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Technik-Gedanken

Bei Technik spricht man häufig von der „usability“, womit grob umschrieben werden soll, wie gut ein Produkt bedienbar ist.

Und auf Reisen schleppen wir ja auch so manches Technikteil mit, bei dem ich mir hin und wieder denke: „Was hat der Typ geraucht der das entwickelt hat?“. Nun gut, von Microsoft-Produkten sind wir Kummer gewohnt, aber wieso müssen eigentlich auch viele Geräte so unglaublich schlecht zu bedienen sein?

Nehmen wir als Beispiel die GoPro-Kamera: Ich möchte die dazu nutzen, Fahrszenen auf dem Motorrad (von mir aus auch auf Ski am Skihelm) aufzunehmen. Das wärs. Wieso zum Himmel kommt jemand auf die verrückte Idee, dieses Ding auch noch für Fotoaufnahmen auszustatten? Wenn ich Fotos mache, dann mit meinem iPhone (weils dabei ist) oder mit meiner RX100-Digicam (weil die das echt gut kann). Ich habe noch niemanden getroffen, der den blödsinnigen Einfall hatte, eine GoPro für Fotografie zu nutzen.

Wenn nun aber unser Entwickler auch noch das Foto-Gimmick in der Cam unterbringen muss, dann wird das mit der Bedienung echt schwer. Der Ingenieur muss dann nämlich das Bedienmenü entsprechend erweitern. Das Ergebnis ist dann ein Knopf oben, ein Knopf vorne (und ich kann mir nie merken, welcher wofür ist…) Dann haben wir noch ein Menü, bedienbar über Knopf vo…, oder wars hinten? Weiss gerade nicht… Im Menü sind Untermenüs, für z.B. Einzelbild-Zeitraffer? Wenn ich jetzt nur wüsste, wozu zum Teufel ich das jemals einstellen sollte? Voll witzig: Schau dir doch nur mal den Menüplan in dem Bildausschnitt oben an 🙂

Noch ein Beispiel gefällig? Videomenü! Der aktuellste Winzling kann nämlich 1080p60, 720p120, 960p100, das alles in Zeitlupe und mit 4K und 2,7K. Sag mal, gehts noch? Ich möchte einfach ein sch… Video aufnehmen und bin nicht Steven Spielberg! Wie der Hersteller den Videomodus nennt ist mir doch sowas von egal.

Nicht, dass ich völlig unfähig wäre. Ich habe eine technische Berufsausbildung, Elektrotechnik studiert, über 20 Jahre IT-Erfahrung und noch ein Betriebswirtschaftsstudium nachgelegt. Wenn ich will, lese ich mich da schon ein, nur ich will nicht! Mir gehen diese Ein-Knopf-Langdrück-Dreifachtipp-Schnickschnackbedienungen unglaublich auf den Keks. Alternativ via iPhone-App, viel einfacher, musst du nur: App laden, WLAN einschalten, mit korrekter SSID verbinden, Passwort eingeben, App starten, in Menü in Videomodus gehen, auf Bildschirm roten Knopf suchen, Aufnahme starten und als Krönung mit gefühlten zehn Sekunden Bildverzögerung die GoPro auf dem iPhone-Display positionieren. Respekt!

Ach – ich hab noch einen: Irgendwann gefielen Carola die vier Fernbedienungen auf dem Tisch nicht mehr (und sie hatte Recht!). Kein Problem dachte ich und kaufte die teuerste Logitech-Harmony-All-In-One-Fernbedienung die ich finden konnte. Fazit: Oh! Mein! Gott! Was für ein Schrottprodukt. Wenn es einen Sonderpreis für die größte Differenz zwischen Versprechen und Erfüllungsgrad bei Produkten geben würde: Logitech wäre unangefochtener Sieger. Ich habe das Ding irgendwann komplett entnervt in den Müll geschmissen. Ehrlich.

Meine Idee:
Knopf drücken: Videoaufnahme an, Knopf nochmal drücken: Videoaufnahme aus. Boah, das wär echt cool, wenns sowas geben würde. Ich stelle mir gerade vor, ich würde dann einfach so einen Film aufnehmen. Ach…

Genug gelästert. Gut, dass ich zur Entspannung Motorrad fahren kann. Dazu muss ich an meiner GS Adventure nur: Zündung an, ESA-Fahrwerkseinstellung an der linken Multifunktions-Lenkereinheit lange drücken, Modus im Zentraldisplay auf Solobetrieb… och nöö…

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