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Andalusien 2017

Etwa 2.500 Kilometer sind es von uns aus bis nach Andalusien. Unter Berücksichtigung von „nur“ zwei Wochen Zeit liegt es nahe, diesmal besser mit dem Flieger anzureisen.

Andalusien stand bestimmt schon seit fünf Jahren auf unserer Wunschliste, aber irgendwie hatte es nie geklappt. Jetzt, zum deutschen Herbstbeginn, sollte es endlich in die südspanische Region gehen.

Der Flughafen Düsseldorf sorgt derweil mit miesester Organisation und stundenlangem Schlangestehen bei der Sicherheitskontrolle für erhöhten Blutdruck. Aber nach drei Stunden Flugzeit erreichen wir Malaga: 28 Grad Celsius und strahlender Sonnenschein – so ist das fein!

Wir planen unsere Herbsttour durch Andalusien gegen den Uhrzeigersinn und sind diesmal auf vier Rädern unterwegs. Anschauen wollen wir uns möglichst die gesamte Küste, aber auch das Hinterland mit seinen historischen Städten. Nicht zwei Leihmotorräder werden uns diesmal begleiten, sondern ein Mini Cabrio. (Ja, sorry…)

Unser Tagesziel am Tag der Ankunft: Das kleine und feine Cortijo Bravo in den Hügeln von Velez-Malaga. Das ist eine sehr schöne Villa inmitten von Orangenplantagen und abseits vom Trubel direkt am Meer.

Den Abend verbringen wir unten am Strand von Torre del Mar und finden dort eine passende Strandbar in Form des „Bahía de Tanit Beach Club“.

Hier kann man den Tag über richtig gut Strand und Meer geniessen und wir merken uns den Ort. Bar und Restaurant versorgen uns jedenfalls mit allem was man zum Wohlfühlen braucht. Wetter gut, Stimmung gut, Essen lecker: Was will man mehr?!

Unser erster kompletter Tag in Andalusien. Wir wollen es langsam angehen lassen und planen die Route von Torre del Mar entlang der Küste in Richtung Osten über Torrox, Nerja, Motril bis nach Calahonda.

Vorher machen wir noch einen Abstecher in die Berge und kurven (inklusive einiger geplanter Stopps…) durch die Serpentinen am Rande der Sierras de Tejeda. Und irgendwie passt es uns hier. Carola schaut von den Hügeln auf ihr geliebtes Meer, während ich mich nicht zwischen Küste und wundervollem Bergpanorama entscheiden kann. Unglaubliche Motorradstrassen in Hülle und Fülle liegen direkt vor unserer Nase, natürlich bei bestem Wetter. Ausserdem sind wir hier, nur etwas östlich von Velez, weniger als eine Stunde vom Flughafenterminal Malaga entfernt.

Und im Gegensatz zum wuseligen Treiben direkt an der Küstenlinie ist es ein paar Meter weiter im Hinterland wunderbar ruhig und chillig, so abseits der Touristenmeilen. Dabei müssen wir auf nichts verzichten, denn selbst Einkaufsmöglichkeiten liegen nur etwa 15 Minuten entfernt.

Wir schauen uns wortlos an und sind uns recht sicher, dass es der Fleck ist, den wir immer gesucht haben. Ohne es damals schon zu wissen, finden wir hier ein neues Zuhause.

Unten, direkt am Meer ist die Küstenlinie ganz ordentlich bebaut, aber je weiter wir in Richtung Osten fahren, umso schöner wird es. Rechts liegt das Meer, links die Berge der „Sierras de Tejeda, Alimjara y Alhama“ und im Hintergrund die „Sierra Nevada“. Das ist hier der kroatischen Küste nicht ganz unähnlich, dafür aber mit mehr Wettergarantie, auch ausserhalb der Sommermonate.

