Motorradtour 2015 – Slowenien und Kroatien oder „Himmel und Hölle“

Die Vorbereitungen für diese Tour hatten bereits im Winter 2014 begonnen. Streng genommen war dies unsere erste Motorradreise und demzufolge auch mit einer Menge Fragezeichen belegt:

Was nehmen wir mit? Wohin soll es gehen? Wie und wo übernachten wir? Hält die Technik? Wie kommen wir hin? Und so weiter.

Die erste grobe Planung sah drei Ziele bzw. Routen vor: Polen/Baltikum, England/Schottland oder Slowenien/Kroatien. Da unsere Reisezeit im Mai schon fixiert war fiel die Wahl auf den Süden – schon wegen der potenziell besseren Wetterbedingungen. Wie man sich doch täuschen kann – aber dazu später mehr.

Im Forum der Motorradkarawane hatten wir dann von der Möglichkeit erfahren, mit dem Autoreisezug der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) von Düsseldorf nach Wien zu fahren. Da wir nicht wirklich Lust hatten bis in die Alpen auf deutschen Autobahnen zu fahren, schauten wir uns die Optionen der ÖBB genauer an.

Das Motorrad kostet 45 EUR für einen Weg. Hinzu kommt dann die jeweilige Person, für die es mehrere Möglichkeiten gibt: z.B. das Doppelabteil (Double) ab ca. 119 EUR pro Person. Da wir zu zweit unterwegs sein würden, fiel unsere Wahl auf diese Variante, also ein Abteil für uns alleine. Die Abfahrt in Düsseldorf findet täglich um 20:54 Uhr statt, die Verladung der Autos und Motorräder von 20:15 bis 20:35 Uhr. Der Zug fährt also über Nacht und man kommt morgens um 8:14 Uhr ausgeschlafen mitsamt dem Motorrad in Wien an. Der Beschreibung zufolge ist sogar das Frühstück enthalten, welches im Abteil serviert wird.

Für die Reise selbst haben wir etwa 10 Tage Zeit. Die grobe Routenplanung war daher in etwa Düsseldorf-Wien (Autoreisezug), Villach, Kranjska Gora, Novica Gorica, Porec, Insel Cres, Senj, Zadar, Plitvice, Postojna, Klagenfurt, Wien-Düsseldorf (Autoreisezug).

Nun aber zum tatsächlichen Geschehen:

Los geht es am 15.05.2015 im Münsterland. Wir haben nur etwa 130km bis zum Autozug-Terminal am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Daher reicht es locker gegen Nachmittag aufzubrechen. Das Wetter zeigt sich auch von seiner besten Seite: Nehmen wir!

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Abfahrt am 15.05.2015 im Münsterland

In Düsseldorf sind wir so rechtzeitig, dass wir einen Schlenker nach Kaiserswerth machen und an der Rheinfähre den wunscherschönen Biergarten genießen. Mit einer guten halben Stunde Reserve erreichen wir das Autozug-Terminal am Düsseldorfer Hauptbahnhof.

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Autoreisezug-Terminal Düsseldorf

Eine Mitarbeiterin der ÖBB ist damit beschäftigt, die schon vorhandenen Beschädigungen an einem niederländischen PKW zu dokumentieren. Nicht, dass es nachher unberechtigte Schadensersatzforderungen gibt 🙂 Die Karre ist jedenfalls rundherum verbeult und vermackt, was von ihr penibel mit der Fotokamera dokumentiert wird.

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Schadensaufnahme am PKW

Von einem freundlichen Mitarbeiter erhält jeder Motorradfahrer vier stabile Gewebebänder die – zwei an jeder Seite – am Motorradrahmen anzubringen sind. Daran werden dann später vom Personal die Verzurrgurte fachmännisch befestigt.

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Befestigungsschlaufe an der GS

Das ganze läuft dabei derart professionell und entspannt ab, dass wir uns sicher sind es hier nicht mit der Deutschen Bahn zu tun zu haben. Jedenfalls sind die Motorräder in kürzester Zeit gesichert und bereit für die nächtliche Reise nach Wien.

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Fachmännisch verzurrt für die Reise nach Wien

Sein Motorrad fährt jeder Fahrer selbst auf den Waggon. Es empfiehlt sich dabei durchaus den Helm aufzubehalten, denn alle Mopeds werden grundsätzlich unten verladen, nur PKW kommen auf das jeweils obere Deck. Und die Kopffreiheit ist unten durchaus eingeschränkt!

