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Sauerland Roadbook

Für die kleineren Touren oder das verlängerte Wochenende sucht man sich am besten eine schöne Region in der Nähe. Alles was innerhalb von zwei Stunden erreichbar ist, müsste die Bedingungen für einen Kurztrip erfüllen.

Für uns sind dies Gegenden wie Eifel, Teutoburger Wald, Weserbergland und Sauerland. Letzteres kenne ich eigentlich nur aus meiner Jugend, denn dort habe ich im Alter von 9 Jahren das Skifahren begonnen.

Heute stand daher die neuerliche Naherkundung mit dem Motorrad auf dem Programm. Im Internet findet Google bei den Suchbegriffen „Sauerland“ und „Motorrad“ dann den Eintrag: Road-Book

Dahinter verbergen sich 10 abwechslungsreiche Touren durch das deutsche Mittelgebirge. Und zwar mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten und Streckenlängen. Diese Touren gibt es auch als Ringbuch für 6,90 EUR bei Amazon. Da liegt es doch nah, das einmal auszuprobieren.

Wir starten am Vatertag um 10 Uhr, fahren etwa eineinhalb Stunden bis zur Möhnetalsprerre und suchen uns für den ersten Tag Tour Nummer 3 aus (Drei-Seen-Tour, 115 km).

Am Abend campen wir in der Nähe von Warstein bei Camping Wiggeshoff. Der Platz liegt sehr schön und bietet einwandfreie Anlagen zu sehr ansprechenden Preisen. In der Nacht ist aber schon noch recht kalt (Ehrlich gesagt: saukalt!)

Wiggeshoff Camping

Tour Nummer 9 steht für den nächsten Tag auf unserem Programm (Nord-Süd-Tour, 209 km). Da wir am Platz kein Frühstück hatten (Kein Supermarkt, kein Restaurant) halten wir unterwegs am Gasthof Happe in Harth. Wir sind für ein Frühstück spät, sicher erst so gegen halb Elf, aber mein vorsichtiger Frühstückswunsch wird von der netten Wirtin umgehend erfüllt. Hier reagiert man jedenfalls erfreulich unkompliziert auf einen Gästewunsch. Ratzfatz stehen Kaffee und Brötchen vor uns auf dem Tisch, verbunden mit der Einladung zum Motorradgottesdienst, Ausfahrt und anschließendem Grillen am nächsten Tag. Leider sieht unser Plan anders aus, aber Gasthof Happe bekommt eine glasklare Empfehlung!

Wir passieren den Diemel-Stausee. Überhaupt gibt es im Sauerland reichlich Stauseen. Viele davon wurden gebaut um den Wasserstand von wichtigen Flüssen zu regulieren. So zum Beispiel den der Ruhr oder – im Falle des Diemelstausees – den Wasserstand der Weser.

1332

Der Blick von der Staumauer hat schon seinen Reiz. Direkt unterhalb steht das alte Technikhaus und man kann die Wasserführung bewundern.

Staumauer

Auf dem weiteren Weg sehen wir bei Usseln in der Nähe von Willingen das Jahrestreffen der klassischen VW-Bullis. Da machen wir natürlich Halt und schießen ein paar Fotos der liebevoll hergerichteten Oldtimer.

VW Bullis

Etwas unterhalb dieser Lokalität (Curioseum Willingen) liegt dann auch etwas für mich, wobei ich die Maschine lieber in der Luft sehen würde:

Piste verfehlt?

Später landen wir in Winterberg, der niederländischen Enklave mitten im Sauerland. Im Winter fahren die Holländer hier Ski und im Sommer eben Motorrad. Direkt unterhalb des Kahlen Asten finde ich sogar den Hang wieder, an dem ich in meiner Jugend die ersten Meter auf Ski gefahren bin:

Altastenberg

Am Abend campen wir abseits der Route am Hennesee auf dem vom ADAC empfohlenen Platz „Knaus Campingpark Hennesee“. Wir haben den Platz gewählt um den Abend mit Restaurant und Infrastruktur zu erleben. Der ehemals prämierte Platz hat gerade einen Besitzerwechsel erfahren und der Checkin verläuft – ähm – sagen wir mal irgendwie „improvisiert“.