Am Abend erreichen wir Calahonda. Ganz am Ende des Ortes, dort wo die Felsen eine natürliche Barriere bilden, liegt mit dem „Embarcadero de Calahonda“ ein nettes Strandhotel.

Egal ob am Nachmittag oder am Abend: Das Panorama entzückt!

Neuer Tag, neues Glück. Wir verlassen heute die Küste und begeben uns ins Landesinnere in Richtung Granada. Dort steht eigentlich der Besuch der Alhambra auf dem Pflichtprogramm, aber wir haben es in den Tagen davor nicht geschafft, Tickets für den Besuch der alten Festungsanlage zu ergattern. Die Eintrittskarten sind begrenzt und wir müssen realisieren, dass die Tickets zwei Monate im Voraus ausgebucht sind. Sehr schade.

Dann schauen wir uns die wirklich sehenswerte Anlage eben von aussen an und laufen an den hohen Mauern entlang. Einmal kommt uns ein Mann des Sicherheitsdienstes auf seiner Geländemaschine entgegen und in diesem Moment beneide ich ihn um seinen Job.

Aber auch mit gutem Zureden oder dem Versuch an den Kontrollen vorbeizuhuschen schaffen wir es nicht hinein in die Alhambra. Daher entscheiden wir uns lieber für den Besuch der nahen Sierra Nevada. Von der Alhambra sind es nur etwa 30 Minuten mit dem Auto bis an den Fuss des Pico del Veleta, immerhin 3.396 Meter hoch.

Da lohnt es sich dann wirklich, öfter mal anzuhalten und das fantastische Panorama zu geniessen. Wenigstens gibt es hier kaum Touristen und auch keine Reisebusse. Und Eintrittskarten müssen wir auch nicht Monate vorher ordern.

Bemerkenswert sind auf dem Weg nach oben die unglaublich vielen Erprobungsfahrzeuge und Erlkönige. Ich kann eine grosse Anzahl Porsche, BMW, VW und Renault erkennen, darunter mindestens sowohl den neuen Z4, als auch den neuen Renault Alpine.

BMW Erlkönig

BMW 6er Erlkönig

Erlkönig Renault Alpine

Oben am Ende der befahrbaren Strasse stehen dann viele der mit Tarnmuster beklebten Fahrzeuge herum, aber wenn man sich mit einem Teleobjektiv nähert, wirken die Fahrer immer etwas nervös.

Die Fahrt hier oben macht richtig Spass und es ist auch nicht so heiss wie unten in Granada. Immerhin ist die Sierra Nevada das höchste Gebirge der iberischen Halbinsel.

Den Abend wollen wir aber im Landesinneren verbringen, daher fahren wir nach einem kurzen Stopp wieder bergab und begeben uns auf die Autobahn in Richtung Cordoba.

Mitten in der City von Cordoba finden wir ein kleines, bezahlbares Hotel mit Tiefgarage. Einzig das durchzirkeln der schmalen Gassen mit unserem Mini und die Einfahrt in die verwinkelte Tiefgarage stellen dann eine Herausforderung dar. Ich vermute, die Stadtplaner Cordobas hatten vor über 1000 Jahren noch nicht an den motorisierten Verkehr gedacht: Schlamperei!

Plaza de las Tendillas in Cordoba

Hätten sie mal auf die Römer gehört! Die haben wenigstens eine massive Brücke gebaut, die auch heute noch ein sehenswertes Fotomotiv darstellt und in der Abendsonne strahlt. Und für den Strassenbau hatten die Römer ja sowieso Talent.

Die Römische Brücke in Cordoba

Wir sind von der Altstadt wirklich begeistert und finden dann in einer Nebenstrasse ein gutes Restaurant um den Tag ausklingen zu lassen.

Am Morgen steht das Highlight Cordobas auf unserem Programm: Der Besuch der Mesquita. Die Unseco hat das berühmte Bauwerk – ein Mix aus Moschee und christlicher Kirche – im Jahr 1994 zum Weltkulturerbe erklärt. Mit immerhin 23.000 Quadratmetern Grundfläche ein nicht gerade kleines Gebäude.