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Fertig für die Abfahrt in Düsseldorf

Ein paar Meter vor den Auto- und Motorradwaggons finden wir dann die Schlafwagen. Das Doppelabteil ist jetzt nicht unbedingt ein Tanzsaal, überrascht uns aber durchaus mit einer funktionellen Ausstattung.

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Zwei-Personen-Schlafabteil im Zug

Jeder Fahrgast erhält eine Tüte mit Pantoffeln, Ohropax, Waschlappen/Handtuch (von IKEA!!!)  und Trinkwasser. Im Doppelabteil gibt es zwei Betten – wobei das Untere später ausgeklappt wird – ein Waschbecken und eine Leiter um überhaupt in das obere Bett zu gelangen. Im Wagen befinden sich auch noch zwei Deluxe-Abteile. Diese verfügen über mehr Platz und jeweils ein eigenes Badezimmer.

Das Ganze hat dabei durchaus seinen Charme. Man muss sich nur darauf einlassen hier kein Vier-Sterne-All-Inklusive-Arrangement vorzufinden. Dafür ist das Personal der ÖBB ausgesprochen freundlich, hilfsbereit, kompetent und zuvorkommend – also genau das Gegenteil von dem der Deutschen Bahn! Wir fahren dann die Nacht hindurch und es gibt auf Bestellung warme Speisen zu vollkommen zivilen Preise direkt ins Abteil gebracht.

Auf einer Menükarte können wir zudem unser Frühstück zusammenstellen. Dieses ist im Reisepreis bereits enthalten und man bekommt Kaffee soviel man will. Man kann es nur so beschreiben: Einfach, zweckmässig, unkompliziert, lecker, spitze! Diese Art vom Norden der Bundesrepublik nach Österreich zu gelangen können wir wirklich empfehlen.

Entspannt kommen wir in Wien an und fahren unsere Motorräder ebenso einfach und flott vom Zug herunter wie wir sie in Düsseldorf verladen haben. Nun geht es zunächst auf die Autobahn direkt aus der Stadt hinaus und in Richtung Westen bis nach Zeltweg. Wir wählen diese Route, da sie keinen wirklichen Umweg nach Villach darstellt und wir auf diese Weise mal am Red-Bull-Ring vorbeischauen. Dort finden gerade die Vorbereitungen für den Truck-Grand-Prix statt und wir schauen uns das Geschehen in Ruhe an.

Hinter Zeltweg und Judenburg finden wir dann auch die Berge, Täler und Straßen vor, die wir in dieser Gegend erwartet haben.

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Irgendwo in Kärnten…

Unser Tagesziel ist dabei der Großraum Villach, konkret der Afritzer See. Auf dem Weg dorthin sehe ich die Nockalmstraße in der Nähe und beschließe einen Abstecher dort hinauf, während Rolf lieber schon in unsere Unterkunft will. Die Nockalmstraße finde ich spitze und wundere mich nur über besondere Schilder, die wir bei uns im Münsterland nicht so häufig sehen.

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Wichtige Informationen auf der Nockalmstraße!

Am späten Nachmittag finden wir dann eine kleine Pension unweit des Afritzer Sees in die wir uns direkt einquartieren. Die Wirtin empfiehlt uns zum Essen den Fischerhof Glinzner. Wir müssen dazu nur über eine Wiese laufen und finden eine Idylle vor, die wir uns direkt für die Rückreise merken, doch dazu später mehr.

Am nächsten Morgen geht es dann um 8:30 Uhr in Richtung Süden nach Slowenien. Also brechen wir direkt nach dem Frühstück auf und überfahren zunächst den Wurzenpass. Oben auf dem Pass steht am Straßenrand ein alter jugoslawischer Panzer den wir für ein Motorrad-Panzer-Fotomotiv auswählen. Wir haben da zuhause nämlich noch einen Kumpel der auf solche Dinger steht…

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Grenze Österreich-Slowenien am Wurzenpass

Die Route führt uns dann nach Kranjska Gora. Hier sind wir bereits das erste Mal überwältigt von der Schönheit Sloweniens – ein Eindruck, der uns sodann auch nicht mehr loslassen wird! In Kranjska Gora fahren wir in Richtung Süden und auf den Vrsic-Pass. Zum ersten Mal denke ich mir jetzt ich hätte die Route eventuell genauer studieren sollen. Was uns auf den folgenden Kilometern über den Pass erwartet hätten wir uns nicht träumen lassen: Eine Straße wie aus dem Bilderbuch mit unglaublichen Kurven, Serpentinen und Steigungen. Und das alles vor einer Kulisse wie im Märchen.

