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Kartenkunde: Von Flops, Tops und Tipps

Es gibt ja die Verfechter der Navis und Bewahrer der guten alten Kartenkunde, also den Dingern auf richtigem Papier. Ich halte das Navi für unglaublich praktisch – solange man nicht eine Übersicht der Route haben möchte. Da plane ich sehr gerne mit Google Maps und vor allem dem Motoplaner, aber am Ende des Tages liegt Papier vor mir.

Auf Reisen  – vor allem auf denen mit Motorrad – ist das mitführen des kompletten heimischen IT-Equipments nicht angemessen. Da liebe ich dann die guten alten Papierkarten, von denen auch eine Menge bei mir im Schrank stehen.

Leider ist es auch im Jahr 2017 nicht so ganz einfach, die richtige Karte zu finden. Meist scheitert es an Kleinigkeiten, häufig an groben Schnitzern der Kartenhersteller und oft auch einfach an fehlenden Informationen.

Ich stelle hier mal meine Plus- und Minuspunkte dar – vielleicht liest ja mal jemand von denen mit?!

Generelles

Karten versuche ich immer mit einem Massstab bis maximal 1:200.000 zu bekommen. Alles darüber – z.B. 1:500.000 oder noch größer – ist für Individualreisen Unsinn, da kann ich mir auch gleich einen Screenshot von Google-Maps erstellen. (Und den Ausdruck halte ich immer für unbrauchbar)

Dann gibt es natürlich ganz tolle Ringbuchkarten, zumindest in der Theorie. Leider ist ein solcher Monsteratlas im DIN A4-Format mit Spiralbindung, 185 Seiten und 1,5 kg für das Motorrad reichlich ungeeignet.

Eine erwähnenswerte Ausnahme stellt da noch der Marco Polo Ordner „Motorradkarten Alpen“ als Ringbuch mit Karten in 1:300.000 zum Herausnehmen dar. Das Ding ist echt top!

Ich bin mir mittlerweile zudem recht sicher, dass die Kartenabieter ihre eigenen Webseiten mit Absicht unbrauchbar gestalten. Ganz wichtig ist denen nie, aber auch niemals, eine Übersicht der Kartenabdeckung zu liefern! Ansonsten könnte der Kunde ja einfach in einer solchen Übersicht die benötigten Regionen zusammenklicken.

Ein schönes Beispiel ist hierfür Kroatien – wegen der besonderen Geografie könnte man von einer Teilabdeckung inklusive Bosnien ausgehen. Klickt man aber auf der Webseite von Marco Polo auf die Detailinfos zu den vorhandenen Kroatien-Karten erhält man lediglich das Deckblatt in grosser Darstellung – was für ein Unfug. Freytag & Berndt machen das nicht besser, geben aber immerhin das Produktgewicht und die (gefalteten) Abmessungen an.

Meistens bestelle ich daher gleich bei Amazon…

Marco Polo Papierkarten

Marco Polo ist mein Favorit, vor allem wegen der tollen grafischen Darstellung, Farbwahl und der Markierung landschaftlich schöner Routen. Leider sind die Marco Polo Karten nur für die „gängigen“ Regionen in meinem Wunschmassstab verfügbar.

Wer z.B. in den Kosovo will findet nur eine Kombikarte im Massstab 1:800.000 – was soll man damit nur anfangen? (Und wer sich jetzt fragt was man im Kosovo soll, bucht vielleicht besser das Rentner-Komplettpaket auf der Aida oder TUI-All-In auf Malle)

Freytag & Berndt Papierkarten

Freytag & Berndt ist meine Nummer zwei hinter Marco Polo, farblich nicht ganz so schön. Dafür gibt es von Freytag & Berndt Regionen die Marco Polo nicht abdeckt. Zudem findet man dort auch viele Spezialkarten für Outdoor, Nautik und Luftfahrt (VFR-Alternativen zu den DFS-ICAO!)

World Mapping Project (Reise Know-How) Papierkarte

Die Produkte von Reise Know-How sind ja schon etwas spezieller. Der Vorteil ist hier die Kartenverfügbarkeit für Regionen die völlig abseits der „normalen“ Touristenrouten liegen. Dafür ist die Darstellung scheis.. mindestens gewöhnungsbedürftig. Für unsere Kaliningrad-Tour hatte ich mir Karten aus deren World Mapping Project geordert. Die waren zumindest besser als nichts. Ich würde die aber nur dann wieder kaufen wenn es gar nichts anderes gibt.

Google Maps

Kennt ja wohl jeder und ist meiner Meinung nach unverzichtbar für die Übersicht bei der Planung am heimischen Arbeitsplatz. Hier schaue ich mir die groben Strukturen an und zoome fix in die Details wenn ich mehr Informationen haben möchte. Ein Klick schaltet auf die Satellitenansicht um und häufig kann ich mir mit Streetview sogar schon einen Eindruck von der Umgebung vor Ort machen. Unterwegs wegen der oft nicht vorhandenen Mobilfunkabdeckung leider nicht so brauchbar. Oder anders gesagt: Da wo ich es brauche, funktioniert es meistens nicht oder scheitert an der mangelnden Datenverbindung.

Motoplaner

Auf Basis der Google-Daten gilt sowieso das Gleiche wie für Google Maps. Der Motoplaner kann aber im Gegensatz zum Tool des Suchmaschinengiganten eine Route mit mehr als zehn Wegpunkten erstellen und verwalten. Das gesamte Handling des Motoplaners ist zudem viel durchdachter. Leider ist auch der Motoplaner für den Einsatz vor Ort „in der Pampa“ ungeeignet. Er reduziert sich aus praktischen Gesichtspunkten auf ein Werkzeug am heimischen Schreibtisch, ist dafür aber herausragend umgesetzt!