Ich hätte das Weitwinkelobjektiv für den Besuch montieren sollen, aber auch mit den vorhandenen Linsen erhält man einen guten Eindruck von der Pracht des riesigen Gebäudes.

Da uns Cordoba selbst so gut gefällt, schlendern wir noch ein wenig durch die Stadt. An einer Strassenecke verkauft ein leicht deplatziert wirkender Kerl frische Knoblauchzehen. Seine Marketingbemühungen artikuliert er recht forsch und wir albern zusammen etwas rum. Ich kann ihm immerhin klar machen, dass ich gerade keinen Bedarf für Knoblauch habe. Als Erfrischung unterwegs sind mir meine „Fishermans Friend“ lieber und ich vermute, meine mitreisende Dame bevorzugt ebenfalls eher Minze statt Knoblauchduft.

Weiter geht es nach und mitten durch Sevilla. Die Stadt alleine ist ganz bestimmt schon eine Reise wert, wir fahren aber einfach nur hindurch um am Abend wieder die Küste bei Cadiz zu erreichen. Sevilla wollen wir uns aber später nochmal ansehen, denn soviel ist uns mittlerweile schon klar: Andalusien sieht uns nicht zum letzten Mal!

Kurz vor Cadiz liegt die Hafenstadt „El Puerto de Santa Maria“, von der ein gewisser Christoph Columbus eine seiner Amerikareisen startete. Hier finden wir ein kleines und sehr schönes B&B und quartieren uns dort für zwei Nächte ein.

Wir erhalten vom Gastgeber die Empfehlung, Cadiz auf keinen Fall mit dem Auto zu erkunden, da der Verkehr dort etwas „kompliziert“ wäre. Stattdessen empfiehlt er uns die kurze Überfahrt mit der Fähre, die regelmässig und für kleines Geld zwischen Santa Maria und Cadiz verkehrt.

Die Fähre zu nehmen ist jedenfalls ein goldrichtiger Tipp und wir können uns während der Überfahrt in Ruhe die Gegend ansehen.

Bei der Einfahrt in den Hafen von Cadiz erblicke ich eines der Kreuzfahrtschiffe und grusel mich wieder vor einer Reise mit so einem fahrenden Bettenbunker für die Rentnerschaft.

Für mich die Höchststrafe: Ein Kreuzfahrtschiff!

Cadiz ist toll und ich erklimme den „Torre Tavira“, einen Turm mitten in der Altstadt, von dem man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt hat, während Carola lieber unten bleibt und das Marktgeschehen beobachtet.

Von dort aus laufen wir an die Promenade und passieren dabei einen riesigen alten Baum, der aussieht, als hätte der gute Columbus selbst unter ihm schon seine Seekarten studiert.

Nur wenige Schritte weiter liegt dann mit dem „Castillo de San Sebastian“ ein altes Fort direkt vor der Küste von Cadiz, das man über eine lange Steinbrücke erreicht.

Cadiz ist eine lebendige, schöne Hafenstadt und wirklich sehenswert.

Zurück in El Puerto de Santa Maria erspähe ich eine reisefertige GS und habe direkt den Drang mit ihr nach Marokko aufzubrechen. Für mich sieht es jedenfalls so aus, als könnte es sofort losgehen.

Da ich bei dem Wunsch, zum fünften Mal in diesem Jahr eine grössere Motorradtour zu beginnen jedoch sicher die rote Karte bekomme, halte ich mich lieber zurück.

Wir schauen uns dann noch Santa Maria an, während ich in Gedanken mit der GS schon auf die Fähre nach Afrika fahre.

Später machen wir uns noch kurz in unserem B&B „Casa de Huéspedes Santa María“ frisch und stürzen uns dann in das nächtliche und ziemliche unterhaltsame Abendprogramm der Flaniermeile von Santa Maria, wo spanische Spezialitäten in den typischen kleinen Gassen serviert werden.

