrasse und bekommen vom „Bushman“ ein Glas Wein. Dabei unterhalten wir uns mit dem freundlichen Besitzer.
Der erzählt, dass er ein Leben als Lehrer und als Angestellter einer Versicherung hinter sich gelassen hat. Der eine Job zu stressig, der andere ohne Sinn. Irgendwie ergab sich die Gelegenheit, die Farm hier zu erwerben. Seitdem lebt er zufrieden und in Ruhe mit seiner Frau und Tochter in der Natur. Die ganze Familie geniesst es sichtlich. Er hat sich so sehr in den „Bush“ verliebt, dass er sein Anwesen einfach „Bushman“ genannt hat.
Der Bushman ist mittlerweile so weit bekannt, dass Post für ihn ankommt, selbst wenn als Adresse einfach nur „Bushman-Sossusvlei-Namibia“ draufsteht.
Später am Nachmittag kommt ein Bus mit einer Reisegruppe an und ich habe etwas Sorge, dass es nun vorbei ist mit der Ruhe. Die Gruppe ist international zusammengewürfelt und besteht aus Briten, Australiern, US-Amerikanern und einem Paar aus Singapur.
Der amerikanischen Teil besteht aus einer Gruppe von jungen Mädels, ich schätze Anfang zwanzig, die sich auf der Terrasse neben uns breit machen und in einer Lautstärke quasseln, dass im Umkreis von 10 Kilometern selbst die Echsen flüchten.
Daneben gibt es aber auch das Paar aus Singapur, mit denen wir uns abseits zusammensetzen und lange unterhalten. Es sind Zoe und Jordan. Sie sondern sich schon deshalb ab, weil die US-Mädels auch im Bus keine Ruhe geben.
Zwischendurch denke ich an meine Solo-Motorradreisen. Das ist pure Meditation und Entspannung. Du bist nur mit dir und deiner Maschine alleine und niemand geht dir auf den Keks. Bestimmt hat der Bushman hier seine Ruhe, wenn kein Bus da ist.
In der Nacht werde ich von seltsamen Geräuschen geweckt. Scheinbar direkt neben dem Auto hört es sich an, als ob sich jemand mit Holzknüppeln duelliert.
Ich klettere aus dem Aufbau herunter und schaue nach. Es sind zwei Oryx, die sich zehn Meter vor mir am Wasserloch bekämpfen. Dabei schaue ich in die Höhe und auf einen unfassbaren Sternenhimmel. Was ist das für ein Privileg, hier so frei und entspannt reisen zu dürfen. Es ist magisch.
Am Morgen packen wir zusammen um auf der C14 nach Walvis Bay zu fahren. Nachher denke ich, wir hätten in diesem tollen Camp eigentlich noch eine weitere Nacht verbringen sollen.
Walvis Bay erreichen wir am frühen Nachmittag und beziehen wegen der Küstenwinde wieder ein B&B. Wir buchen auch direkt für zwei Nächte und stellen später fest, dass heute und morgen kein Wind weht: Murphys Gesetz!
Dann geht es zu Fuss zum Hafen, wo es ein paar Restaurants gibt. Im „Anchors Waterfront“ sind wir begeistert über den Service und das Essen. Top!
Wir sitzen am Kai, geniessen das Essen und das kostenlose Entertainment: Im Hafen liegt die „Aida Stella“. Wer mich kennt weiss, welche Gedanken ein Kreuzfahrtschiff in mir auslöst. Ich kann mir nicht vorstellen, für sowas Geld auszugeben. Du könntest mich alternativ auch in einen Knast stecken. Mit tausenden von Menschen auf so ein Schiff? Eine grausame Vorstellung.
Aber jeder wie er mag. Ich kann mich köstlich über die vorbeilaufenden Menschen am Kai amüsieren und bin mir recht sicher, dass meine Trefferquote bei der Zuordnung zwischen Kreuzfahrt-Passagier und Overlander akzeptabel ist.
Eine Sache werden wir jedoch mit den Kreuzfahrern gemeinsam haben. In Walvis Bay soll es gute Touren zu den Seehunden geben. Wir buchen uns für den nächsten Morgen bei „Sun Sail Catamarans“ ein.