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Am wunderschönen Vršič-Pass Slowenien

Die Straße führt uns vorbei an einer alten russischen Kirche, die die Arbeiter damals bei Bau errichtet haben um der Getöteten zu gedenken. Über immer weitere Spitzkehren geht es dabei hoch bis auf über 1600 Meter. Hätte ich mich vorher erkundigt, hätte ich erfahren das es sich um den höchsten Gebirgspass Sloweniens handelt. Wir nehmen diese Tatsache aber trotzdem begeistert hin!

Die Straße führt uns weiter durch den Ort Trenta und direkt in das Soca-Tal. Als hätte sich der liebe Gott gedacht es wäre noch nicht genug, legt er uns einen Gebirgsfluss vor die Räder, der sich zwischen wunderschönen Bergen in einem sattgrünen Tal hindurchschlängelt.

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Soca-Tal

Immer wieder bleiben wir erstaunt stehen und nutzen die Zeit das Land und die Natur zu genießen, nur um ein paar Meter weiter gleich das nächste Highlight zu entdecken.

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Perfekte Motorradstraßen im Soca-Tal

An einer Hängebrücke teste ich irgendwann neugierig die Wasserqualität. Sie ist so wie ich es erwartet hätte: Da man auch in der Tiefe jeden Kieselstein erkennen kann, stellt ein Schluck aus dem Fluss eine willkommene Erfrischung dar.

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Eine der typischen Holz-Hängebrücken

Wir fahren weiter in Richtung Bovec und biegen rechts ab in Richtung Predilpass. Denn auf dem Weg in Richtung italienische Grenze lockt ein weiterer Meilenstein auf der Route: Die Mangartstraße.

Dabei handelt es sich um eine Mautstraße die rein tourisischen Zwecken dient. Normalerweise befindet sich unten am Beginn der Strecke ein Kassenhäuschen. Dies ist aber unbesetzt, denn die spektakuläre Straße befindet sich noch immer in der Wintersperre. Aber ich kann nicht anders – es gibt keine Schranke oder ähnliches und ich muss einfach schauen wie weit man hinaufkommt. Und man kommt ziemlich weit, denn die Aussicht von der höchsten erreichbaren Stelle ist geradezu fantastisch.

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Paraglider am Mangart

Dabei hat man einen wundervollen Blick über die slowenischen Alpen.

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Blick vom Mangart-Pass Richtung Süden

Während der Abfahrt fährt vor mir ein italienisches Päärchen und ich bemerke erst unten eine GoPro-Kamera am Heck seiner Maschine. Damit hat er die Abfahrt seiner Freundin gefilmt. Ich entschuldige mich bei ihm das ich bei seiner Aufnahme wohl im Bild bin, aber er verlangt stattdessen meine Mailadresse um mir das Video zu schicken. Einfach nett!

Wir fahren wieder hinunter und weiter geht es über Bovec in Richtung Kobarid. Denn hier in der Nähe wollen wir unsere nächste Etappe unter die Räder nehmen. In den Empfehlungen war die Rede von der „Slowenischen Grenzkammstraße“. Der Einstieg in diese alte Versorgungsroute aus dem ersten Weltkrieg wäre nicht unbedingt einfach zu finden hieß es. In Kobarid sollen wir rechts abbiegen, hinauf in das kleine Bergdorf Livek. Dort in Livek geht es dann links ab auf die Straße mit der Nummer 605.

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Slowenische Grenzkammstraße

Diese führt dann oben auf der Höhe immer an der slowenisch-italienischen Grenze entlang, jeweils mit traumhafter Sicht in die grünen Täler auf beiden Seiten.

Irgendwann finden wir auf einer Höhe auch eine geschichtliche Dokumentation der Kriegshandlungen. Nachgebildet sind hier die alten Schützengräben und Unterstände, die während der Auseinandersetzungen wohl so manches Opfer gekostet haben. Auf alten Bildern ist auch dokumentiert wie viel schweres Kriegsgerät hier heraufbefördert wurde. Auf jeden Fall könnte man alleine auf dieser Straße wohl einen ganzen Tag verbringen.