Nicht minder passend dann das Frühstück am nächsten Morgen in dem kleinen, aber sehr gemütlichen Innenhof unseres B&B.

Bevor es dann heute nach Gibraltar geht, statten wir noch der berühmten örtlichen Stierkampfarena (muss man unbedingt ansehen!!) einen Besuch ab.

Es ist Montagmorgen uns wir haben die beeindruckende alte Stätte komplett für uns alleine. Es ist traumhaft: Währen die Sonne uns verwöhnt können wir uns die gesamte Anlage in Ruhe ansehen und ich kann in aller Ruhe fotografieren.

Vorsicht, komplizierter Name: Das „Real Plaza de Toros de El Puerto de Santa María“

Später, während wir noch das prunkvolle Innere des Stadions bewundern, beginnen zwei junge Nachwuchstoreros ihr Training und wir dürfen ein bisschen zusehen wie sie mit einem künstlichen Stier üben.

Eines wird schnell klar: Die beiden nehmen das Training absolut ernst und sind hochkonzentriert bei der Sache. Angesichts der späteren Konfrontation mit lebenden Exemplaren ist das vielleicht auch ganz gut so…

In den Räumen unter den Tribünen kann man sich dann mit der Geschichte der Arena und den zugegeben recht martialisch anmutenden Spiessen beschäftigen, mit denen die Stiere dort auch heute noch „bearbeitet“ werden.

Weiter geht es an die „Costa de la Luz“, westlich von Gibraltar. An der Küste bei Playa de Zahora stoppen wir am Sajorami Beach, einem eher idyllischen Strandabschnitt mit ein paar schönen und sehr gemütlichen Bars und Restaurants.

Wir erleben die Costa de la Luz deutlich gepflegter als die Costa del Sol. Vor allem stehen hier nicht so viele Bausünden wie östlich von Gibraltar. Dafür ist es etwas frischer und vor allem windiger, sehr zur Freude aller Wind-, Kite- und klassischen Surfer.

Und – obligatorisch für die spanischen Strände – die vielen schwarzen Strandverkäufer mit allem was man schon seit Jahrzehnten dort angeboten bekommt: Handtücher, Strandtücher, Sonnenbrillen, Schmuck, Schnickschnack.

Rein fahrerisch kann man aber wirklich jeden Meter geniessen, mit unserem kleinen Mini Cabrio sowieso.

Dabei steht das Abendessen auch schon am Strassenrand herum und wartet auf die Pfanne und Grill.

Ein Stückchen weiter, bei Bolonia fahren wir abermals ans Meer, vor allem auch um die alte römische Ausgrabungsstätte zu besuchen.

Das „Baelo Claudia“ hat allerdings heute schon geschlossen und wir können uns die Ruinen nur vom Zaun aus ansehen. Immerhin steht der Zaun recht nah und man erhält auch so einen Eindruck von der antiken Stätte.

Tarifa sieht dann aus wie das Kitesurfer-Paradies. Überall tanzen die Kiteschirme am Himmel und die Strände sind hier auch gar nicht überlaufen.

Von Tarifa aus – übrigens die kürzeste Entfernung nach Marokko – hat man einen tollen Blick über die Strasse von Gibraltar. Ich hätte nicht erwartet, dass man die Berge des afrikanischen Festlands so zum Greifen nah sehen kann. Es ist sogar so nah, dass man auf den Bergkuppen gegenüber die Windräder erkennen kann.

Gibraltar könne man sich eigentlich schenken, hören wir, mit dem Fahrzeug besonders. Der Grenzübertritt wäre mit erheblichen Wartezeiten verbunden und die Stadt am Fusse des Felsen nicht wirklich sehenswert.