Die Kurzversion: Restaurant geschlossen, WLAN kostet extra, Supermarkt bietet neben einem Einweggrill noch Anzünder und eine Tube Sonnencreme, Mobilfunkempfang tendiert gegen Null, Unterhaltung Fehlanzeige.

Wir fahren nach dem Zeltaufbau daher ins zehn Kilometer entfernte Meschede und decken uns im dortigen Supermarkt ein. Ich erspare mir weitere Kommentare zum Platz, immerhin ergattert Rolf am nächsten Morgen aber noch heißen Kaffee…

Knaus Camping Hennesee

Der letzte Tag führt uns über Tour Nummer 10 (Westroute, 198 km)

Es geht den ganzen Tag bergauf und bergab und die eine oder andere Umleitung beschert uns eine „alternative Streckenführung“, aber das ist immer erfrischend und landschaftlich einzigartig.

Dabei gibt es sogar den einen oder anderen Schotterweg. Landschaftlich ist das Sauerland schon eine Wucht, straßentechnisch sowieso.

Sauerland

Jetzt aber noch ein Wort zum Roadbook, welches vom Verein Sauerland-Tourismus herausgegeben wurde. Auf insgesamt 77 motorradfreundlichen, laminierten Seiten, etwas größer als Format A5, finden sich 10 fertig ausgearbeitete Motorradtouren mit verschiedenen Themen bzw. Schwerpunkten und Streckenlängen. Die Touren sind jeweils als markierte Karte und als „Roadbook“ in Form von Routentext beschrieben.

Den Routentext kann man im Prinzip knicken, es sei denn, man fährt im PKW mit Beifahrer. Und selbst der dürfte an den Fahranweisungen verzweifeln. Lesbar ist der Text als Motorradfahrer jedenfalls nicht.

Die jeweilge Karte zur Tour taugt aber durchaus als Orientierung. Was (nach meiner Praxiserfahrung) auf den Karten fehlt, sind Maßstab bzw. ein Vergleichsmaßstab der Entfernung und die Straßennummern, von denen viel zu wenige angegeben sind. Dabei wäre noch reichlich Platz gewesen.

Es gibt jedoch 90 Empfehlungen zur Gastronomie und Übernachtung, speziell auf Bedürfnisse von Motorradfahrern abgestimmt. Zusammen mit den wirklich sehr guten und wunderschönen Streckenführungen sind die schmalen 6,90 EUR eine absolut lohnenswerte Investition! Man kann sich die Einzelrouten zwar auch selbst herunterladen, aber die gedruckte Variante ist qualitativ einfach besser lesbar.

Zum Ende des Tages passieren wir noch die Ortschaft „Faulebutter“ und steigen dann nördlich des Hönnetals aus der Tour aus und treten den recht kurzen Heimweg an.

Hauptgrund der Tour war die Erprobung von neuer Ausrüstung, zu der eben auch einiges an Campingzeugs gehörte, aber dazu später mehr an anderer Stelle.

Ansonsten hätte es keinen Grund gegeben, die jetzt noch recht kalten Mainächte im Zelt zu verbringen. Aus finanzieller Sicht schon gleich gar nicht. Unterwegs haben wir beispielsweise an einem schönen Gasthof Rast gemacht, der Zimmer für 31,50 inkl. Frühstück angeboten hat.

Fazit Sauerland:

Es sind nicht die Alpen, aber hier liegt ein tolles Mittelgebirge direkt vor der Haustür, welches jede Menge tadelloser Touren bietet. Holt euch das Sauerland Road Book und fahrt da hin!

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