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Freilichtmuseum an der slowenischen Grenzkammstraße (Alte Stellungen aus dem 1. Weltkrieg)

Dabei ist die Straße in einem deutlich besseren Zustand als es die Beschreibungen befürchten lassen. Es gibt aber auch einen etwa drei Kilometer langen Abschnitt der immer noch nicht asphaltiert ist und den wir natürlich auch prompt unter die Räder bekommen – sehr zum Unmut von Rolf der viel lieber auf Asphalt bleiben würde.

Wir fahren die Grenzkammstraße in Richtung Süden und biegen bei Kambresko ab um zurück ins Tal zu gelangen. Bei Rocinj fahren wir wieder auf der 103 im Tal der Soca entlang als wir den Ort Kanal erreichen.

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Ortschaft „Kanal“ an der Soca

Hier führt die Straße über eine Soca-Brücke und der Ort und die Umgebung sind so eindrucksvoll das ich auf der Brücke selbst noch Fotos machen muss. Die Route führt uns weiter bis nach Nova Gorica und wir überlegen, ob wir es an diesem Tag noch bis nach Istrien schaffen.

Mein Navi ist übrigens ein altes, bei Ebay ersteigertes Garmin 60CSx, welches ich mit den kostenlosen Karten von OpenStreetMaps bestückt habe. Es kommt auf dieser Tour zum Einsatz weil ich im Vorfeld viel darüber gelesen habe. Und hier nehme ich es vorweg: Es ist eine meiner günstigsten und besten Investitionen überhaupt und ich bin fassungslos das es derart einwandfrei die Orientierung erledigt.

Jedenfalls erhalten wir die Information, dass wir bis zum frühen Abend in Istrien sein werden. In meiner Planung hatte ich einen Campingplatz südlich von Novigrad gewählt, auf dem ich im Sommer 1986 schon einmal war. Damals, als das Land noch Jugoslawien hieß, fand unsere Reiseplanung an einem Donnerstagabend statt und am Freitagmorgen waren wir auch schon auf der Autobahn in Richtung Süden unterwegs. Wir verbrachten dann zwei Wochen auf dem Campingplatz Lanterna und unsere Erlebnisse damals würde man heute niemandem erzählen ohne rot zu werden…

Aber wir haben Mai und es ist Vorsaision, so dass es keine Probleme gibt einen geeigneten Platz für eine Nacht zu ergattern. Während Rolf das Zelt aufbaut nutze ich die letzten Minuten der Öffnungszeiten des Supermarkts um ein paar Dosen Bier zu kaufen, die wir uns an diesem Tag wirklich verdient haben.

Mein Garmin meldet heute 5.969 aufgestiegene Höhenmeter, eine Maximalhöhe von 1.813 Metern (Mangart) und 350 Tageskilometer.

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Campingplatz Lanterna bei Novigrad (Kroatien)

Es ist immerhin die Gelegenheit, diverse neue Camping-Errungenschaften auszuprobieren. Noch vor wenigen Monaten hätten wir wohl nicht gedacht, dass eine Zeltübernachtung auf einem Campingplatz nochmal auf unserem Programm stehen würde. Unser Equipment und die Erfahrungen damit werde ich aber noch an anderer Stelle (im Blog) würdigen.

Wir gehen noch im italienischen Restaurant am Platz essen und fallen dann müde in unsere Schlafsäcke.

Der nächste Morgen führt uns zur nächsten Station auf unserer Reise: Die Insel Cres. Auf dem Weg dorthin lasse ich mein Garmin irgendeine Route quer durch Istrien fahren während ich auf einmal feststelle das auch der Tank einer GS-Adventure irgendwann leer wird. Als auch nach weiteren Kilometern durch die wunderschöne kroatische Landschaft keine Tankstelle erscheint, lassen wir uns vom Garmin einfach zur nächsten navigieren. Und die liegt laut Display in der Ortschaft Motovun. Wir fahren also über die Hügel und stehen auf einmal fassungslos etwa einen Kilometer vor dem Ort als sich an einer Kurve der Blick über die Landschaft bietet. Motovun liegt auf einem Hügel und wird von einer alten Festung bewacht. Die Szene erinnert mich an diverse Orte im Tal um Arezzo in der italiensichen Toskana oder Todi, südlich von Perugia.