Wir fahren trotzdem mit dem Auto bis an den Kontrollposten zwischen Spanien und der britischen Enklave, nur um die Aussagen bestätigt zu bekommen: Eine lange und sich kaum bewegende Blechschlange quält sich Meter um Meter in Richtung Grenzabfertigung.

Da wollen wir uns nicht einreihen, aber ich fasse den Entschluss, mir das mit dem Motorrad irgendwann nochmal genauer anzusehen. Alleine der zusätzliche Länderaufkleber „GBZ“ würde mich schon locken.

Am Nachmittag haben wir uns dann das „Mesón de Sancho“ bei El Bujeo zwischen Tarifa und Gibraltar als Stopover ausgesucht. Das liegt zwar direkt an der Landstrasse N-340, hat aber trotzdem auf der Rückseite einen schönen ruhigen Garten mit Pool. Hier geniessen wir auf unseren Poolliegen die letzten Sonnenstrahlen des Tages und bereiten uns auf die letzten Etappen bis zurück nach Malaga vor.

Auf dem Weg passieren wir noch Marbella, eine Stadt die ja eher für Prunk, Protz und Luxus steht. Aber ansehen wollen wir uns das Treiben natürlich schon aus reiner Neugier.

Was uns zunächst auffällt ist die kilometerlange Bebauung, wiederum recht typisch für die Costa del Sol. Aber Marbella hätten wir irgendwie edler, gepflegter, schöner erwartet.

Klar, es gibt ein paar ganz nette Strandlokale, dort jedoch ebenso versnobte Gäste wie Kellner. Aber so toll wie die Schickimicki-Gesellschaft Marbella darstellt, ist es nicht.

Vor der Luxusyacht steht zwar schon mal ein abgedeckter Lamborghini herum und wir sehen jede Menge Porsche und auch Ferrari. Aber ganz ehrlich: Hier würde ich nicht mal wohnen wollen wenn es zum Preis einer Jugendherberge möglich wäre.

Marbella gefällt uns einfach überhaupt nicht und wir verstehen den ganzen Hype um diesen Ort ebenso wenig. Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir im Vergleich zu den Mitgliedern der Bussi-Bussi- Gesellschaft schlichtweg zu arm sind. Und hier, in diesem Moment, sind wir darüber unglaublich glücklich…

Da wir in der Umgebung noch ein paar Fixpunkte unserer Rundreise auf dem Programm haben, fahren wir wieder ein Stück zurück, nördlich von Torreguadiaro.

Dort ist das „Milla de Plata“ im Norden von Torreguardiaro unsere Heimat für die nächsten Tage: Ein richtig schönes Haus an einem etwas steileren Küstenabschnitt, dafür mit einem phänomenalen Blick auf den Fels von Gibraltar, privatem Strandzugang und Abendessen mit Blick auf das Meer.

Hier ist es ruhig, gepflegt und wir erspähen von unserem Balkon auch direkt zwei Liegen die schon nach uns rufen. Was für ein Kontrast zum fürchterlichen Marbella, welches nur etwa 50 Kilometer östlich liegt, viermal so teuer ist, aber dafür nicht halb so schön.

Die Aussicht hier ist uns jedenfalls deutlich lieber als der weisse Beton in der in Wirklichkeit gar nicht so sauberen Küstenstadt.

Vor allem geht es hier viel gepflegter zu und sowohl Einheimische als auch Gäste machen einen gänzlich entspannten Eindruck. Das aufregendste Ereignis hier ist noch die angelnde Männergruppe auf ihrem Schlauchboot, die sich genüsslich eine Dose Bier aufmachen. Wunderbar!

Wir chillen noch ein bischen rum und ich nutze die Abendsonne zum fotografieren.

Mit den letzten Sonnenstrahlen prüfen wir noch das Weinangebot unserer Hotelterrasse, essen Tapas und lassen die Seele baumeln. Mehr braucht wirklich kein Mensch!