Auf dem Rückweg zum B&B schlendern wir am Wasser vorbei und bewundern einen Fischer bei der fachgerechten Zerlegung eines Kabeljau. Es ist so herrlich chillig und entspannt hier.
Ein Fahrer von Sun Sail Catamarans holt uns um 8:20 am B&B ab. Das ist ein toller Service. Wir erwischen einen ungewöhnlich ruhigen Morgen, soweit es den Wind betrifft.
Das Wasser in der Bucht ist flach wie ein Handtuch. Keine Welle weit und breit, kein Lüftchen regt sich. Das sind gute Voraussetzungen für einen Tag auf dem Meer.
Es geht direkt los mit einem grossen Pelikan, der schon kurz nachdem das Boot aus dem Hafen gefahren ist, angeflogen kommt, um sich sein Frühstück abzuholen.
Da der Vogel extrem zahm ist und sich auch von den Gästen auf dem Boot nicht beeindrucken lässt, nehme ich an, er kennt das Boot und die Gelegenheit hier unkompliziert zu speisen sehr genau. Das ist aber egal, denn er bietet eine tolle Show.
Die Katamaran-Tour ist perfekt und auch wenn ich nicht so auf organisierte Reise-Events stehe, machen die beiden Jungs einen tollen Job. Die ruhige See am Morgen sorgt für eine unvergleichliche Atmosphäre.
Nach einiger Zeit verlassen wir die geschützte Bucht und sehen den ersten Wal, nicht weit vom Boot entfernt.
Dank Teleobjektiv erwische ich das Tier sogar beim abtauchen.
Als nächstes gesellen sich Delfine dazu und springen immer wieder direkt neben dem Boot aus dem Wasser.
Ironie des Schicksals: Ich mache das beste Delfin-Foto mit dem iPhone und nicht mit der Systemkamera.
Zwischendurch sehe ich sogar einen grossen Mondfisch (Mora Mora) der knapp unter der Wasseroberfläche seine Bahn zieht. Leider bekomme ich ihn wegen der Spiegelungen nicht fotografiert.
Vor dem nördlichen Ende der Walvis Bay liegt eine langgezogene Sandbank auf der eine Kolonie Robben wohnt.
Die Tiere können wir sehr nah bestaunen, weil der Katamaran recht dicht an die Sandbank fährt.
Am Mittag packt die Crew zwei Kisten aus und zaubert uns ein fantastisches Menü mit jeder Menge Fingerfood und Meeresfrüchten. Ich muss mich wiederholen: Obwohl ich im Normalfall nicht auf solche touristischen Dinge stehe, bin ich diesmal tief beeindruckt.
Manche Unternehmen haben es wirklich drauf und dieses hier gehört dazu. Ich spreche für „Sun Sail Catamarans“ in Walvis Bay mal eine verdiente Empfehlung aus. Prost!
Gegen frühen Nachmittag kommen wir zurück und laufen in den Hafen ein. Die Aida ist mittlerweile weg und wir gehen über den Jetty zurück zum Pier. Dabei laufen uns Zoe und Jordan in die Arme, deren Reisegruppe ebenfalls in Walvis Bay gestoppt hat.
Danach chillen wir in unserem B&B und wollen dann noch für die nächsten Tage einkaufen. Heute ist Sonntag und es haben zwar die Supermärkte geöffnet, allerdings gibt es in Namibia die Regel, dass Sonntags kein Alkohol verkauft werden darf.
So bekommen wir zwar alle Lebensmittel, jedoch keinen dringend benötigten Nachschub an Wein. Wir müssen also morgen früh nochmal hier stoppen um den fehlenden Weisswein nachzulegen.
Der Plan ab hier lautet: Über Swakopmund die Skeleton Coast entlang nach Norden.
Aber das ist Teil 2…

















































































































