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DIe GSA vor dem Panorama von „Motovun“ (Istrien)

Weiter geht es über Pacin und Pican in Richtung Brestova wo unsere Fähre auf die Insel Cres ablegen soll. Auch bis zur steilen Küste im Süden Istriens bietet die Landschaft Koratiens einen Leckerbissen nach dem anderen und Straßen, die jedes Motorradfahrerherz höher schlagen lassen.

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Küstenstraße in Süd-Istrien

An der Küste angekommen machen wir an einem Aussichtspunkt kurz halt und treffen zwei deutsche Motorradfahrer aus Rotenburg/Wümme mit denen wir uns in der heißen Mittagssonne unterhalten. Sie haben den gleichen Weg und wollen ebenfalls auf die Fähre und so fahren wir ein Stück zusammen.

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Blick über Istriens Südküste

Während wir auch – alleine schon wegen der gefühlten Unabhängigkeit – eine Nacht im Zelt akzeptieren würden, planen die beiden fest mit Pensionen oder Hotels. Und auch wir haben bereits festgestellt das es davon auf jedem Kilometer wohl mehr gibt als wir belegen könnten. Aber die Optik unserer beiden GS bietet dafür mehr Fernreisefeeling als die beiden spärlichen Koffer an ihren Mopeds. Ich möchte jedenfalls nicht mehr auf meine Enduristan-Rolle verzichten! Sie ist übrigens 100 Prozent wasserdicht – das kann ich am Ende der Reise beschwören.

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GSA voll bepackt

So stehen wir irgendwann an der Fähre in Brestova und freuen uns, dass wir an der Autoschlange vorbeifahren dürfen um der sengenden Sonne zu entgehen. Das bedeutet nämlich auch ein frühzeitiges Auffahren und ebenso frühzeitiges Abfahren von der Fähre bevor man auf den engen Inselstraßen jedes Wohnmobil Südeuropas vor der Nase hat. Die Fähre verkehrt mehrmals täglich und kostet 47 Kuna (= ca. 6 EUR Person und Motorrad).

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Warten am Fähranleger in Brestova

Die Überfahrt bedeutet auch gleichzeitig eine Fahrpause, Benzingespräche mit anderen Reisenden und den Blick auf das Meer.

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Auf der Fähre in Richtung Insel Cres

Währenddessen kann man sich gar nicht sattsehen an der Küstenlandschaft und die Vorfreude auf die Ausblicke die wohl die Insel Cres für uns bereithalten wird.

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Küste und Bucht bei Cres

Eigentlich sollte uns die Reiseplanung an diesem Tag bis nach Mali Losinj führen aber es kommt anders. Es beginnt mit einem Halt auf Cres oben auf dem Bergrücken mit Blick über die Insel Krk und auf das dahinterliegende Festland.

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Zwischenstopp und Panorama von Cres in Richtung Osten

Meine Papierkarten (und ich liebe die Dinger trotz Navi) empfiehlt uns einen Abstecher von der geplanten Inselstraße. Und die kleine Straße auf der Karte sieht sehr kurvenreich aus und verspricht zudem wenig Verkehr. So geht es dann auf einer einzigartigen Küstenstraße hinab ans Meer in einen Ort, den irgendwer dorthingemalt haben muss.

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„Promenade“ im Fischerdorf

Es gibt nur wenige Häuser und diese stehen fast alle direkt am Meer mit nur einem schmalen Weg dazwsichen. Vorher warnte ein Schild das man überhaupt nur zum be- und entladen für 20 Minuten herunterfahren darf. Wir sind aber zu neugierig und lassen die Motorräder genüsslich hinunterrollen. Die Szenerie, die sich uns nun bietet ist so vollkommen das wir kurzerhand entscheiden hier gleich den Rest des Tages und die Nacht zu verbringen, sofern uns hier jemand ein Bett zur Verfügung stellen kann.

Ich laufe ein paar Meter und komme schnell mit einem freundlichen Kellner ins Gespräch. Er heisst Mario und lässt sofort sein Essen stehen um mich zu begrüssen und zwei Zimmer anzubieten, die sich direkt über mir befinden, einen Balkon haben, den Blick auf den kleinen Fischerhafen preisgeben und frei sind. Direkt unter dem Balkon befindet sich der Pavillion der als Restaurant und Bar dient und seinerseits direkt am Meer liegt. Wir lassen uns erstmal nieder und studieren die Karten während wir uns nicht sicher sind ob wir unser Glück in dieser Form so fassen können.