Und nachdem wir den Sonnenuntergang von unserem Balkon geniessen können…

…weckt uns der frühe Morgen mit unglaublich ruhiger See…

… und einer grandiosen Aussicht auf den berühmten Felsen von Gibraltar:

Der Blick vom Balkon, im Hintergrund der Felsen von Gibraltar

Heute machen wir noch einen Abstecher in den Hafen von Torreguadiaro der aussieht, als hätte man Marbella hier nochmal bauen wollen, nun aber richtig. Leider hat das die Menschheit noch nicht mitbekommen und wir erspähen gefühlte 28 Immobilienbüros, die Appartements ab 1.2 Millionen Euro im Angebot haben. Wir überlegen kurz zuzuschlagen, entscheiden uns dann aber doch gegen die Privatinsolvenz und für die Weiterfahrt ins Landesinnere. Dort lockt uns heute „Ronda“ – eines der „weissen Dörfer“.

Alleine schon der Weg nach Ronda ist eine Schau, was offenbar auch die heimischen Motorradfans so sehen. Wir fahren jedenfalls die A-377 vorbei an Casares, die dann bei Gaucin auf die noch tollere A-369 bis nach Ronda führt.

Ronda ist eine uralte, wunderschöne Stadt auf zwei steil emporragenden Felsen, zwar sehr touristisch, aber dadurch nicht weniger sehenswert.

Auf jeden Fall bietet der Ort wunderbare alte Gebäude, die spektakuläre Brücke „El Puente Nuevo“ und unglaubliche Ausblicke in das spanische Hinterland.

Die „Puente Nuevo“ in Ronda

Hier, wie in wohl jedem touristisch erschlossenen Ort, empfiehlt es sich ein paar Schritte von den direkt an den Hot-Spots gelegenen Shops und Restaurants wegzugehen. Da bieten die Nebenstrassen und kleinen Gassen meistens viel mehr für viel weniger.

Und da Ronda auch als Mekka der Lederwaren gilt, ist Carola gleich hellauf begeistert.

Frau im (Taschen-)Himmel

Bei der Rückfahrt entscheiden wir uns für die A-366 in Richtung der Sierra de las Nieves – ein Volltreffer. Die Route kommt sofort in meine persönliche „Hall of Fame“ von Traumstrassen Europas!

Die Sierra de las Nieves ist ein Gebirgszug nahezu ohne Verkehr, mit richtig guten, kurvigen Strassen und klasse Ausblicken. Da fällt es einem fast schwer, auf die Strasse zu achten und bis „El Burgo“ muss ich immer wieder anhalten und Fotos machen.

Dringender Tipp: Unbedingt nachfahren!

Auf jeder Reise gibt es auch mal Schwierigkeiten, eine passende Übernachtung zu finden. Uns erwischt es diesmal kurz vor Malaga. Wir wollen die letzten Abende vor den Toren der Provinzhauptstadt verbringen und benötigen viel Zeit, um ein passendes Hotel zu finden. Hauptgrund dürfte „Meerblick“ als k.o.-Kriterium sein und wir begehen den fatalen Fehler, uns im „Playa Miguel Beach Club“ in Torremolinos einzuquartieren.

Was zunächst wie ein gescheites Hotel am Strand aussieht, entpuppt sich im Verlauf des Abends als Herberge inmitten des „Ballermann“ der Costa del Sol! Und zwar inklusive der Bedienung von absolut jedem Klischee!

Denn sobald die Dämmerung einsetzt, verwandelt sich die Strandpromenade in eine brüllende Karnevalsmeile bestehend aus 60% betrunkenen und 30% gröhlenden Niederländern, 20% betrunken gröhlenden Niederländern, 10% sonnenverbrannter Briten und zwei Deutschen, die im Schock dieser Touristenhölle sogar das Prozentrechnen verlernt haben.