Navi

Ich möchte heute nicht mehr darauf verzichten, vor allem weil ich keine Lust habe, alle paar Meter anzuhalten und auf einer Karte nachzusehen. Da bringt mir das Navi mit einer gescheiten Vorplanung einfach mehr Fahrfreude. Dafür ist es für die Routenplanung völlig unbrauchbar. Wer nicht gerade ein hypermodernes Grossbildsystem besitzt und nur in Mitteleuropa unterwegs ist weiss das. Mit meinen geliebten OpenStreetMaps aus dem Internet ist das gute alte Garmin 60Csx genau so toll wie der etwas grössere BMW Navigator IV.

Fazit

Die ideale Kombination ist die Vorplanung daheim mit Google Maps und dem Motoplaner. Ich exportiere mir die Route dann aus dem Motoplaner auf mein Navi, lasse mir von der Elektronik den Weg routen und schaue mir am Abend auf einer Papierkarte die Routen für den nächste Etappen an. Vor allem brauche ich dazu weder Strom noch WLAN noch G3-Mobilfunk.

Für die Motorradreise:

Kombikarten mit Spiralbindung und 1,5 kg: Finger weg!

Karten mit 1:500.000, 1:800.000 etc.: Finger weg!

Reise Know-How Karten: Nur unter Zwang…

Marco Polo Karten 1:200.000: Kaufen!

Freytag & Berndt 1:200:000: Kaufen!

 

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6 Kommentare

  1. Juergen 01/02/2017

    Hi,
    zum Thema „Navi“ bzw. Handy kann ich „maps.me“ empfehlen. Gibts für Android in iOS, arbeitet mit OSM (Open Street Maps) sowohl „ON“ als auch „OFF-Line“ Einfach die passende Karte runterladen und nutzen .. und das ganze kostenfrei.
    Ist auf jedem Fll mal einen Blick wert.

  2. ebee 02/02/2017 — Autor der Seiten

    Hi Jürgen, da hast Du völlig recht! Maps.me nutze ich sogar schon länger selbst auf meinem iPad Mini. Aber das iPad möchte ich ungern am Motorrad befestigen. Und dann fehlen mir immer noch meine geliebten Papierversionen. Aber gerade als Offline-Alternative ist Maps.me ein herausragendes Produkt. Insofern: Danke für den Hinweis!

  3. Ritsch 11/07/2017

    Hallo Elmar,
    nette Seite hast da. (ich bin über das GS- Forum (Nickname = yello) hier her gelangt).
    Alles zum Thema Karten und Navi gut wieder gegeben. Deckt sich weitgehend mit meinen Gewohnheiten. Auch ich würde bei einer größeren Tour niemals ohne Karte dort hin fahren. a) wegen der Übersicht der zu planenden Touren. b) hab ich die Karte immer auf dem Tankrucksack…..kommt doch bei einer Pause immer wieder die Frage von den Hinterherfahrenden (und mich interessiert es auch): „…wo befinden wir ins denn gerade?“ und c) was ist wenn das Navi mal seinen Geist aufgibt? Inzwischen hab ich eine ganze Kiste voller Karten :-).
    Ich hab immer im Tankrucksack eine Rolle Tesa mit. Damit kann man Abends dann die gerissenen Knickstellen der Karten sehr gut wieder zu kleben…und das hält dann besser als vorher 😉

    Ach ja: Kennst Du kurviger.de ? auch ein ganz netter Routenplaner. Hat ein paar nette Spielereien ….z.B. Rundkurs mit Distanzauswahl und Himmelsrichtungsangabe. Hab ich noch nicht groß getestet, kommt aber noch. Ein Kollege hat schon etwas probiert im heimischen Gefilden… der war erstaunt welche Straßen er noch nie gefahren war.

    Also dann….
    weiter so
    Gruß Ritsch

  4. ebee 11/07/2017 — Autor der Seiten

    Hi Ritsch,
    super! Dann bin ich wenigstens nicht der Einzige mit dem klassichen Kartenfimmel. Wobei ich jetzt gerade aus Albanien zurück bin und z.B. mit der von Reise Know-How (World Mapping Project) 1:385.000 super klar kam. Dagegen war meine Freytag&Berndt Albanien 1:150.00 viel zu gross und ungeeignet.

    kurviger.de kannte ich noch nicht, danke für den Tipp!

    Gruss – Elmar

  5. Anonymous 11/07/2017

    …Albanien!!… steht noch auf meiner „to do-Liste“
    Hast Du Dir extra einen internationalen Führerschein zugelegt?
    Manche meinen “ braucht’s nicht“, Andere sagen “ doch unbedingt“ … wirklich wissen wird es nur der, der mal von der Obrigkeit überprüft wurde, und nur den normalen deutschen Führerschein hatte. :-/

  6. ebee 11/07/2017 — Autor der Seiten

    Hi, ich habe nur einen alten, abgelaufenen internationalen Führerschein und mir für die Albanien-Tour auch keinen neuen zugelegt. Und ich kann dir sagen, du brauchst ihn da unten auch nicht. Kontrolliert wurde ich auf besonders ausführlich Weise (möchte jetzt aber noch nicht zu viel erzählen) und kann daher wohl aus eigener Erfahrung und mit Recht behaupten: Brauchst du in Albanien und Montenegro nicht!

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