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Entspannen beim Kartenstudium

Ich schaue mich nochmal um und dokumentiere das kleine Fischerdorf um nachher nicht als Geschichtenerzähler tituliert zu werden.

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Fischerhäuser, Pensionen und Hafenrestaurant

Alles hier strahlt eine Gelassenheit und Ruhe aus die man sich nicht nur im Urlaub wünscht. Aber nichts davon ist gespielt oder aufgesetzt. Selbst die Menschen die hier leben vermitteln nicht den Anschein, irgendwann oder irgendwie in Hektik zu verfallen.

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Fischgerichte vorbereiten auf die entspannte Art…

So genießen wir zunächst den Nachmittag bei ein paar kühlen Getränken während uns die Chefin des Hauses bereits die Vorspeisen zubereitet und Mario frisch gefangene Garnelen empfiehlt.

Für unsere Motorräder wurde übringens direkt ein Parkplatz am Haus freigemacht. So haben wir auch diese in unmittelbarer Nähe stehen. Klasse!

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Blick vom Restauranttisch

Und das alles wird auch nicht schlechter als am Abend die Sonne untergeht.

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Sonnenuntergang auf Cres

Wir können so viel Glück gar nicht fassen. Die gesamte Reise und die Route lassen uns einfach nur staunen. Ich hatte Kroatien nicht in derart schöner Erinnerung und kann nicht sagen ob nicht sogar Slowenien diesem Flecken Erde den Rang abläuft. Beide Länder scheinen sich geradezu einen Wettlauf zu liefern wer nun auf unserer persönlichen Hitliste ganz oben stehen wird.

Irgendwann in diesem Moment holt mich Rolf mit den aktuellsten Wetterinformationen aus meinen Gedanken. Über dem Mittelmeer entsteht gerade ein Tiefdruckgebiet und das ist in dieser Zeit a) eher selten und verspricht b) zugleich nichts Gutes. In den kommenden vier Tagen wird es schlagartig kälter und die angekündigten Niederschläge wohl sintflutartig. Dabei werden wir keine Chance haben die Wetterfronten zu umfahren und zwar weder in Richtung Süden, noch weiter nach Osten.

Irgendwie musste es so kommen. Ich behaupte sogar der liebe Gott hat uns das absichtlich hergeschickt weil wir sonst direkt an Ort und Stelle bleiben und unsere Frauen einfach dazuholen würden.

Aber nun haben wir nicht mehr viele Möglichkeiten. Eigentlich können wir nur noch den kommenden Tag oder maximal zwei nutzen um uns irgendwie in Sicherheit zu bringen – sprich zurück Richtung Österreich – in der Hoffnung, das es uns dort nicht ganz so schlimm erwischen wird.

So verabschieden wir uns leider schon am nächsten Morgen, nicht ohne ein Frühstück direkt vor dem Haus,

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Unser Frühstücksplätzchen

von der schönen Uferstraße,

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Die Morgensonne am Hafen

vom Hafen und den Fischerbooten,

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BMW GSA am Hafenkai

und von der gemütlichen Umgebung,

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Fischerboote auf Cres

und den freundlichen Menschen die unsere Abfahrt festhalten,

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Abfahrt mit Wehmut…

und machen uns auf den Weg zurück über die Insel Krk, die wir wiederum auf der Fähre erreichen und in Richtung Rijeka überqueren.

Nicht auslassen dürfen wir aber die Stadt Opatija, ein altes Seebad und Kurort. Hier machen wir noch einen weiteren Halt unten am Hafen.

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Bar im Seebad Opatija

Und wir nutzen den bis auf weiteres letzten schönen Sonnentag um unsere Mopeds dort nochmal elegant in Szene zu setzen.

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Am Fischerhafen Opatija

Das Restprogramm versuchen wir möglichst effektiv abzuarbeiten während die Wettervorhersage weiterhin nichts Gutes ankündigt. Aber eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Slowenien wollen wir uns noch ansehen: Die Felsenburg Predjama.