Einziger Ausweg: Unterschichtenassimilation! Wir laufen die Sündenmeile mit der Kamera ab um wenigstens die Beweise zu sichern und irgendwie ist es später am Abend sogar ganz unterhaltsam, die Pauschaltouristen vor ihren Tischen voller Bier und Pommes sitzen zu sehen, während aus der nächsten Kneipe unter ohrnbetäubendem Lärm und Gegröhle holländische Volkslieder schallen.

Naja, wir überleben den Abend ohne in einer Tattoo-Bude zu landen oder uns nach 17 Caipirinha an den Strand zu übergeben und schauen uns am nächsten Tag dann Malaga an.

Die Kurzversion: Wer nicht gerade zum Shoppen in die 500.000 Einwohner-Stadt muss, braucht da auch nicht zwingend hin und es gibt in Andalusien schönere Orte, mit Marbella und vor allem Torremolinos allerdings auch definitiv schlechtere.

Beim Passieren des Bahnhofs kommen dann nochmal Erinnerungen an Süditalien hoch:

Könnte auch Süditalien sein, ist aber der Bahnhof in Malaga

Nein Stopp: Der Eindruck täuscht jetzt! Malaga schafft es dann schon noch, uns die Vorzüge der Provinzhauptstadt zu präsentieren.

Insgesamt geht Malaga völlig in Ordnung. Wer mal ruhig und gepflegt bummeln möchte, sollte sich die „Calle Marques de Larios“ einprägen. Das ist die Shoppingmeile im Stadtzentrum und wirklich nett. Für Städtereisen mit etwas Kulturprogramm würden wir aber Granada, Cordoba, Sevilla und auch Cadiz eher empfehlen.

Den leider schon letzten Abend geniessen wir in einem schönen und vorrangig von Spaniern besuchten Strandrestaurant, das am Nachmittag schon mal den Grill anheizt um später frisch gegrillten Fisch zu servieren.

So kann man es aushalten. Was uns an Andalusien richtig gut gefällt ist die Vielfalt in Sachen Landschaft, Natur, Meer und Kultur. Dazu dann die verbreitete Ruhe und natürlich das Klima.

Am nächsten Morgen geht dann unser Flieger nach Düsseldorf und damit zurück in das herbstliche und nasskalte Deutschland. Brrr.

Den Abschnitt von Marbella bis westlich von Malaga kann man sich schenken, aber in den Rest von Andalusien haben wir uns verliebt.

Fazit:

Andalusien ist wunderschön und so richtig nach unserem Geschmack. Das Klima ist fantastisch und es gibt unglaublich viel zu entdecken, von verträumten kleinen Orten über die tollen Sierras, dem leckeren Essen mit Tapas bis hin zu den Stränden und alter Kultur. Zudem liegt der afrikanische Kontinent direkt vor der Tür und Malaga erreicht man auch recht gut in drei Stunden mit dem Flieger.

Dieser Landstrich hat uns richtig gut gefallen. So gut, dass wir uns vorstellen könnten, es hier auch länger auszuhalten. War früher Süditalien unser langfristiges Ziel, steht nach unseren gemischten Erfahrungen auf Sizilien in diesem Jahr nun Andalusien ganz oben auf der Liste. Vor allem, weil man auch ausserhalb der deutschen Sommermonate hier noch prima Motorrad fahren kann.

 

Gefahrene Strecke: 1.524 km

Reisezeit: Zehn Tage Ende September 2017

Kosten: 2.152 EUR für 2 Personen komplett inkl. Flügen, Mietwagen (Sixt Cabrio), Hotels, Essen, Trinken, usw.

Schönste Orte: Cordoba, Cadiz, Ronda

Schöne Ecken: Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama, Sierra Nevada, Sierras de las Nieves, Strand bei Bolonia

Schlimmster Ort: Torremolinos, dicht gefolgt von Marbella!

Wahrscheinlichkeit, einen Englisch sprechenden Spanier zu finden: 1:1.000.000

Unsere Route (Klick für grösser)

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