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Felsenburg Predjama (Slowenien)

Wir besichtigen die Burg während gleichzeitig ein vollbesetzter Reisebus einparkt und eine Horde Japaner auswirft. (Sorry – es könnten auch Chinesen, Koreaner oder andere Menschen ostasiatischer Herkunft gewesen sein…)

Ob der Folterkeller in dieser Form tatsächlich ein Bestandteil der historischen Anlage war sei dahingestellt.

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Folterkeller in der Burg Predjama

In jedem Fall ist die dargestellte Szene spektakulär und reiht sich nahtlos in die restlichen Details der sehenswürdigen Anlage ein.

Am Abend erreichen wir dann wieder Afritz am See. Aufgrund der guten Erfahrung zu Beginn unserer Tour steuern wir direkt den Fischerhof Glinzner an. Dieser liegt direkt am See und bietet neben dem Campingplatz eine Pension bzw. ein Hotel, ein Restaurant und Unterstellmöglichkeiten für Motorräder.

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Ufer am Fischerhof Glinzner (Afritzer See, Kärnten)

Wir können diese Lokation nur wärmstens jedem empfehlen, der eine ähnliche Route plant oder in den Großraum Villach oder allgemein nach Kärnten reisen möchte. Das Haus, das Personal, der Inhaber, die Lage und das Preis-Leistungsverhältnis sind ziemlich unschlagbar!

Gerald Glinzner sorgt jedefalls vorbildlich für unser Wohlergehen. Er war selbst mal im Tourenwagensport unterwegs und fuhr auch das 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife wovon unzählige Pokale in diversen Vitrinen zeugen. Wir kommen daher schnell ins Gespräch und fachsimpeln eine Weile.

Für die große Wetterwende in diesen Tagen hatte aber selbst Herr Glinzner keine Patentlösung parat. So blieb uns nur noch die Gelegenheit, den letzten Tag (oder besser Vormittag) unserer Reise zu nutzen und noch die Villacher Alpenstrasse zu befahren. Kurz vorher treffen wir auf einem Parkplatz einen Einheimischen. Er ist mit seiner KTM unterwegs und ballert irgendwann auf der Alpenstraße damit an uns vorbei als gäbe es kein Morgen. Oben angekommen schwatzen wir eine Weile während ich ungläubig feststelle das er mit Geländereifen Kreise um uns gefahren ist. Da müssen wir wohl noch ein bischen üben…

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Oben an der Villacher Alpenstraße

Die Villacher Alpenstraße gab immerhin noch beeindruckende Ausblicke frei, wenngleich die Wolken bereits im Anmarsch waren.

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Panorama von der Villacher Alpenstraße

Aber dieser Blick über Villach sollte für diese Reise auch der letzte freie Blick bleiben.

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Skisprungschanze Villach

Wir fahren noch die Gerlitzenstraße vom Ossiacher See aus hinauf, stellen aber fest das diese in einem erbärmlichen Zustand ist. Für die verlangten 8 EUR jedenfalls keine Empfehlung! Rolf plant derweil ob des Straßenbelags bereits ein Attentat auf mich und ich nehme mir vor, ihn besser nicht weiter zu provozieren.

Am kommenden Morgen machten wir uns dann auf eigener Achse auf in Richtung Heimat. Einen Platz im Autoreisezug ab Wien hatten wir nicht mehr bekommen und es blieb nur die Möglichkeit in Österreich abzusaufen oder die Zähne zusammenzubeissen und auf der A10 in Richtung Salzburg und weiter nach München zu fahren. Dies alles in der Hoffnung, dass es ab München schon irgendwann wieder trocken wird.

Um es kurz zu machen: Am Tauerntunnel fahren wir bei 4 Grad und Schneematsch und bis München weiter im strömenden Regen – es goss tatsächlich wie aus Kübeln. Wir schafften es dann bis in die Nähe von Frankfurt und übernachten dort und die Fahrt war die Hölle. Am nächsten Tag ging es dann von Frankfurt zurück in das heimische Münsterland.

Am Ende stehen 2.648 Kilometer auf der Uhr, die Fahrt im Autozug der ÖBB natürlich nicht mitgerechnet.

Aber: Wir haben da noch eine Rechnung offen! Slowenien und Kroatien haben uns völlig angefixt. Eigentlich sollte nun Rumänien und der Transfagarasan kommen. Wir können aber den Süden Kroatiens, Zadar, Plitvice und weitere Hot-Spots aus unserer ursprünglichen Planung nicht unbefahren lassen.